In der Verbindung von brennendem Haus und bedrohlichem Meer, den
beiden Übeln, unter denen Elvire "schon (...) das kleinere"
wählen will, verbirgt sich eine Lieblingskonfiguration Kleists:
die der Elemente Feuer und Wasser. Bereits ein knapper Blick auf
die Prosa bestätigt einen Befund, den eine ausführlichere
Studie zweifellos auf weite Teile des Gesamtwerks ausdehnen könnte.
Im 'Michael Kohlhaas' wirft Herse einen Schwefelfaden, den er
bei sich trägt, "um das Raubnest (...) in Brand
zu stecken", in das Elbwasser (17). Auf dem Klosterhof
in Erlabrunn verlöscht ein "furchtbar plötzlicher
Regenguß" die Fackeln (35), und das
Glück der Einwohner von Leipzig will, daß das von Kohlhaas
gelegte "Feuer, wegen eines anhaltenden Regens
der vom Himmel fiel, nicht um sich" greift (41). Das Antlitz
der Marquise von O... lodert, während sie Vater,
Mutter und Bruder mit Weihwasser besprengt (141); der
Graf F... hingegen klettert, "den Schlauch in der Hand, mitten
unter brennenden Giebeln umher" und regiert den
Wasserstrahl (1O6). In der Hitze des Wundfiebers
hat der Graf die Vorstellung der Marquise mit der eines Schwanes
verwechselt, den er als Knabe einst mit Kot beworfen hat, "worauf
dieser still untergetaucht, und rein aus der Flut wieder
emporgekommen" ist (116). Und in ein Oxymoron gezwängt
werden Feuer und Wasser in der Bemerkung des Grafen, daß
die Marquise als Schwan immer auf "feurigen Fluten"
umhergeschwommen sei. Die beiden Elemente gefährden den aus
der Stadt fliehenden Jeronimo im 'Erdbeben in Chili': "(...)
hier leckte die Flamme schon (...) aus allen Giebeln
(...); hier wälzte sich (...) der Mapochofluß
auf ihn heran (...)" (146). An die Stelle, wo sich das väterliche
Haus Josephes befunden hat, ist ein See getreten, der
rötliche Dämpfe auskocht (149). - Auch in den
Beiträgen zu den 'Berliner Abendblättern' ist die Konstellation
von Feuer und Wasser häufiger zu finden. Der 'Allerneueste
Erziehungsplan' stellt einen Feuerwerker vor, der von einem portugiesischen
Kapitän auf dem "Mittelländischen Meer" den
Befehl erhält, das Schiff in die Luft zu sprengen. Bevor
es dazu kommt, reißt der Kapitän allerdings dem Feuerwerker
die brennende Lunte aus der Hand, tritt sie mit Füßen
aus und wirft sie ins Meer (II, 331). Jemand, der ein Verfahren
entwickelt hat, Wäsche durch Dämpfe zu reinigen ("Die
Wäsche wird nicht gebeucht, gerieben, gespült, sondern
bloß über die kochende Beuche gelegt (...)"),
wird allemal Kleists Interesse wecken, zumal wenn er schon als
Erfinder von Sparöfen hervorgetreten ist (II, 433).
Namentlich die Auswahl der bearbeiteten Anekdoten zeigt, daß
Kleist stets geneigt ist, dem 'Beispiel einer unerhörten
Mordbrennerei' (II, 285) oder 'Wassermännern und Sirenen'
(II, 287) besondere Beachtung zu schenken (schon in einem Brief
aus Paris an Wilhelmine von Zenge (15. August 18O1) macht Kleist,
des Französischen für solche Spiele bekanntermaßen
genügend mächtig, aus der rue des Noyers (siehe Sembdners
Kommentar zur Stelle, S. 975) eine "rue Noyer": aus
der Straße der Nußbäume eine des Ertränkens
oder Ersäufens). In dem 'Beitrag zur Naturgeschichte des
Menschen' kompiliert er zwei Artikel aus dem 'Museum des Wundervollen'
(siehe Sembdner S. 918), so daß die Berichte über Karoline
Kopini und Madame Chartret sich zu zwei sonderbaren entgegengesetzten
menschlichen Naturphänomenen verknüpfen: die eine
Dame ist eine "sogenannte Unverbrennliche", die andere
eine "ungeheure Wassertrinkerin" (II, 286).
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