So stellt auch Staiger in einer Nacherzählung des Anfangs
des Kleistschen Textes einen Kausalnexus zwischen den beiden Satzteilen
her und führt zu dieser Übertragung aus: "'Zufällig'
habe ich weggelassen, weil es durch den nächsten Satzteil
'wo er seine Büchse abzusetzen pflegte' widerlegt wird"
(a.a.O., S. 1O8). Zwar mag man die Erklärung Staigers, daß
der Widerspruch "Kleists Nachlässigkeit bei allem, was
keine Folge hat, zuzuschreiben sein" dürfte, für
unhaltbar ansehen. Mit dem Befund selbst aber behält Staiger
gegen diejenigen, die ihm hierin widersprochen haben, ohne weiteres
Recht. Es ist nicht das Habituelle des "pflegte", welches
das "zufällig" widerlegt - und dies gemeint zu
haben, nehmen Egon Werlich und Jürgen Schröder von Staiger
wohl irrtümlich an -, sondern der einfache Sachverhalt, daß
jemand nicht zufällig, sondern ganz folgerichtig nach
der Rückkehr von der Jagd in dasjenige Zimmer treten
wird, in dem er auch sonst seine Büchse abstellt. Mithin
gehen die Einwände Werlichs (Kleists "Bettelweib von
Locarno". Versuch einer Aufwertung des Gehalts, in: Wirkendes
Wort 15 (1965), S. 239-257: "Für den Dichter besteht
(...) das Zufällige in dem Umstand, daß der Marchese
am gleichen Tage, an dem die Bettlerin aufgenommen wurde, von
der Jagd zurückkommt (...); daß er (...) die Bettlerin
unvorbereitet erblickt, ist ein Zufall"; S. 245,
Anmerkung 12, Hervorhebung von Werlich) und Schröders (Das
Bettelweib von Locarno. Zum Gespenstischen in den Novellen Heinrich
von Kleists, in: Germanisch-Romanische Monatsschrift, N.F. Band
17 (1967), S. 193-2O7: "Der scheinbare Widerspruch zwischen
den Ausdrücken 'zufällig' und 'pflegte' (...) läßt
sich durch die beiden Worten gemeinsame Tendenz, die spontane
Aktivität und Entscheidungsfreiheit des Subjekts einzuschränken,
ungezwungen auflösen"; S. 196) an der Sache vorbei.
Inwiefern Staigers Befund widerlegt sein soll, weil "diesem
'zufällig' (...) noch zwei weitere" in der Erzählung
folgen, ist nicht zu begreifen (Hellmuth Himmel, Musikalische
Fugentechnik in Kleists 'Bettelweib von Locarno', in: Sprachkunst
2 (1971), S. 188-21O: S. 195).
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