Es ist somit fraglich, ob das "gegenseitige Nennen der Namen"
von Gustav und Toni (in der Szene 183 f.) so vorbehaltlos gelesen
werden kann, wie Jochen Schmidt dies vorschlägt (Heinrich
von Kleist. Studien zu seiner poetischen Verfahrensweise, Tübingen
1974): "Im Nennen ihrer Namen erkennen sich die
Liebenden ganz. Im Namen ergreifen sie ihr Wesen, ja das Wissen
des Namens kann eine Sicherung der Identität und
die Bewahrung vor einem Irrtum bedeuten" (S. 72, Hervorhebungen
von mir). Eben die Identität ist doch zweifelhaft, wenn Toni
von Gustav "liebe Braut" wie "Hure" genannt
wird, wenn der Name Gustav des Fremden zu August
wechselt. Und daß aus dem abgründigen Nennen
dem "Erkennen", allgemeiner dem "Kennen" eher
Schwierigkeiten erwachsen, scheint in dem Text mehrfach auf: die
Familie Strömli kennt die Gegend (182) so wenig
wie Gustav einen Herrn namens Bertrand kennt (168). Jener
hat Mariane Congreve vor dem Ausbruch der Revolution "kennen
gelernt", aber auf dem Gerüst der Guillotine antwortet
die Braut auf die Frage einiger Richter: diesen Menschen kenne
ich nicht (174). Zwar sagt Nanky - "der Bastardknabe, den
wir schon kennen" (18O) -, daß er "den
ihm beschriebenen Möwenweiher (...) gar wohl kenne"
(ebd.); nur ist es gerade dieser Ort, den der Text immer wieder
anders nennt.
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