Wenn man, nicht zuletzt aufgrund der Rede von den "unendlichen
Ergießungen", die Flüssigkeiten in dieser Fülle
allgemein mit dem Erotischen in Verbindung setzen möchte,
so wird das Erscheinen von Vögeln (vgl. den mehrspaltigen
Artikel im Deutschen Wörterbuch) in der Erzählung ins
Auge fallen: das Gefühl der Unruhe, das sich "wie ein
Geier" um Gustavs Herz legt (171), der Rabe, der in dem Namen
Bertrand enthalten ist, und die Gedanken, die Gustav beunruhigt
haben und "wie ein Heer schauerlicher Vögel" von
ihm weichen (173). Daß Kleist Konnotationen dieser Art nicht
fremd sind, hat Werner Hamacher in einer luziden Interpretation
des Berufs von Meister Pedrillo im 'Erdbeben in Chili' gezeigt
(Das Beben der Darstellung, in: Positionen der Literaturwissenschaft.
Acht Modellanalysen am Beispiel von Kleists Das Erdbeben in
Chili, hrsg. von David E. Wellbery, München 1985, S.
149-173 und 188-192; zu Meister Pedrillo S. 191, Anmerkung 23).
Im übrigen wird man eine Beziehung wie die von "fliegen"
(außer den Vögeln wären solche Formulierungen
zu beachten wie: "indem die Röte des Unwillens ihr Gesicht
überflog"; "Toni, deren Brust flog"; "flog
sie (...) dem schon auf der Landstraße wandernden Knaben
nach"; 176, 179, 181) und "fließen" (auch
übertragen: "So verfloß der Tag"; 183) für
ganz nach dem Geschmack eines Autors halten, der seine Protagonisten
mitunter "Küsse" und "Bisse" verwechseln
läßt ('Penthesilea', 24. Auftritt) und im 'Zweikampf'
virtuos mit den Worten "stürzen" und "stützen"
spielt. - Als kürzeste Formel für die Verbindung von
Vögeln und Flüssigem in der 'Verlobung' könnte
man den so oft genannten Möwenweiher angeben.
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