Die Erläuterung zum Namen Babekan erstmals in: Heinrich von
Kleists Werke, hrsg. von Erich Schmidt, Leipzig und Wien o. J.
[19O4-19O6], 3. Band, Anmerkung S. 438. Zu Toni vgl. Reuß,
a.a.O., S. 26; dort auch eine Bemerkung zu "Kleists Unterscheidung
in der Geschlechtsendung, die Babekan fortlaufend als 'Mulattinn',
Toni hingegen als 'Mestize' anspricht". - In den Dramen Kleists
findet sich das Moment des Geschlechtertauschs von der 'Familie
Schroffenstein' an (Kleidertausch von Agnes und Ottokar, V, 1)
bis zum 'Prinz Friedrich von Homburg'. Über die Titelfigur
äußert der Graf Hohenzollern: "Schade, ewig schade,
/Daß hier kein Spiegel in der Nähe ist! /Er würd
ihm eitel, wie ein Mädchen nahn" (I, 1); Ramin
ist sowohl der Name eines Begleitoffiziers (I, 5) als auch einer
Hofdame (I, 4); die Gattin des Kurfürsten trägt einen
männlichen Vornamen, den des biblischen Propheten Elisa (I,
5), worauf noch die Wendung: "Die hohe Landesmutter! Keinen
Schlechtern [statt: Keine Schlechtere]!" (II, 3)
anspielt (im Dramatis Personae wird unter dem Kurfürsten
die Kurfürstin und erst darauf die Prinzessin Natalie
als seine Nichte aufgeführt, und diese Nichte ist
"Chef" des Regiments "Prinzessin von Oranien"
(I, 4), welches ohne historisches Vorbild ist: zu Kleists Zeit
hingegen gab es ein Regiment "Prinz von Oranien");
das geschickt gesetzte Adjektiv in der Regieanweisung "Volk
jeden Alters und Geschlechts" erweckt den Anschein, als gäbe
es in etwa so viele Geschlechter wie Lebensalter. Im 'Michael
Kohlhaas' wird die Titelfigur in der abgebrochenen Antwort des
Kastellans zur Frau ("Doch da der Kastellan antwortete: 'Kohlhaas,
das Weib' -- und in Mitten der Rede auf sonderbare Weise stockte
(...)"; 1O1), und die Mutter der "heiligen
Familie" im 'Erdbeben in Chili' trägt die weibliche
Form des Namens von dem biblischen Vater Christi: Josephe.
- Vgl. auch die beiden Briefe an Ulrike vom Mai 1799 ("Wärst
Du ein Mann oder nicht meine Schwester") und vom 14. August
18OO ("Wärst Du ein Mann gewesen - o Gott, wie innig
habe ich dies gewünscht!") sowie die Beschreibung Ulrikes
in einem Brief an Adolfine von Werdeck (28. 7. 18O1): "(...)
ein edles, weises, großmütiges Mädchen, eine Heldenseele
in einem Weiberkörper (...). (...) ein Wesen, das von dem
Weibe nichts hat, als die Hüften (...). Aber welchen Mißgriff
hat die Natur begangen, als sie ein Wesen bildete, das weder Mann
noch Weib ist, und gleichsam wie eine Amphibie zwischen zwei Gattungen
schwankt?" Schon in dem 'Wunsch zum neuen Jahre 18OO für
Ulrike von Kleist' (I, 44) wird die Schwester als Amphibie angeredet:
"Amphibion Du, das in zwei Elementen stets lebt, /Schwanke
nicht länger und wähle Dir endlich ein sichres Geschlecht".
Ein doppelter Tausch des Geschlechts ist in einem Brief an Ernst
von Pfuel anzutreffen (7. 1. 18O5): zunächst verwandelt sich
Kleist in eine Frau, indem er Pfuel gesteht, dessen "schönen
Leib oft, wenn Du in Thun vor meinen Augen in den See stiegest,
mit wahrhaft mädchenhaften Gefühlen betrachtet"
zu haben (Hervorhebung von Kleist). Pfuel aber soll auch kein
Mann bleiben, sondern die Frau des Mädchens Kleist werden:
"Ich heirate niemals, sei Du die Frau mir (...)". Wahrscheinlich,
weil die beiden Frauen Heinrich und Ernst nicht so leicht eine
Familie gründen können, schlägt Kleist darüberhinaus
vor, daß Pfuel ihm auch "die Kinder, und die Enkel!"
sein möchte.
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