Mit der beeindruckenden Akkumulation von Händen in der 'Verlobung' haben sich Ilse Graham (Heinrich von Kleist. Word into Flesh: A Poet's Quest for the Symbol, Berlin/New York 1977, S. 132 ff.) und Margaret F. Davidson beschäftigt (The Hand in the Works of Heinrich von Kleist, in: Colloquia Germanica 19 (1986), S. 228-241). Es ist allerdings fraglich, ob das verschiedenartige Auftreten von Händen in der Erzählung unter dem Gesichtspunkt "gesture" angemessen untersucht werden kann. Vgl. die Ausgangsüberlegung von Davidson: "The meaning and importance of gesture in his [Kleist's] works have long commanded the attention of Kleist scholars. Not one, however, adresses the principal agent of gesture, the hand, which is the one most frequently used by Kleist to illustrate the problematic relationship between perception and reality" (S. 228); sowie von Graham: "Taking a person by the hand signifies a gesture of relatedness on the most basic physical level. In the world of Kleist, whose primitive and perplexed characters continually seek for palpable modes of reassurance, the importance of such a gesture can hardly be exaggerated. And indeed, in this comparatively brief narrative [in der 'Verlobung'] hands are linked and stroked and kissed no less than twenty-one times" (S. 132; Hervorhebungen in beiden Zitaten von mir). Es ist zweifellos dem Bereich der Gestik zuzuordnen, daß Gustav "seine Hand" ausstreckt, "um die Hand der Alten zu ergreifen" (162), oder daß Toni mit einem unbeschreiblichen Blick "ihre Hand nach" Gustav ausstreckt, jedoch "nicht reden und ihn auch mit der Hand nicht erreichen" kann (193). Dagegen wird es schwierig, bei den zahlreichen Formulierungen, in denen die Nennung der Hand redundant scheint - gab ihr die Laterne in die Hand (162), Schlüssel der Hofpforte, den er in der Hand hielt (163), nahm ein Licht in die Hand (171), indem er seine Büchse in die Hand nahm (189) -, an Gesten zu denken, und vollends unmöglich ist dies, wenn Babekan von dem "ganzen Inbegriff jener Künste" spricht, "die die Notwehr dem Schwachen in die Hände gibt" (165), wenn Gustav Toni in seine Arme schließt, "wie durch göttliche Hand von jeder Sorge erlöst" (173), oder wenn er Nanky einen Ring einhändigt (181).


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