Naturwissenschaft als Perspektive

Empirie, Sage und Allegorie in Kleists Erdbeben in Chili

Abstract

Von Patrick Goltzsch

(Kleist-Archiv Sembdner der Stadt Heilbronn, Die Wissenschaftsseite)

Der Rahmen für diese Arbeit war durch das Oberthema "Dichtung und Naturwissenschaft um 1800" gesetzt. Die Auseinandersetzung mit Herminio Schmidts These, daß Kleist dem Handeln seiner Figuren elektrophysikalische Prinzipien zugrunde lege, führt zu der Schmidts These relativierenden Einschätzung, Kleist nutze naturwissenschaftliche Kenntnisse, um seine Darstellung zu präzisieren.

Auf dieser Basis werden zeitgenössische Erdbeben-Theorien herangezogen. Mit der Betonung auf den dreifach durchgespielten Darstellungen des Erdbebens zeigt sich, daß die Kenntnis der Theorien die Berichte Josefes und Jeronimos eingefärbt haben könnte. Dabei bilden sie einen starken Kontrast zu den sagenhaften Schilderungen im zweiten und der allegorischen Deutung des Priesters im dritten Teil. Die Arbeit kommt zu dem Schluß, Kleist zeige, wie sich Wirklichkeit unter den Blickwinkeln der subjektiv-empirischen Wahrnehmung, der Sage und der Allegorie organisiert.

Patrick Goltzsch, Jahrgang 1962, studierte Soziologie, Literaturwissenschaft und Informatik in Hamburg und London. Arbeitet als Journalist in Hamburg.


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