"Amphitryon! Das faßt kein Sterblicher."

Interdisziplinäres Kolloquium des Kleist-Archivs Sembdner, Heilbronn

21. Mai 2004, Jagsthausen. Anmeldung und Kontakt: E-Mail schicken
Mit freundlicher Unterstützung der Burgfestspiele Jagsthausen


Konzeption

Als der französische Dramatiker Jean Giraudoux im Jahr 1929 seine »Amphitryon«-Komödie veröffentlichte, fügte er dem Titel die Zahl 38 hinzu, um damit anzudeuten, daß seine Bearbeitung die mindestens 38. dieses antiken Stoffes sei. Der Kleistsche »Amphitryon«, 1807 im Druck erschienen, 1899 erstmals aufgeführt, mit dem die Burgfestspiele Jagsthausen ihre diesjährige Spielzeit eröffnen, steht also in einer langen Tradition der Bearbeitung dieser Geschichte vom Göttervater Zeus, der sich in Gestalt des Feldherrn Amphitryon, des Ehemanns der Alkmene, den Beischlaf mit Amphitryons Ehefrau erschleicht und mit ihr den Helden Herakles zeugt; antike Autoren wie Plautus, französische Klassiker wie Molière oder zeitgenössische Dramatiker wie Peter Hacks haben sich immer wieder aus unterschiedlichsten Ansätzen heraus mit diesem Thema beschäftigt.

Heinrich von Kleists (1777-1811) »Amphitryon«, um 1803 begonnen, in Dresden gedruckt, als der Dichter in französischer Gefangenschaft war, galt lange Zeit als reine Übersetzung des Molièreschen Lustspiels. Seit seiner Wiederentdeckung aber begeistert Kleists Stück das Publikum als »das witzig-anmutsvollste, das geistreichste, das tiefste und schönste Theaterspielwerk der Welt« (Thomas Mann).

Man ist sich einig, daß Kleist in souveräner Genialität etwas Eigenständiges geschaffen hat, indem er den höfisch-gesellschaftlichen Charakter seiner Vorlage zugunsten einer ausführlicheren Darstellung der Identitätsproblematik und religiöser Fragen abwandelte. Entsprechend thematisch breit angelegt ist daher auch das interdisziplinäre Kolloquium »Amphitryon! Das faßt kein Sterblicher«, das das Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn in Verbindung mit dem Mitherausgeber der »Brandenburger Kleist-Ausgabe« Dr. Peter Staengle (Heidelberg) und mit freundlicher Unterstützung der Burgfestspiele Jagsthausen am 21. Mai in Jagsthausen durchführt.

Während am Vormittag motivische Fragestellungen die Perspektive weiten (Jupiters Liebesleben, Der betrogene Ehemann, Doppelgängermotive) und damit die Klassische Philologie, die Volkskunde und die Psychologie dominieren, richten am Nachmittag die Romanisten und Germanisten ihren Blick auf die Dichtung selbst (Molières »Amphitryon« sowie Referate zu Kleists »Amphitryon«: Mysterium und Geheimnis, »Amphitryon« als Identitätsspiel und Verhörsituationen bei Kleist).


Zur übergeordneten Seite E-Mail an Kleist-Archiv Sembdner Zur Begrüßungsseite
* © Kleist-Archiv Sembdner der Stadt Heilbronn, Berliner Platz 12 (im Theaterforum K3, 2. OG), D-74072 Heilbronn. Tel. (07131) 56-2668. Fax (07131) 56-3699. Under permanent construction. Webmaster: Günther Emig