Stephan Bock (Bochum)

HEINRICH VON KLEIST, DER SOLDAT

Dienstag, 25. März 2003, 19.30 Uhr
Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn, Berliner Platz 12 (K3, 2. OG)


"Kindersoldaten" gehören seit Jahrzehnten zur Berichterstattung aus Kriegs- und Bürgerkriegsgebieten, die 12jährigen "Krieger" aus dem Krieg zwischen dem Irak und dem Iran ebenso wie die noch weit jüngeren afrikanischen "Rebellen" unserer Tage.

"Kindersoldaten" sind für uns Deutsche ein düsteres Kapitel, man denke an die Jungengesichter unter dem Stahlhelm mit dem Hakenkreuz - März 1945 erließ Hitler den "Nero-Befehl": Deutschland solle dem Erdboden gleich gemacht werden, da es nicht verdient habe weiterzuleben. Was für eine "historische Botschaft", daß dazu ausgerechnet "halbe Kinder" mißbraucht werden sollten.

Um so frappierender also, daß in der Rezeption Heinrich von Kleists, des größten deutschen Soldatendichters neben Grimmelshausen und ebenbürtig dem Portugiesen Luis de Camoes und dem Spanier Miguel de Cervantes, bis heute eines als bloße "Nebenbedeutung" erscheint: daß dieser Mann knapp sieben Jahre seines mit 34 Jahren nicht eben lang bemessenen Lebens Soldat und Offizier gewesen war, ja daß er als 15jähriger Gefreiter-Korporal, genauer: als Kinder-Infanterist seine ersten Kämpfe, Gefechte und Schlachten durchzustehen gehabt hatte.

Ein Blick auf die Rezeption dieses Dichters und man ahnt: den Träumen, den Ängsten, der Pubertät, der Todeserfahrung, dem Genie dieses 15jährigen scheint noch jeder so weit wie nur eben möglich aus dem Wege gegangen zu sein. Stellt man sich dem jedoch, begreift man bald, welch "aktuelle" Bedeutung Literatur-Geschichte haben kann, und sei es in den Dokumenten, die mit einemmal aus dem "historischen Dunkel" aufleuchten.

Mit einem Wort: Kleist, der Soldat erweist in jeder Weise seine Sprengkraft, "aktuell" wie im Blick auf Leben und Werk eines neu zu entdeckenden Dichters.

Dr. Stephan Bock, Schriftsteller, lange Jahre Dramaturg in Bochum (bei Claus Peymann, an dessen epochaler "Hermannsschlacht"-Inszenierung beteiligt), mit einer großen Brecht-Analyse hervorgetreten (Suhrkamp Verlag), arbeitet u. a. auch regelmäßig bei den "Heilbronner Kleist-Blättern" mit.


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