Heilbronn, Hefenweiler, Inselspitze beim Insel-Hotel, unter der Flügelnuß
Wieder ein Projekt des Kleist-Archivs Sembdner, Heilbronn
Inhalt
Eines Abends trifft der Erzähler auf dem Heimweg auf eine
Menschenmenge, die um eine alte Bäuerin, die sich die zum Übernachten
im Freien für die Nacht vorbereitet hat, herumsteht.
Als sich die Leute verlaufen haben, erfährt er nach und nach die Ursache ihres Kummers.
Ihr Enkel, Kaspar Finkel, ein junger Mann, dem seine Ehre über alles ging,
war als Ulan in Frankreich stationiert, nachdem er sich vorher mit der schönen Annerl,
die als Waise bei ihrer Patin, der alten Bäuerin, lebte, verlobt hatte. Auch
Annerl war gleich ihm auf nichts so bedacht war wie auf ihre Ehre und ihren guten Ruf.
Kaspar, der bei seinen Vorgesetzten in Ansehen stand und wegen besonderer Tapferkeit zum
Unteroffizier ernannt worden war, erhielt einen längerem Heimaturlaub.
Auf seiner Reise nach Hause war ihm kurz vor der Ankunft sein Pferd samt Felleisen, Unteroffizierspatent und der gesamten Barschaft gestohlen worden. Untröstlich vor allem
über den Verlust des ihm anvertrauten Pferdes, zeigt er den Vorfall in seinem
Heimatort an und versucht, den Verbrechern auf die Spur zu kommen. Als er
Vater und Stiefbruder um Mithilfe bei der Suche nach den Tätern bitten will, muß er erkennen, daß eben diese beiden die gesuchten Räuber sind. Als Sohn eines ehrlosen Diebes kann er nicht weiterleben. Nachdem er Vater und Stiefbruder der Gerechtigkeit übergeben hat, stürzt er verzweifelt zum Grab seiner Mutter und erschießt sich.
Annerl hat während Kaspars Abwesenheit einen Dienst in der Stadt angenommen, wo sie die
Begehrlichkeit des jungen Fähnrichs Grossinger erweckt, der ihr unter der
Vorspiegelung, Kaspar sei in Frankreich geblieben, die Ehe verspricht und sie verführt.
Von ihm getäuscht und verlassen, bringt Annerl in ihrer Verzweiflung ihr Neugeborenes um und soll hingerichtet werden. Gerade aus diesem Grund ist die alte Bäuerin heute in
die Stadt gekommen, um Annerl auf ihrem letzten Gange beizustehen und ihr ein
ehrliches Begräbnis auf dem heimatlichen Friedhof zu erwirken, genau wie Kaspar.
Der Erzähler bietet der Bäuerin an, eine Bittschrift dem Herzog
vorzulegen. Dieser, gerührt vom Schicksal des Mädchens, gewährt noch mehr, nämlich Pardon, in dem er eine mahnende Parallele zu seinem eigenen Liebesverhältnis mit Grossingers Schwester erblickt. Doch Grossinger, den er mit der Überbringung dieses Pardons beauftragt,
kommt zu spät. Vernichtet stürzt er zu Boden und gesteht, er sei der
eigentliche Mörder, denn er habe die schöne Annerl verführt. Der Herzog erfüllt
die letzte Bitte Kasperls und Annerls, sorgt für die Großmutter und erhebt,
durch den Selbstmord Grossingers zur Besinnung gebracht, seine Geliebte zu
seiner Gemahlin.