Heinrich von Kleist

Penthesilea

(Aus: Arpe, Verner: Knaurs Schauspielführer. Eine Geschichte des Dramas. Völlig neu bearb. München, Zürich: Droemer Knaur 1976. © by Droemer Knaur Verlag. Mit freundlicher Genehmigung des Verlags)

Ein Trauerspiel

Personen: Penthesilea, Königin der Amazonen; Prothoe, Meroe, Asteria: Fürstinnen der Amazonen; die Oberpriesterin der Diana; Antilochus, Achilles, Odysseus, Diomedes: Könige des Griechen-volks; Griechen und Amazonen

Ort: Schlachtfeld bei Troja

Uraufführung: 25. April 1876 in Berlin

Während des Trojanerkrieges erscheinen die Amazonen mit ihrer Königin Penthesilea auf dem Schlachtfeld, um sich zur Erhaltung ihres Geschlechts junge und starke Männer einzufangen. Als Penthesilea den griechischen Helden Achilles erblickt, empfindet sie zum erstenmal glühendes Liebesverlangen. Auch er ist entschlossen die Stolze heimzuführen. Penthesilea muß aber nach dem Gesetz der Amazonen den Mann der Wahl im Kampf erobern, und so bleibt sie auf dem Schlachtfeld, obwohl ihre Mitstreiterinnen zur Heimkehr drängen. In einer neuen Kampfphase unterliegt sie Achilles und bricht ohnmächtig zusammen. Um sie vor der Schmach des Besiegtseins zu bewahren, bittet Prothoe den Helden, ihre Königin als Siegerin anzuerkennen. Er geht darauf ein, und die erwachende Penthesilea ist überglücklich, den Geliebten heimführen zu können. Die weitere Entwicklung zwingt Achilles jedoch zu dem Geständnis, daß Penthesilea eigentlich seine Gefangene ist. Durch das Kampfgetümmel von ihr getrennt, läßt er die Amazonenkönigin zu neuem Kampfe fordern, in welchem er sich unbewaffnet besiegen lassen will, um ihr folgen zu können. Penthesilea durchschaut nicht seine Absicht. Sie hält es für Verrat. In blinder Haßliebe zieht sie ihm entgegen, durchbohrt ihn mit einem Pfeil und trinkt sein Blut. Aus ihrem Wahnsinnsrausch erwacht, gibt sie sich den Tod.


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