18. Oktober: Nachts um 1 Uhr (laut
Kirchenbuch und Taufregistereinträgen; Kleist selbst
hält den 10. Oktober für sein Geburtsdatum) wird
Bernd Heinrich Wilhelm v. Kleist in Frankfurt/Oder geboren als
ältester Sohn von Joachim Friedrich v. Kleist (17281788),
Kapitän im Leopold von Braunschweigischen Regiment in Frankfurt,
und seiner zweiten Frau Juliane Ulrike, geborene v. Pannwitz (17461793);
weitere Kinder aus dieser Ehe: Friederike (17751811), Auguste
(17761818), Leopold (17801837) und Juliane (17811856);
aus Joachim Friedrich v. Kleists erster Ehe, mit Karoline Luise
v. Wulffen (17551774) entstammen Kleists Halbschwestern
Wilhelmine (17721817) und Ulrike (17741849).
27. Oktober: Taufe durch den Feldprediger Karl Samuel Protzen.
Seit 1781/1782
Seinen ersten Unterricht erhält Kleist gemeinsam mit seinem Vetter Karl v. Pannwitz durch einen Hauslehrer, den Theologiestudenten und späteren Rektor der Frankfurter Bürgerschule Christian Ernst Martini.
1788
Januar Mai: Gemeinsam mit seinen
Vettern Ernst v. Schönfeldt und Ludwig v. Pannwitz (der im
Januar 1802 Kleists Schwester Auguste heiratet) in Berlin bei
dem hugenottischen Prediger Samuel Heinrich Catel; Unterricht
in der Privatschule von Catels Schwager Hauchecorne und am Collège
François, dem Gymnasium der französischreformierten
Gemeinde.
18. Juni: Tod des Vaters.
19. Juni: Kleists Mutter wendet sich an den König um Gewährung
einer Pension; ihrer Bitte wird nicht entsprochen.
1789
4. Juli: Ohne Erfolg ersucht Kleists Mutter den König, ihren Sohn Heinrich in die Militärakademie aufzunehmen.
1792
1. Juni: Eintritt ins Militär als
5. Gefreiterkorporal im 3. Bataillon des Regiments Garde Nr. 15b,
Potsdam (Dienstantritt nach der Konfirmation).
20. Juni: Konfirmation durch den Feldprediger Christian Gotthelf
Krüger in Frankfurt/Oder.
Jahresende Anfang März 1793: Kleist auf Heimaturlaub
in Frankfurt, während sein Regiment im Ersten Koalitionskrieg
am 28. Dezember zum Rheinfeldzug aus Potsdam abmarschiert
und Winterquartier in Frankfurt/Main bezieht.
1793
3. Februar: Kleists Mutter stirbt an
"Entzündungsfieber".
3. oder 4. 11. März: Kleist reist zu seinem Regiment
nach Frankfurt/Main; seine Route führt über Leipzig
(Besichtigung der Pleißenburg), Lützen, Rippach, Weißenfels,
Naumburg (Besichtigung der Rudelsburg), Erfurt, Gotha (Besuch
bei dem mit der Familie befreundeten Theologen Josias Friedrich
Christian Löffler), Eisenach (Wartburg), Vacha, Fulda, Schlüchtern,
Gelnhausen und Hanau.
13. - 18. März: Erster erhaltener Brief (an die Tante Auguste
Helene v. Massow). Beförderung zum 1. Gefreiten-Korporal.
4. April 22. Juli: Das Garderegiment, in Biebrich bei Wiesbaden
im Quartier, nimmt an der Belagerung von Mainz teil.
Herbst/Winter: Kleist mit seinem Regiment u.a. bei den Schlachten
von Pirmasens und Kaiserslautern.
Winterquartier in Frankfurt/Main.
1794
28. Januar: Beförderung zum Portepee-Fähnrich.
Mai/Juli: Das Garderegiment ist an mehreren Gefechten und an den
Schlachten bei Trippstadt und Kaiserslautern beteiligt.
Winterlager in Eschborn.
1795
3.26. März: Verlegung des
Garderegiments nach Osnabrück; über Gießen, Marburg,
Kassel (Besuch der Gemäldegalerie am 15. März)
und Paderborn. Kleists Einheit ist in der Komthurei Lage im Nordosten
des Fürstbistums Osnabrück stationiert.
5. April: Friedensschluß in Basel zwischen Frankreich und
Preußen.
7. Mai: Kleist wird zur Beförderung vorgeschlagen; 15. Mai:
Patent zum wirklichen Fähnrich.
17. Mai 11. Juni: Rückmarsch von Kleists Regiment
über Braunschweig nach Potsdam.
Jahresende: Otto August Rühle v. Lilienstern (1780-1847)
wird Kleists Regimentskamerad.
1796
Potsdam: Umgang mit Marie v. Kleist,
geborene v. Gualtieri (17611831), deren Schwager Christian
v. Massenbach und seiner Frau Amalie Henriette, geb. v. Gualtieri.
Im Sommer unternimmt Kleist mit seinen Geschwistern eine Reise
nach Sagard auf Rügen, wo er die Bekanntschaft von Ludwig
v. Brockes (17671815) macht.
1797
zwischen 6. - 24. Februar: Beförderung
zum Sekondeleutnant.
12. März: Ernst v. Pfuel (17791866) wird als Fähnrich
nach Potsdam versetzt.
Kleist spielt Klarinette in einem Offiziersquartett mit Rühle,
Hartmann v. Schlotheim (17721810) und Karl v. Gleißenberg
(17711813); Ausflug als "reisende Musikanten"
in den Harz.
Mit Rühle v. Lilienstern mathematische und philosophische
Studien sowie Unterricht in deutscher Grammatik bei Johann Heinrich
Ludwig Bauer, Konrektor an der Großen Stadtschule in Potsdam.
16. November: Inthronisation Friedrich Wilhelms III.
1798
Juni: Harzreise mit den Regimentskameraden
Barße, Löwenfeldt und Mirbach; 18. Juni: Die vier Reisenden
tragen sich ins Besucherbuch der BeckerBielsHöhle
ein.
Bekanntschaft und angeblich Verhältnis mit der Generalstocher
Luise v. Linckersdorf.
1799
März: Kleist richtet ein Abschiedsgesuch
an seinen Regimentschef; 4. April: Kleist erhält den erbetenen
Abschied vom Militär; eine am 13. April erlassene Kabinettsorder
gestattet die Aufnahme des Studiums und stellt Kleist eine spätere
Verwendung im Zivildienst in Aussicht.
10. April: Nach bestandener Reifeprüfung wird Kleist an der
Universität Frankfurt/Oder immatrikuliert (philosophische
Fakultät); seine Lehrer sind Christian Ernst Wünsch
(Physik), Johann Sigismund Gottfried Huth (Mathematik), Karl Dietrich
Hüllmann (Kulturgeschichte) und Ludwig Gottfried Madihn (Naturrecht);
außerdem privater Lateinunterricht bei Georg Christian Immanuel
Kalau.
Juli: Während einer 14tägigen Vorlesungspause reist
Kleist mit seinem ehemaligen Hauslehrer Martini, den Geschwistern
Ulrike und Leopold sowie dem später sich anschließenden
Freund Karl v. Gleißenberg durch das Riesengebirge (u.a.
Besichtigung der Burgruine Kynast und Aufstieg zur Schneekoppe);
13. Juli: Kleist trägt die "Hymne an die Sonne"
in das Koppenbuch der Hampelbaude ein.
Kleists Bruder Leopold wird von Frankfurt/Oder nach Potsdam versetzt.
Näherer Umgang mit der Familie des Frankfurter Kompaniechefs
August Wilhelm Hartmann v. Zenge; Kleist erteilt den Töchtern
des Zengeschen Hauses Privatunterricht.
1800
1. Januar: Glückwunschgedichte
für Ulrike v. Kleist und das Ehepaar Zenge.
April/Mai: Öffentlich nicht angezeigte Verlobung mit Wilhelmine
v. Zenge (17801852).
Kleist bricht sein Studium nach drei Semestern ab.
14. August: Reise von Frankfurt nach Berlin.
17. August: Kleist fährt über Oranienburg, Templin und
Prenzlau nach Pasewalk und am Nachmittag des 20. August zum nahen
Koblentz auf das Gut des Grafen v. EickstedtPeterswaldt,
um Ludwig v. Brockes zu einer verabredeten Reise nach Wien abzuholen.
22. August: Zunächst führt die Route zurück nach
Berlin, wo Kleist den Staatsminister Karl August v. Struensee
zu einer Unterredung über eine künftige Anstellung im
Verwaltungsdienst anzutreffen hofft.
28. August: Kleist und Brockes reisen ab aus Berlin; sie fahren
über Potsdam, Treuenbrietzen, Wittenberg, Düben, Leipzig
(1. September: Kleist und Brockes immatrikulieren sich an der
Universität unter den Namen Klingstedt bzw. Bernhoff), Grimma,
Waldheim, Nossen und Wilsdruff nach Dresden.
2.4. September: Aufenthalt in Dresden (Besichtigung der
Kunstgalerie, Ausflug nach Tharandt); Änderung des Reiseziels,
statt Wien nun Würzburg.
2.8. (spätestens 10.) September: Weiterreise nach Würzburg
über Freiberg, Oederan, Chemnitz, Lungwitz, Schloß
Lichtenstein, Zwickau (Besichtigung der Marienkirche), Reichenbach,
Bayreuth und Bamberg (Besichtigung der Zisterzienserabtei Ebrach).
Bis 22. Oktober: Aufenthalt in Würzburg; zunächst wohnen
Kleist und Brockes im "Fränkischen Hof"; seit Mitte
September bei dem Stadtchirurgus Joseph Wirth; Besichtigung des
JuliusHospitals und Besuch der Bibliothek.
22.27. Oktober: Kleist fährt ohne Brockes, der sich
nach Dresden begibt, eilig von Würzburg nach Berlin zurück,
über Meiningen, Schmalkalden, Gotha, Erfurt, Naumburg, Merseburg,
Halle, Dessau und Potsdam.
1. November: Kleist bewirbt sich bei Struensee um eine Hospitanz
bei der Technischen Deputation, einer für die Überwachung
von Fabriken und Prüfung technischer Innovationen zuständigen
Behörde des preußischen Manufakturkollegiums; er erhält
die Erlaubnis zur Teilnahme an den Sitzungen, versäumt aber
versehentlich den ersten Termin.
3. Dezember: Erste Teilnahme an einer Sitzung der Technischen
Deputation.
Ende Dezember: Einwöchiger Aufenthalt in Frankfurt/Oder.
1801
In Berlin nähere Bekanntschaft
mit der Familie des Tuch und Seidenhändlers Clausius
und mehrfach Gast im Salon des Baumwollfabrikanten Cohen (dort
eine Sammlung physikalischer Instrumente); von seinem Frankfurter
Lehrer Professor Huth wird Kleist bei Gelehrten eingeführt.
März: Wanderung nach Potsdam.
Ende März Anfang April: Kleist läßt sich
von Peter Friedel porträtieren und schickt die Miniatur am
9. April an Wilhelmine v. Zenge.
11. April: Albumeintrag für Wilhelmine Clausius.
12. April: Kleist nimmt schriftlich Urlaub von der Technischen
Deputation.
15. April: In Begleitung seiner Schwester Ulrike und Johanns,
des Dieners von Karl v. Zenge, reist Kleist mit der Post von Berlin
nach Dresden.
Um 20. April 18. Mai: Aufenthalt in Dresden; Umgang mit
Georg und Ernestine v. Einsiedel (Verwandte von Kleist), Henriette
und Karoline v. Schlieben und mit dem Maler Heinrich (Friedrich?)
Lohse (17761833; Verlobter und späterer Ehemann Karoline
v. Schliebens) sowie Bekanntschaft mit Ludwig v. Zanthier, dem
Erzieher des Grafen Stolberg; Besuche der Gemäldegalerie,
der Kupferstichsammlung und des Antikenkabinetts; Kleist hört
Kirchenmusik in der katholischen Hofkirche; Ausflüge nach
Moritzburg, Pillnitz, Tharandt, Freiberg (2. Mai: Bergwerksbesuch
und Besichtigung des Amalgamierwerks Halsbrücke), Teplitz
und Lobositz (auf der Elbe von Aussig nach Dresden).
17. Mai: Albumeintrag für Henriette v. Schlieben.
18. Mai 6. Juli: Kleist, seine Schwester Ulrike und der
Diener Johann reisen mit eigenen Pferden von Dresden nach Paris.
Die Route: Leipzig (21. Mai; Bekanntschaft mit den Professoren
Karl Friedrich Hindenburg und Ernst Platner; Vorlesungsbesuch
bei Platner), Halle (Bekanntschaft mit dem Mathematik und
Physikprofessor Georg Simon Klügel), Halberstadt (Besuch
bei dem Dichter Johann Wilhelm Ludwig Gleim, dem Freund Ewald
v. Kleists), Wernigerode (um 25. Mai; Besuch der Familie des Grafen
von Stolberg), Ilsenburg (Brockenbesteigung am 31. Mai), Goslar
(Besichtigung der Erzgrube Rammelsberg), Göttingen (Bekanntschaft
mit den Professoren Johann Friedrich Blumenbach und Heinrich August
Wrisberg), Kassel (Ankunft 5. Juni; Besuch bei dem Galeriedirektor
Johann Heinrich Tischbein), Butzbach (durch das Scheuwerden der
Pferde stürzt der Reisewagen um), Rödelheim, Frankfurt/Main,
Mainz (von hier Bootsfahrt auf dem Rhein bis Bonn), Mannheim,
Heidelberg, Durlach, Straßburg (Ankunft am 28. Juni).
6. Juli: In Paris wird Kleist eine Aufenthaltsbewilligung ausgestellt.
Bis Mitte November in Paris; Kleist wird mit Wilhelm v. Humboldt
und dem preußischen Gesandten, Marquis Lucchesini, bekannt;
ein weiterer Bekannter, möglicherweise auch Hauswirt von
Kleist und seiner Schwester, ist der Astronom JosephJérôme
de Lalande; Wiederbegegnung mit dem Maler Lohse; reges Interesse
für die Kunstwerke im Louvre und im Kloster Petits Augustins;
Besuch öffentlicher Vorlesungen und Griechischunterricht
bei Prof. Cournon (spätestens Anfang Oktober Abbruch der
naturwissenschaftlichen Studien).
29. November: Nach 15tägiger Reise kommen Kleist, seine Schwester
Ulrike und der Maler Lohse in Frankfurt/Main an (in Metz Streit
zwischen Kleist und Lohse), wo sich die Geschwister trennen.
2.13. Dezember: Mit Lohse von Frankfurt nach Basel (über
Darmstadt, Heidelberg, Durlach, Karlsruhe, Straßburg).
21. Dezember: Besuch der Basler Bibliothek.
Zerwürfnis mit Lohse.
27. Dezember: Kleist ist allein über Liestal nach Bern gereist,
wo er sich mit Lohse aussöhnt; freundschaftliche Aufnahme
bei Heinrich Zschokke (17711848), Ludwig Wieland (17771819)
und dessen Schwager, dem Verleger Heinrich Geßner (17681813);
über Zschokke lernt er u.a. Johann Heinrich Pestalozzi und
den Luzerner Bibliothekar Joseph Anton Balthasar kennen.
1802
Januar: Aufenthalt in Bern; Kleist plant,
mit dem Geld, über das er seit seiner Volljährigkeit
verfügen kann, sich ein Landgut am Thuner See zu kaufen.
Februar März: Aufenthalt in Thun; Lektüre von
Klopstocks "Messias"; Bekanntschaft mit dem Historiker
und Politiker Niklaus Friedrich v. Mülinen; wegen der politisch
unsicheren Lage der Schweiz gibt Kleist seine Ansiedlungspläne
auf.
27. März: Kleist, Zschokke und Wieland unternehmen von Bern
aus eine Fußwanderung nach Aarau.
Anfang April: Kleist bezieht ein gemietetes Haus auf der sogenannten
DeloseaInsel am Ausfluß der Aare in den Thuner See.
20. Mai: Kleists letzter Brief an Wilhelmine v. Zenge bricht das
Verhältnis endgültig ab.
Ende Juni August: Kleist liegt angeblich krank in Bern
und wird von dem Arzt und Apotheker Karl Wyttenbach behandelt;
er bittet den Schwager Wilhelm v. Pannwitz, der sein Vermögen
verwaltet, um Geld, worauf Ulrike v. Kleist unverzüglich
in die Schweiz reist.
Mitte September: Ulrike trifft in Bern mit ihrem wiedergenesenen
Bruder zusammen.
Die Geschwister wohnen auf der AareInsel und unternehmen
Ausflüge.
Mitte Oktober: Ludwig Wieland, der des Landes verwiesen wird,
reist mit Heinrich und Ulrike v. Kleist über Basel nach Erfurt;
die Geschwister fahren über Jena weiter nach Weimar, wo Kleist
alleine zurückbleibt.
November Dezember: Aufenthalt in Weimar.
30. November: Als anonyme Publikation wird in Zürich angezeigt:
"Die Familie Schroffenstein. Ein Trauerspiel in fünf
Aufzügen. Bern und Zürich, bei Heinrich Gessner. 1803."
Weihnachten: Bei Christoph Martin Wieland auf dessen Gut Oßmannstedt
nahe Weimar.
1803
Anfang Januar 24. Februar: Aufenthalt
bei Wieland in Oßmannstedt, Arbeit am "Robert Guiskard";
Wieland erzählt seine Lebensgeschichte, die Kleist für
eine geplante Biographie aufschreibt; die Liebe der 13jährigen
Luise Wieland ist vermutlich der Grund für Kleists plötzlichen
Abschied.
Einige Tage in Weimar.
März April: Aufenthalt in Leipzig; mit einem Empfehlungsschreiben
Wielands bei dem Verleger Georg Joachim Göschen eingeführt;
Deklamationsunterricht bei dem Universitätslektor Heinrich
August Kerndörffer; Wiedersehen mit Professor Hindenburg.
April Mitte Juli: Aufenthalt in Dresden; Wiedersehen mit
Ernst v. Pfuel und mit Karoline und Henriette v. Schlieben; Bekanntschaft
mit den Schriftstellern Friedrich de la Motte Fouqué und
Johann Daniel Falk.
13. Juni: Mit Ernst v. Pfuel und Ludwig Wieland Besuch der Dresdner
Bibliothek.
17. und 18. Juni: Kleist entleiht aus der Bibliothek deutsche
Übersetzungen von Aristophanes' "Wolken" (übers.
v. Schütz, Halle 1798) und Band I einer SophoklesAusgabe
(übers. v. J.J. Steinbrüchel, Zürich 1763; enthält
"Elektra", "König Ödipus", "Philoktet"
und "Antigone").
Mitte Juli: Ulrike kommt zu Besuch.
20. Juli: Von Leipzig aus brechen Kleist und Ernst v. Pfuel zu
einer Auslandsreise auf; zuerst nach Bern und Thun.
11. August: In Meiringen treffen Kleist und Pfuel mit dem Ehepaar
Christoph Wilhelm und Adolphine v. Werdeck (Bekannte seit der
Potsdamer Zeit) zusammen.
12. August: Gemeinsamer Ausflug ins Reichenbachtal.
13. August: Rückkehr nach Thun.
21. August: In Bellinzona erneutes Zusammentreffen Kleists und
Pfuels mit dem Ehepaar Werdeck; gemeinsame Reise nach Varese (Wiedersehen
mit Lohse?) Besichtigung des Klosters Madonna del Monte und weiter
bis Mailand (und Venedig?).
29. August: Trennung vom Ehepaar Werdeck in Crevola.
Mitte Oktober: Kleist und Pfuel kommen in Paris an; ihr Weg führt
über Thun, Bern, das Waadtland, Genf und Lyon.
14. Oktober: In Paris Wiedersehen mit dem Ehepaar Werdeck.
Streit mit Pfuel und Vernichtung des "Robert Guiskard"Manuskripts.
26. Oktober: Kleist ist vergeblich ins nordfranzösische St.
Omer gereist, um in französische Kriegsdienste zu treten
und an der geplanten napoleonischen Invasion Englands teilzunehmen.
18. November: Zurück in Paris; Kleist trifft Pfuel, das Ehepaar
Werdeck und den Weimarer Verlegersohn Karl Bertuch.
Ende November: Erneut geht Kleist nach Nordfrankreich, um sich
den napoleonischen Invasionstruppen anzuschließen.
Anfang Dezember: Kleist, der ohne offizielle Genehmigung und ohne
Paß reist und sich daher der Spionage verdächtig macht,
wird kurz vor Boulogne von einem ihm bekannten französischen
Major in Obhut genommen; Kleist erhält einen Paß vom
preußischen Gesandten Lucchesini mit der Weisung, umgehend
nach Preußen zurückzukehren.
24./25. Dezember: Verlobung von Wilhelm Traugott Krug und Wilhelmine
v. Zenge.
1804
Dezember 1803 Frühjahr 1804:
Auf der Rückreise aus Frankreich schwere Erkrankung; in Mainz
(möglicherweise auch in Kreuznach) im Haus des Mediziners
und Schriftstellers Dr. Georg Wedekind, eines ehemaligen Jakobiners,
mehrere Monate in Pflege; nach der Genesung Pläne, in Koblenz
bei einem Tischler zu arbeiten oder, wofür Wedekind sich
einsetzt, bei der dortigen französischen Verwaltung eine
Anstellung zu suchen (Umstritten ist die von Samuel/Brown,
"Kleist's Lost Year and the Quest for 'Robert Guiskard'"
[Leamington Spa 1981] auf der Basis von Karl Bertuchs Tagebuch
vorgetragene These, daß Kleist Anfang 1804 mehrfach in Paris
gewesen sein muß, möglicherweise als Kurier in Wedekinds
Auftrag; dem Gegenargument zufolge handelt es sich bei dem im
Tagebuch genannten Kleist um einen Namensvetter).
9. Januar: "Die Familie Schroffenstein" wird in Graz
uraufgeführt.
Anfang April: Besuch bei Christoph Martin Wieland in Weimar; Weiterreise
über Frankfurt/Oder nach Potsdam (Wiedersehen mit Ernst v.
Pfuel und Gleißenberg).
19. Juni: Ankunft in Berlin mit Pfuel und Gleißenberg.
22. Juni: Audienz im Charlottenburger Schloß bei dem Generaladjutanten
des Königs, Karl Leopold v. Köckeritz, wegen einer Anstellung
im Zivildienst.
Häufiger Umgang mit Rühle, Pfuel, Marie v. Kleist, Gleißenberg
und Christian v. Massenbach.
Peter v. Gualtieri (Bruder von Marie v. Kleist), der als preußischer
Geschäftsträger nach Madrid geht, bietet Kleist an,
ihn als Attaché nach Spanien mitzunehmen.
31. Juli: In der vierten Unterredung mit Köckeritz erfährt
Kleist, daß der König das Anstellungsgesuch günstig
beschieden hat.
11. August: Im Salon des Fabrikanten Cohen lernt Kleist Karl August
Varnhagen v. Ense und Adelbert v. Chamisso kennen; Stammbucheintrag
für Varnhagen.
Dezember: Auf Empfehlung Massenbachs und Hardenbergs Kontakt mit
dem Oberfinanzrat Karl Freiherr von Stein zum Altenstein, der
sich Kleists Ausbildung im Verwaltungsdienst annimmt und eine
spätere Verwendung in Ansbach in Aussicht stellt.
1805
Januar April: Arbeit im Finanzdepartement
unter Altenstein.
10.12. April: In Potsdam bei seinem Freund Hartmann v. Schlotheim
nach dessen Selbstmordversuch am 8. April.
1.6. Mai: Reise von Berlin über Frankfurt/Oder, wo
Kleist zwei Tage bleibt, nach Königsberg.
In Königsberg wird die Ausbildung fortgesetzt: Kleist arbeitet
als Diätar an der Kriegs und Domänenkammer unter
dem ostpreußischen Oberpräsidenten Hans Jakob v. Auerswald
und hört staats und finanzwissenschaftliche Vorlesungen
bei Christian Jakob Kraus, dem in Preußen führenden
Vertreter der wirtschaftsliberalistischen Schule Adam Smiths;
Teilnahme an den Sitzungen des Kammerkollegiums, Beschäftigung
mit Steuer und Verwaltungsangelegenheiten.
Bekanntschaft mit Gelehrten und Reformpolitikern, u.a. mit Kriegsrat
Johann George Scheffner, Heinrich Theodor v. Schön (Mitarbeiter
des Freiherrn vom Stein) und Friedrich August v. Stägemann
und dessen Gattin Elisabeth.
Mitte Juni Anfang Juli: Kleist erkrankt "an rheumatischen
Zufällen und einem Wechselfieber" und ist bettlägrig.
Ulrike v. Kleist zieht zu ihrem Bruder und bleibt bis Frühjahr
1806.
Herbst: Erneut Kränklichkeit ("ewige Beschwerden im
Unterleibe").
Wiedersehen mit Wilhelmine v. Zenge (seit 1804 mit dem Philosophieprofessor
Traugott Wilhelm Krug verheiratet), ihrem Ehemann und ihrer Schwester
Luise.
Dezember: Mit dem französischen Sieg bei Austerlitz werden
Kleists Hoffnungen auf eine Anstellung in Ansbach zunichte.
1806
10. Februar: Kleist ersucht Altenstein,
seine Ausbildung in Königsberg um sechs Monate verlängern
zu dürfen.
30. Juni: Kleist bittet darum, wegen seiner angegriffenen Gesundheit
vom Dienst entbunden zu werden und zu seiner Wiederherstellung
seine Verwandten in Stolp (Pommern) aufsuchen zu dürfen.
Mitte August: Kleist wird ein sechsmonatiger Genesungsurlaub gewährt.
Kleist schickt an Marie v. Kleist das Manuskript des Lustspiels
"Der zerbrochne Krug".
Ende August: Mehrwöchiger Kuraufenthalt im Seebad Pillau
(bei Königsberg).
Ende Oktober: Nach Napoleons Sieg bei Jena und Auerstedt flieht
der preußische Hof nach Ostpreußen.
Dezember: Wiedersehen mit Altenstein und Ernst v. Pfuel.
1807
Mitte Januar: Mit Ernst v. Pfuel und
den verabschiedeten Offizieren Karl Franz v. Gauvain und Christoph
Adalbert v. Ehrenberg bricht Kleist von Königsberg auf, Ziel
ist Dresden; ihr Weg führt über Stolp, Schorin (Besuch
bei Ulrike v. Kleist), Köslin und Stettin nach Berlin; Pfuel
hat die Gruppe kurz vor Berlin verlassen, um nach Nennhausen auf
Fouqués Gut zu gehen.
30. Januar: Kleist, Gauvain und Ehrenberg werden in Berlin unter
Spionageverdacht verhaftet.
31. Januar 5. März: Die drei Gefangenen werden in
die JuraFestung Fort de Joux bei Pontarlier gebracht (über
Wustermark, Marburg, Mainz, Straßburg und Besançon).
17. Februar: Appellationsrat Christian Gottfried Körner bietet
dem Leipziger Verleger Göschen den "Amphitryon"
an.
Mitte April: Kleist, Gauvain und Ehrenberg werden zur Hafterleichterung
in das Kriegsgefangenenlager ChâlonssurMarne
verlegt.
Anfang Mai erscheint "Heinrich von Kleists Amphitryon, ein
Lustspiel nach Moliere. Herausgegeben von Adam H. Müller.
Dresden, in der Arnoldischen Buchhandlung".
13. Juli: Nach dem zwischen Frankreich und Preußen geschlossenen
Frieden von Tilsit erhält Kleist den Entlassungsbefehl.
Ende Juli 14. August: Reise von Châlons nach Berlin.
31. Juli: Adam Müller übersendet Goethe den "Amphitryon"
und ein Manuskript des "Zerbrochnen Krugs".
31. August: Ankunft in Dresden.
Wiedersehen mit seinen Freunden Rühle v. Lilienstern und
Pfuel; Beginn der Freundschaft mit Adam Müller (17791829);
Verbindung mit den Häusern des Appellationsrats Körner
(Körners Mündel Juliane Kunze, Emma Körner, die
Pastellmalerin Dora Stock, Hans Karl Dippold), des österreichischen
Gesandten und der Familie v. Haza; Bekanntschaft u.a. mit Gotthilf
Heinrich Schubert, Friedrich Gottlob Wetzel, Ferdinand Hartmann,
Caspar David Friedrich, Gerhard v. Kügelgen, Karl August
Böttiger und Josef v. BuolMühlingen (österreichischer
Legationssekretär).
Anfang September: Mit BuolMühlingen zu Besuch bei Friedrich
v. Gentz in Teplitz.
10.15. September: Cottas "Morgenblatt für gebildete
Stände" (Nrn. 217221) bringt die Erzählung
"Jeronimo und Josephe. Eine Scene aus dem Erdbeben zu Chili
vom Jahr 1647" (späterer Titel: "Das Erdbeben in
Chili").
17. September: In einem Brief an Ulrike entwickelt Kleist den
Plan, gemeinsam mit Rühle, Müller und Pfuel eine "Buch,
Karten und Kunsthandlung" zu gründen; das Unternehmen
will u.a. Kleists Arbeiten und den "Code Napoléon"
verlegen.
Anfang Oktober: Kleist reist zu seiner Schwester Ulrike nach Gulben
(bei Cottbus) und weiter mit ihr zu Verwandten nach Wormlage.
10. Oktober: In Dresden wird Kleist im Hause des österreichischen
Botschaftsvertreters BuolMühlingen mit dem Lorbeer
gekrönt (vermeintlicher 30. Geburtstag).
21. Oktober: Buol bietet den "Zerbrochnen Krug" in Wien
zur Aufführung an.
17. Dezember: Kleist berichtet Ulrike, daß er im kommenden
Jahr gemeinsam mit Müller die Monatsschrift "Phöbus,
Ein Journal für die Kunst" herausgeben wird.
22. Dezember: Müller richtet an König Friedrich August
von Sachsen ein Gesuch um die Konzessionserteilung für eine
fünfte Buchhandlung in Dresden ("Phönix"Buchhandlung);
das Gesuch wird am 22. Februar 1808 nach Einspruch der Dresdner
Buchhändler abgelehnt.
1808
23. Januar: Das erste Heft des "Phöbus"
(1. Stück, Januar 1808) erscheint (darin von Kleist: "Prolog",
"Organisches Fragment aus dem Trauerspiel: Penthesilea",
"Der Engel am Grabe des Herrn", "Epilog").
25. Februar: Im "Dresdner Anzeiger" als erschienen annonciert:
"Phöbus" (2. Stück, Februar 1808); darin von
Kleist: "Die Marquise von O....", "Die beiden Tauben,
eine Fabel nach Lafontaine".
2. März: In Weimar wird unter Goethes Direktion "Der
zerbrochne Krug" uraufgeführt; das Stück fällt
beim Publikum durch; für den Mißerfolg macht Kleist
die Inszenierung verantwortlich, was zu einem tiefen Zerwürfnis
mit Goethe führt (im 4./5. Stück des "Phöbus"
publiziert Kleist bissige Epigramme gegen Goethe).
Ende März: Der "Phöbus" steckt in einer schweren
Finanzkrise; Müller versucht Kleist zur Alleinredaktion der
Zeitschrift zu bewegen.
Mitte April: Das 3. Stück (März 1808) des "Phöbus"
erscheint (darin von Kleist: "Fragmente aus dem Lustspiel:
Der zerbrochne Krug", die Fabeln "Die Hunde und der
Vogel" und "Die Fabel ohne Moral").
Anfang Mai: Um den "Phöbus" zu retten, soll die
Zeitschrift verkauft werden; Kleist setzt sich deshalb mit Göschen
in Verbindung.
Mai: Stammbucheintrag für Theodor Körner.
Anfang Juni: Als Doppelheft erscheint das 4./5. Stück (April
und Mai 1808) des "Phöbus" (darin von Kleist: "Fragment
aus dem Trauerspiel: Robert Guiskard, Herzog der Normänner",
"Epigramme", "Fragment aus dem Schauspiel: Das
Käthchen von Heilbronn, oder die Feuerprobe").
7. Juni: Kleist bietet Cotta die bereits in Druck gegangene "Penthesilea"
zur Übernahme an.
12. Juni: Stammbucheintrag für Eleonore, Tochter Sophie v.
Hazas.
Juli: Zusammentreffen mit Ludwig Tieck während dessen zweiwöchigen
Aufenthalts in Dresden.
Mitte Juli: "Penthesilea" als Buch fertiggestellt.
Ende Juli Anfang September: "Penthesilea. Ein Trauerspiel
von Heinrich von Kleist. Tübingen, im Verlage der Cottaischen
Buchhandlung und gedruckt in Dresden bei Gärtner" wird
ausgeliefert.
August: Kleist reicht ein Manuskript des "Käthchen von
Heilbronn" beim Dresdner Theater ein.
Seit Herbst: Den 1877 erschienenen Memoiren des Generals v. Hüser
zufolge ist Kleist Mitglied einer konspirativen Vereinigung antinapoleonischer
Freischärler.
2. Oktober: Kleist bittet Heinrich Joseph v. Collin um Prüfung,
ob "Das Käthchen von Heilbronn" in Wien aufgeführt
werden kann; Übersendung einer Bühnenfassung.
Anfang Oktober: Kurzer Besuch Ulrikes in Dresden.
Mitte Oktober: Das 6. Stück (Junius 1808) des "Phöbus"
wird ausgeliefert (darin von Kleist: "Michael Kohlhaas",
"Epigramme"); die Walthersche Buchhandlung in Dresden
übernimmt ab Stück 7 den Verlag des "Phöbus".
Anfang Mitte November: Kleist reist für zwei Wochen
in der Scheidungsangelegenheit von Sophie v. Haza, der späteren
Frau Adam Müllers, nach Lewitz bei Posen.
Anfang Dezember: 7. Stück (Julius 1808) des "Phöbus"
wird ausgegeben (ohne Beiträge von Kleist).
"Die Herrmannsschlacht", von der Abschriften kursieren,
wird in einer Dresdner Gesellschaft vorgelesen.
Mitte Dezember: Durch Vermittlung des Majors Otto Friedrich Ludwig
v. Schack (Vorbild für Fontanes "Schach von Wuthenow")
wird das "Käthchen von Heilbronn" dem Berliner
Theater angeboten.
Ende Dezember: Das 8. Stück (August 1808) des "Phöbus"
erscheint (ohne Beiträge von Kleist).
1809
1. Januar: Kleist schickt an Heinrich
Joseph v. Collin eine Abschrift der "Herrmannsschlacht"
mit der Bitte, sich für eine Wiener Aufführung einzusetzen.
Anfang Januar: 9./10. Stück (September und Oktober) des "Phöbus"
erscheint (darin von Kleist: "Zweites Fragment des Schauspiels
"Käthchen von Heilbronn", "Kleine Gelegenheitsgedichte").
11. Januar: Auguste Helene v. Massow, Schwester von Kleists Mutter
und nach deren Tod Haushaltsvorstand, stirbt; Kleist erbt 400
Reichstaler, zahlbar in sechs Monaten.
Frühjahr: Kleist verfaßt politische Schriften und patriotische
Kriegslyrik.
Mitte März: Auslieferung der letzten beiden "Phöbus"Stücke
als Doppelheft (darin von Kleist: "Der Schrecken im Bade.
Eine Idylle").
Anfang April: Heftige Auseinandersetzung mit Adam Müller,
nachdem Kleist erfahren hat, daß Müller sämtliche
Außenstände des "Phöbus" an die Walthersche
Buchhandlung abgetreten hat; eine Duellforderung Müllers
wird von Pfuel und Rühle geschlichtet.
Mitte April: Ulrike v. Kleist auf Kurzbesuch.
23. April: Kleist schickt einige patriotische Gedichte an Collin
nach Wien.
24. April: Der Berliner Polizeipräsident verweigert das Imprimatur
für das Gedicht "An den König von Preußen
zur Feier seiner Rückkehr nach Berlin".
29. April: Kleist und der Historiker Friedrich Christoph Dahlmann
reisen aus Dresden ab; ihr Weg führt sie über Teplitz
(3. Mai) und Prag (5. Mai) nach Znaim, wo sie mit BuolMühlingen,
Friedrich v. Pfuel und mit dem preußischen Unterhändler
in Österreich, Karl Friedrich von dem Knesebeck, zusammentreffen.
22.31. Mai: Nach Aufenthalten in Großenzersdorf und
Stockerau fahren Kleist und Dahlmann am 25. Mai, drei Tage
nach dem österreichischen Sieg über Napoleon, auf das
Schlachtfeld von Aspern, anschließend zurück nach Stockerau
und schließlich nach Prag.
In Prag Verbindung mit BuolMühlingen, Franz Anton v.
KolowratLiebsteinsky (Stadthauptmann von Prag) und Joseph
v. Wallis (Oberstburggraf von Böhmen).
12. Juni: Kleist reicht ein Gesuch zur Herausgabe des patriotischen
Wochenblatts "Germania" ein; das Gesuch wird vor dem
17. Juni dem Kaiser vorgelegt.
September Oktober: In Berlin und Königsberg kursiert
das Gerücht, Kleist sei in Prag gestorben.
30. Oktober: Kleist und Dahlmann beantragen Pässe nach Dresden;
Abreise am nächsten Tag.
November: Aufenthalt in Frankfurt/Oder.
23. November: Aufnahme eines Darlehens von 500 Reichstalern als
Hypothek auf sein Elternhaus.
Ende November Anfang Januar 1810: Aufenthalt in Berlin;
Umgang mit Adam und Sophie Müller und Adolphine v. Werdeck,
Begegnung mit Joseph und Wilhelm v. Eichendorff und dem Schriftsteller
Otto Heinrich v. Loeben; bei seinem späteren Verleger Georg
Andreas Reimer macht Kleist die Bekanntschaft des Schriftstellers
Ernst Moritz Arndt.
1810
Anfang Januar: Reise von Berlin über
Leipzig nach Frankfurt/Main.
12. Januar: Aus Frankfurt schickt Kleist ein Manuskript des "Käthchen
von Heilbronn" an Cotta nach Tübingen.
4. Februar: Rückkehr nach Berlin über Gotha (28./29. Januar),
wo er seinen Freund Schlotheim besucht, und Potsdam.
In Berliner Gesellschaften trifft Kleist u.a. Adam Müller,
Achim v. Arnim, Clemens v. Brentano, Friedrich de la Motte Fouqué
und den Prediger Franz Theremin; näheren Kontakt mit den
Häusern des Finanzministers Altenstein und des Staatsrats
Stägemann.
10. März: Kleist überreicht der Königin anläßlich
ihres Geburtstags das Gedicht "An die Königin Luise
von Preußen".
17. März: "Das Käthchen von Heilbronn" wird
im Theater an der Wien uraufgeführt - weitere Aufführungen
am 18., 19., 24. und 27. März.
19. März: Kleist schreibt seiner Schwester Ulrike, daß
eines seiner Stücke, "das aus der Brandenburgischen
Geschichte genommen ist" ("Prinz Friedrich von Homburg"),
im Berliner Privattheater des Prinzen Radziwill in Kürze
gespielt werde (die Aufführung ist offenbar nicht zustande
gekommen).
30. April: Kleist bestätigt den Empfang eines Vorschusses,
den Reimer für einen Band "Erzählungen" zahlt,
welcher "in drei Monaten à dato abzuliefern ist".
Anfang Mai: Beginn der Freundschaft mit Rahel Levin.
19. Juli: Durch den Tod der Königin Luise verliert Kleist
die Pension, die ihm Marie v. Kleist, fingiert im Namen der Königin,
bezahlt hat.
10. August: Kleist bietet Reimer "Das Käthchen von Heilbronn"
zum Druck an.
12. August: Beleidigender Brief an den Direktor des Berliner Theaters,
August Wilhelm Iffland, wegen dessen Ablehnung des "Käthchen
von Heilbronn".
3. September: Achim v. Arnim schreibt den Brüdern Grimm,
daß Kleist bei Julius Eduard Hitzig Berliner Abendblätter
herausbringen wird.
Ende September: Zur Michaelismesse erscheinen bei Reimer der erste
Band der "Erzählungen. Von Heinrich von Kleist. Berlin,
in der Realschulbuchhandlung, 1810" ("Michael Kohlhaas",
"Die Marquise von O....", "Das Erdbeben in Chili")
und "Das Käthchen von Heilbronn oder die Feuerprobe,
ein großes historisches Ritterschauspiel von Heinrich von
Kleist. Aufgeführt auf dem Theater an der Wien den 17., 18.
und 19. März 1810. Berlin, in der Realschulbuchhandlung,
1810".
1. Oktober: Die erste Nummer der "Berliner Abendblätter"
(= BA) erscheint; die Zeitung, als deren Herausgeber Kleist sich
erst am 22. Oktober öffentlich zu erkennen gibt, kommt
täglich außer sonntags heraus; neben Kleist sind die
(zumeist anonym auftretenden) Verfasser von Originalbeiträgen
vor allem Arnim, Adam Müller, Brentano, Friedrich Gottlob
Wetzel, Ludolph Beckedorff, Fouqué, Christian Freiherr
v. Ompteda und Friedrich Schulz.
8. Oktober: Die Auslieferung der BA ist wegen starker Nachfrage
verlegt worden.
11. Oktober: Im 10. Blatt der BA "Das Bettelweib von Locarno".
13. Oktober: Im 12. Blatt der BA "Empfindungen vor Friedrichs
Seelandschaft"; Kleists starke redaktionelle Bearbeitung
des von Arnim und Brentano eingereichten Manuskripts führt
zu Querelen mit den Verfassern.
Oktober November: Im Zuge der preußischen Reformen
werden Edikte zur Erhebung neuer Steuern erlassen.
15.17. November: Im 40.42. Blatt der BA "Die
heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik. Eine Legende.
(Zum Taufangebinde für Cäcilie M....)".
16. November: Taufe von Adam und Sophie Müllers Tocher Cäcilie
durch Theremin; unter den Paten sind Kleist, Arnim, Elisabeth
v. Stägemann und Henriette Vogel.
Ende November: Eine Reihe staatswirtschaftlicher Artikel, in denen
sich die konservative Opposition gegen Hardenbergs Reformmaßnahmen
zu Wort meldet, führt zu einer schärferen Zensuraufsicht
der BA.
Anfang Dezember: Die Zensur verbietet den Abdruck von Theaterberichten
und kritiken in den BA.
Das Publikumsinteresse an den BA ist stark zurückgegangen;
Kleist nimmt Kontakt mit Staatskanzler Hardenberg auf, um eine
offizielle Unterstützung für die BA zu erreichen.
12. Dezember: Kleist bittet Reimer um Vorauszahlung des Honorars
für den "Zerbrochnen Krug".
12.15. Dezember: Im 63.66. Blatt der BA: "Über
das Marionettentheater".
Mitte Dezember: Kleist verhandelt mit mehreren Verlegern über
die Übernahme der BA.
20. Dezember: Der Berliner Verleger August Kuhn kündigt in
der bei ihm erscheinenden Zeitschrift "Der Freimüthige"
an, daß er die BA für das kommende Jahr übernommen
hat.
24. Dezember: Für Hitzig, der am 22. Dezember vom Verlag
der BA zurücktritt, liefert Kuhn die bis Jahresende ausstehenden
Blätter.
26. Dezember: "Das Käthchen von Heilbronn" wird
in Graz aufgeführt.
1811
Im zweiten (und letzten) Quartal bringen
die "Berliner Abendblätter" nurmehr wenige Originalbeiträge;
drei Viertel sind Übernahmen und Nachdrucke aus anderen Blättern.
18. Januar: Erste Versammlung der christlichdeutschen Tischgesellschaft,
in deren Mitgliederlisten Kleist mehrfach genannt wird.
Anfang Februar: Bei Reimer erscheint "Der zerbrochne Krug,
ein Lustspiel, von Heinrich von Kleist. Berlin. In der Realschulbuchhandlung.
1811."
13. Februar: Kleist mahnt bei Hardenberg eine angeblich zugesagte
offizielle Unterstützung an, da sich die BA ansonsten nicht
halten könnten, und fordert ihn auf, Kuhn, der angesichts
des schlechten Absatzes den Verlag der BA niederlegen wolle und
von Kleist Entschädigung fordere, finanziell zu befriedigen.
Mitte Februar: Die Auseinandersetzung mit Hardenberg und dem Staatsrat
Friedrich v. Raumer um die angebliche Zusage von Finanzmitteln
für die BA nimmt an Heftigkeit zu.
17. Februar: Kleist erinnert Reimer an das Angebot, einen zweiten
Band Erzählungen herauszubringen.
22. Februar: Kleist, der Raumer für den Untergang der BA
verantwortlich macht, droht Raumer mit einer Duellforderung.
10. März: Kleist erklärt Hardenberg, die Mißverständnisse
mit Raumer seien beseitigt und der Streit damit geschlichtet.
12. März: Vorschuß für den zweiten Band der "Erzählungen".
25. März 5. April: "Der Freimüthige"
(Nrn. 6069) publiziert Kleists Erzählung "Die
Verlobung in St. Domingo" unter dem Titel "Die Verlobung".
30. März: Die letzte Nummer der "Berliner Abendblätter"
erscheint.
4. April: Kleist bewirbt sich bei Hardenberg um den Redakteursposten
beim "Kurmärkischen Amtsblatt".
23. April: Im Konzertsaal des Berliner Nationaltheaters stellt
Henriette HendelSchütz innerhalb eines Pantomimenzyklus
Szenen aus der "Penthesilea" dar; der Ehemann der Schauspielerin,
Professor Friedrich Karl Julius Schütz, gibt einleitende
Erklärungen und rezitiert Passagen des Stücks.
20. Mai: Brief an Prinz Wilhelm von Preußen, worin Kleist
die Auseinandersetzung um die Abendblätter schildert und
eine Anstellung im Zivildienst erbittet.
6. Juni: Kleist bittet Hardenberg um Anstellung im Zivildienst
bzw. um die Aussetzung eines Wartegelds.
17. Juni: Brief an König Friedrich Wilhelm III. (Erneuerung
des an Hardenberg gerichteten Gesuchs vom 6. Juni).
Ende Juni: Kleist bietet Reimer den "Prinz von Homburg",
von dem er eine Reinschrift fertigt, zum Druck an.
2.20. Juli: Die Wiener Zeitschrift "Der Sammler"
(Nrn. 7981, 8387) bringt einen Nachdruck der "Verlobung".
Ende Juli: Kleist informiert Reimer, daß er mit einem zweibändigen
Roman "ziemlich weit vorgerückt" sei (der Wahrheitsgehalt
dieser Äußerung ist höchst fraglich; Ende 1811
berichtet Arnim, Kleist habe daran gedacht, "ein Buch in
der Art wie die Manon Lescaut zu schreiben").
Anfang August: Bei Reimer erscheint "Erzählungen. Von
Heinrich von Kleist. Zweiter Theil. Berlin, in der Realschulbuchhandlung.
1811". ("Die Verlobung in St. Domingo", "Das
Bettelweib von Locarno", "Der Findling", "Die
heilige Cäcilie, oder die Gewalt der Musik", "Der
Zweikampf"; "Findling" und "Zweikampf"
im Erstdruck).
1. September: "Das Käthchen von Heilbronn" wird
am Bamberger Theater aufgeführt (Bühnenbild von E.T.A.
Hoffmann).
3. September: Marie v. Kleist läßt Prinzessin Marianne
v. Preußen, geb. v. HessenHomburg, ein handschriftliches
Widmungsexemplar des "Homburg" überreichen und
bittet um eine Pension für Kleist.
9. September: Kleist zur Audienz beim König; die Rückkehr
in den Militärdienst wird per Kabinettsorder für den
Fall eines Krieges in Aussicht gestellt.
Kleist rechnet mit baldigem Kriegsausbruch.
18.19. September: Aufenthalt bei den Geschwistern in Frankfurt
(Bitte um Geld zur Anschaffung einer militärischen Ausrüstung),
wo Kleist "als ein ganz nichtsnutziges Glied der menschlichen
Gesellschaft" beschimpft wird; anschließend bei Ludwig
und Charlotte von der Marwitz auf Gut Friedersdorf.
19. September: Zum Erwerb einer Offiziersausrüstung erbittet
Kleist von Hardenberg vergeblich ein Privatdarlehen.
Herbst: Enge Verbindung mit der an Krebs erkrankten Adolphine
Sophie Henriette Vogel, geborene Keber (*1777).
20. November: Am Nachmittag treffen Kleist und Henriette Vogel
im Neuen Krug am Kleinen Wannsee ein, wo sie die Nacht verbringen.
21. November: Gegen 16 Uhr erschießt Kleist zunächst
Henriette Vogel und dann sich selbst.
22. November: Gerichtliche Obduktion der beiden Leichname; Beisetzung
in einem gemeinsamen Grab.
1813
Ernst v. Pfuel gibt Kleists Ode "Germania an ihre Kinder" heraus.
1818
22.25. April: Die von Johann Baptist Pfeilschifter in Weimar herausgegebene Zeitschrift "Zeitschwingen oder des deutschen Volkes fliegende Blätter" bringt in den Nrn. 3132 einen Teilabdruck der "Herrmannsschlacht" (20. bis 24. Auftritt des fünften Aktes) unter dem Titel "Marbod und Herrmann. Eine Scene aus der Herrmannsschlacht, einer Reliquie von Heinrich von Kleist".
1821
In Berlin erscheinen "Heinrich
von Kleists hinterlassene Schriften, herausgegeben von L(udwig)
Tieck." (darin u.a. erstmals: "Prinz Friedrich von Homburg",
"Die Herrmannsschlacht").
3. Oktober: "Prinz Friedrich von Homburg" wird unter
dem Titel "Die Schlacht bey Fehrbellin" von Josef Schreyvogel
am Wiener Burgtheater uraufgeführt.
1826
Die erste Gesamtausgabe: "Heinrich von Kleists gesammelte Schriften. Herausgegeben von Ludwig Tieck." (3 Bände).
1848
Die erste Biographie: "Heinrich von Kleist's Leben und Briefe. Mit einem Anhange herausgegeben von Eduard von Bülow".
1859
"Heinrich von Kleist's gesammelte Schriften. Herausgegeben von Ludwig Tieck, revidirt, ergänzt und mit einer biographischen Einleitung versehen von Julian Schmidt." (3 Bände); 1863 erscheint eine zweite, verbesserte Auflage.
1860
"Heinrichs von Kleist Briefe an
seine Schwester Ulrike. Herausgegeben von Dr. A(ugust) Koberstein."
18. Oktober: "Die Herrmannsschlacht" wird in der Bearbeitung
von Feodor Wehl am Stadttheater Breslau uraufgeführt.
1862
"Heinrich von Kleist's politische Schriften und andere Nachträge zu seinen Werken. Mit einer Einleitung zum ersten Male herausgegeben von Rudolf Köpke."
1876
25. April: In Berlin Uraufführung der "Penthesilea" (in der Bearbeitung Salomon Hermann v. Mosenthals) im Königlichen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt.
1884
"Heinrich von Kleists Briefe an seine Braut. Zum ersten Male vollständig nach den Originalhandschriften herausgegeben von Karl Biedermann. Mit den Bildnissen Kleists und seiner Braut."
1885
"Heinrich von Kleists sämtliche Werke. Herausgegeben von Theophil Zolling." (4 Bände).
1888
"Amphitryon"-Aufführung vom Verein für historisch-moderne Festspiele Berlin.
1899
8. April: Uraufführung des "Amphitryon" am Neuen Theater in Berlin.
1901
6. April: Das Fragment "Robert Guiskard" wird unter der Regie von Paul Lindau am Berliner Theater uraufgeführt.