Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn Pressemeldung Nr. 92 - 23. 9. 2004 (Sie finden frühere Pressemeldungen unter www.kleist.org/presse) --------------------------------------------------------- Kleist-Archiv Sembdner Fotoausstellung "Käthchen-Festspiele 1952 im Deutschhof" im K3 Für die Identität des kriegszerstörten Heilbronn spielen die Deutschhof-Festspiele, die 1952 unter dem Titel "Käthchen-Festspiele" gestartet wurden und bis 1957 bestanden haben, eine wichtige Rolle. Bereits 1950 war die erste Käthchen-Gruppe berufen worden (mit Ilse Hopfengärtner als Käthchen und als ihre "Begleiterinnen" Erika Gehring, Erika Landerer, Margarete Meyle und Elisabeth Weingand). 1951 riefen Mitglieder der einstigen "Spielschar Heilbronn" (1927-1931), die mit dem Namen Dr. Heinz Holzammer und Dr. Peter Bruckmann verbunden ist, unter Führung von Stadtrat Lutz dazu auf, an einer Freilichtaufführung des "Käthchen" mitzuwirken; der Anstoß selbst war aus der Stadtverwaltung gekommen. Bereits am 1. April 1952 konnte man in der Zeitung lesen, daß Stellproben im Deutschhof stattfinden: "Große Schwierigkeiten - so wurde hervorgehoben - bereitete die bedauerliche Tatsache, daß die Ruine des Deutschhofs, der damals [d. h. Ende der zwanziger Jahre] einen so wundervollen Rahmen abgegeben hat, so verfallen ist." Der Dichter Walter von Molo, der 1927 im Stadttheater eine Festrede zur Käthchen-Aufführung gehalten hatte, ermunterte die Spieler: "Wir müssen das zeigen, damit sich andere wieder dessen bewußt werden, was an Schönheit, Reinheit und Gemeinsamkeit, trotz allem, trotz allem und trotz allem, in uns Menschen lebt!" Als "Spielleiter" wurde Wilhelm Speidel verpflichtet, der bereits früher das "Käthchen" inszeniert hatte (z. B. 1939 in einer Freilichtaufführung in Reutlingen) und der durch seine Regie-Erfahrungen z. B. in Schwäbisch Hall mit den Tücken von Freilicht-Inszenierungen bestens vertraut war. Maßgeblich in die Planungen involviert war der Vorsitzende des Theaterausschusses des Verkehrsvereins, Dr. Carl R. Frühsorger, der in einer Pressekonferenz auf die Tradition der Käthchen-Festspiele aus der Weimarer Zeit hinwies und hervorhob, daß die Aufführung "sehr dazu angetan ist, Heilbronn als kulturellen Mittelpunkt in Erscheinung treten zu lassen". Besonderer Aufmerksamkeit erfreute sich das Aussehen der Schauspielerin, die die Titelfigur verkörpern sollte, Dorothea Mayer (nicht Ruth Niehaus, wie man immer wieder fälschlich hört - die ist zwar auf dem Plakat abgebildet, spielte aber 1954 das Gretchen in Goethes "Faust"): Mit Kleistschem Textzitat wurde nachgewiesen, daß Käthchen eher nicht blond, sondern "dunkel" intendiert war, was die Mimin auch vorzüglich verkörperte: schwarzhaarig und dunkeläugig, ein "durchaus bajuvarischer Typus, mit einem kleinen südlichen Einschlag, wie man ihn vielfach auch in den Gebirgstälern antrifft". Erfahren durfte man über Dorothea Mayer, daß sie ein Engagement am Schauspielhaus in Hamburg hatte, daß sie die letzte Schülerin von Prof. Falkenberg war, danach in Bochum bei dem legendären Intendanten Dr. Saladin Schmitt debütiert hatte und "bald der Bühne Valet sagen wird, um sich in Schweden zu verheiraten". Den Strahl gab der 1901 geborene Waldemar Leitgeb, den man u. a. aus Filmen mit Pola Negri, Heidemarie Hatheyer und Paul Hörbiger kannte (zum damaligen Zeitpunkt engagiert am Staatstheater in Karlsruhe). Zehn Aufführungen lang (4.-14. September 1952) und dann noch einmal im Folgejahr wurde das Käthchen in der Deutschhofruine gespielt. Ein Zufall hat es nun gefügt, daß das Kleist-Archiv Sembdner aus einem Fotoalbum einer damaligen Mitspielerin mehr als 120 Amateuraufnahmen reproduzieren durfte, von denen jetzt mehr als die Hälfte in einer kleinen Bilderschau im K3, 2. OG zu sehen sind. Diese Ausstellung, die sich als Baustein zu einer größeren Dauerausstellung versteht, bedarf freilich noch einiger Ergänzungen. So ist es dem Kleist-Archiv Sembdner bisher nicht gelungen, das von Hans Franke so gepriesene Ausstellungsplakat von A. W. Sauter für die Sammlung zu bekommen noch Exemplare der Programmhefte von 1952 und 1953. Insofern ist die Ausstellung zugleich ein Aufruf an Zeitzeugen und Besitzer von Erinnerungsstücken, sich mit dem Kleist-Archiv Sembdner in Verbindung zu setzen. Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind identisch mit den Bürozeiten der Beschäftigten, d. h. in der kommenden Woche Di, Mi, Do 9-12 und 13-16.30 Uhr. Danach etwa Mo-Do 9-16, Sa 9-14 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung (56-2668). Im Internet sind die Presseberichte und die Fotos zu finden unter www.kleist.org/kaethchen (dort; Käthchen-Festspiele 1952). --------------------------------------------------------- Impressum: Kleist-Archiv Sembdner · Direktor: Günther Emig · Berliner Platz 12 (Theaterforum K3) · D-74072 Heilbronn · E-Mail: kleist@kleist.org · Fax (07131) 56-3699 · Tel. (07131) 56-2668 · Internet: www.kleist.org