Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn Pressemeldung Nr. 91 - 14. 9. 2004 (Sie finden frühere Pressemeldungen unter www.kleist.org/presse) --------------------------------------------------------- RR und KvH (von HvK) Er gilt als unser streitbarster und umstrittenster Literaturkritiker, an ihm reibt man sich (obwohl man sehr gut weiß, wie publikumswirksam und damit verdienstvoll er die Literatur zum Gesprächthema gemacht hat): Marcel Reich-Ranicki. Soeben ist im Insel-Verlag eine weitere Kassette seines "Kanons Die deutsche Literatur" erschienen, der acht Bände und einen Einführungsband umfassende Dramenteil (98 Euro), lt. Klappentext "die größte Sammlung deutschsprachiger Dramen von Gotthold Ephraim Lessing und Johann Wolfgang Goethe bis Thomas Bernhard und Botho Strauß". Er enthält 43 Theaterstücke von insgesamt 23 Dichtern. Mit dabei Heinrich von Kleist. Was daran bemerkenswert ist? Von den acht Stücken (einschließlich Guiskard-Fragment) druckt der Altmeister drei Stücke ab, den unverwüstlichen "Zerbrochnen Krug", das Pflicht-Herz-Konflikt-Stück "Prinz Friedrich von Homburg" und - verblüffend genug - das "Käthchen von Heilbronn". Woraus wir zumindest im Unterland schließen dürfen, daß man sich doch nicht ganz für das Stück zu schämen braucht, mit dem der unglückliche Dichter Heilbronn zu einem Schauplatz der Weltliteratur gemacht hat: RR im Einführungsband: "Ich kenne [...] keine Stücke, die poetischer wären als der Prinz von Homburg, als das Käthchen von Heilbronn oder Amphitryon." ge Off topic hinterher: Der geschäftsführende Schulleiter der Heilbronner Gymnasien auf die Frage: "Ist die Tatsache, dass das Schauspiel in Heilbronn spielt, nicht Grund genug, in Schulen im Unterland auf der Leseliste zu stehen": "'Das Käthchen von Heilbronn' gehört nicht zu den großen nationalen Stücken." Und führt als Beleg dafür, daß es an den Heilbronner Schulen doch nicht ganz vergessen sei, die "Käthchen"-Aufführung von Käthchen-Hochzeitszug und Theatergruppe des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums im letzten Jahr an. Er finde es gut, dass dadurch die Tradition des Heilbronner Käthchens aufrecht erhalten wird. Doch "überstrapaziert werden" sollte das Thema nicht. (Heilbronner Stimme, 12. August 2004, S. 21, "Stimmt!") - Meinen wir auch: Mit dem Segen von Reich-Ranicki das Stück als Unterrichtsstoff mit abschließendem Besuch einer Aufführung, das reicht eigentlich schon... --------------------------------------------------------- Impressum: Kleist-Archiv Sembdner · Direktor: Günther Emig · Berliner Platz 12 (Theaterforum K3) · D-74072 Heilbronn · E-Mail: kleist@kleist.org · Fax (07131) 56-3699 · Tel. (07131) 56-2668 · Internet: www.kleist.org