Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn Pressemeldung Nr. 79 - 29. 7. 2004 (Sie finden diese und frühere Pressemeldungen unter www.kleist.org/presse) --------------------------------------------------------- Verehrte Kollegin, geehrter Kollege, mit der Bitte um Bekanntgabe (und auch zur Weitergabe an die Zuständigen "vom Termin"!) Nein, es war nicht Schlingensiefs "Parsifal" in Bayreuth, der uns bei der Textauswahl inspiriert hat. Wir haben einfach versucht, die vielfältigen Schattierungen des Themas auszuloten, und sind zwangsläufig bei Thomas Mann hängen geblieben. Mit seiner Erzählung, meinen wir, versteht man ein Stück deutscher Kultur- und Geistesgeschichte einfach besser. Mal abgesehen von den literarischen Qualitäten der Sprache. In diesem Sinne: Liebe. Was sonst. Eine Veranstaltungsreihe des Kleist-Archivs Sembdner Siebenter Tag Thomas Mann (1875-1955) · Wälsungenblut Gelesen von Cornelia Bielefeldt Montag, 2. August 2004, 17 Uhr. Heilbronn, Hefenweiler (bei Regen: Zigarre, Achtungstr. 37) "Da es sieben Minuten vor zwölf war, kam Wendelin in den Vorsaal des ersten Stockes und rührte das Tamtam. Breitbeinig, in seinen veilchenfarbenen Kniehosen, stand er auf einem altersblassen Gebetsteppich und bearbeitete das Metall mit dem Klöppel. Der erzene Lärm, wild, kannibalisch und übertrieben für seinen Zweck, drang überallhin: in die Salons zur Rechten und Linken, den Billardsaal, die Bibliothek, den Wintergarten, hinab und hinauf durch das ganze Haus, dessen gleichmäßig erwärmte Atmosphäre durchaus mit einem süßen und exotischen Parfum geschwängert war." Geschildert wird ein Tag im Leben der Familie Aarenhold. Der Ministerialbeamte Beckerath, Sieglindes Bräutigam, ist zu Besuch. Von den Zwillingen Siegmund und Sieglinde wird er sehr abweisend behandelt. Am Abend besuchen die beiden Geschwister Wagners "Walküre", um sich anschließend, in Analogie zum Opernstoff, auf einem Eisbärfell im Zimmer Siegmunds dem Inzest hinzugeben. So, in dürren Sätzen der Inhalt der Geschichte. Klar, das ist eine Auseinandersetzung mit dem alles beherrschenden Richard Wagner. Aber: Thomas Mann geht es - im Gegensatz zu Wagner - nicht mehr um den "Sieg der Natur, der alles besiegenden Liebe über die Fesseln der sinnnentötenden Konventionen", sondern um die "Rache an an der Trivialität", die die Geschwister in Beckerath verkörpert sehen. Thomas Mann hat die bereits 1905 entstandene Novelle "Wälsungenblut" aus Familienrücksichten und aus Furcht vor einem Skandal zurückgehalten; sie ist erst 1921 in Buchform erschienen (mit Illustrationen von Th. Th. Heine). Liebe. Was sonst. Ein Projekt des Kleist-Archivs Sembdner gemeinsam mit Cornelia Bielefeldt. 12. Juli bis 12. August 2004, montags und donnerstags, 17 Uhr. Heilbronn, Hefenweiler (beim Insel-Hotel). Bei Regen: Zigarre, Achtungstr. 37 Weitere Infos: www.kleist.org/liebe In diesem Sinne, mit allen guten Wünschen Ihr Günther Emig --------------------------------------------------------- Impressum: Kleist-Archiv Sembdner · Direktor: Günther Emig · Berliner Platz 12 (Theaterforum K3) · D-74072 Heilbronn · E-Mail: kleist@kleist.org · Fax (07131) 56-3699 · Tel. (07131) 56-2668 · Internet: www.kleist.org