Pressemeldung Nr. 76 - 20. 7. 2004 (Sie finden diese und frühere Pressemeldungen unter www.kleist.org/presse) --------------------------------------------------------- Verehrte Kollegin, geehrter Kollege, mit der Bitte um Bekanntgabe (und auch zur Weitergabe an die Zuständigen "vom Termin"!) Liebe. Was sonst. Eine Veranstaltungsreihe des Kleist-Archivs Sembdner Vierter Tag Guy de Maupassant (1850-1893) Die nutzlose Schönheit · Auf der Bettkante Gelesen von Cornelia Bielefeldt Donnerstag, 22. Juli 2004, 17 Uhr. Heilbronn, Hefenweiler (bei Regen: Zigarre, Achtungstr. 37) Guy de Maupassants Geschichte "Die nutzlose Schönheit" ("L'Inutile Beauté"), erstmals erschienen Anfang April 1890 im "L'Echo de Paris", berichtet von der schönen Comtesse de Mascaret, Mutter von sieben Kindern, die zu höchst ungewöhnlichen Mitteln greift, um sich den Freiraum für ein selbstbestimmtes Leben zu verschaffen. Diese nach dem Urteil ihres Autors "exquisiteste Erzählung", die er je schrieb, ist alles andere als prä-feministisch, obwohl auch hard-core-Frauenrechtlerinnen sich in der Handlungsweise der Comtesse sofort wiederfinden könnten. In der ungleich kürzeren Erzählung "Auf der Bettkante" ("Au Bord du Lit", 1883 unter Pseudonym publiziert) praktiziert die von ihrem Ehemann betrogene Gräfin de Sallure das Prinzip "Gleiches Recht für alle": "Oh, du hast mir deutlich genug zu verstehen gegeben, ich sei frei, unter intelligenten Leuten stelle die Ehe lediglich eine Interessengemeinschaft dar, eine gesellschaftliche, aber keine moralische Bindung. [...] Wir hatten vereinbart, zwar zusammen, aber völlig getrennt zu leben. Wir hatten ein Kind, und das bildete den Bindestrich zwischen uns. [...] Ich habe verstanden, mein Lieber, vollauf verstanden." Guy de Maupassant wurde 1850 auf Schloß Miromesnil bei Dieppe geboren und stammte aus einer alten lothringischen Adelsfamilie. Er studierte einige Zeit Jura in Paris und nahm 1870/71 am Deutsch-Französischen Krieg teil. Ab 1871 war er in Paris als Ministerialbeamter tätig. Gustave Flaubert, ein Freund seiner Mutter, unterstützte Maupassants erste literarische Versuche. Rasch avancierte er zu einem Meister der Erzählkunst, ab 1880 widmete er sich ausschließlich seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Seit 1891 in geistiger Umnachtung lebend, starb er 1893 in Passy bei Paris. In den noch etwas prüderen Zeiten auf dem deutschen Buchmarkt erschienen seine Geschichten regelmäßig in "einschlägigen" Anthologien - zusammen mit Aretino, Boccaccio usw. Während anderes inzwischen eher verstaubt wirkt, muten seine Miniaturen aus dem einschlägigen Ehe- und Liebesmilieu trotz ihres anderen gesellschaftlichen Umfelds (oder gerade wegen...?) auch heute noch ungemein modern an. Liebe. Was sonst. Ein Projekt des Kleist-Archivs Sembdner gemeinsam mit Cornelia Bielefeldt. 12. Juli bis 12. August 2004, montags und donnerstags, 17 Uhr. Heilbronn, Hefenweiler (beim Insel-Hotel). Bei Regen: Zigarre, Achtungstr. 37 Weitere Infos: www.kleist.org/liebe In diesem Sinne, mit allen guten Wünschen Ihr Günther Emig --------------------------------------------------------- Impressum: Kleist-Archiv Sembdner · Direktor: Günther Emig · Berliner Platz 12 (Theaterforum K3) · D-74072 Heilbronn · E-Mail: kleist@kleist.org · Fax (07131) 56-3699 · Tel. (07131) 56-2668 · Internet: www.kleist.org