Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn Pressemeldung Nr. 74 - 13. 7. 2004 (Sie finden diese und frühere Pressemeldungen unter www.kleist.org/presse) --------------------------------------------------------- Verehrte Kollegin, geehrter Kollege, mit der Bitte um Bekanntgabe (und auch zur Weitergabe an die Zuständigen "vom Termin"!). Sollten Sie besondere Beziehungen zum Wettergott haben: bitte ein gutes Wort für uns einlegen! Liebe. Was sonst. Eine Veranstaltungsreihe des Kleist-Archivs Sembdner Zweiter Tag Gottfried Keller (1819-1890): Der schlimm-heilige Vitalis Johann Peter Hebel (1760-1826): Unverhofftes Wiedersehen Gelesen von Cornelia Bielefeldt Donnerstag, 15. Juli 2004, 17 Uhr. Heilbronn, Hefenweiler (bei Regen: Zigarre, Achtungstr. 37) "Im Anfang des achten Jahrhunderts lebte zu Alexandria in Ägypten ein wunderlicher Mönch, namens Vitalis, der es sich zur besonderen Aufgabe gemacht hatte, verlorene weltliche Seelen vom Pfade der Sünde wegzulocken und zur Tugend zurückzuführen. Aber der Weg, den er dabei einschlug, war so eigentümlich, und die Liebhaberei, ja Leidenschaft, mit welcher er unablässig sein Ziel verfolgte, mit so merkwürdiger Selbstentäußerung und Heuchelei vermischt, wie es in der Welt kaum wieder vorkam." So beginnt - nicht Boccaccio, wie man vielleicht auch vermuten könnte, sondern Gottfried Keller seine Erzählung vom "schlimm-heiligen Vitalis"; eine von insgesamt sieben Legenden, die 1872 gesammelt als Buch bei Göschen in Stuttgart erschienen sind und die einen Zyklus bilden. Sieben ist die Zahl der Vollkommenheit, und aus sieben Legenden besteht auch Gottfried Kellers Buch: Eugenia (in der gleichnamigen Legende) wird von falscher katholischer Frömmigkeit zur Rolle der liebenden Frau bekehrt; in "Die Jungfrau und die Nonne" und in "Dorotheas Blumenkörbchen" siegt die antike Sinneslust über die katholische Kasteiung des Fleisches, das "Tanzlegendchen" endet mit dem (beklagenswerten) Sieg der christlichen Askese; im "schlimm-heiligen Vitalis" verwandelt sich Maria in eine irdische Geliebte, und die beiden "Jungfrau"-Legenden folgen dem gleichen Muster... Angeregt durch die Legenden Gotthard Ludwig Kosegartens (1804 - siehe http://gutenberg.spiegel.de/autoren/kosegart.htm, 1758-1818) und durch die Feuerbachsche Religionskritik, versuchte Keller aus den überlieferten Legenden eine "ehemalige, mehr profane Erzählkunst" wiedererstehen zu lassen, wobei den Gestalten "zuweilen das Antlitz nach einer andren Himmelsgegend hingewendet wurde, als nach welcher sie in der überkommenen Gestalt schauen". Die Personen werden aus ihrer Weltfeindlichkeit gelöst, das Recht des Natürlichen und Sinnlichen wird wiederhergestellt, die Wunderwelt ironisch gebrochen. Ergänzt wird die Lesung um die immer wieder anrührende kurze Kalendergeschichte von Johann Peter Hebel, die wir aus unseren Schulzeiten noch in Erinnerung haben dürften. - Haben wir doch? Liebe. Was sonst. Ein Projekt des Kleist-Archivs Sembdner gemeinsam mit Cornelia Bielefeldt. 12. Juli bis 12. August 2004, montags und donnerstags, 17 Uhr. Heilbronn, Hefenweiler (beim Insel-Hotel). Bei Regen: Zigarre, Achtungstr. 37 Weitere Infos: www.kleist.org/liebe In diesem Sinne, mit allen guten Wünschen Ihr Günther Emig --------------------------------------------------------- Impressum: Kleist-Archiv Sembdner · Direktor: Günther Emig · Berliner Platz 12 (Theaterforum K3) · D-74072 Heilbronn · E-Mail: kleist@kleist.org · Fax (07131) 56-3699 · Tel. (07131) 56-2668 · Internet: www.kleist.org