Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn Pressemeldung Nr. 73 - 8. 7. 2004 (Sie finden diese und frühere Pressemeldungen unter www.kleist.org/presse) --------------------------------------------------------- Verehrte Kollegin, geehrter Kollege, mit der Bitte um Bekanntgabe (und auch zur Weitergabe an die Zuständigen "vom Termin"!) Liebe. Was sonst. Eine Veranstaltungsreihe des Kleist-Archivs Sembdner Erster Tag Rudolf Borchardt (1877-1945): Die neue Dido Theodor Fontane (1819-1898): Eine Frau in meinen Jahren Gelesen von Cornelia Bielefeldt Montag, 12. Juli 2004, 17 Uhr. Heilbronn, Hefenweiler (bei Regen: Zigarre, Achtungstr. 37) Sie war "eine Art Malerin" in Dresden, Anfang dreißig, "noch hübsch", und wenn wir auf ihr Äußeres schon aus Platzgründen in dieser Pressemeldung nicht weiter eingehen können, so müssen wir doch mit dem Autor Rudolf Borchardt darauf hinweisen, daß diese seine "neue Dido" "in der Autonomie der Männerwahl wie in der Zielsicherheit und Freiheit, mit der sie ihre Wünsche teils durchsetzte, teils in der Durchsetzung selber begrenzte", ihre Geschlechtsgenossinnen übertraf. - Das ist die Ausgangssituation: Ein halbes Dutzend Männer, ein halbes Dutzend "Malweiber" ziehen im Sommer zum Malen hinaus in die Natur. Ein Kollege taucht auf, toller Hecht, ganz Macho, und es entspinnt sich, aus der Perspektive der emanzipierten Frau mit großer Einfühlsamkeit erzählt, eine entzückende Liebesgeschichte, mit der wir denn auch unsere zehnteilige Open-air-Veranstaltungsreihe "Liebe. Was sonst." eröffnen. Und weil diese Geschichte allein nicht veranstaltungsfüllend ist, haben wir, passend dazu, sehr subtil, mit Stil und Klasse, Theodor Fontanes "Eine Frau in meinen Jahren" ausgewählt. Während wir letzteren (Fontane) wohl nicht mehr besonders vorstellen müssen - oder müssen wir doch?? Wir sagen nur "Effi Briest" -, ist Rudolf Borchardt vermutlich nur noch den Germanisten geläufig. Geboren 1877 in Königsberg, gestorben am 10. Januar 1945 in Trins (Tirol), lebte er die meiste Zeit in Italien und hätte als Jude nach 1933 auch nicht mehr nach Deutschland kommen können. Die Literaturlexika nennen ihn eine "ungewöhnliche Formbegabung", hervorgegangen aus der neuromantischen Bewegung um Hugo von Hofmannsthal und den George-Kreis, aus dem er sich später löste. Wir übergehen die Hinweise auf seine Lyrik und seine Versepen; bemerken nur, daß er als Essayist und Kritiker "Hüter der literarischen Tradition und Bekämpfer der 'Moderne'" war. Auch als einen ebenso bedeutenden wie eigenwilligen Übersetzer muß man ihn wohl nennen. Erwähnt wird in diesem Zusammenhang seine Übertragung von Dantes "Göttlicher Komödie" in eine selbstgeschaffene, dem Mittelhochdeutschen nahestehende Kunstsprache. "Konservativen Geist, jedoch Leichtigkeit in Dialog und Handlungsführung" weisen auch seine Erzählungen auf. All diese klugen Sätze haben wir natürlich erst gelesen, nachdem wir seine "Neue Dido" bereits ausgesucht hatten. Die Gewichtigkeit des lexikalischen Wissens könnte abschrecken. Dabei ist Borchardts unbeschwerte Erzählung durchaus als duftige Sommerlektüre in einer heutigen Illustrierten vorstellbar, und für uns selbst ist sie eine echte Entdeckung: In der Stimmung vielleicht vergleichbar mit Tucholskys "Schloß Gripsholm" - bei natürlich völlig anderer politischer Ausrichtung der beiden Autoren. Aber wen interessiert das Politische bei einem kleinen Meisterwerk der Erzählkunst! Liebe. Was sonst. Ein Projekt des Kleist-Archivs Sembdner gemeinsam mit Cornelia Bielefeldt. 12. Juli bis 12. August 2004, montags und donnerstags, 17 Uhr. Heilbronn, Hefenweiler (beim Insel-Hotel). Bei Regen: Zigarre, Achtungstr. 37 Weitere Infos: www.kleist.org/liebe In diesem Sinne, mit allen guten Wünschen zum Wochenende Ihr Günther Emig --------------------------------------------------------- Impressum: Kleist-Archiv Sembdner · Direktor: Günther Emig · Berliner Platz 12 (Theaterforum K3) · D-74072 Heilbronn · E-Mail: kleist@kleist.org · Fax (07131) 56-3699 · Tel. (07131) 56-2668 · Internet: www.kleist.org