Vortrag von Prof. Dr. Gerhard Schulz (Melbourne/Australien)

"Gleichviel". Über eine Sprachfigur und die Suche nach Wahrheit bei Heinrich von Kleist

Donnerstag, 21. September 2000, 19.30 Uhr, in den Räumen der Stadtbücherei Heilbronn


"Gleichviel": wie einen Tennisball spielen sich die Gestalten in Kleists "Prinz Friedrich von Homburg" dieses Wort immer wieder zu, ein Wort also, das auf Gleichgültigkeit und Bedeutungslosigkeit zielt. Spricht sich darin eine letzte, wenngleich verborgene Erkenntnis Kleists aus, des leidenschaftlichen Suchers nach Wahrheit, der dennoch mit ihr stets frei umgesprungen ist? Aus der Perspektive dieser Frage will der Vortrag einen Blick auf den beständigen, aber rätselhaft bleibenden Reiz von Kleists Werk und Person tun.

Gerhard Schulz, geboren 1928 in Löbau/Sa., Studium der Germanistik und Anglistik an der Universität Leipzig, an der er 1958 mit einer Arbeit über die Berufslaufbahn des Dichters Novalis promovierte. 1959 Übersiedlung nach Australien, dort von 1959 bis 1964 Dozent für deutsche Sprache und Literatur an den Universitäten von Melbourne und Adelaide, von 1965 bis 1968 Professor für Deutsch an der University of Western Australia in Perth und von 1969 bis 1992 Professor of Germanic Studies an der University of Melbourne. Seit 1993 emeritiert. - 1973 wurde er zum Fellow der Australian Academy of the Humanities gewählt, deren Präsident er von 1989 bis 1992 war. Seit 1977 ist er Korrespondierendes Mitglied der Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung. Er wurde ausgezeichnet mit der Goethe-Medaille in Gold, der Eichendorff-Medaille und ist Preisträger der Alexander-von-Humboldt-Stiftung.

Publikationen: Bücher: Novalis mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek 1969, 12. Aufl. 1996; Arno Holz. Dilemma eines bürgerlichen Dichterlebens. München 1974; Die deutsche Literatur zwischen Französischer Revolution und Restauration. Erster Teil: Das Zeitalter der Französischen Revolution 1789-1806. München 1983, 2. Aufl. 2000. Zweiter Teil: Das Zeitalter der Napoleonischen Kriege und der Restauration 1806-1830. München 1989; Romantik. Geschichte und Begriff. C. H. Beck, München 1996; Exotik der Gefühle. Goethe und seine Deutschen. München 1998. Editionen u.a.: Novalis. Schriften. Hrsg. von Richard Samuel in Zusammenarbeit mit Hans-Joachim Mähl, 5 Bde., Stuttgart 1960-1999; Novalis. Werke. München 1969. 2., neubarbeitete Auflage 1981, 3.Aufl. 1987; Novalis. Beiträge zu Werk und Persönlichkeit Friedrich von Hardenbergs. Darmstadt 1970, 2., erweiterte Aufl. 1986; Friedrich de la Motte Fouqué: Romantische Erzählungen. München 1973. 2. Aufl. 1985. Zahlreiche Aufsätze und Rezensionen in Fachzeitschriften und in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.


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