Mit einer sensationellen Neuheit aufwarten kann das Kleist-Archiv Sembdner der Stadt Heilbronn. In seiner jüngsten Veröffentlichung dokumentiert das Archiv, daß die uneheliche Kaisertochter Katharina von Schwaben, besser bekannt als "Käthchen von Heilbronn", noch eine jüngere Halbschwester namens Maria hatte. Zu verdanken ist diese Erkenntnis dem Braunschweiger Literaturwissenschaftler Rüdiger Wartusch. Im Juli letzten Jahres stellte er in einem Vortrag in Heilbronn "Käthchens Kopenhagener Schwester Maria" vor.
Als Heft 11 und zugleich Heft 1 der Neuen Folge der bibliophilen "Heilbronner Kleist-Schriften" ist sein Vortrag nun erschienen. Hinzugekommen sind 11 historische Abbildungen (meist Reproduktionen seltener Kupferstiche) und wissenschaftliche Anmerkungen.
Mit Wartuschs Fund ist eine Lücke in der Wirkungsgeschichte des Kleistschen Erfolgsdramas "Das Käthchen von Heilbronn" geschlossen. Die anläßlich des Geburtstages der dänischen Königin 1818 in Kopenhagen zur Aufführung gekommene Bearbeitung ist die erste Übersetzung eines Kleistschen Dramas überhaupt. "Das Käthchen von Heilbronn" liegt dabei in dänischer Bearbeitung gleich unter zwei Titeln vor. Als "Mädchen von Heilbronn" ("Pigen fra Heilbronn") hatte das Stück im November 1818 ebenso wenig Erfolg wie unter dem Titel "Maria fra Heilbronn". Die Aufführung im königlichen Theater endete übrigens mit einem handfesten Skandal. Es kam zu tumultartigen Szenen im Publikum.
Wartuschs Publikation schlägt in der Kleist-Forschung ein neues Kapitel auf. Gleichermaßen akribisch und subtil zeigt er ein bislang weitgehend unbekannte "Käthchen"-Bild. Die gut verständliche und schön bebilderte Dokumentation ist ein Muß für jeden "Käthchen"-Liebhaber: Rüdiger Wartusch: Käthchens Kopenhagener Schwester Maria. Eine Dokumentation der frühesten Kleist-Übersetzung. Heilbronn : Stadtbücherei, Kleist-Archiv Sembdner 1998 (Heilbronner Kleist-Schriften 11 = N.F., 1, hrsg. von Günther Emig und Anton Philipp Knittel), 50 S. 11 Abb., ISBN 3-931060-38-1. 20,- DM.
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