P[rojekt] zwofünfundzwanzig - HSchlacht & anderes

Zum 225. Geburtstag Heinrich von Kleists

Eine Aktion des Kleist-Archivs Sembdner

(c) 2002 Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn


Karla Woisnitza und Dr. Barbara Wilk-Mincu (Berlin)

Die Künstlerin im Gespräch

Dienstag, 8. Oktober 2002, 19.30 Uhr
Heilbronn, Hagenbucher, Kranenstr. 14 (beim Insel-Hotel)

Eintritt frei


    Zur Biographie von Karla Woisnitza

Die Aufzeichnung meiner Hermannsschlacht nach Kleist 1979 erfolgte in einem baufälligen Fachwerkhaus im Oderbruch, sozusagen im Exil zwischen dem Studienort Dresden und dem Elternhaus in der Mark Brandenburg. Kleistsche Theaterstücke sprachen mir aus der Seele und nach meiner Lesart boten sie damit einen Schutzraum für eigene Gedanken und Gefühle.

Der Aufenthalt war auch die Zeit eines sommerlichen Landlebens mit meiner anderthalbjährigen Tochter. Zuvor hatte ich das Angebot des Rates des Bezirkes Frankfurt (Oder) ausgeschlagen, zwecks Ansiedlungspolitik Burgfräulein in Beeskow zu werden. Der Künstlerverband wiederum konnte meinem heißen Wunsch, eine umfangreiche Max-Ernst-Ausstellung in WestberIin zu besuchen, nicht entsprechen. Ich fuhr aber nach Prag zur Bühnenbildquadriennale und entdeckte dort Achim Freyers schauriges Kleist-Denkmal.

In Tagebüchern von 1979 finde ich Notizen wie "die Stasi ist durchweg krank" oder eine Bemerkung, daß man sich nicht auf den Rasen am Ostbahnhof setzen darf. "Um 24 Uhr macht die Grenze zu. Man darf sich nicht verspäten." An anderer Stelle notierte ich, daß der Verzicht auf schöne Oberfläche in der Kunst mehr Wahrhaftigkeit und Zeitgefühl beinhaltet als eine verbale Provokation, Schnelligkeit ein soziales Element ist und daß ein Maß für Qualität im Wesentlichen das Wohlgefühl des Menschen beeinflußt...

Meine Hermannsschlacht ist im wesentlichen aus dem Aspekt der Lebenskraft hervorgesprungen. 23 Jahre später übe ich mich in Gelassenheit, finde Heinrich von Kleists Literatur immer noch brisant und erschauere vor dem totalen Verhaftetsein in Kunst und Leben. Auf Seite 132 der Schönhauser Allee finde ich einen Satz von Wladimir Kaminer: Der Sieg ist nämlich die Weisheit der Schufte. Irgendwie kommt mir dies gerade recht zum Thema Kleist, zu Comics und Trivialliteratur.

Karla Woisnitza, im Juli 2002


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