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Heinrich von Kleist und die Liebe zu den Männern (und / oder die Frage der "Androgynität")
Musikalisch-szenische Lesung

 

Mitwirkende: 6

Moderation: Tanja Langer / Rainer Rubbert
Countertenor:  Nicolas Hariades (Ulrike von Kleist)
Bariton: Thorbjörn Björnsson (Heinrich von Kleist)
Bass: Stephan Bootz (Ernst von Pfuel)
Klavier: Martin Schneuing

Der deutsche Dichter Heinrich von Kleist nahm sich am 21.11.1811 zusammen mit Henriette Vogel am Wannsee in Berlin das Leben. 2011 jährt sich dieser Todestag zum 200. Mal - eine gute Gelegenheit, sich noch einmal neu mit dem verrückten, radikalen Dichter zu befassen, dessen Weitblick über Preußen und Europa hinaus bis nach Haiti und Chile reichte; der in seinen Erzählungen und Dramen eine höchst komplexe Sicht auf eine im Umbruch begriffene Welt präsentierte; der Misstrauen und Verrat, Liebesleidenschaft und Todessehnsucht, unbändigen Freiheitswillen und das Scheitern menschlicher Hoffnungen in höchst origineller Weise thematisierte. Sein Einfluss auf SchriftstellerInnen, MusikerInnen und bildende KünstlerInnen ist bis heute ungebrochen.

Heinrich von Kleist (1777-1811), der als Junge in die Kadettenanstalt nach Potsdam kam, schloss dort bereits enge Freundschaften, die er lange pflegte. Seine schönsten, wenn nicht sogar einzigen wirklichen Liebesbriefe richtete er später an einige dieser Männer: Ernst von Pfuel, Otto August Rühle von Lilienstern sowie Ludwig von Brockes. Sie enthalten sehr direkte, sinnliche Passagen, die keinen Zweifel an der erotischen Seite seiner Zuneigung zweifeln lassen. Zugleich wird deutlich, dass es kaum eine Möglichkeit gab, sie tatsächlich "zu leben".  Ein Blick auf Kleists Dramen ist möglich, der zeigt, dass er - so  ähnlich wie später Tennessee Williams - große Frauenfiguren erfunden haben könnte, um aus ihrer Perspektive ein heimliches Begehren männlicher Figuren darzustellen (Penthesilea / Achill; Käthchen / Graf Wetter vom Strahl, aber auch in anderen Texten).
Die Frage, was es mit der Geschlechtlichkeit auf sich habe, wird geradezu greifbar in Kleists Schilderungen seiner Schwester Ulrike, die er als "Amphibie" bezeichnet, halb Mann, halb Frau, was er auch in seinen Briefen an sie direkt thematisiert. Verkörpert sie    ein "androgynes Ideal" oder einen "Missgriff der Natur"? SchriftstellerInnen wie Virginia Woolf und Marcel Proust verehrten diese Zwitterhaftigkeit ja auch als besonders produktives Vermögen eines Künstlers / einer Künstlerin.

In der Oper "Kleist" greifen Rainer Rubbert (Musik) und Tanja Langer (Text) dieses Thema beherzt und originär auf. Sie lassen Kleists innige und problematische Beziehung zu Ernst von Pfuel sowie seine schwierige Liebe zu Ulrike in den genannten Figuren lebendig werden.
Auch in ihrer Novelle "Wir sehn uns wieder in der Ewigkeit" lässt Tanja Langer dieses Themenfeld mitschwingen.

Es ließe sich somit eine wunderbare Präsentation von Kleists engen Banden zu seinen männlichen Freunden und zu seiner Schwester Ulrike in folgender Form vorstellen:

Lesung aus der Novelle "Wir sehn uns wieder in der Ewigkeit" mit dem Schwerpunkt auf den entsprechenden Passagen zu Ulrike und seinem Freund Ernst von Pfuel sowie aus den bedeutendsten Briefen Kleists an Pfuel, Brockes und Rühle von Lilienstern

Musik:

1. "Überall such ich dich..." (Pfuel) 8 Min.
2. "Der See der Stille.." (Kleist)   8 Min.
3. "Kleist, mein Kleist! Wo bist du gewesen...." (Kleist / Pfuel) 8 Min.
4. "Die Geschichte der Marquise..." (Kleist / Pfuel / Ulrike) 6 Min.
5. "Wie soll ich dich so lieben..." (Ulrike/Kleist) 4 Min.
3. "Wär ich ein Mann..." (Ulrike) 4 Min.
6. "Überall such ich dich..." (Abschiedsszene Pfuel/Kleist) 4 Min.

In einer erweiterten Fassung könnten auch SchauspielerInnen Passagen aus den Dramen und den Erzählungen lesen.

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