Heinrich von Kleist und das Fort de Joux
Mitwirkende: 6 oder 7
Moderation: Tanja Langer / evtl. Rainer Rubbert
Sopran: Silja Schindler (Käthchen / Marquise von O.)
Alt: Evelyn Krahe (Penthesilea)
Bariton: Thorbjörn Björnsson (Heinrich von Kleist)
Bass: Marc Coles (Maler aus Santo Domingo)
Klavier: Martin Schneuing
Der deutsche Dichter Heinrich von Kleist nahm sich am 21.11.1811 zusammen mit Henriette Vogel am Wannsee in Berlin das Leben.
2011 jährt sich dieser Todestag zum 200. Mal - eine gute Gelegenheit, sich noch einmal neu mit dem verrückten, radikalen Dichter zu befassen, dessen Weitblick über Preußen und Europa hinaus bis nach Haiti und Chile reichte; der in seinen Erzählungen und Dramen eine höchst komplexe Sicht auf eine im Umbruch begriffene Welt präsentierte; der Mißtrauen und Verrat, Liebesleidenschaft und Todessehnsucht, unbändigen Freiheitswillen und das Scheitern menschlicher Hoffnungen in höchst origineller Weise thematisierte. Sein Einfluß auf SchriftstellerInnen, MusikerInnen und bildende KünstlerInnen ist bis heute ungebrochen.
Heinrich von Kleist kam im Februar 1807 als Kriegsgefangener für einige Wochen in das besonders gesicherte Fort de Joux im Jura.
Briefen zu Folge arbeitete er dort heftig an seinem Drama "Penthesilea"; er wurde dort jedoch auch zu seiner Novelle "Die Verlobung von Santo Domingo" inspiriert, die erstmalig 1811 erschien. Denn im Fort de Joux hatte wenige Jahre vor Kleist der haitianische Revolutionär Toussaint Louverture eingesessen, sowie Jean und Zamor Kina, André Rigaud und Martial Besse, ebenfalls Anführer der Aufstände auf der karibischen Insel. Toussaint Louverture war 1804 gestorben; Kleists preußischer Freund wurde sogar in dessen Zelle eingesperrt.
Dieser besondere Zusammenhang wurde vom Berliner Komponisten Rainer Rubbert und seiner Librettistin Tanja Langer für ihre 2008 uraufgeführte Oper "Kleist" aufgegriffen: sie zeigen Kleist im dritten Akt in dieser Gefangenschaft im Fort de Joux, wo er gemeinsam mit seinen Figuren Penthesilea, Käthchen etc. dichtet und ihn der "Maler aus Santo Domingo" porträtiert und ihm zugleich von seiner Heimat erzählt.
Diese Figur greift Tanja Langer in ihrer Novelle "Wir sehn uns wieder in der Ewigkeit" über die letzte Nacht Kleists und Henriette Vogels am Wannsee 1811 im Maler Émile Liberté wieder auf. Sie schildert die näheren Umstände der Gefangenschaft und die Bedeutung, die dieser Aufenthalt für Kleists Leben hatte.
Aber noch andere Figuren und Motive aus dem Fort de Joux haben ihre Spuren in Kleists Werk hinterlassen und finden sich daher in dieser Erzählung wieder, genauso wie die fée verte, der Absinth:
Der Comte de Mirabeau hatte einige Zeit im Fort de Joux verbracht; auf seine "Donnerkeil-Rede" nahm Kleist in seinem Essay "Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden" Bezug; die Autorin läßt Kleist selbst seine Version der Legende der schönen Berthe d´Amaury erzählen, deren trauriges Schicksal im Mittealter ihn sicher berührt hat und deren Situation "Frau allein im Turm" sich in seinen letzten Erzählungen wiederfindet. Man könnte sogar an einige Festungsszenen des "Käthchens von Heilbronn" denken.
Es ließe sich somit eine wunderbare Präsentation der Fort de Joux - Welt bei Kleist in folgender Form vorstellen:
Lesung aus der Novelle "Wir sehn uns wieder in der Ewigkeit" mit dem Schwerpunkt auf den entsprechenden Passagen zu Fort de Joux mit folgenden Auszügen aus der Oper mit Klavierbegleitung:
1. "Der See der Stille.." (Kleist) 6 Min.
2. "Das Feuer ist mein Freund....Wir sind zwei dunkle Sterne..." (Penthesilea / Kleist) 6 Min.
3. "Er war der Schönste von allen..." (Penthesilea / Kleist) 4 Min.
4. "Dem Feind im eignen Busen wird sie sinken...Ich habe Heimweh" ( Kleist / Maler / Penthesilea / Käthchen) 2 Min.
5. "Es traf mich wie ein Wetter. Strahl!" (Penthesilea / Käthchen / Kleist) 2 Min.
6. "Ihr habt uns die Freiheit versprochen... Sind Sie vielleicht der Vater meines Kindes?" (Maler / Marquise von O.) 4 Min.
7. "Santo Domingo. Ich habe Heimweh..." (Maler aus Santo Domingo) 4 Min.
8. "Und jetzt steig ich in meinen Busen nieder...." (Penthesilea) 4 Min.
9. "Ich bin so selig, Schwester..." (Penthesilea / Kleist / Käthchen) 5 Min.
...
- mit Moderation des Komponisten zur Musik
- mit Moderation der Autorin zu Kleist und der Oper
- mit Moderation des Komponisten und der Autorin gemeinsam
In einer erweiterten Form könnten Auszüge aus den entsprechenden Briefen und oben genannten Texten von Kleist von SchauspielerInnen gelesen werden.
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