Pressemeldungen
... eigene und fremde, die uns zur Weiterverbreitung zugesandt wurden
Fortsetzung folgt
Sechs Schwäbinnen, 1 Schwabe, 42mal Käthchen
Kleist2011 - Das Kleist-Jahr in Heilbronn
Wenn ein Kunstwerk zum Selbstläufer wird, sind die Vermarkter nicht weit - eine Beobachtung, die so neu nicht ist. Meint jedenfalls das Kleist-Archiv Sembdner in Heilbronn und startet am Samstag, 15. Januar 2011 in seiner Reihe "Kleist2011 - das Kleist-Jahr in Heilbronn" eine 42teilige Fortsetzungslesung aus dem 1869 erschienenen "Käthchen"-Roman von Stanislaus Graf Grabowski.
Wie? Roman? Ist das "Käthchen von Heilbronn" nicht ein Theaterstück? Und stammt es nicht von Heinrich von Kleist, dessen 200. Todestag 2011 zu einer Medien-Hype ohne Beispiel zu werden droht?
Richtig. Aber: Der (relativ späte) Erfolg von Kleists 1810 uraufgeführtem "großem historischen Ritterschauspiel", dessen Beginn man in die Mitte der 1820er Jahre und damit in die Restaurationszeit und ins Biedermeier legen muß, hat alle möglichen Sekundärverwertungen im Schlepp gehabt: im Druck erschienene Bühnenbearbeitungen, die die Unmoral des Stückes - uneheliches Kind nach einem One-night-stand - ratzfatz eliminiert haben, Opern von heute weithin vergessenen Komponisten - in den Jahren 1844/45 gleich drei -, mehrere Papiertheaterfassungen, "volkstümliche", moralisch cleane Nacherzählungen als 64-Seiten-Heftchen in Massenauflage auf schlechtem Papier und schließlich zwei Kolportageromane, der eine mit satten 3.200 Druckseiten (von einem gewissen Robert Frankenberg, der auch den Bayern-Kini literarisch veredelt hat) und eben das Werk des 1877 in Stuttgart-Berg verschiedenen Grafen, der es bei sparsamen 1.200 Seiten bewenden ließ.
Kolportage: Heftchenliteratur, von Hausierern vertrieben, von Dienstmädchen verschlungen - heute eine Rarität auf dem Buch- und Antiquariatsmarkt ohnegleichen. Keine hohe Literatur, aber konsumabel über die Maßen, seinerzeit mindestens so unterhaltsam wie der Frauenarzt von Bischofsbrück.
Sechs Schwäbinnen und ein Schwabe, allesamt durch ihren derzeitigen Wohnort kurzerhand zu Stammesangehörigen erhoben, lesen sechs Wochen lang, jeweils von 15 bis 15.30 Uhr, diesen "Käthchen"-Roman von Grabowski in Heilbronn im Fleischhaus (Kramstr. 1) und werden, so die vorsichtige Schätzung, zumindest den ersten Band des jetzt als 3bändiger Reprint vorliegenden Werkes schaffen. Der Eintritt ist frei, wer mindestens 90% der Lesungen mitmacht, erhält am Ende eine Überraschung. Und wer das Ganze, Minimum 21 Stunden, nach-hören will, sei auf das Internet verwiesen, wo die einzelnen Folgen mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung zu hören sein werden.
Kleist2011 - Das Kleist-Jahr in Heilbronn
Fortsetzung folgt: Stanislaus Graf Grabowski, Das Käthchen von Heilbronn
Vom 15. Januar bis 26. Februar (außer 6. Feb.), täglich von 15 bis 15.30 Uhr
Heilbronn, Fleischhaus (Kramstr. 1, früher Naturhistorisches Museum)
Eintritt frei
Der Roman, in drei Bänden vom Kleist-Archiv Sembdner im Reprint neu zugänglich gemacht, kostet übrigens 30 Euro
Kleist-Archiv Sembdner • Direktor: Günther Emig • Berliner Platz 12 (Theaterforum K3) • D-74072 Heilbronn
E-Mail:
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• Fax (07131) 56-3699 • Tel. (07131) 56-2668 • Internet: www.kleist.org und www.kleist2011.de
Ein Ort der Dichterverehrung, der in Deutschland seinesgleichen sucht (Süddeutsche Zeitung)
Heilbronn, 2. 12. 2010
Kleist-Archiv Sembdner sucht "Käthchen"-Vorleser
Mit einer Ausstellung im Fleischhhaus (ehemaliges Naturhistorisches Museum, Kramstraße) eröffnet das Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn Mitte Januar 2011 sein Kleist-Jahr 2011.
Im Begleitprogramm zur Ausstellung soll sechs Wochen lang, bis Ende Februar, täglich von 15 bis 15.30 Uhr aus Stanislaus Graf Grabowskis Kolportageroman "Das Käthchen von Heilbronn" von 1869 gelesen werden, den das Kleist-Archiv Sembdner nachgedruckt hat (3 Bände, 1.200 Druckseiten, zusammen 30 Euro).
Hierzu werden noch Freiwillige gesucht, die sich zutrauen, ungeübt vom Blatt weg einen Text in Frakturschrift ("deutsche Schrift") vorzutragen, wobei die Vorlesetage flexibel gehandhabt werden können, ebenso die Anzahl der Tage.
Die Lesung soll aufgezeichnet und später ins Internet gestellt werden.
Eine Vergütung erfolgt nicht.
Interessenten und sonstige Enthusiasmierte melden sich bitte beim Kleist-Archiv Sembdner, Berliner Platz 12, 74072 Heilbronn. Tel. (0 71 31) 56-2668, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Heilbronn, 1. 11. 2010
Auf der Schwelle zum Gedenkjahr:
Crossover Heinrich von Kleist
Ausgabe 22 der "Heilbronner Kleist-Blätter" erschienen
5. Mai 1960: In einer Blitzaktion wird im Westteil der Frontstadt Berlin von einer Handvoll Wissenschaftler und Honoratioren die Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft gegründet - angeblich, um einem reaktionären Vertriebenenverband zuvorzukommen, der Gleiches im Sinn hatte.
Im November 1960 beschließt der kommunistisch dominierte Weltfriedensrat bei seiner Tagung in Bukarest, "das Andenken hervorragender Vertreter der Menschheit" durch Gedenkfeiern zu ehren, vorneweg den "großen deutschen Dichter und Dramatiker Heinrich von Kleist", von dem zu diesem Zeitpunkt in der DDR gerade einmal zwei seiner Werke, "Michael Kohlhaas" und "Der zerbrochne Krug", akzeptiert sind.
Sogleich beginnen im Osten der Frontstadt die Vorbereitungen für ein Gedenkjahr in der DDR, ein Bulletin wird vorbereitet, das der "kritischen Einschätzung und Würdigung" des Dichters dienen soll, ein gemeinsamer Aufruf von (Ost-)Deutschem Friedensrat und dem Ministerium für Kultur wird verfaßt, Feierlichkeiten werden geplant, zu denen man auch Gäste aus West-Deutschland einladen will.
Währenddessen wird am 21. August 1961 in Berlin die Mauer gebaut - Ratlosigkeit bei den Genossen: "Man sollte evt. mal schüchtern im MfK nachfragen, was sich mit Kleist tut", so ein handschriftlicher Vermerk vom 25. September 1961, der sich in den Akten erhalten hat. Nachzulesen in der neuen Ausgabe der "Heilbronner Kleist-Blätter" (Nr. 22, 342 Seiten, Gr.8°, 130, z. T. farb. Abbildungen, 20 Euro).
In zwei weiteren Beiträgen - zu einem Druckgenehmigungsantrag einer Kleist-Auswahlausgabe von 1960 und zu Johannes R. Becher, dem vormaligen Expressionisten und späteren Kulturminister, der es im Kleist-Jahr 1911 seinem Vorbild nachgetan hatte, nur daß er überlebt hat, während seine Freundin tot ist - geht es um Kleist in der DDR.
"Für alle, die etwas (Neues) zu sagen haben", so der Untertitel der Zeitschrift, die sich, wie auch das herausgebende Kleist-Archiv Sembdner in Heilbronn, besonders der Wirkungsgeschichte des Dichters bis in die unmittelbare Gegenwart hinein verschrieben hat.
Neuere Kleist-Inszenierungen wie der "Prinz von Homburg" und "Penthesilea", aufgeführt bei den diesjährigen Ruhrfestspiele in Recklinghausen, werden ausführlich wissenschaftlich gewürdigt, "Das Käthchen von Heilbronn" auf dem Hintergrund von 200 Jahren Familienrecht untersucht, eine Autorin (Tanja Langer) steuert Vorarbeiten zu einer kommenden Kleist-Novelle, eine Komponistin (Charlotte Seither) grundlegende Überlegungen zu einer Auftragskomposition bei, die Ende des Jahres in Heilbronn uraufgeführt wird.
Ein Schwerpunkt bildet wiederum die bildende Kunst: die illustrierenden Darstellungen Luthers im "Michael Kohlhaas"; die Kleist-Buchillustrationen von Karl Storch (1864-1954) und die Darstellung der Prinzessin Marianne von Preußen, der Kleist bekanntlich seinen "Homburg" gewidmet hat. Bibliographische Hinweise auf eine Verwechslung von Kleist und Achim von Arnim sind Anlaß für einen buchgeschichtlichen Exkurs in die Käufergewohnheiten bildungshungriger Kreise um und nach 1900.
Ferner neue Funde und Hinweise, die Kleists Werk erhellen: über die historischen Namensbezüge im "Prinz von Homburg", den geheimnisvollen Herrn C. im "Marionettentheater", Kleist als gestiefelter Kater auf einer Karikatur von 1801/02 mit Hinweisen auf Freimaurerkontakte, eine mögliche Inspirationsquelle für das "Erdbeben in Chili" in einem Zeitschriftenbeitrag zum Erdbeben von Lissabon von 1755, das die europäischen Intellektuellen, von Voltaire bis Kant, umgetrieben hat.
Weiterhin ein Beitrag zur militärischen Situation, wie sie Kleist als Soldat beim sog. Rheinfeldzug 1793 erlebt und wohl auch erlitten hat ("Wunder militairischer Disziplin"), ein weiterer zur Rezeption des jüdischen Schriftstellers und Kritikers Max Ring (1817-1901) in der Familienzeitschrift "Die Gartenlaube", ein kurzer Überblick über Kleists Nachwirken in Italien und ein Aufsatz eines kanadischen Sprachwissenschaftlers, der "Indizien des Asperger-Syndroms" bei Kleist entdeckt haben will.
Mit der Kleist-Bibliographie, die in den HKB seit der ersten Ausgabe (1996) erscheint und jährlich etwa 200 "bibliographische Einheiten" auf Autopsie-Basis verzeichnet (sämtliche nachgewiesenen Arbeiten sind in Heilbronn vorhanden und benutzbar), schließt die Zeitschrift, die sich durch ihr Crossover sowohl an Wissenschaftler aller Disziplinen, vor allem aber an "normal kulturell Interessierte" wendet, eben als "Die Kulturzeitschrift aus Heilbronn".
Heilbronner Kleist-Blätter 22
Herausgegeben von Günther Emig
Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn
Erscheinungsweise: einmal im Jahr
(Ausgabe 23 für Frühsommer 2011 geplant)
Inhalt der bisherigen Ausgaben: http://www.kleist.org/hkb/hkbinhalt.htm
Dort zu finden auch das dreiseitige Editorial und die Umschlagvorderseite (Grafik von Miriam Sachs) zur freien Verwendung.
Bezugsadresse: Kleist-Archiv Sembdner, Berliner Platz 12, 74072 Heilbronn
E-Mail:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Internetseiten: www.kleist.org und www.kleist2011.de
Heilbronn, 21. 9. 2010
Der Kleist-Roman für das anbrechende Kleist-Jahr 2011 erschienen
Miriam Sachs
Kleist in meiner Küche
Eine moderne Novelle
Herausgegeben vom Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn
254 Seiten, mit z. T. farbigen Collagen der Autorin. ISBN 978-3-940494-39-9. 12 Euro
Weiterlesen: 2010-09-21 Kleist in meiner Küche. Eine moderne Novelle von Miriam Sachs
Heilbronn, 17. 1. 2010
Relaunch von kleist2011.de - die Internet-Plattform zum Kleist-Jahr 2011
Das Kleist-Archiv Sembdner, das bereits Ende 2006 ein Internetportal zum Kleist-Jahr 2011 eingerichtet hat, hat eine völlig überarbeitete Fassung soeben freigeschaltet.
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