Kleist-Newsletter aus Heilbronn - Februar 2011
Liebe Freunde des Kleist-Archivs Sembdner,
mitten aus den Heilbronner Kleist-Terminen heraus, die mich noch bis Ende des Monats unter Dampf halten, ein Gruß vorweg. - Was lesen Sie heute:
- Kleist-Jahr 2011 in Heilbronn am 14. Januar 2011 offiziell eröffnet
- Die Geburt des Partisanen aus dem Geist der Poesie - wieder zu haben
- Stanislaus Graf Grabowski, Das Käthchen von Heilbronn, im Internet
- Kleist im Spiegel der Presse, Band 9 (2009/2010), erschienen
- Eberhard Siebert, Heinrich von Kleist - Eine Bildbiographie, als Studienausgabe
- "Laßt Kleist in Ruhe!" - Zur Neugestaltung des Kleist-Grabes
Kleist-Jahr 2011 in Heilbronn am 14. Januar 2011 offiziell eröffnet
Für Irritationen scheinen Pressemeldungen über die verschiedenen offiziellen Eröffnungen des Kleist-Jahres 2011 an den unterschiedlichsten Orten gesorgt zu haben, zumal das Wort "offiziell" einen exklusiven amtlichen Charakter signalisiert, der einem solchen Gedenkjahr schon von Natur aus nicht zukommt. Des Rätsels Lösung liest sich so: Die Bundesrepublik ist bekanntlich kein zentralistischer Einheitsstaat, in dem von oben her dekretiert wird, wer wie wann und womit zu bejubeln ist; wie man das noch aus DDR-Zeiten kennt (siehe dazu "'Man sollte evt. mal schüchtern im MfK anfragen...' Ein Dokument zu den Kleist-Feiern in der DDR 1961. In: Heilbronner Kleist-Blätter 22, S. 22ff.). Es gibt ja glücklicherweise keine Kleist-Behörde, es gibt vielmehr viele Einrichtungen, die kontinuierlich (wie das Kleist-Archiv Sembdner) oder ad hoc (wie die verschiedenen sonstigen universitären und nicht-universitären Einrichtungen) versuchen, ihren jeweiligen Zielgruppen diesen unglücklichen Dichter und sein Werk näherzubringen. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. - Dies als "offizielle" Klarstellung unsererseits. Und zugleich ein Hinweis auf eine weitere offizielle Eröffnung, am 19. Februar 2011 in Meiningen, Theatermuseum, wo um 19.30 Uhr die Ausstellung "Heinrich von Kleist, Das Käthchen von Heilbronn" eröffnet wird. Info: Tel. (0 36 93) 50 36 41.
Die Geburt des Partisanen aus dem Geist der Poesie - wieder zu haben
1987 erschien Wolf Kittlers Buch in der Reihe "Rombach Wissenschaft - Reihe Litterae", herausgegeben von Gerhard Neumann. Wir haben das lange vergriffene Werk, vermehrt um die damaligen Besprechungen von Rudolf Augstein - im "Spiegel"! -, Manfred Schneider, Reinhard Heinritz, Carl Niekerk und Bernd Leistner, in unserer Reihe "Heilbronner Kleist-Studien" als Band 5 neu gedruckt (454 Seiten, ISBN 978-3-940494-42-9, 20 Euro). "Der Autor verfolgt in seiner großen Monographie die programmatische Absicht, ein völlig neues Kleist-Bild zu entwerfen. Es basiert, wie schon der provokante Titel andeutet, auf der These, Kleist sei der erste und größte Dichter des Guerillakriegs" (Heinritz). Kleist und das Militär - ein inzwischen wieder intensiv diskutiertes Thema...
Stanislaus Graf Grabowski, Das Käthchen von Heilbronn, im Internet
Über weite Strecken im 19. Jahrhundert war Heinrich von Kleist einfach nur "der Käthchen-Dichter". In der Bearbeitung des Franz von Holbein hat das "Käthchen von Heilbronn" nach Kleists Tod die Bühnen erobert und zu zahllosen Sekundärverwertungen angeregt. Als da wären Opern (insgesamt 9, davon gleich drei in den Jahren 1844/45), Papiertheater-Fassungen, volkstümliche Nacherzählungen als billige Broschüren, von denen wir inzwischen mehrere aufgestöbert und neu gedruckt haben. Und schließlich zwei Romane: der eine, von Robert Frankenburg, 3.200 Druckseiten umfangreich und in fünf Bänden von uns neu vorgelegt mit den 100, zum Teil farbigen Abbildungen (ISBN 978-3-931060-96-9, 90 Euro), der andere mit 1.200 Seiten von einem gewissen Stanislaus Graf Grabowski (von 1869, 3 Bände, ISBN 978-3-940-494-21-4, 30 Euro, ebenfalls im Reprint von uns zugänglich gemacht). Im Rahmen des Kleist-Jahres 2011 lesen Bürgerinnen und (ein) Bürger aus Heilbronn und dem Umland Grabowskis Roman in Fortsetzungen ("fast wie Hauffs 'Lichtenstein'", so ein Zuhörer). - Im Internet als Videomitschnitt zu finden unter www.kleist.org/grabowski (im ersten Anlauf - bis 26. Februar - auf 42 Fortsetzungen zu je einer halben Stunde geplant, die restlichen 80 Folgen kommen im Laufe des Jahres. Stand 15. 2.: 30 Folgen abrufbar).
Kleist im Spiegel der Presse, Band 9 (2009/2010), erschienen
KLISP 9 (249 Seiten, ISBN 978-3-940494-45-2, 20 Euro), wie in den Vorjahren auch von Carmen Kessel bearbeitet, weist die Zeitungsausschnitte des betreffenden Zeitabschnitts nach. Die Ausschnitte selbst sind im Kleist-Archiv Sembdner vorhanden und können benutzt werden. Die KLISP-Bände 1-8 sind noch in begrenzter Stückzahl zu haben, siehe www.kleist.org/publikationen.
Eberhard Siebert, Heinrich von Kleist - Eine Bildbiographie. Studienausgabe
Bereits 2009 und damit früh genug für alle Illustrationen suchenden Kleist-Bücher-Schreiber und Bildredakteure erschienen, ist Sieberts Buch ein inzwischen hochgelobtes Standardwerk, das bei einem Ladenpreis von 48 Euro (364 Seiten, davon 100 farbig, Großformat, gebunden mit Schutzumschlag, ISBN 978-3-940494-14-6) geradezu preiswert ist. Für alle, denen das immer noch zu viel ist, bereiten wir eine broschierte, inhaltlich und ausstattungsmäßig ansonsten gleiche Studienausgabe in limitierter Auflage vor (ISBN 978-3-940494-32-0). Kostenpunkt: 28 Euro. Lieferbar ab 2. März 2011. Wobei die gebundene Ausgabe zu 48 Euro weiterhin lieferbar bleibt. - Die ganz arg Sparsamen kaufen freilich Peter Staengles Biographie "Heinrich von Kleist - Sein Leben", die jetzt in 4., komplett durchgesehener und wiederum aktualisierter Auflage 2011 vorliegt (254 Seiten, ISBN 978-3-940494-44-3, 8 Euro).
"Laßt Kleist in Ruhe!"
titelte die B.Z., Berlins größte Zeitung, am 15. Januar 2011 und verweist auf die wachsende Kritik an den Neugestaltungsplänen des Kleist-Grabes. Die Idylle würde dem Massentourismus geopfert, der Ort seine Intimität verlieren, es fehlten Parkplätze - alles Argumente, die sehr bedenkenswert sind. Nun hat man aber einmal 500.000 Euro, und die müssen schließlich ausgegeben werden. Uneinig die Vorstellungen bei der Mitgliederversammlung der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft im November letzten Jahres. Folglich daher die Aufforderung an die 23 (oder 27?) dort Anwesenden, Stellung zu beziehen auf einer Internetseite. Dann werde man schon daraus einen Vorschlag an die Zuständigen machen. Doch findet man Stand heute auf jener Internetseite leider nur gerade mal vier Stellungnahmen. Was also tun? Dafür zu sorgen, daß das Kleist-Grab jetzt und darüber hinaus einfach nur sauber gehalten wird, erscheint fast trivial bei all den hochfliegenden Ideen. - Wie gesagt, das Geld ist da, was wiegen dagegen noch so sehr begründete Bedenken?
Programm des Kleist-Jahres 2011 in Heilbronn
Siehe den Prospekt unter http://www.kleist.org/2011_fleischhaus_5_k.pdf
Für heute, mit allen guten Wünschen
Ihr Günther Emig
Kleist-Archiv Sembdner (Direktor: Günther Emig)
Berliner Platz 12, D-74072 Heilbronn
Tel. (0 71 31) 56-26 68
E-Mail: kleist@kleist.org
www.kleist.org
www.kleist2011.de