(c) 2004 Günther Emig, Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn
Das Dresdener Urbild Julie Kunze
Er lernte in dem Körnerschen Hause ein reiches und liebenswürdiges junges Mädchen [Julie Kunze] kennen, mit dem ihn bald eine gegenseitige Neigung verband. Es schien ihrer Verbindung eine Weile nichts im Wege zu stehen, und dessenungeachtet zerschlug sie sich an dem bloßen Verlangen Kleists, daß ihm die Geliebte ohne des alten Körners, ihres Vormunds oder Oheims Vorwissen, schreibe. Sie schlug es ab, er wiederholte seine Bitte nach drei Tagen, in denen er sie nicht besuchte, darauf nach ebenso vielen Wochen und Monaten und löste zuletzt das Verhältnis auf diese Weise völlig.
Nach dem Bruche begann er das Käthchen von Heilbronn zu dichten, und ward dazu gewissermaßen von dem schmerzliehen Bedürfnisse angetrieben, seiner ungetreuen Geliebten beispielsweise an seiner Heldin zu zeigen, wie man lieben müsse. Die Annahme, daß eine andere Dame [Dora Stock] seine Verbindung zumeist aus Abneigung gegen ihn gestört habe, vermochte ihn zugleich, ihren Charakter so sehr ins Schwarze und Häßliche auszumalen, daß daraus die Übertreibung seiner Kunigunde entstand.
LS 269 Überlieferung (Bülow 1848) – Bei Sembdner im Kapitel "Dresden 1807/09" - "Fragwürdige Überlieferungen" (Sembdner)Das (inzwischen widerlegte) Heilbronner Urbild Lisette Kornacher
Das (neuerdings ins Spiel gebrachte) Heilbronner Urbild Charlotte Elisabethe Zobel