(c) 2004-2006 Günther Emig, Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn
Ein Mädchen, gerade mal 15, stürzt sich aus zehn Meter Höhe mit ausgebreiteten Armen aus dem Fenster, bricht sich beide Beine, liegt lange Zeit im Koma und überlebt ihren Selbstmordversuch nur knapp. Kaum daß sie wieder aufstehen kann, läuft sie von zu Hause weg, rennt einem Kerl hinterher, in den sie sich verknallt hat und der sie offenbar nicht einmal will, pfeift auf allen Luxus, den ihr das Elternhaus bisher geboten hat.
Ihr alleinerziehender Vater, ein biederer mittelständischer Handwerker, kann sich das alles nicht erklären. Sie war doch immer so brav, und selbst als er ihr einen Mann fürs Leben ausgesucht hat, der schließlich einiges mit in die Ehe mitgebracht hätte, hat sie noch gesagt: Vater, dein Wille sei meiner. Ein braves Kind. Hat sich der alte Mann denn etwas vorzuwerfen? Können denn verantwortungsvolle Eltern mehr für ihr Kind tun als er? Man meint es schließlich doch nur gut. – Nein, da kann doch etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein, da muß der Teufel seine Hand im Spiel gehabt haben.