Ein recht vergnügter Kleistabend. Man gab nicht etwa den "Zerbrochenen [!] Krug", sondern "Die Feuerprobe", wie dies Ritterschauspiel auch heißt, ohne mit diesem Untertitel die volle Licenz auf vorwiegend burleskes Spiel zu erteilen. Aber der Spielleiter ließ sich nicht einschüchtern. Es war Eugen Klöpfer, wie man weiß, ein starker Schauspieler, der heroisch auf jede Rolle verzichtete und bloß Regie führte; es war die pervertierte Wollust, alle Rollen mitzuspielen. Selbstverständlich liegen ihm nicht alle Partien (höchstens ein halbes Dutzend). Kurzum: Klöpfer sah die die Dichtung als munterer Schwabe, ließ Kulissen wanken, Sterne an Schnüren tanzen und Humore tüchtig, über alle Romantik hinaus, durchbrechen. Was zu dem Geiste einer drolligen Ritterstückhumoreske weniger paßte, wurde gestrichen; am energischsten der letzte Akt, von dem nur eine fidele Hochzeit übrig blieb.
Das zweite Sensatiönchen des Abends war das Auftreten einer Fünfzehnjährigen. Die von Holländer entdeckte Toni van Eyck tritt als Kätchen auf. Es war ein verfrühtes Exponieren von Talentansätzen. Die sind jedenfalls da.
Das Publikum nahm die silvestrig angehauchte Inszenierung für voll und rief alle Beteiligten ungezählte Male. Der Regisseur Klöpfer stellte, wenn es auf Applaus allein ankäme, seine Erfolge als Götz und Florian Geyer in Schatten.
E. F.