Man hat sich recht herzlich auf Käthchens Erwachen gefreut. Denn bisher schlafwandelte sie zumeist über unsere Bühnen. Ein helles, waches, befreites und befreiendes Käthchen erhoffen wir uns nun von Reinhardts und der seinigen Kunst und Künsten. Wie er den Theatergeist seiner Zeit und seines Ortes begreift und erfaßt, müßte es ihm ja ein Fest sein, den Geist jener zeit buntschillernd, waffenflirrend und minnegirrend an uns vorüberrauschen zu lassen. Was konnte er sich für einen besseren Fund erdenken, um die Freuden und Erfolge des "Sommernachtstraumes" neu zu erschaffen, als dieses fünfaltige Ritterschauspiel eines großen Dichters? Hier war ein sinnlicher und sinniger Zauber zu heben und zu deuten, wenn die herrliche Rüstung der Werke des Dichters zu eng wird, der sie zersprengt wie das kampflustige Herz des Grafen Wetter vom Strahl dessen Brustharnisch. Da durfte sich wohl ein Meister Theobald an die Arbeit machen, ein Schmied jener Waffen, mit denen sich jeder Dramatiker umgürten muß, wenn er im Rampenlichte siegen will. Und es waren auch prächtige Stücke, die dieser madere Meister dem Helden beistellte, der seine Schlachten schlagen sollte; "in Silber von Kopf bis zu Fuß, oder in schwerem Stahl, Schienen, Schnallen und Ringe von Gold", wie Theobald sagt. Und das Käthchen stand auf, wandelte mitten unter uns - lieblich und rührend anzuschauen. Aber ganz wach war sie doch nicht. Die Dornröschen wollen nun einmal bloß mit einem Kuß erweckt werden - bei Kanonendonner schlafen sie weiter. Schon weil es damals noch gar keine Kanonen gab... An dem armen, mit göttlicher Hilfe verliebten Käthchen ist entsetzlich herumgedoktert worden. Die schrecklich gelehrten Diagnosen haben sie schließlich ganz um das Bewußtsein ihrer übrigen fünf Sinne gebracht. Die nachträglichen Erklärungen längst vergangener Wundererscheinungen haben aber nur einen...wissenschaftlichen Wert; zur Erklärung von Gemütszuständen und Lebensäußerungen der Personen, die das "Wunder" erlebten und daran als Wunder glaubten, dürfen sie