Alle Kleist Dichter - so ein Sprichwort in der Mark. Berühmt ist heute allerdings nur Heinrich von Kleist, Kennern noch bekannt ist Ewald von Kleist, der Freund Gleims und das Vorbild für Lessings Major Tellheim in der Minna von Barnhelm. Seine Texte kennen schon nur noch wenige. Schließlich gänzlich vergessen ist der dritte im Bunde, der preußisch brandenburgische Dichter Franz Alexander von Kleist (1769-1797).
Geboren in Potsdam, aufgewachsen auf dem Gut seiner Großmutter und in Magdeburg, kam Franz Alexander von Kleist als 15jähriger zum Militär und wurde 1788 in Halberstadt stationiert. Dort trafen seine poetischen Ambitionen auf einen interessierten Mentor. J. W. L. Gleim, ein guter Freund Ewalds, der den jungen Mann wohl zunächst wegen dessen Herkunft förderte, wurde ein enger Vertrauter und väterlicher Freund des Dichters. Kleists erste Publikationen stammen aus den Jahren 1788/89, wobei der junge Mann durch durchaus ehrgeizige Projekte auf sich aufmerksam macht: So veröffentlicht er bereits im Deutschen Merkur 1789 ein "Gegengedicht zu Schillers Göttern Griechenlands" und rückt sich damit ins Zentrum des zeitgenössischen Literaturbetriebes. Er knüpft hier auch entsprechende Kontakte, verkehrt brieflich mit Bürger, Campe und Wieland. Werke unterschiedlicher Machart und Qualität folgen. Im Mittelpunkt stehen dabei v.a. politische Schriften und Schriften zu popularphilosophischen Themen aus der Diskussion der Zeit. Zentral sind hier Dichtungen über Liebe und Ehe, die Frage nach dem Umgang in der Partnerschaft miteinander, die Rolle der Familie, auch im Sinne der Keimzelle des Staates und die Bedeutung der psychischen Entwicklung des jungen Menschen für sein späteres gesellschaftliches Engagement - auch im Hinblick auf die Diskussionen der Schwärmerdebatte seiner Zeitgenossen.Mit dem Selbstbewußtsein eines adeligen Dilettanten und auch mit entsprechenden finanziellen Ressourcen ausgestattet, publiziert Kleist Zeit seines Lebens Texte. Sowohl während seiner Militärzeit in Halberstadt, als auch in Berlin, wo er als junger Legathionsrath in direkter Nähe des Ministers Hertzberg arbeitet und Kontakte zu den besten Kreisen der Stadt hat, als auch nach seinem plötzlichen Rückzug ins Privatleben, als er auf einem Gut lebend, die Utopie des Lebens in der Idylle umzusetzen versucht. Er stirbt mit knapp 28 Jahren an der Ruhr.Friedrich der Große bleibt die Identifikationsfigur für sein Weltbild, und so zeugt seine politische Dichtung von einem aufklärerischen Optimismus, durch Literatur Patriotismus und Bürgerpflichten zu vermitteln, die letztlich Umstürze und gesellschaftliche Katastrophen wie die Terreur verhindern könnten. In diesem Sinne beteiligt er sich auch an der zeitgenössischen Diskussion um die Heeresreform, weist auf Mißstände hin und formuliert noch vor den Stein-Hardenbergschen Reformen Ideen zur Verbesserung des Soldatenstandes.Die thematische wie formale Breite seines Werkes ist ein Abbild der vielfältigen literarischen Entwicklungsmöglichkeiten am Ende des 18. Jahrhunderts.Kleists Briefe sind eine Fundgrube für einen aufgeschlossenen, kulturell interessierten Leser: Neben Berliner Klatsch finden sich Erzählungen über die Berliner Theaterwelt, Kommentare zum Literarturbetrieb, Einschätzungen der Berliner Innenpolitik durch einen Insider und flammende Plädoyers für die Französische Revolution.Kleists Werk ist nicht nur typisch für seine Zeit, es erlaubt auch hochinteressante Seitenblicke auf die Werke anderer Autoren um die Jahrhundertwende, wie z. B. Schiller oder Heinrich von Kleist.