(c) 2001,2002 by Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn. Alle Rechte vorbehalten. Links auf diese Seite nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung erlaubt! Wir weisen ausdrücklich darauf hin, daß diese Internetdatei keine zitierfähige Quelle ist, und daß für wissenschaftliche Arbeiten eine Überprüfung an einer zuverlässigen Buchausgabe erfolgen sollte! Hinweise auf Druckfehler u. ä. erbeten.
| Datum | 15. 8. 1811 |
| Adressat | Friedrich de la Motte Fouqué |
| Ort | Berlin |
Zum Dank für das liebe, freundliche Geschenk das Sie mir mit Ihren Schauspielen und Ihre Frau Gemahlin mit ihren kleinen Romanen gemacht haben, übersende ich Ihnen diesen soeben fertig gewordenen zweiten Band meiner Erzählungen. Möge er Ihnen nur halb so viel Vergnügen machen, als mir die vortrefflichen Erzählungen Ihrer Frau Gemahlin, in welchen die Welt der Weiber und Männer wunderbar gepaart ist, gemacht haben. Auch Ihren vaterländischen Schauspielen bin ich einen Tag der herzlichsten Freude schuldig; besonders ist eine Vergiftungsszene im Waldemar mit wahrhaft großem und freien dramatischen Geiste gedichtet und gehört zu dem Musterhaftesten in unserer deutschen Literatur. Wenn es Ihnen recht ist, so machen wir einen Vertrag, uns alles, was wir in den Druck geben, freundschaftlich mitzuteilen; es soll an gutem Willen nicht fehlen, mein Geschenk dem Ihrigen, so viel es in meinen Kräften steht, gleich zu machen. Vielleicht kann ich Ihnen in kurzem gleichfalls ein vaterländisches Schauspiel, betitelt: der Prinz von Homburg, vorlegen, worin ich auf diesem, ein wenig dürren, aber eben deshalb fast, möcht ich sagen, reizenden Felde, mit Ihnen in die Schranken trete. Geschäfte, der unangenehmsten und verwickeltsten Art, haben mich für diesen Sommer abgehalten, Ihnen in Nennhausen meine Aufwartung zu machen; inzwischen kommt es mir vor, als ob eine Verwandtschaft zwischen uns prästabilitiert wäre, die sich in kurzer Zeit gar wunderbar entwickeln müßte, und es gehört zu meinen liebsten Wünschen, dies noch im Lauf dieses Herbstes zu versuchen. Vielleicht, mein liebster Fouqué, wenn Sie zu Hause bleiben, erscheine ich noch ganz unvermutet bei Ihnen, und erinnere Sie an die freundschaftliche Einladung, die Sie mir zu wiederholtem Male gemacht und nun vielleicht schon wieder vergessen haben. Meine gehorsamste Empfehlung an Ihre Fr. Gemahlin, so wie an Frl. v. Luck und alle übrigen, in deren Andenken ich stehe; wenn Sie, wie man hier sagt, nach Berlin kommen sollten, so werden Sie nicht vergessen, Ihre Gegenwart auf einen Augenblick zu schenken
Ihrem treusten und ergebensten
H. v. Kleist.
Berlin, den 15. August 1811
1 Kleist, Heinrich von: Sämtliche Werke und Briefe. Hrsg. von Helmut Sembdner. Zweibändige Ausg. in 1 Bd. Vollst. Ausg. München: Dt. Taschenbuch Verl. 2001. 967,1119 S. (dtv. 12919) [Band- u. seitenident. mit: 9., verm. u. revid. Aufl. München: Hanser 1993]. - 2 Kleist, Heinrich von: Sämtliche Werke. Brandenburger Ausgabe. Hrsg. von Roland Reuß und Peter Staengle. Bd. IV/1: Briefe 1. März 1793-April 1801. Hrsg. von Peter Staengle in Zsarb. mit Roland Reuß. Basel [u. a.]: Stroemfeld 1996. - Bd. IV/2: Briefe 2. Mai 1793-August 1807. Hrsg. von Peter Staengle in Zsarb. mit Roland Reuß. Basel [u. a.]: Stroemfeld 1999. - 3 Kleist, Heinrich von: Sämtliche Werke und Briefe in vier Bänden. Hrsg. von Ilse-Marie Barth u. a. Bd. 4: Briefe von und an Heinrich von Kleist 1793-1811. Hrsg. von Klaus Müller-Salget u. Stefan Ormanns. Frankfurt a. M.: Dt. Klassiker Verl. 1997. (Bibliothek deutscher Klassiker. 122)
* © Kleist-Archiv Sembdner der Stadt Heilbronn, Berliner Platz 12 (im Theaterforum K3, 2. OG), D-74072 Heilbronn. Tel. (07131) 56-2668. Fax (07131) 56-3699. Under permanent construction. Webmaster: Günther Emig