Eva Rothe

Kleist-Bibliographie 1945-1960

(Aus: Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft 1961. Autorisierter Neudruck mit Genehmigung des Rechtsnachfolgers. © 1996 by Kleist-Archiv Sembdner der Stadt Heilbronn, Berliner Platz 12 (im Theaterforum K3, 2. OG), D-74072 Heilbronn. Tel. (07131) 56-2668. Fax (07131) 56-3699. Alle Rechte vorbehalten)

Einleitung


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Gliederung

DAS WERK

Das Gesamtwerk
Gesamt- und Teilausgaben

Briefe
Teilausgaben. Einzelne Briefe

Dramen
Teilausgaben
Einzelausgaben
Robert Guiskard
Amphitryon
Der zerbrochne Krug
Penthesilea
Das Käthchen von Heilbronn
Prinz Friedrich von Homburg

Erzählungen
Gesamt- und Teilausgaben
Einzelausgaben
Michael Kohlhaas
Die Marquise von O.
Das Erdbeben in Chili
Die Verlobung in St. Domingo
Das Bettelweib von Locarno
Der Findling
Die hl. Cäcilie oder die Gewalt der Musik
Der Zweikampf

Gedichte

Kleine Schriften
Teil- und Einzelausgaben
Anekdoten und Kurzgeschichten
Philosophische und ästhetische Schriften
Berliner Abendblätter

Schallplatten

Übersetzungen
Das Gesamtwerk
Dramen
Die Familie Schroffenstein
Robert Guiskard
Amphitryon
Der zerbrochne Krug
Penthesilea
Das Käthchen von Heilbronn
Prinz Friedrich von Homburg

Erzählungen
Michael Kohlhaas
Die Marquise von O.
Das Erdbeben in Chili
Die Verlobung in St. Domingo
Der Zweikampf

Gedichte

Kleine Schriften

DAS SCHRIFTTUM

Allgemeines
Forschung
Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft
Kleist-Preis
Gedenkstätten. Sammlungen
Bildnisse

Leben und Schaffen
Gesamtdarstellungen. Monographien
Würdigungen. Einzelne Wesenszüge
Einzelne Lebensabschnitte. Örtliche Beziehungen

Geistige Welt
Weltbild
Staat und Gesellschaft
Beziehungen. Einflüsse. Vergleiche

Das Werk in der wissenschaftlichen Literatur
Das Gesamtwerk. Thematische Einzelstudien
Sprache. Stil
Briefe
Dramen
Die Familie Schroffenstein
Robert Guiskard
Amphitryon
Der zerbrochne Krug
Penthesilea
Das Käthchen von Heilbronn
Die Hermannsschlacht
Prinz Friedrich von Homburg

Erzählungen
Michael Kohlhaas
Die Marquise von O.
Das Erdbeben in Chili
Die Verlobung in St. Domingo
Das Bettelweib von Locarno
Der Findling
Der Zweikampf

Gedichte
Kleine Schriften
Anekdoten und Kurzgeschichten
Über das Marionettentheater
Phöbus
Berliner Abendblätter

Kleist in der Dichtung
Gedichte
Dramen
Romane und Erzählungen
Nachdichtungen der Werke


DAS WERK

DAS GESAMTWERK

Gesamt- und Teilausgaben

1. Unsichtbares Theater. Mit e. Nachw. "Kleist und das unsichtbare Theater" von Helmut Müller. Frankfurt a.M.: Siegel-Verlag (1947). 86 S., 1 Bl. (Die Kleinode.)
S. 5-44: Robert Guiskard.
S. 45-59: Über das Marionettentheater.
S. 61-86: Nachwort.
Der Guiskard als Abglanz von Kleists dramatisch-dichterischem Ideal; daneben ist das Marionettentheater als Schlüssel des Kleistschen Verständnisses vom Hochdrama und als seltenes Beispiel fruchtbarer Theaterkritik zu stellen

2. Der Zweikampf. Über das Marionettentheater. Eingel. von Max Baumgärtner. (Herford: "Die Arche") 1947. 64 S.

3. Prosastücke. Stuttgart: Reclam (1951). 80 S. (Reclams Univ.-Bibliothek. Nr. 7670.)
Erdbeben. Bettelweib. Hl. Cäcilie. Anekdoten [Ausw.]. Fabeln (Die Hunde und der Vogel. Die Fabel ohne Moral). Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden. Über das Marionettentheater. Aus den Berliner Abendblättern [Ausw.]. Nachwort [Lebensskizze].

4. Sämtliche Werke. (Mit e. Einf. von Erwin Laaths.) München: Droemersche Verlagsanstalt (1952). 980 S. [Dünndruckausg.] - 4. Aufl. Ebda: Droemersche Verlagsanstalt, Knaur (1957). 914 S. (Knaur Klassiker.) - Auch Berlin u. Darmstadt: Dt. Buch-Gemeinschaft (1952) u. [Wien:] Österreich. Buchgemeinschaft [1954]. - München, Zürich: Knaur ([19]59).
(Einführung:) Heinrich von Kleist. Eine gelebte Tragödie. Das Werk. (Schroffenstein. Guiskard. Amphitryon. Krug [ohne Variant]. Penthesilea. Käthchen. Hermannsschlacht. Homburg.) Erzählungen. Kleinere Prosaschriften. Gedichte. (Verzeichnis der kleineren Prosaschriften und Gedichte.) Inhaltsverzeichnis.
Die "Kleineren Prosaschriften" und Gedichte nicht vollständig.
Bespr.: R. M. Baring: Welt u. Wort, Jg. 7, 1952, S. 290. - M. Gravier: Etudes germaniques, A. 8, 1953, S. 300. - M. Lintzel: Dt. Literaturztg., Jg. 73, 1952, Sp. 718-720. - L. Weltmann: Neue literar. Welt, Jg. 3, 1952, Nr. 20, S. 3. - Die Gegenwart, Jg. 7, 1952, S. 566. - Westermanns Monatshefte, Jg. 93, 1952/53, H. 5, S. 91. - Dt. Rundschau, Jg. 78, 1952, S. 875

5. Sämtliche Werke und Briefe. (Hrsg. von Helmut Sembdner.) Bd. 1. 2. München: C. Hanser (1952). [Dünndruckausg.]
1. Gedichte. Widmungen und Albumblätter. Dramen. Schroffenstein. Guiskard. Krug. Amphitryon. Penthesilea. Käthchen. Hermannsschlacht. Homburg. Überschriften und Anfänge der Gedichte. Inhaltsverzeichnis.
2. Erzählungen. Kohlhaas. Marquise. Erdbeben. Verlobung. Bettelweib. Findling. Hl. Cäcilie. Zweikampf. Anekdoten und Kurzgeschichten. Kleine Schriften. Kunst und Weltbetrachtung. Aufruf und Zeitkritik. Berichterstattung. Bearbeitungen und Übersetzungen. Briefe. Nachwort. Lebenstafel. Personenregister. Inhaltsverzeichnis.
Der Text beruht auf der Ausgabe des Bibliographischen Instituts, Zeichensetzung und Orthographie sind normiert. Die Anekdoten "Franzosenbilligkeit" und "Von einem Kinde" sind neu aufgenommen worden; fortgelassen sind: Neujahrswunsch, Geistererscheinung, Gedicht für Wilhelmine von Zenge, 2 Epigramme, 2 Albumblätter und 6 Bearbeitungen (Zar Iwan, Westermann, Napoleon, Merkwürdige Prophezeiung, Unerhörte Mordbrennerei, Wassermänner und Sirenen). Die Gesamtordnung der Werke wurde neu besorgt und die Briefe an Rahel und Reimer neu datiert. Ohne Kommentar und Lesarten, s. dafür das ausführliche Namenregister und Sembdner [Nr. 610, 633, 635]. Das Nachwort bringt einen Essay über Kleist.
Bespr.: A. Buder, S. J.: Die österreich. Furche (Wien), 21. Febr. 1953. - A. Closs: German Life & Letters, Vol. 6, 1952/53, S. 78. - M. Gravier: Etudes germaniques, A. 8, 1953, S. 53. - H. v. Kügelgen: Erziehungskunst, Jg. 16, 1952, S. 252-253. - M. Lintzel: Dt. Literaturztg., Jg. 73, 1952, Sp. 718-720. - R. Samuel: Euphorion, Bd. 49, 1955, S. 246-250. - K. Ude: Welt u. Wort, Jg. 6, 1951, S. 477 - H. Uhlig: Neue Ztg. (Berlin), 23. März 1952. - H. Vetterlein: Bücherei u. Bildung, Jg. 4, 1952, S. 732. - B. v. Wiese: Wirkendes Wort, Jg. 3, 1952/53, S. 313. - The Times, Literary Suppl., 21. Aug. 1953, S. 690. - Het Volk (Brüssel), 5. Jan. 1952. - Die Zeit (Hamburg), 20. Dez. 1951.

6. Victor, Walther: Kleist. Ein Lesebuch für unsere Zeit. Weimar: Thüringer Volksverlag 1953. VIII, 522 S., 1 Bl., 9 Taf., 1 Faks. (Lesebücher f. unsere Zeit.)
A. Vorwort: Heinrich von Kleist als Realist und Patriot. "Kleist" von Friedrich Hebbel.
B. Zeittafel: Kleist und seine Zeit.
C. Kleist-Lesebuch für unsere Zeit. (Auszüge aus d. Werken u. Briefen, Abdruck von zeitgenöss. Quellen u. Kommentare.)
Faks.: Brief an Ulrike vom 26. Okt. 1803.
Bespr.: H. Fiedler: Die Buchbesprechnung, 1953, Nr. 974/975.

7. Werke in 3 Bdn. Hrsg. von Bruno Markwardt. Mit e. Einf. von Siegfried Streller. Bd. 1-3. Leipzig: Ph. Reclam jun. [1954]. [Veränd. Binde-Aufl. d. Ausg. von 1927.]
1. Kleists Leben und Schaffen. Dramen. (Schroffenstein. Guiskard. Amphitryon. Krug [mit Variant].)
2. Dramen. (Penthesilea. Käthchen. Hermannsschlacht. Homburg.)
3. Erzählungen. Gedichte. Abhandlungen. Briefauswahl. (Mit e. bibliogr. Anhang.) Die Ausgabe ist Restbestand der 1927 erschienenen Ausgabe. Die Einführung von Bruno Markwardt wurde durch eine kürzere von S. Streller ersetzt, wodurch ein Sprung in der Seitenzählung des 1. Bandes entstanden ist.

8. Gesammelte Werke. (Hrsg. u. eingel. von Heinrich Deiters. Textrevision u. Erläuterungen von Peter Goldammer.) Bd. 1-4. Berlin: Aufbau-Verlag 1955. (Mit Porträt.)
1. Gedichte. Dramen I. (Einleitung. Gedichte. Schroffenstein. Guiskard. Amphitryon. Krug [mit Variant]. Anmerkungen.)
2. Dramen II. (Penthesilea. Käthchen. Hermannsschlacht. Homburg. Anmerkungen.)
3. Erzählungen. Kleine Schriften. (Kohlhaas. Marquise. Erdbeben. Verlobung. Bettelweib. Findling. Hl. Cäcilie. Zweikampf. Anekdoten, Kurzgeschichten, Fabeln, Politische Schriften. Frühe Schriften. Aus den "Berliner Abendblättern" [Ausw.]. Anmerkungen.)
4. Briefe. (Briefe. Albumblätter. Anmerkungen. Personenregister. Verzeichnis der Briefe nach Empfängern.)
Die Ausgabe beruht auf dem Text der Ausgabe des Bibliographischen Instituts, abgesehen von der Textrevision des "Zerbrochenen Krugs" und der orthographischen Redaktion der Briefe. Die Rechtschreibung wurde bis auf besonders charakteristische Wortformen Kleists modernisiert, die Interpunktion teilweise normiert. Die "Kleinen Schriften" sind nach inhaltlichen Gesichtspunkten geordnet und in Auswahl wiedergegeben. Übersetzungen, Bearbeitungen fremder Vorlagen, Anzeigen und zweifelhafte Texte sind fortgelassen. Die Fußnoten bringen allgemeine Erläuterungen zum Text; die Anmerkungen am Schluß jedes Bandes informieren über Quellen, Entstehungs- und Textgeschichte. Sie schließen sich dem Kommentar der Ausgabe des Bibliographischen Instituts an. Die Briefsammlung verwertet die neue Chronologie der Ausgabe von H. Sembdner.
Bespr.: R. H. Samuel: Journal of the Australasian Universities Modern Language Association, Vol. 6, 1956, S. 71-73. - A. Schlagdenhauffen: Etudes germaniques, A. 12, 1957, S. 174. - Thüring. Landesztg. (Weimar), 12. Mai 1956. - Neue Zeit (Berlin), 25. April 1956.

9. Sämtliche Werke. (Besorgt durch Reinhard Buchwald; Bd. 5 u. 6 zus. mit Helmut Sembdner.) Bd. 1-6. Hamburg: Standard-Verlag 1955. (Standard-Klassiker-Ausg. in 6 Bdn.)
1. Gedichte. Dramen I. (Kleist (Hebbel). Gedichte. Guiskard. Krug. Amphitryon. Penthesilea.) Mit 2. Faks aus d. Phöbus.
2. Dramen II. (Käthchen. Hermannsschlacht. Homburg.)
3. Erzählungen. (Kohlhaas. Marquise. Erdbeben. Verlobung. Bettelweib. Findling. Hl. Cäcilie. Zweikampf. Kleine Erzählungen aus den "Abendblättern". Nach fremden Vorlagen bearbeitet. [Ausw.])
4. Kleine Schriften. Aus Kleists dichterischer Werkstadt. (Phöbus. Germania. Berliner Abendblätter. Anhang: Aufsatz, den sichern Weg des Glücks zu finden. Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden. Proben aus Handschriften und Erstdrucken zur Kenntnis von Kleists Schaffen. [Ergänzungen zu den Gedichten, ältere Fassungen, Gelegenheitsgedichte. Die Familie Ghonorez. Text der Handschrift, Umarbeitung für den Erstdruck, Erster Entwurf, Schaffensstufen zur Familie Ghonorez, Krug, Penthesilea, Käthchen.])
5. Lebensdokumente I. (Briefe und Schriftstücke von und an Kleist.)
6. Lebensdokumente II. (Briefe und Schriftstücke von und an Kleist. (Fortsetzung.) Zeitgenössische Berichte und Bekundungen. Nachträge. Inhaltsverzeichnis [der Lebensdokumente]. Gesamtinhalt.)
Die Ausgabe enthält kurze Erläuterungen an Ort und Stelle und Abdrucke der verschiedenen Fassungen; Briefe und Albumblätter wurden z. T. neugeordnet und durch Schriftstücke an Kleist ergänzt. Die Rechtschreibung ist normiert. Die Ermittlung und Zusammenstellung des dokumentarischen Materials in Band 5 und 6 übernahm Helmut Sembdner. Vgl. jetzt Nr. 242.

10. Aus seinen Werken. Hrsg. von Wilhelm Grenzmann. (Mit e. Vorw. von Wilhelm Grenzmann.) Paderborn: F. Schöningh (1956). 108 S. (Schöninghs dt. Textausgaben.)
Vorwort. Guiskard. Marionettentheater. Bettelweib. Erdbeben. Anekdote aus dem letzten preußischen Kriege. Verlobung.

11. Gesammelte Werke in 2 Bdn. Hrsg. von Bernt von Heiseler. Bd. 1. 2. (Gütersloh:) C. Bertelsmann 1956.
Bd. 1. S. 5-77: Kleists Leben. Dramen I. (Schroffenstein. Guiskard. Krug. Amphitryon. Penthesilea. Käthchen.)
Bd. 2. Dramen II. Prosa. Gedichte. (Hermannsschlacht. Prinz Friedrich von Homburg. Erzählungen. Anekdoten. Kleine Schriften. Gedichte. [Ausw.])

12. Ausgewählte Werke. Bd. 1. Sämtliche Novellen. Bd. 2. Ausgewählte Dramen. (Ungekürzte Ausg.) München: W. Goldmann (1956. 1957). (Goldmanns Gelbe Taschenbücher. Bd. 386. 400.)
1. Heinrich von Kleist. Sein Leben und Werk. Kohlhaas. Marquise. Erdbeben. Verlobung. Bettelweib. Findling. Hl. Cäcilie. Zweikampf.
2. (Einl. von Werner Heilmann.) Homburg. Krug. Käthchen.

13. Betrachtungen über den Weltlauf. Schriften zur Ästhetik und Philosophie. Hrsg. von Helmut Sembdner. (Stuttgart:) Verlag Freies Geistesleben (1958). 70 S., 1 Bl., 1 Titelbild. (Denken - Schauen - Sinnen. Zeugnisse dt. Geistes. 3.)
S. 5-63: Auswahl aus Kleists "Kleinen Schriften", Briefen und Epigrammen.
S. 64-70: Helmut Sembdner: Nachwort
Die Sammlung ist um drei Beiträge aus den "Berliner Abendblättern" vermehrt worden, die bisher in Kleists Werken fehlten: zwei Fragmente aus dem 61. Blatt vom 10. Dez. und die Anzeige von Arnims "Halle und Jerusalem" aus dem 76. Blatt vom 29. Dez. 1810, die bisher Adam Müller zugeschrieben wurde. Die neu entdeckten Fragmente, von denen das eine über die Metapher und die Formel als Möglichkeiten der Wirklichkeitsbewältigung handelt, liefern geradezu den Schlüssel zum Verständnis von Kleists Ästhetik und Weltanschauung.
Bespr.: D. Rasmussen: Nr. 218. 1959.

14. Sämtliche Werke. (Hrsg. von Paul Stapf.) Berlin, Darmstadt: Tempel-Verlag (1960). 1388 S., 1 Bl. (Tempel-Klassiker.) - Berlin, Darmstadt, Wien: Deutsche Buch-Gemeinschaft (1960).
Gedichte. Dramen [einschließlich d. Familie Ghonorez]. Erzählungen. Kleine Schriften und journalistische Arbeiten. Briefe [Ausw.]. Stammbuchblätter und Widmungen. Nachwort (S. 1379-80).Verzeichnisse.
Text nach der Ausgabe des Bibliographischen Instituts und nach Sembdners Ausgabe (1952) unter Benutzung der Forschungsergebnisse Sembdners.


BRIEFE

Teilausgaben. Einzelne Briefe

15. Geschichte meiner Seele. Ideenmagazin. Das Lebenszeugnis der Briefe. Hrsg. von Helmut Sembdner. Bremen: C. Schünemann (1959). XVIII, 437 S., 1 Titelbild. (Samml. Dieterich. Bd. 233.) (Mit 3 Faks.)
Einleitung.
Kindheit. Soldatenzeit. Studium. Würzburger Reise. Berlin. Erste Pariser Reise. Schweiz. Weimar, Oßmannstedt. Leipzig. Dresden. Schweiz, Frankreich. Berlin. Königsberg. Gefangenschaft. Dresden. Österreich. Frankfurt/Oder u.a. Berlin. Die Berliner Abendblätter. Die letzten Kämpfe.
Hinweise.
Personen- und Werkregister.
Kleists Briefe als biographische Dokumente und schriftstellerische Modelle aus der Werkstatt des "Ideenmagazins", einer Sammlung von Sentenzen und Metaphern, und als Ersatz für die verlorengegangene "Geschichte meiner Seele". Kleists Selbstzitate sind durch Unterstreichungen typographisch kenntlich gemacht und durch Verweisungen aufeinander bezogen. Dadurch soll eine Rekonstruktion des "Ideenmagazins" und zugleich ein Einblick in Kleists Arbeitsweise gewonnen werden. In den "Hinweisen" am Schluß des Bandes wird auf die "Lebensspuren" [Nr. 242], dem Gegenstück und Kommentar zu Kleists Briefen, verwiesen; ferner bieten die "Hinweise" teilweisen Ersatz für den nicht erschienenen Kommentarband zu Minde-Pouets Briefausgabe (Bibliogr. Institut 1936/38) und vermerken die Erstdrucke der seit 1905 entdeckten Kleist-Briefe und neuere Forschungsergebnisse. Text und Datierung der Briefe folgen der Briefausgabe Minde-Pouets mit Berücksichtigung neuer Funde und Umdatierungen durch die jüngste Forschung. Neudatierung und Textänderung bei den letzten Briefen an Marie von Kleist. [Vgl. Nr. 284.] Die Sammlung enthält nicht alle Briefe und gibt auch keinen vollständigen Text. Beigegeben sind die Faksimiles: Kleists Eintragung in Wilhelmine v. Kleists Stammbuch, der Schluß des Briefes an Peguilhen vom 21. Nov. 1811, Anschrift und letzte Zeilen von Kleists Hand. Das Titelbild ist die Kreidezeichnung nach der Kleist-Miniatur.
Bespr.: J. Baxa: Der Wächter, Jg. 41/42, 1960/61, H. 1, S. 14-15. - P. Hühnerfeld: Süddt. Ztg. (München), 3. Jan. 1960. - A. von Platen: Dt. Ztg. (Stuttgart), 18. April 1960. - R. Samuel: Euphorion, Bd. 54, 1960, S. 215-217. - L. Tügel: Christ u. Welt, 30. Juni 1960. - F. Werneke: Bücherei u. Bildung, Jg. 12, 1960, S. 554.

16. Brief an Christian Frhrn. von Ompteda. Berlin, 24. Nov. 1810. 2 S. gr. 40. In: Autographen. Auktions-Katalog 517. Marburg: J. A. Stargardt 1954. S. 17, Nr. 84. (Mit Abdruck u. Faks. d. Unterschrift.)
Verbesserter, jedoch nicht vollständiger Abdruck nach der bisher unbekannten Handschrift. Erstdruck der Nachschrift. Vgl. Werke (E. Schmidt), Bd. 5, Nr. 154; 2. Aufl. Bd. 2, Nr. 176.

17. Brief an Georg Andreas Reimer. [Berlin, 11. (od. 12.) Aug. 1810.] 21 : 8,5 cm. In: Autographen. Auktions-Katalog 529. Marburg: J. A. Stargardt 1956. S. 33, Nr. 158. (Mit Abdruck u. Teilfaks.)
Verbesserter Abdruck. Vgl. Werke (E. Schmidt), Bd. 5, Nr. 146; 2. Aufl. Bd. 2, Nr. 166. Nach Sembdner [Nr. 635] vom 12. Aug. 1810.

18. Brief an Julius Eduard Hitzig. [Berlin], 2. Okt. 1810. 1/4 S. 20. In: Bücher, Handschriften, Autographen. Auktions-Katalog 59. München: Karl & Faber 1957. S. 83-84, Nr. 662. (Mit Abdruck u. Faks.) - Wiederabgedr. in Nr. 15.
Erstdruck. ("Ich habe schon längst gebeten, dem Kriegsrath Pequillhen ein Exemplar des Abendblatts zu besorgen;...")

19. Billet an Georg Andreas Reimer. [Berlin, Mai 1811.] 10,2 : 7,9 cm. In: Autographen. Sammlung Paul Lindau. Auktions-Katalog 541. Marburg: J. A. Stargardt 1959. S. 16, Nr. 36. (Mit Abdruck u. Faks.)
Erstdruck. ("Ich bitte um einige Expl. zerbroch Krug HvKleist".)

20. Brief an Georg Andreas Reimer. [Berlin], 30. Jan. 1811. 3/4 S. 80. In: Autographen. Auktions-Katalog 549. Marburg: J. A. Stargardt 1960. S. 49, Nr. 192. (Mit Abdruck u. Faks.) - Bes.: Amerika-Gedenkbibliothek, Berlin.
Erstdruck. ("Mein lieber Freund, Darf ich Sie wohl um den Rest des Honorars bitten,...")


DRAMEN

Teilausgaben

21. Lohan, Robert: The Golden Age of German Literature. New York: F. Ungar 1945. 226 S.
Anthologie. Käthchen von Heilbronn und Prinz von Homburg. Mit Vokabular. Bespr.: P. G. Krauß: The German Quarterly, Vol. 21, 1948, S. 67-68. - S. H. Muller: Monatshefte f. dt. Unterricht (Madison), Vol. 37, 1945, S. 510-512.

22. Ausgewählte Dramen. (Hrsg. von Robert Mühlher.) Baden-Wien: Klassiker-Verlagsgesellschaft [1951]. 404 S., 1 Bl., 1 Titelbild. (Meisterwerke d. Weltliteratur.) [Rückentitel: Kleist: Meisterwerke.] - Ebda: Buchgemeinschaft d. Klassiker-Verlagsgesllschaft [1951].
Einleitung. Krug. Penthesilea. Käthchen. Homburg.

23. Dramen. Der zerbrochene Krug. Das Käthchen von Heilbronn. Prinz Friedrich von Homburg. (Mit e. Vorw. von Fritz Hofmann.) Berlin: Aufbau-Verlag 1956. 372 S., 2 Bl. (Dt. Volksbibliothek.)
Text-Abdruck aus der Ausgabe des Aufbau-Verlages.


Einzelausgaben

Robert Guiskard

24. Robert Guiskard. Tragödie in 1 Akt. Vollendung des Dramenfragments von Siegfried Bokelmann. (Karlsruhe:) Der Karlsruher Bote [1959]. 39 S., ab S. 16: Bokelmann.

Amphitryon

25. Amphitryon. Ein Lustspiel nach Molière. Berlin: F. Cornelsen 1948. 120 S. (Europäische Komödien. [17.])

26. Amphitryon. Ein Lustspiel nach Molière. Kaiserslautern: H. Rohr, Abt. Buchverlag "Der Dreiklang" (1948). 75 S. (Die Dreiklangbücherei. Nr. 27.)

Der zerbrochne Krug

27. Der zerbrochne Krug. Ein Lustspiel. (Für d. dt. Schule hrsg. von Wilhelm Heise.) Berlin u. Leipzig: Volk u. Wissen 1947. 80 S. (Werke d. Weltliteratur.) - Zahlreiche weitere Auflagen.

28. Der zerbrochene Krug. Lustspiel in 1 Aufzug. Linz: Oberösterreich. Landesverlag [1947]. 128 S. (Mentor-Bücher. Nr. 6.)

29. Der zerbrochene Krug. Lustspiel in 1 Aufzug. [2. Aufl.] Berlin: Cornelsen 1948. 95 S. (Schwalbenbuch. 41.) (Europäische Komödien. [18.])

30.Der zerbrochene Krug. Lustspiel in 1 Aufzug. Mit e. Einf. von Gottfried Ippisch. Wien: Humboldt-Verlag (1948). 100 S. (Kleine Humboldt-Bibliothek. Bd. 26.)

31. Der zerbrochene Krug. Ein Lustspiel. (Wien, Innsbruck, Lindau [Auslfg. Rastatt]:) Apollo-Verlag [1948]. 80 S. (Condor-Bibliothek. 22.)

32. Der zerbrochene Krug. Ein Lustspiel. (Mit e. Nachw. von Bernt von Heiseler.) Braunschweig: G. Westermann 1949. 104 S. (Westermanns Textausgaben f. d. Deutschunterricht an höheren Lehranstalten.)

33. Der zerbrochene Krug. Ein Lustspiel. Offenburg (Baden): Lehrmittel-Verlag 1949. 122 S., 1 Titelbild, 1 Taf. (Klassiker d Weltliteratur.)
Mit Einleitung und Anmerkungen und einer Wiedergabe des Gemäldes von Jean Baptiste Greuze.

34. Der zerbrochene Krug. Ein Lustspiel. Einf. u. Erklärung von Gottfried Diener. Bamberg: Bayerische Verlags-Anstalt [1950]. 80 S. (Am Born d. Weltliteratur. Reihe A, H. 8.)

35. Der zerbrochene Krug. Ein Lustspiel. (Hrsg. von Johannes Hoffmeister.) Köln: H. Schaffstein (1950). 99 S.
Mit Anmerkungen, einem Nachwort und einer Zeittafel.

36. Der zerbrochene Krug. Ein Lustspiel. Together with an Idyll by Heinrich Gessner, a Short Story by Heinrich Zschokke, and Scenes from a Comedy by Ludwig Wieland, on the Same Subject. Ed. by R[ichard] H. Samuel. London: Macmillan & Co. 1950. XXXIV, 166 S. (Mit e. Abb.)
S. VII-XXXIV: Introduction. I. Kleist's Life and Work. II. Der Zerbrochne Krug. 1. Origin and Sources. 2. Composition and Form. III. Goethe's Criticism. Extracts from Goethe's Letter to Adam Müller in Dresden. IV. Heinrich Zschokke on Kleist and his Circle at Berne. Bibliography of Kleist's Works.
S. 1-96: Text (mit Variant).
S. 97-110: Notes.
S. 111-116: Heinrich Gessner: Der Zerbrochene Krug. Introduction. Text. Notes.
S. 117-146: Heinrich Zschokke: Der Zerbrochene Krug. Introduction. Text. Notes.
S. 147-166: Ludwig Wieland: Ambrosius Schlinge. Introduction. Text of Scenes 15-18. Notes.
Bespr.: C. P. Magill: The Modern Language Review, Vol. 46, 1951, S. 144.

37. Der zerbrochene Krug. Ein Lustspiel. Mit e. Nachw. u. Kommentar hrsg. von Karin Pontoppidan-Sjövall. Stockholm: Almqvist & Wiksell 1950. 138 S. (Teater på främmande språk. Tyska. 1.)

38. Der zerbrochne Krug. Ein Lustspiel. Hamburg: Hamburger Lesehefte Verlag [1954]. 80 S. (Hamburger Lesehefte. H. 33.)

Penthesilea

39. Penthesilea. Ein Trauerspiel. (Textgestaltung u. Anm. besorgte Tino Kaiser.) Aarau: H. R. Sauerländer [1950]. 117 S. (Editiones Helveticae. Abt. Dt. Texte. 42.)

40. Penthesilea. Ein Trauerspiel. (Hrsg. u. mit e. Vorw. vers. von D[enys] G. Dyer.) Cambridge: University Press 1952. VIII, 122 S. (Cambridge Plain Texts.)

Das Käthchen von Heilbronn

41. Das Käthchen von Heilbronn. (Lindau [Auslfg.: Rastatt]:) Apollo-Verlag [1948]. 96 S. (Condor-Bibliothek. 48.)

42. Das Käthchen von Heilbronn oder Die Feuerprobe. Ein großes historisches Ritterschauspiel. Hamburg: Hamburger Lesehefte Verlag (1958). 128 S. (Hamburger Lesehefte. H. 56.)

Prinz Friedrich von Homburg

43. Prinz Friedrich von Homburg. Ein Schauspiel. Mit e. Nachw. hrsg. von Otto Heinrich v. d. Gablentz. Stuttgart: E. Klett (1949). 94 S., 1 Bl. (Anker-Bücherei. Bd. 34.)
S. 90-94: Nachwort. Vergleich mit der preußischen Kronprinzentragödie.

44. Prinz Friedrich von Homburg. (Anm. u. Nachw. von Kurt Lowien. Lebensabriß von Walther Hofstaetter.) Tübingen: M. Matthiesen [1949]. [Schulausgaben dt. Klassiker mit Einl. u. Anm.]

45. Prinz Friedrich von Homburg. Ein Schauspiel. (Mit e. Nachw. von Bernt von Heiseler.) Braunschweig, Berlin, Hamburg: G. Westermann 1950. 105 S. (Westermanns Textausgaben f. d. Deutschunterricht an höheren Lehranstalten.)

46. Prinz Friedrich von Homburg. Ein Schauspiel. Hamburg: Hamburger Lesehefte Verlag [1955]. 80 S. (Hamburger Lesehefte. H. 41.)

47. Prinz Friedrich von Homburg. Ein Schauspiel. Ed. by Richard Samuel. London: G. G. Harrap (1957). 3 Bl., 209 S., 1 Taf. (Harrap's German Classics.)
Introduction. 1. The Background. 2. Kleist's Life. 3. Prinz Friedrich von Homburg.
Select Bibliography.
Prinz Friedrich von Homburg. [Text.]
Notes.
Appendices. I. Letter from the Landgrave Frederick of Homburg to his Wife Louise Elisabeth, Written on the Day after the Battle of Fehrbellin. II. Frederick the Great on the Battle of Fehrbellin. III. Kleist's Source for the Battle of Fehrbellin. IV. Frederick William III, King of Prussia, to Count Frederick von Götzen, Governor of Silesia. V. Extracts from Kleist's Letters Relevant to Prinz Friedrich von Homburg.
Diagramms and Map. The Structure of "Prinz Friedrich von Homburg".
The Battle of Fehrbellin according to "Prinz Friedrich von Homburg". Region of Fehrbellin.
Selected German-English Vocabulary.
Die Einführung gibt einen Überblick über die philosophische, literarische und soziale Situation der Zeit und über Kleists Leben unter Berücksichtigung neuester Forschungsergebnisse. Die Einführung in das Stück selbst bringt eine ausführliche Darstellung der Entstehungsgeschichte, Schicksale, Quellen, verschiedenen Auslegungen und selbst eine eingehende Interpretation. Abdrucke von Quellen, Diagrammen und Karten vervollständigen die Materialsammlung. Beigegeben ist eine Reproduktion des Ölgemäldes von Johann Kretschmar.
Bespr.: A. Gillies: The Modern Language Review, Vol. 53, 1958, S. 146. - E. W. Herd: Journal of the Australasian Universities Modern Language Association, Vol. 7, 1957, S. 65-67.

ERZÄHLUNGEN

Gesamt- und Teilausgaben

48. Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik (eine Legende) und andere Erzählungen. (Die Zusammenstellung u. d. erl. Text besorgte F[ranz] X[aver] Rau.) (Bonn: G. Schwippert 1947 [Ausg. 1948].) 30 S. (Klass. Kurzgeschichten.) (Schatullen-Drucke. H. 31.)
Hl. Cäcilie. Bettelweib. Unwahrscheinliche Wahrhaftigkeiten.

49. Das Erdbeben in Chili und andere Erzählungen. (Die Zusammenstellung u. d. erl. Text besorgte F[ranz] X[aver] Rau.) (Bonn: G. Schwippert 1947 [Ausg. 1948].) 30 S. (Klass. Kurzgeschichten.) (Schatullen-Drucke. H. 30.)
Erdbeben. Nachwort von F[ranz] X[aver] R(au). Der Zar Iwan Basilowitz. Sonderbarer Rechtsfall in England. Außergewöhnliches Beispiel von Mutterliebe bei einem wilden Tier.

50. Das Erdbeben in Chili. Die Verlobung in St. Domingo. Hamburg: R. Mölich (1947 [Ausg. 1948]). 77 S. (Kleine Kostbarkeiten.) - 1949.

51. Erzählungen. (Nachw.: Willi A[ugust] Koch.) Braunschweig: P. Schlösser (1947). 390 S., 1 Bl. (Meisternovellen d. Weltliteratur.)
Die 8 Erzählungen. Anekdote aus dem letzten preußischen Kriege. Über das Marionettentheater.

52. Erzählungen. Mit e. Nachw. von Bernt v. Heiseler. Krefeld: Scherpe Verlag 1947. 377 S. - 1949.
Die 8 Erzählungen.

53. Die Marquise von O... Das Erdbeben in Chili. Meisternovellen. (Durchges. u. eingel. von Claude Flor. 5 Federzeichnungen von Arnold Braune.) Hamburg: Dt. Literatur-Verlag O. Melchert 1947. 95 S. (Neue Bibliothek.)

54. Die Marquise von O... und andere Erzählungen. (Lindau [Auslfg.: Rastatt]:) Apollo-Verlag [1947]. 96 S. (Condor-Bibliothek. 12.)
Marquise. Erdbeben. Verlobung.

55. Novellen. Wien: Ullstein [1947]. 318 S. (Ewiges Wort. Meisterwerke d. Weltliteratur.)
Die 8 Erzählungen.

56. Alle Erzählungen... Baden-Baden: Thesaurus-Verlag (1948). 78 S. (Thesaurus-Drucke.)

57. Das Erdbeben in Chili. Erzählung. - (Die Heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik.) (Kevelaer: Butzon & Bercker 1951.) 31 S. [Umschlagtitel.] (Berckers kleine Volksbibliothek. Gelbe Reihe. 23.)

58. Michael Kohlhaas und andere Novellen. (Illustr. von Ursula Volk.) Leipzig: Ph. Reclam jun. (1953). 288 S. [Neudruck.] [Rückentitel: Kleist: Erzählungen.]
Kohlhaas. Marquise. Erdbeben. Verlobung. Findling. Zweikampf. Hl. Cäcilie. Bettelweib. Anekdote aus dem letzten preußischen Kriege.

59. Three Stories. Ed. by H. B. Garland. Manchester: Manchester University Press [1953]. 180 S. (Manchester University German Text Series.)
Introduction. Verlobung. Erdbeben. Kohlhaas. Anmerkungen.
Bespr.: L. H. C. Thomas: The Modern Language Review, Vol. 49, 1954, S. 277-278.

60. Der Zweikampf. Der Findlung. Erzählungen. Stuttgart: Reclam (1953). 78 S. (Reclams Univ.-Bibliothek. Nr. 7792.)
Nachwort: Quellen und Chronologie beider Novellen.

61. Michael Kohlhaas und die anderen Erzählungen. (Nachw.: Waldemar Augustiny.) Hamburg, Berlin: Dt. Hausbücherei [1954]. 310 S. (Lebendige Weltliteratur.)
Die 8 Erzählungen.
S. 295-311: Nachwort.

62. Die Verlobung in St. Domingo. Das Erdbeben in Chili. Der Findling. Erzählungen. Berlin: Argon-Verlag [1954]. 102 S. (Kleine Argon-Geschenke. Bd. 2.)

63. Die Erzählungen. Mit e. Einl. von Thomas Mann. (Frankfurt a. M., Hamburg:) Fischer Bücherei (1956). 346 S. (Fischer Bücherei. Bd. 135. Pantheon-Bd.)
S. 7-28: Thomas Mann: Heinrich von Kleist und seine Erzählungen. Kohlhaas. Erdbeben. Zweikampf. Marquise. Verlobung. Findling. Hl. Cäcilie. Bettelweib.
Bespr.: H. Bingel: Dt. Rundschau, Jg. 85, 1959, S. 86-87.

64. Michael Kohlhaas und andere Erzählungen: Köln: Atlas-Verlag 1956. 186 S.

65. Die Marquise von O... (Berlin:) Verlag d. Nation (1957). 185 S. (Roman f. Alle. 66.) [Taschenbuch-Roman.]
Alle Novellen ohne Kohlhaas. Mit einer kurzen Einführung von Thomas Mann. Umschlagzeichnung von Ralf-Jürgen Lehmann.

66. Die Marquise von O. Das Erdbeben in Chili. Leipzig: Ph. Reclam jun. (1957). 78 S., 1 Bl. (Reclams Univ.-Bibliothek. Nr. 1957.) [Neudruck.]
Text nach der Ausgabe des Aufbau-Verlages (1955). Umschlagvignette von Hasso Seyferth.

67. Novellen. (Mit Zeichnungen von Günter Horlbeck.) Leipzig: Ph. Reclam jun. [1959]. 459 S. (Helios-Bücher. Bd. 4.)
Kohlhaas. Marquise. Erdbeben. Verlobung. Findling. Zweikampf. Hl. Cäcilie, Bettelweib. Anekdote aus dem letzten preußischen Kriege.
Text nach der Ausgabe des Aufbau-Verlages (1955).

68. Die Verlobung in St. Domingo und andere Erzählungen. Zürich: Gute Schriften 1959. 64 S. (Gute Schriften. [211.])

69. Die Erzählungen. Weimar: Volksverlag 1960. 349 S., 1 Bl. (Weimarer Taschenbücher.)
Erzählungen. Anekdoten, Kurzgeschichten, Fabeln.
Text nach der Ausgabe Minde-Pouet, 2. Aufl. Modernisierte Rechtschreibung, z. T. auch geänderte Zeichensetzung. Anekdoten und Kurzgeschichten, die Kleist Vorlagen entnahm und nur geringfügig änderte, wurden nicht aufgenommen.

Einzelausgaben

Michael Kohlhaas

70. Michael Kohlhaas. (Berlin: C. Dressler, K. H. Henssel, Gebr. Mann, Gebr. Weiß 1946.) 60 S. (Einzelausgaben d. Berliner Klassiker 1946. H. 40.) - 1949.

71. Michael Kohlhaas. Aus einer alten Chronik. Berlin u. Leipzig: Volk u. Wissen [1946]. 83 S. - Dasselbe. (Für d. dt. Schule hrsg. von Wilhelm Heise.) Ebda. 1947. 85 S. (Werke d. Weltliteratur.) - 4., durchges. Aufl. 1953. [Zahlreiche weitere Auflagen.]
Mit einem Nachwort und Worterklärungen.

72. Michael Kohlhaas. Erzählung aus dem 16. Jahrhundert. Mit e. Nachw. von Arthur Roessler u. 7 vielfarb. Vollbildern nach Aquarellen von Roland Strasser. Wien: Gerlach & Wiedlung [1946]. 106 S. (Meisterwerke d. Prosa. Bd. 4.)

73. Michael Kohlhaas (Holzschnitte: Friedrich Stein.) Berlin: Aufbau-Verlag 1947. 125 S. (Jugendbuchreihe.) - 1950. - 1954.

74. Michael Kohlhaas. Hrsg. von Georg Nowottnick. (Mit e. Einl. u. d. Bildnis Kleists u. 11 Illustr. im Text, 1 Titelbl. u. 1 Umschlagzeichnung nach Originalzeichnungen von August Lange-Brook.) Hamburg: Phönix-Verlag Christen 1947. 132 S. (Kleine dt. Samml. Reihe: Erzählungen u. Novellen. Bdch. 5.)

75. Michael Kohlhaas. Erzählung. (Durchges. u. eingel. von Hans Volkmann. Mit [6] Zeichnungen von Karl Heinrich Senger.) Hamburg: Dt. Literatur-Verlag O. Melchert (1947). 134 S. (Neue Bibliothek.)

76. Michael Kohlhaas. (Mit e. Einl. von R. Hünnerkopf.) Karlsruhe: G. Braun (1948). VII, 104 S. (Braunsche Schulbücherei. Reihe 5, Nr. 10.)

77. Michael Kohlhaas. (Lindau [Auslfg.: Rastatt]:) Apollo Verlag [1948]. 94 S. (Condor-Bibliothek. 27.)

78. Michael Kohlhaas. (Aus einer alten Chronik.) Mit e. Nachw. von Bruno Markwardt. Stuttgart: Reclam (1948). 144 S. (Reclams Univ.-Bibliothek. Nr. 218/19.) - 1952. 127 S.

79. Kohlhaas. Based on the Novelle "Michael Kohlhaas" by Heinrich von Kleist. Ed. by Karl F. Koenig and John S. Tremper. Boston: D. C. Heath [1949]. VI, 131 S.
Vereinfachter und gekürzter Text.
Bespr.: P. Drake: The German Quarterly, Vol. 23, 1950, S. 119-120.

80. Michael Kohlhaas. In: Drei Novellen. Storm: Der Schimmelreiter. Keller: Die drei gerechten Kammacher. Kleist: M. K. Abridged, Simplified and Ed. with Introductions, Notes and Vocabulary by John W[illiam] Kurtz. New York: Prentice Hall 1949. S. 109-168.
S. 111-116: Biographisches und Kritisches. Schulausgabe, gekürzt.
Bespr.: J. K. L. Bihl: The German Quarterly, Vol. 23, 1950, S. 55-57.

81. Michael Kohlhaas. Erzählung. ([Einf.:] Heinrich Wilhelm Keim.) Rottenburg, Neckar [jetzt: Stuttgart]: Verlag Dt. Volksbücher (1949). 159 S. (Wiesbadener Volksbücher. Bd. 36.)

82. Michael Kohlhaas. Aus einer alten Chronik. Mit Zeichnungen von Willi Probst. (Leipzig:) E. Wunderlich (1950). 135 S. - 1951.

83. Michael Kohlhaas. Introd. et notes par Paul Pfister. Paris: E. Belin (1950). 137 S. mit 1 Titelbild. (Dt. Kultur u. Literatur. Collection d'auteurs allemands.)

84. Michael Kohlhaas. Aus einer alten Chronik. In: Novellen und Erzählungen. (Hrsg. von Robert Mühlher.) [Bd. 1.] Baden/Wien: Klassiker-Verlagsgesellschaft [1951]. (Meisterwerke d. Weltliteratur.) - Lahr: M. Schauenburg (1954). (Meisterwerke d. Weltliteratur.) S. 15-129. - Auch in: Deutsche Novellen. (Hrsg. von Robert Mühlher.) [Bd.] 1. Lahr: M. Schauenburg [1952]. (Lizenzausg.) (Meisterwerke d. Weltliteratur.)
S. 7-9: Über Kohlhaas.

85. Michael Kohlhaas. (Aus einer alten Chronik.) [Neudruck.] Leipzig: Ph. Reclam jun. ([19]51). 131 S. (Reclams Univ.-Bibliothek. Nr. 218/219.) - 1953 u. ö.

86. Michael Kohlhaas. Aus einer alten Chronik. In: Deutsche Meistererzählungen des 19. Jahrhunderts. (Ausgew. u. eingel. von Karl Heinz Berger u. Eberhard Panitz. [Bd.] 1. Berlin: Verlag Neues Leben 1954. (Klassikerbibliothek f. d. dt. Jugend.) S. 21-148. - (2., unveränd. Aufl.) 1955.
S. 23-26: Vorwort
S. 458-459 Biographische Notiz.

87. Michael Kohlhaas. (Aus einer alten Chronik.) Hamburg: Hamburger Lesehefte Verlag [1954]. 79 S. (Hamburger Leseheft. H. 35.)

88. Michael Kohlhaas. Novelle. (Durchsicht d. Kleistschen Textes, Gliederung in Absätze u. Nachw.: Walter Zeleny.) Wien: Kremayr & Scheriau (1954). 159 S. - Wien: Buchgemeinschaft Donauland (1954).

89. Michael Kohlhaas. Aarau, Frankfurt a. M.: H. R. Sauerländer (1956). 119 S. (Juventus-Bücherei. Reihe 1. Drachenbücher. Bd. 59.)

90. Michael Kohlhaas. Einl. von Carl Kormos. Bukarest: [Espla] Staatsverlag f. Kunst u. Literatur 1957. 209 S., 1 Titelbild. [(Deutsche Klassiker.)]

91. Michael Kohlhaas. Aus einer alten Chronik. (Textrevision von Otto Arnold.) (Leipzig:) Insel-Verlag 1957. 108 S. (Insel-Bücherei. Nr. 161.)

92. Michael Kohlhaas. (Aus einer alten Chronik.) [Neudruck.] Leipzig: Ph. Reclam jun. ([19]57). 142 S. (Reclams Univ.-Bibliothek. Nr. 218/219.)
Mit einem kurzen Nachwort. Text nach der Ausgabe des Aufbau-Verlages (1955). Umschlagvignette von Michael Lißmann.

93. Michael Kohlhaas. Historische Erzählung. Bearb. von W. van Dijk. Mit Bildern von Irmgard Wille. 's-Gravenhaage: G. B. van Goor Zonen 1957. 164 S.

Die Marquise von O.

94. Die Marquise von O. Novelle. (Mit e. biogr. Einl. vom Hrsg. Karl Fraaß; Einbandentwurf: H. J. Maul.) Stuttgart: Behrendt-Verlag (1946). 69 S. (Das Kleine Gildenbuch. Bd. 1)

95. Die Marquise von O... (Hamburg: Verlag Mein Roman 1948.) 47 S. [Umschlagtitel.] (Mein Roman. H. 11.)

96. Die Marquise von O... Mit 5 farb. Handlithographien von Werner Rebhuhn. Bern: A. Scherz [1953]. 78 S., 5 Taf. (Duo-Bücher.)

97. Die Marquise von O... In: Die schönsten Erzählungen der Welt. Hausbuch unvergänglicher Prosa. Mit e. Geleitw. von Thomas Mann. [Tl. 1.] Wien, München, Basel: K. Desch (1955). S. 37-67.

98. Die Marquise von O. Erl. von Haga R(yochi). [2. Aufl.] Tokyo: Nankodo [1956]. 89 S.

Das Erdbeben in Chili

99. Das Erdbeben in Chile. In: Deutsche Erzähler. Ausgew. u. eingel. von Hugo von Hofmannsthal. Bd. 1 [Wiesbaden:] Insel-Verlag 1946. S. 34-48. [Erste Ausg. 1912.]

100. Das Erdbeben in Chili. (Mit e. Nachw. von Bernt von Heiseler.) Braunschweig, Berlin, Hamburg: G. Westermann 1949. 27 S. (Westermanns Textausgaben f. d. Deutschunterricht.)
S. 25-27: Kleist als Novellist.

101. Das Erdbeben in Chili. In: Die schönsten deutschen Erzählungen. Hausbuch der deutschen Prosa. Hrsg. von Ernst Pentzoldt (unter Mitwirkung von Leo Winter). Wien, München, Basel: K. Desch (1954). S. 76-87. - 1957.

102. Das Erdbeben in Chili. In: Die blaue Blume. Die schönsten romantischen Erzählungen der Weltliteratur. Hrsg. von Hermann Kesten. Köln, Berlin: Kiepenheuer & Witsch (1955). S. 318-330. - Frankfurt a. M.: Büchergilde Gutenberg [1959].

Die Verlobung in St. Domingo

103. Die Verlobung in St. Domingo. (Mit e. Illustr. von Werner Kulle.) In: Erbe der Romantik. Acht Novellen vom Kleist, Brentano, Arnim u. a. Ausgew. u. erl. von Fritz Böttger. (Berlin:) Verlag d. Nation (1955). S. 5-41. (S. 413-416: Erl. u. Deutungen.) - 2. u. 3. Aufl. 1956.

104. Die Verlobung in St. Domingo. Erl. von Fujimoto N(ahoide). [3. Aufl.] Tokyo: Nankodo [1956]. 70 S., 1 Titelbild.

Das Bettelweib von Locarno

105. Das Bettelweib von Locarno. In: Kurz erzählt. Die schönsten Geschichten der Weltliteratur. (Hrsg. u. mit e. Nachw. vers. von Rudolf K[arl] Goldschmit-Jentner.) (Heidelberg:) C. Pfeffer u. Heidelberger Gutenburg-Druckerei 1949. S. 40-43.

106. Das Bettelweib von Locarno. In: Unheimliche Geschichten von Hoffmann, Kleist, Scott... Ausw. u. Nachw. von Walther Meier. (Zürich:) Manesse-Verlag (1956). (Manesse-Bibliothek d. Weltliteratur.) S. 48-52.

Der Findling

107. Sonderbare Begebenheiten. H. v. K.: Der Findling. - E. T. A. Hoffmann: Die Marquise de la Pivardière (2 abenteuerl. Geschichten.) Berlin: Hunia Verlag ([19]48). 64 S.

Die hl. Cäcilie oder die Gewalt der Musik

108. Die Gewalt der Musik. Berlin: Steuben-Verlag P. G. Esser 1947. 20 S. (Steuben-Blätter. Nr. 14.)
Mit einem kurzen biographischen Nachwort.

109. Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik. Eine Legende. In: Du holde Kunst. Eine Auswahl der schönsten Musikernovellen von H. v. K., Paul Heyse, E. T. A. Hoffman [u. a.]. Hrsg. von Herbert u. Hanna Barth mit Zeichnungen von Hubert Berke Alfter. Bonn: Brüder-Auer-Verlag (1951). S. 13-29. (Mit e. Illustr.)

110. Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik. Eine Legende. In: Hausbuch deutscher Erzählungen. (Hrsg. von Curt Winterhalter.) Freiburg: Heder (1957). S. 224-237.

Der Zweikampf

111. Der Zweikampf. Jena: E. Diederichs [1945]. 71 S. (Die dt. Reihe. 140.) - Auch Düsseldorf-Köln: E. Diederichs.

GEDICHTE

112. Der Schrecken im Bade. Eine Idylle. (Hrsg.: Friedrich Grewenig.) (Kaiserslautern: H. Rohr [1949].) 12 S. (Dreiklanglesebogen. Nr. 1.)

113. Das letzte Lied. In: Das Gedicht. Deutsche Lyrik von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hrsg. von Erwin Laaths. München: Droemer (1951). S. 290-291.

KLEINE SCHRIFTEN

Teil- und Einzelausgaben

114. Jancke, Oskar: Kunst und Reichtum deutscher Prosa von Lessing bis Thomas Mann. (Erw. Neuausg.) München: R. Piper (1954). S. 172-189: Heinrich von Kleist. [Zuerst 1942.]
S. 172-178: Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden.
S. 179-181: Anekdote aus dem letzten preußischen Kriege.
S. 181-189: Stilanalyse der abgedruckten Prosastücke. Betrachtung über Kleists Sprache.

Anekdoten und Kurzgeschichte

115. Klassische deutsche Erzähler. [Bd.] 1. (Ausgew. u. eingel. von Karl Heinz Berger, Hans-Dietrich Dahnke, Gerhard Schneider.) Berlin: Verlag Neues Leben 1953. (Klassikerbibliothek f. d. dt. Jugend.) S. 33-44: Heinrich von Kleist.
Vorwort. Anekdote aus dem letzten preußischen Kriege. Anekdote aus dem letzten Kriege. Der verlegene Magistrat. Der Branntweinsäufer und die Berliner Glocken. Der Griffel Gottes. Anekdote (Kapuziner). Anekdote (Bach). Korrespondenznachricht (Unzelmann) S. 463: Lebensabriß.

116. Die kleine Form. Deutsche Anekdoten aus vier Jahrhunderten. Neue deutsche Literatur, Jg. 3, 1955, H. 2, S. 68-70: Anekdoten aus dem letzten preußischen Kriege.

Philosophische und ästhetische Schriften

117. Müller, Adam: Vom Gespräch. - H. v. K.: Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden. (Hrsg. von Jürgen Schüddekopf. Mit e. Vorw.) [2. Aufl.] Hamburg: E. Hauswedell 1946 [ausgegeben 1948]. 32 S. (Flugschriften. H. 5.)
S. 5-23: Adam Müller: Vom Gespräch. Wien, im Frühling 1812.
S. 24-32: H. v. K.: Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden. [Königsberg, 1806.]

118. Literarische Bemerkungen. (Die Zusammenstellung u. d. erl. Text besorgte F [ranz] X[aver] Rau.) (Bonn: G. Schwippert 1947 [Ausg. 1948].) 30 S. (Aus d. literar. Werkstatt.) (Schatullen-Drucke. H. 24.)
R(au), F[ranz] X[aver]: Kleist - eine Idee. Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden. Brief eines Dichters an einen anderen. Phöbus [2 Anzeigen]. Literarische Notiz [Vaterländ. Museum]. Ein Satz aus der höheren Kritik. Betrachtungen über den Weltlauf. Journalistische Sentenzen. Theater-Notizen (1. Kritiker. 2. Kassenerfolg). Romanwelt und geschichtliche Welt [aus d. "Aufsatz, den sichern Weg des Glücks zu finden"].

119. Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden. Heute u. Morgen (Düsseldorf), 1954, Nr. 11, S. 831-832.

120. Über das Marionettentheater: Dt. Blätter - Hojas Alemanas, Jahr 4, März/April 1946, H. 30, S. 60-62.

121. Über das Marionettentheater. Bonn: G. Schwippert [1947]. 16 S. (Die Schaubühne. Schatullendrucke. H. 3.)
Marionettentheater. Kadow, Hermann: Das letzte Kapitel von der Geschichte der Welt. Ein Nachwort zu dem Kleist'schen Traktat "Über das Marionettentheater".

122. Über das Marionettentheater. In: Plügge, Herbert: Grazie und Anmut. Ein biologischer Excurs über das Marionettentheater von Heinrich v. Kleist. Analyse. Text. Hamburg: Claassen & Goverts (1947). S. 45-54. [Vgl. Nr. 618.]

123. Über das Marionettentheater. ([Nachw. von] Heinrich Weber.) Berlin: Steuben-Verlag (1948). 47 S.

124. Über das Marionettentheater. Essener Neudruck, (d. Westdt. Bibliophilen-Gesellschaft zu ihrer Jahrestagung im Mai 1950 von Mitgliedern aus Essen, Duisburg, Hösel u. Langenberg überreicht.) - (Essen) 1950: (Industrie-Druckerei A. G. [zu beziehen: Hattingen/Ruhr, Bahnhofstr. 5: Westdeutsche Bibliophilen-Gesellschaft].) 14 S. In 250 Exemplaren.

125. Über das Marionettentheater. (Mainz: Eggebrecht-Presse 1952.) 8 Bl.
1000 Exemplare auf Bütten.

Berliner Abendblätter

126. Berliner Abendblätter. 1. Okt. 1810 bis 30. März 1811. [Ausw.] (Berlin:) Das Neue Berlin (1954). 127 S., 4 Faks aus d. Abendblättern. ("Berlinische Miniaturen". 19.)
S. 5-15: Einführung von Walter E. Horn.
S. 17-118: Beiträge Kleists zu den Abendblättern in Auswahl.
S. 119-127: Worterklärungen und Inhaltsverzeichnis.

127. Berliner Abendblätter. Hrsg. Nachw. u. Quellenregister von Helmut Sembdner. (Fotomechan. Nachdruck d. von Georg Minde-Pouet im Verlag Klinkhardt & Biermann, Leipzig, veranst. Faksimileausg. von 1925.) Stuttgart: J. G. Cotta 1959; Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1959. 2 Bl., 306, 304, 34 S.
Berliner Abendblätter. (Textteil.)
Nachwort.
Bibliographie.
Die Beiträge und ihre Herkunft.
Die Autoren. Die von Kleist benutzten Druckwerke.
Auf Grund der Forschungen des Herausgebers konnten fast alle Beiträge nach Verfassern und Vorlagen sowie Nachdrucke und Entgegnungen in anderen zeitgenössischen Blättern ermittelt werden. Das alphabetische Autorenregister verzeichnet nochmals die einzelnen Beiträge unter dem Verfassernamen mit Angabe der gebrauchten Siglen, ein weiteres Register die von Kleist benutzten Quellen. Kleists eigener Anteil wurde durch neuerschlossene Originalbeiträge, Bearbeitungen von Vorlagen, Übersetzungen und redaktionelle Bemerkungen bedeutend vermehrt. Das Nachwort unterrichtet über die Geschichte der Abendblätter, und die Bibliographie verzeichnet die wichtigste Literatur.
Bespr.: J. Baxa: Der Wächter, Jg. 41/42, 1960/61, H. 1, S. 15. - W. Gose: Germanistik, Jg. 1, 1960, S. 197-198. - C. Hohoff: Der Tagesspiegel (Berlin), 27. Sept. 1959; Christ u. Welt, 10. Dez. 1959. - P. Hühnerfeld: Süddt. Ztg. (München), 3. Jan. 1960. - K. Schauder: Eckart, Jg. 29, 1960, S. 283-284.

SCHALLPLATTEN

128. Der zerbrochene Krug. Ein Lustspiel. Sprecher: Kurt Ehrhardt [u.a.]. Regie: Heinz Schimmelpfennig. [Nebst Textheft.] Die Federzeichnungen im Text schuf Adolph Menzel zum 100. Geburtstag d. Dichters. Gütersloh: Ariola, Athena [1957]. 2 Schallplatten, Umfang je 30 cm. 67 S.
Bespr.: Die Kultur (München), 15. Aug. 1957

129. Das Erdbeben von Chili. Sprecherin: Marianne Hoppe. [Hamburg:] Telefunken [1958]. Umfang 25 cm. (Wort u. Stimme.)

130. Meisterstücke deutscher Prosa. Matthias Claudius: An meinen Sohn Johannes... [u. a.] [Rücks.:] Heinrich von Kleist: Anekdoten und kleine Schriften. Sprecher: Ernst Ginsberg [Nebst Text.] Die Einf. zum Textteil schrieb Walther Kiaulehn. [Hamburg:] Deutsche Grammophon-Gesellschaft, Literar. Archiv 1957. Umfang 30 cm, 8 Bl. mit Abb. u. 1 eingekl. Bildnis:

131. Anekdote aus dem letzten preußischen Kriege... [u. a.] Heinrich George spricht. [Hamburg:] Telefunken [1959]. Umfang 25 cm. (Wort u. Stimme.)

ÜBERSETZUNGEN

Das Gesamtwerk

Italienisch

132. Opere. A cura, con introduzione es note di Leone Traverso. Trad.: Gabriella Bemporad, Vincenco Errante, Persio Nesti, Giaime Pintor, Gino Regini, Leone Traverso, Vincenco Maria Villa, Hans Wildt, Guiseppe Zamboni. Firenze: G. C. Sansoni 1959. XLV, 991 S. (I grandi classici stranieri.)
Drammi. Novelle. Sul teatro di marionette. Aneddoti, saggi, scritti satirici. Epistolario.
Bespr.: G. Schmidlin: Neue Zürcher Ztg., 12. Dez. 1959.

Polnisch

133. Dziela wybrane. (Wybór oprac. Helena Kahanowa. Wstep napis. Zdzislaw Zygulski.) (Warszawa:) Panstw. Inst. Wyd. (1960). 698 S., 1 Bl., 1 Taf.
1. Wstep. Napis. Zdzislaw Zygulski. 2. Rozbity dzban. Przel. Zbigniew Krawczykowski. 3. Pentesilea. Przel. Witold Hulewicz. 4. Ksiaze Homburgu. Przel. Jan Izydor Sztaudynger. 5. Nowele. Przel. Edyta Sicinska. Michal Kohlhaas. Markiza O. Trzesienie ziemi w Chile. Zareczyny w San Domingo. Znajda [Findling]. Pojedynek [Zweikampf]. 6. Listy [Briefe]. Przel. Helena Kahanowa. 7. Przypisy [Anm.]

Tschechisch

134. Vybor z díla. Rozbity dzbán. Michael Kohlhaas. Anekdoty. Dopisy. (Prel. Pavel Eisner, Jaroslava Vobrubová-Koutecká a Rudolf Toman.) Praha: Státní naklad. krásné literatury, hudby a umení 1954. 326 S., 3 Bl. (Svetová Cetba. Sv. 80.) (Krásná Literatura.)
Predmluva. Rozbity dzbán. Michael Kohlhaas. Vybor z anekdot [Ausw.]. Vybor z dopisu [Ausw. d. Briefe, mit Einl.]. Vysvetlivky [Erl.].
Der Übersetzung liegt die Ausgabe von Erich Schmidt 1904/05 zugrunde. Übersetzer: P. Eisner: Krug, J. Vobrubová-Koutecká: Kohlhaas, R. Toman: Anekdoten, Briefe. Auswahl, Einleitungen, Kommentare und Erläuterungen zu den Briefen von R. Toman, zum Zerbrochenen Krug und Michael Kohlhaas von den Übersetzern.

Englisch

135. Penthesilea. Transl. by Humphrey Trevelyan. - The Prince of Homburg. Transl. by James Kirkup. In: The Classic Theatre. Ed. by Eric Bentley. Vol. 2. Five German Plays. Garden City, New York: Doubleday 1959. (Doubleday Anchor Books. Nr. A 155 b.) S. 313-419 u. 421-507.

Französisch

136. Théâtre. Catherine de Heilbronn. Trad. par Paul Morand. Le prince de Homburg. La cruche cassée. Penthésilée. Trad. par Stefan Geissler. Paris: Édition Denoël (1956). 348 S., 2 Bl. (Collection Les chefs-d'oeuvre du théâtre contemporain.)
Käthchen in Versen und in Prosa, die übrigen Dramen ganz in Prosa.

Ungarisch

137. Az eltört korsó. (Fordít. Németh László.) Amphitryon. Fordít. Szabó Lorinc. Az utószót és a jegyzeteket Vajda György Mihály írta.) 2 vígjáték. [Budapest:] Európa Könyvkiadó 1957. 201 S. (Világirodalmi Kiskönyvtár.)

Die Familie Schroffenstein

Türkisch

138. Schroffenstein Ailesi. [Übers. von] Burhanettin Batiman. Istanbul: Maarif Vekâleti 1955. 132 S.

Robert Guiskard

Italienisch

139. Roberto il Guiscardo duca dei Normanni. Trad. di Enrico Burich. In: Teatro tedesco dell' etá romantica presentato da Bonaventura Tecchi. Torino: Eri, Edizione radio italiana 1956. (La Spiga. Collana di capolavori teatrali di ogni paese e di ogni tempo. 1.)

Amphitryon

Japanisch

140. Amphitryon. [Übers. von] Tezuka Tomio: Tokyo: Sogensha 1952. 140 S. Mit Illustr.

Tschechisch

141. Amfitryon. Veselohra podle Molièra. Prel. Pavel Eisner. (Rozmnozeno jako neprodejny rukopis.) (Praha: Ceskoslovenské divadelní a literární Jednatelství 1955.) 82 S. [Maschinenschr., vervielf.]

Der zebrochne Krug

Chinesisch

142. P'o weng chi. Po Yung i. Shanghai: Hsin wen i ch'u pan shèh 1956. 97 S. Mit Abb.

Englisch

143. [Der zerbrochene Krug. Übers. von Lawrence Wilson. s. Nr. 481.] 1953.

144. The Broken Pitcher. A Comedy. Transl. by Bayard Quincy Morgan. o. O. [1958]. II, 80 S. Microfilm of Typewritten Copy, Made at Columbia University. [Bes.: Columbia University.]

Französisch

145. La Cruche cassée. Adaption d'Arthur Adamov. Théâtre populaire, mars/avril 1954, Nr. 6, S. 49-92. (Mit Portrait.)
Szenische Wiedergabe in Prosa mit einigen Kürzungen.
Auff.: Lyon, Théâtre de la Comédie, 20. April 1954.

Holländisch

146. Rammelt, Toon: Dit is de dag van het recht. Tooneelspel in 4 bedr. Naar en gegeven van H. v. K. Bussum: F. G. Kroonder 1949. 126 S.

Japanisch

147. Kowareta kame. [Übers. von] Takahashi Kenji. Tokyo: Sogensha 1953. 129 S. - Ebda.: Kadokawa shoten 1955.

Mundartlich

148. De verbrochnig Chrueg. Mundartübers. nach Heinrich Kleists Lustspiel "Der zerbrochene Krug" von R. Villiger. Elgg: Volksverlag [1957]. 60 S.

Norwegisch

149. Det sundslegne kruset. Oms. frå tysk av Ragnvald Skrede. Tilrettelagt for radio av Alice Zimmermann. [Oslo 1948.] 65 S. [Sendt av Norsk rikskringkasting, 6. jan. 1949.]

Polnisch

150. Rozbity dzaban. [Bruchst.] Lódz teatralna 1949, Nr. 5, S. 15-18.

151. Rozbity dzban. Komedia. Przel. Zbigniew Krawczykowski. (Warszawa:) Panstw. Inst. Wyd. (1953). 153 S., 1 Bl.

152. Rozbity dzban. Przel. Jósef Mirski. Oprac. Mieczyslaw Urbanowicz. Wroclaw-Kraków: Zakl. Narod. im. Ossolinskich (1957). LXXVII, 178 S., 1 Bl., 4 Abb. (Biblioteka Narodowa. Seria 2, Nr. 109.)
Mieczyslaw Urbanowicz: Wstep. [Einleitung. I. Leben u. Werke Kleists. II. Charakteristik seines Schaffens. III. Kleist in Polen. IV. Der zerbrochene Krug. Bibliographie. Text.]
Übersetzung in Jamben, mit Variant. Abschnitt III der Einleitung gibt einen Überblick über die in Polen erschienene Kleist-Literatur.

Rumänisch

153. Ulciorul sfarîmat. O Comedie. Trad. în versuri de Ion Marin Sadoveanu. Cuvînt înainte de Mihai Isbrasecu. (Bucuresti.) Ed. de Stat pentru literatura si arta ([19]57). 170 S., 1 Titelbild. (Biblioteca pentru toti.)

Serbo-Kroatisch

154. Razbijeni krcag. Vesela igra. S nemackog preveo ([i] pogovor [napis.]) Bosko Petrovic. Korice [izradio] Karlo Napravnik. Novi Sad: Matica srpska 1951. 153 S., 1 Bl. (Kol. Mala knjiga.)

Slovenisch

155. Razbiti vrc. Vesela igra v enem dejanju. Prevedel Janko Moder. Ljubljana: Prosvetni servis 1957. 2 Bl., 148 S., 1 Bl. (Dramska knjiznica.)

Spanisch

156. [Der zerbrochene Krug. Übers. in Prosa von Manuel Manzanares.]
Auff.: Madrid, Staatstheater Maria Guerrero, Jan. 1954 im Rahmen des "Programms für die Verbreitung deutschen Theaters" unter dem Protektorat des Botschafters der Bundesrepublik Prinz Adalbert von Bayern.
Bespr.: A. Dieterich: Die Welt, Ausg. E (Hamburg), 6. Jan. - Bonner Rundschau, 9. Jan. - Die Neue Ztg. (Berlin), 15. Jan.

Tschechisch

157. Rozbity dzbán.Veselohra v 1 djství. Prel., pozn. k "Variantu" Pavel Eisner. (Doslov [Nachw.] naps. Jaroslav Pokorny.) Praha: Orbis 1954. 188 S. (Divadelní Edice. Hry klasické.)

158. Rozbity dzbán. Veselohra v 1 dejství. Prel. Pavel Eisner. (Doslov [Nachw. von] Jaroslav Pokorny. (Rozmnozeno jako neprodejny rukopis.) (Praha: Ceskoslovenské divadelní a literární Jednatelství 1955.) 106 S. [Maschinenschr., vervielf.]

Ungarisch

159. A póruljárt bíró. Vigjáték. Fordít. Székely György. Népi színjátszo színpadra feldogozta Pándi Lajos [Budapest:] Müvelt Nép 1952. 22 S., 2 Bl. (Színjátszók könyvtára. 8.)

Französisch

160. Penthésilée. Trad. de Julien Gracq. Paris: J. Corti (1954). 123 S., 1 Bl. - Paris: Paris-théâtre 1955. 66 S. (Mit Abb.) (Paris-théâtre. Nr. 100.)
S. 9-18: Le printemps de Mars. [Einf. von Julien Gracq.]
S. 21-123: Text. Freie Prosaübertragung mit einigen Zusätzen und Streichungen.

161. [Penthesilea. Übers. in Prosa von Gaston Floquet u. Maurice Clavel.]
Auff.: Paris, Théâtre Hébertot, 15. Juli 1955. Pariser Internationale Theater-Festspiele 18. Mai bis 22. Juli 1955.
Bespr.: E. Friedrich: Rhein. Merkur, 5. Aug. - H. Günther: Rhein-Neckar-Ztg. (Heidelberg), 23. Aug.

Portugiesisch

162. Penthesilea. [Übers. von] Alberto Luis Bixio. Buenos Aires: Sur 1954. 156 S.

Das Käthchen von Heilbronn

Französisch

163. Catherine de Heilbronn. Acte III. Trad. et adaption de Paul Morand. La Parisienne, revue littéraire mensuelle, juillet 1954, S. 768-787.
Prosaübertragung, 3.-5. Akt zusammengezogen.

Japanisch

164. Heilbronn no shojo Käthchen. [Übers. von] Tezuka Tomio. Tokyo: Iwanami shoten 1950. 161 S.

Prinz Friedrich von Homburg

Englisch

165. The Prince of Homburg. A Play in 5 Acts. Transl., with an Introduction, by Charles E[dward] Passage. New York: The Liberal Arts Press (1956). XXVIII, 83 S. (The Library of Liberal Arts. Nr. 60.)
Die Einführung verweist auf "Egmont" für die Anfangs- und Schlußszene, "Don Carlos" und "Maß für Maß" für den 3. Akt als Vorbilder. Ähnlichkeit mit "Wallenstein", vor allem in der Behandlung des Verses. Abdruck der Quellen (Livius, Buch VIII, Kap. 30-35 und Friedrich d. Gr.). Übertragung in Jamben.
Bespr.: J. C. Blankenagel: The Journal of English and Germanic Philology, Vol. 56, 1957, S. 100-102. - D. G. Daviau: The German Quarterly, Vol. 30, 1957, S. 223-224. - M. Hamburger: German Life & Letters, N. S., Vol. 10, 1956/57, S. 315-316. - R. H. Samuel: Yearbook of Comparative and General Literature, Vol. 5, 1956, S. 93-96. - H. Shelness: Dt. Rundschau, Jg. 83, 1957, S. 1091-92.

Französisch

166. Le prince de Hombourg. Version scénique en langue francaise de Jean Curtis. Paris: Édition de l'Arche (1952). 92 S., 1 Bl., 8 Abb. (Collection du répertoire du Théâtre National Populaire. 3.) - Paris: "Fémina théâtre" 1955. 38 S. (Mit Abb.)
Übersetzung in Prosa.
Auff.: Festival d'Avignon 1951; Paris: Théâtre des Champs-Élysées, 22. Febr. 1952.

Griechisch

167. O'......... [Der Prinz von Homburg. Übers. aus d. Deutschen von K. Karthaios] N....... (Athen), T. 56, 1954, S. 1050-60, 1165-69, 1241-45, 1308-09, 1366-70, 1434-39, 1518-22, 1576-79, 1658-61, 1751-58. [Auskunft von München SB.]

Italienisch

168. Il principe di Homburg. Trad. di Giovanni Necco. In: Teatro tedesco dell' età romantica presentato da Bonaventura Tecchi. Torino: Eri, Edizione radio italiana 1956. (La spiga. Collana di capolavori teatrali di ogni paese e di ogni tempo. 1.)

Serbo-Kroatisch

169. Princ Fridrih od Homburga. Pozorisna igra. Preveo Sima Pandurovic. Beograd: "Novo pokolenje" 1953. 209 S., 1 Bl. (Kol. Mala knjiga. 10.)

Türkisch

170. Prens von Homburg. [Übers. von] Burhanettin Batiman. Istanbul: Maarif Vekâleti 1955. 102 S.

Erzählungen

Englisch

171. The Marquise of O. - and other Stories. Transl. and with an Introduction by Martin Greenberg. Pref. by Thomas Mann. New York: Criterion Books 1960. 318 S.
S. 5-23: Thomas Mann: Kleist and his Stories. Transl. by Francis Golffing.
S. 27-38: Martin Greenberg: Introduction.
S. 41-318: The Marquise of O. - Michael Kohlhaas. The Beggarwoman of Locarno. The Engagement in Santo Domingo. The Foundling. The Earthquake in Chile. St. Cecilia, or the Power of Music. The Duel.
Bespr.: Saturday Review, Dec. 30th 1960, S. 24.

Hebräisch

172. Salos nobelot. Mikael Qolhaz, Hammarqizah fon O. ..., Du-qerab. [Übers. von Yisrael Zarhi u. Mordekhay Temkin.] Tel-Abib: "'Am'obed" 5714 (1954). 249 S. mit 1 Titelbild. [Drei Novellen. Michael Kohlhaas, Die Marquise von O. ..., Der Zweikampf.]

Italienisch

173. Racconti. [Trad. dal tedesco] a cura di Luisa Vertova. Milano: V. Bompiani 1945. XX, 237 S. (Il Centonovelle, Novelliere antico e moderna. Vol. 16.)
Il trovatello. Il terremoto nel Cile. Fidanzamento a S. Domingo. La marchesa di O... Michele Kohlhaas. La mendica di Locarno. Santa Cecilia o la potenza della musica. Il duello. Nota bibliografica.

174. Il brigante galantuomo. La marchesa di O***. Terremoto nel Cile. Trad. di Giovanna Federica Airoldi e Bruno Maffi. (Milano:) Rizzoli (1952). 173 S. (Biblioteca universale Rizzoli. 415/416.)

Japanisch

175. O koshaku fujin. St. Domingo no mitsuyaku. Rokaruno no onna kojiki. Hiroigo. Sei Cäcilie. Ketto. [Übers. von] Sagara Morio. Tokyo: Iwanami shoten 1951. 257 S. [Die Marquise von O. Die Verlobung in St. Domingo. Das Bettelweib von Locarno. Der Findling. Die hl. Cäcilie oder die Gewalt der Musik. Der Zweikampf.]

Portugiesisch

175 a. Novelas. A viganca de Michael Kohlhaas. Noivado em São Domingos. A Marquesa de O. ... O terremoto do Chile. (Trad. de Otto Schneider, Paulo Edmur de Sousa Queirós [u. a.]. Illustr. de Emery Guéron [u. a.].) (São Paulo:) Ed. Melhoramentos [1959]. 222 S., 1 Titelbild. (Novelas do mundo. Nr. 1.)

Serbo-Kroatisch

176. Markiza fon O... i druge pripovetke. Prevela ([i pogovor] "Hajnrih fon Klajst" [nap.]) Marija Kon. (Naslovna strana: Mirko Stojnic). Sarajevo: "Dzepna knjiga" 1959. 188 S., 4 Bl. (Biblioteka "Dzepna knjiga". 129.)
Markiza fon O... Dvoboj. Prosjakinja iz Lokarna. Nahoce. Veridba u sv. Domingu. Zemljotres u. Cileu.

Türkisch

177. Hikâyeler. [Erzählungen, Teilsamml.] Bu eseri Melâhat Togar dilimize çevirmistir. [Übers. von ...] Istanbul: Millî Egitim Basimevi 1952. VII, 198 S. (Dünya edebiyatindan tercümeler. Alman klâsikleri. 81.) [Übersetzungen aus der Weltliteratur. Deutsche Klassiker.]

Michael Kohlhaas

Chinesisch

178. Man fan tse Mi ho örh Ko ha sze. Shang Chang-sun i. (Shanghai:) Hsin wen i ch'u shèh 1957. VII, 127 S. Mit Abb.

Englisch

179. Michael Kohlhaas. Transl. by Charles E[dward] Passage. In: Nineteenth Century German Tales. Ed. by Angel Flores. Garden City, New York: Doubleday 1959. (Doubleday Anchor Books. Nr. A 184.) S. 39-137.
S. 382-384: Biographie und Bibliographie.
Bespr.: A. Closs: Germanistik, Jg. 1, 1960, S. 231. - F. R. Sommerfeld: The Modern Language Quarterly, Vol. 21, 1960, S. 284-285.

Finnisch

180. Mikael Kohlhaas. (Suomentanut [übers. von] Elvi Sinervo. Kuvittanut [illustr. von] Rolf Sandqvist.) Helsinki: (Tammi 1951). 154 S.

Französisch

181. Michaël Kohlhaas. Trad. de l'allemand par Laurence Lentin. Préf. d' [Louis] Aragon. Paris: Les Éditeurs francais réunis 1950. 161 S. (Chefs-d'_uvre étrangers d'hier et d'autrefois.) [Wiederabdruck d. Einl. s. Nr. 583.]

Hebräisch

182. Mikael Qolhas. Targum min hamaqor hagermani Meir Hartiner. 'Im hitukej- 'es me'et Ja'aqob Pins. Jerusalajim: Hosat sifrej tarsis 1953. 108 S. [Michael Kohlhaas. Aus d. Deutschen übers. von M. H. Mit Holzschnitten von J. P. Jerusalem: Veröffentlichung d. Tarschich-Bibliothek 1953.]

Isländisch

183. Mikkjáll frá Kolbeinsbrú. Ur grömlum skrædum. (Gunnar Gunnarsson endursagdi.) Reykjavik: Bókasafn Helgafells 1946. 240 S. Mit 1 Bildnis. (Listamannathing. 7.) [Michael von der Kolbeinsbrücke. Aus alter Chronik. Bearb. von ... (Künstlerforum. 7.)]

Italienisch

184. Michele Kohlhaas. [Trad. dal tedesco] a cura di Rosario Assunto. Torino: G. Einaudi 1946. XVI, 117 S. (Universale Einaudi. 63.)

Japanisch

185. Michael Kohlhaas no ummei. [Übers. von] Yoshida Jiro. Tokyo: Iwanami shoten 1952. 114 S.

Portugiesisch

186. A vingança de Michael Kohlhaas. Trad. de Otto Schneider. Il. de Emery Guéron. (Sa Paulo:) Ed. Melhoramentos [1951]. 104 S. (Novelas do mundo. Nr. 1.)

Rumänisch

187. Michael Kohlhaas. Cuvînt înainte [de] Zoe Dumitrescu-Busulenga. In romîneste de A. Voinescu. (Bucuresti:) Ed. de Stat pentru literatura si arta ([19]55). 153 S., 1 Titelbild. (Biblioteca pentru toti.)

Schwedisch

188. Michael Kohlhaas. Inledn. och övers. av Alf Ahlberg. Stockholm: Tiden 1950. 147 S. (Tidens tysko klassiker. 6.)

Serbo-Kroatisch

189. Mihael Kohlhas. Iz jedne stare kronike. Pripovjetka. Preveo s njemackog Dobrisa Cesaric. Zagreb: Izdanje Nakladnog zavoda Hrvatske 1947. 96 S.

190. Mihael Kolhas. (Preveo Dobrisa Cesaric.) In: Nemacki romanticari. Odabrane pripovetke. II. Izbor: Vasko Popa. Beograd: "Nolit" 1959. (Biblioteka "Orfej". 18.)

Slovenisch

191. Michael Kolhaas. Iz starih zgodovinskih zapiskov. Prevedel Janez Zagar. Ljubljana: Slovenski knjizni zavod. (Tiskarna "Slovenskega porocevalca") 1950. 160 S. (Mala knjiznica. 29.)

Tschechisch

191 a. Michael Kohlhaas. Prel. Jaroslava Vobrubová-Koutecká. Doslov: Eduard Goldstücker. Illustr. Jaroslava Lukavského. 2. vyd. Praha: Cs. spis. 1960. 125 S. (Edice ilustrovanych novel. Sv. 64.)

Ungarisch

192. Kohlhaas Mihály. (Fordít Kardos László.) (Budapest:) Révai (1949). 162 S. (Révai Könyvtár. 35.)

193. Kohlhaas Mihály. (Egy régy krónikából.) (Frodít. Kardos László.) [Budapest:] Szépirodalmi Könyvkiadó 1955. 167 S. (Olscó könyvtár. 38.)

Die Marquise von O....

Holländisch

194. Markiezin von O. In: Uit het leven van een nietsnut en andere verhalen van Eichendorff. E. T. A. Hoffmann, Mörike, Kleist [u. a.]. (Nederlands van André Noorbeek.) (Utrecht, Antwerpen:) Het Spectrum [1954]. (Prismaboeken. Nr. 98.)

Schwedisch

195. Markisinnan von O... Siesta (Uppsala), 1956, Nr. 1, S. 50-61.

Das Erdbeben in Chili

Esperanto

196. La tertremo en Cilio. In: Tri Majstro-Noveloj el la germana lingvo trad. de E. Pebe [d. i. Ernst Werner]. Wien: Esperanto-Eldonejo "Tramondo" 1947. S. 7-18.

Italienisch

197. Terremento al Cile. Racconto. Trad. dal tedesco di Guiseppe Isani. Roma: Edizione Documento 1944. 60 S. (La pietra di paragone. Collezione di racconti antichi e moderni a cura di M. Smeriglio. 9.)

Rumänisch

198. Cutremurul din Chile. In romîneste de Laura Dragomirescu. In: Nuvela germana in secolul al XIX-lea. (Portrete de Roni Noel.) Bucuresti: Ed. de Stat pentru literatura si arta 1958. (Clasicii literaturii universale.) S. 7-25. (Mit Portrait.)
S. 7-8: Kurze Einführung.

Serbo-Kroatisch

199. Zemljotres u Cileu. Preveo s nemackog Rasko Dimitrijevic. Beograd: "Prosveta" 1950. 20 S., 2 Bl.

Ungarisch

200. Das Erdbeben von Chili. A chilei földrengés. Az eredeti teljes szöveg és hu magyar fordítása. Fordít: Szabó Ede. [Deutsch u. ungar. in Paralleldruck.] Budapest: Terra (1958). 40 S. (Kétnyelvu kis könyvtár. 51.)

Die Verlobung in St. Domingo

Italienisch

201. I fidanzati di San Domingo. (Il trovatello.) Roma: De Carlo [1945]. 27 S. (Grandi scrittori. Raccolta di capolavori di tutte le letterature.)

Japanisch

202. Sei Domingo-to no konyaku. [Übers. von] Sagara Morio: Tokyo: Ikubundo 1953. 201 S.

Der Zweikampf

Japanisch

203. Ketto [Übers. von] Uamamuro Shizuka. Tokyo: Shisakusha 1950. 266 S.

Gedichte

Griechisch

204. O'........... [Der Engel am Grabe des Herrn. Übers. von Ares Diktaios.] N.... (Athen), T 43, 1948, S. 558-559. [Auskunft von München SB.]

Kleine Schriften

Englisch

205. On the Gradual Construction of Thoughts during Speech. Transl. by Michael Hamburger. German Life & Letters, N. S., Vol. 5, 1951/52, S. 42-46.

Französisch

206. Heinrich von Kleist (1777-1811.) Articles et andecdotes inédits en Français et parus dans les "Berliner Abendblaetter" (1820-1822). (Mit Übers. von Flora Klee-Palyi u. Louis Guillaume.) Les Lettres. A. 4, Nr. 13, S. 53-62.
S. 53-55: Einführung in die Berliner Abendblätter von L(ouis) G(uillaume).
S. 55-62: Prière de Zoroastre. Lettre d'un poéte á un autre. Lettre d'un peintre á son fils. De la réflexion. Les deux boxeurs. Guillaume le Conquérant.

Holländisch

207. Over het marionettentheater. Nederlands van Paul Hardy. [Gevolgd door] Van Tijl, de lelijke tovenaar; Moeke-poeke en prinsesje Morgenrood, door Otto Schulz-Heising. Mechelen: L. Contrijn 1949. 44 S. mit Illustr. (Het Poppenspel. Jg. 1, Nr. 6.)

Portugiesisch

208. Teatro de marionetes. (Trad. de Paulo Mendes Campos.) (Rio de Janeiro:) Ministério da educação e saúde, Serviço de documentação (1952). 13 S. (Os Cadernos de cultura.)

Schwedisch

209. Om marionetteatern och två andra essayer. (Övers. ... av Lisa Matthias och Egon Jonsson.) Illustr.: Margit Jones. Stockholm: Bibliofila klubben 1949. 19 S., 1 Bl. (Kuriositeter i litteraturen. Ark 4.)

DAS SCHRIFTTUM

ALLGEMEINES

Forschung

210. Lepuschitz, Richard: Heinrich von Kleist in der Dichtung. Diss. Wien 1949. IV, 292 S. [Maschinenschr.]
Vorwort.
Einleitung. 1. Geschichtsdichtung. 2. Dichterdichtung. 3. Kleist.
Tl. 1. Kleist in der Wissenschaft. 1. 1811-1918. 2. 1919-1949.
Tl. 2. Kleist in der Dichtung.
Anhang. 1. Rein biographische Literatur 1920-1948. 2. Chronologische Aufstellung der Dichtungen über Kleist.
Anmerkungen.
Die Darstellung der Schwierigkeit einer Dichterdichtung, wobei der epischen Form vor der dramatischen der Vorzug gegeben wird, und ein Überblick über die wissenschaftlichen Kleist-Biographien von den Anfängen bis zur Gegenwart leiten eine Besprechung von 30 epischen, 9 dramatischen und 15 lyrischen Kleist-Dichtungen ein. Von Baggesens "Karfunkel oder Kling-klingel-Almanach" (1810) bis zu Kühns "Sprung ins All" (1942) werden die besprochenen Kleist-Dichtungen auf ihren historischen Inhalt hin untersucht und berichtigt, wobei die epischen Produktionen ausführlicher behandelt werden als die dramatischen.

211. Blankenagel, John C[harles]: In Memoriam Georg Minde-Pouet.
Monatshefte (Madison), Vol. 42, 1950, S. 295-296.
Blühm, E.: Die Wandlungen des Kleistbildes, vornehmlich aufgewiesen an der Auffassung der "Penthesilea". [s. Nr. 500.] 1951.

212. Weltmann, Lutz: Über Kleist und den Kleist-Preis. Ein Tryptichon. (Eine neue Kleist-Ausgabe. Zu Kleists Bildnis. Was wurde aus dem Kleist-Preis? Bitte an die Dt. Akad. f. Sprache u. Dichtung.) Neue literarische Welt, Jg. 3, 1952, Nr. 20, S. 3. (Mit Abb. d. Kleist-Maske.)
Besprechung der Ausgabe von Laaths [Nr. 4]. Versuch, die Kleist-Maske durch Indizienbeweise als echt zu erklären. Geschichte der Kleist-Stiftung. Aufforderung zur Neugründung.

213. Jacobi, Hansres: Frankreich entdeckt Kleist. Neue Zürcher Ztg., 16. Nov. 1954. - Auch in: Antares, Jg. 3, 1955, Nr. 7, S. 57-60; ähnlich in Stuttgarter Ztg., 16. Aug. u. Die neue Ztg. (Berlin), 22. Aug. 1954.
Betrifft die französische Kleist-Forschung, Übersetzungen und Aufführungen des Homburg und der Penthesilea in Frankreich.

214. Hösle, J.: Die deutsche Literatur der Goethezeit im Spiegel französischer Zeitschriften von 1900-1914. Revue de littérature comparée, A. 29, 1955, S. 369-380.
S. 374-375: Kleist.

215. Hock, Erich: Ausgaben deutscher Dichter. Wirkendes Wort, Jg. 6, 1955/56, S. 25-41, 92-105.
S. 36: Ausgabe Minde-Pouet und Sembdner (Hanser).

216. Richardson, Frank Charles: Heinrich von Kleist's Reception in France. Diss. Michigan 1958/59. Vgl. Dissertation Abstracts, Vol. 21, 1960, S. 344-345.

217. Hüffer, Anton Wilhelm: Karl Muth als Literaturkritiker. Münster i. Westf.: Aschendorff (1959). S. 150-153: "Heinrich von Kleist. Kein Problem."
Würdigung des Aufsatzes K. Muths in Hochland, Jg. 9, 1911/12.

218. Rasmussen, Detlef: Heinrich von Kleist. Ein Literaturbericht. Die Erlanger Universität, Jg. 12, 27. Mai 1959, S. 3-4.
Bespr. von: C. Hohoff: H. v. Kleist in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten [s. Nr. 243]. 1958. - J. Maaß: Kleist, die Fackel Preußens [s. Nr. 241]. 1957. - W. v. Molo: Ein Stern fiel in d. Staub [s. Nr. 657]. 1958. - H. Sembdner: H. v. Kleists Lebensspuren [s. Nr. 242]. 1957. - H. v. Kleist: Betrachtungen über d. Weltlauf [s. Nr. 13]. 1958. - F. Koch: H. v. Kleist [s. Nr. 391]. 1958 u. einiger Aufsätze.

Heinrich-von Kleist-Gesellschaft

219. [Gründung der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft.] Wirkendes Wort, Jg. 10, 1959/60, S. 384.

220. Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft e. V. [Werbeschrift. Berlin-Schöneberg 1960: Druckerwerkstätte Gottschalk.] 2 Bl. [Unterzeichnet:] Professor Dr. Wieland Schmidt.

221. Kleist-Gesellschaft in Berlin gegründet. [5. Mai 1960.] Der Tagesspiegel (Berlin), 17. u. 26. Juni 1960 u. in zahlreichen anderen Zeitungen.

Kleist-Preis

Weltmann, L.: Über Kleist und den Kleist-Preis. [s. Nr. 212.] 1952.

222. Weltmann, Lutz: Kommt der Kleist-Preis wieder? Der Kurier (Berlin), 23. Juli 1960.
Zur Geschichte des Kleist-Preises.

Gedenkstätten. Sammlungen.

223. Grimm, Herman: Heinrich von Kleist. I. (1862.) II. (1901.) In: Grimm, H.: Das Jahrhundert Goethes. Erinnerungen und Betrachtungen zur deutschen Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts. Hrsg. von Reinhard Buchwald. Stuttgart: A. Kröner (1948). (Kröners Taschenausg. Bd. 193.) S. 127-144. [Wiederabdr. d. Aufsätze "Heinrich von Kleist's Grabstätte" u. "Heinrich von Kleist's Berliner Kämpfe".]

224. [Einweihung einer Kleist-Gedenkstätte in Frankfurt a. d. Oder 12. Juli 1953 und des "Kleist-Parkes" anläßlich der 700-Jahrfeier der Stadt 11. - 18. Juli 1953.]
Berichte: W. Victor: Neuer Tag (Frankfurt a. d. O.), 24. Juli. - K. H. Mertins: National-Ztg. (Berlin), 24. Okt. - Vgl. E. Schirrmacher: Frankfurter Kulturspiegel, Juli 1955, S. 1-2; ausführlicher in: Theater-Umschau (Frankfurt a. d. O.), April 1959, Nr. 9, S. 10-13. (Mit Abb.)

225. Methling, Harry: Kleists Grab - Stimmings Krug. Mittelungsbl., Landesgeschichtl. Vereinigung f. d. Mark Brandenburg e. V. (Berlin), 1. Jan. 1957, Nr. 23, S. 88-91.
Geschichtliches.

226. Sauer, Bruno: Die literarischen Sammlungen der Amerika-Gedenkbibliothek. In: Kleine Beiträge aus der bibliothekarischen Arbeit. Wilhelm Schuster zum 70. Geburtstag am 10. Juni 1958 gewidmet. Hrsg. von Jürgen Busch u. Werner Jahrmann. Berlin 1959. S. 192-204. - Sonderdruck: Berlin [SW 61]: Amerika-Gedenkbibliothek/Berliner Zentralbibliothek 1959. [Umschlagtitel.]
S. 193-196: 1. Die Heinrich-von-Kleist-Sammlung.
Beschreibung der aus dem Nachlaß von Georg Minde-Pouet erworbenen Kleist-Bibliothek.

Bildnisse

227. (Schardt, Hermann:) Der Glaube Heinrichs von Kleist. (Den Freunden d. Hauses wurde von Frau Toni Kätelhön f. d. Jahr 1946 dieses Büchlein überreicht, das Hermann Schadt entwarf u. radierte. Auf d. Hermann-Kätelhön-Presse von Georg Habler gedruckt.) ([Wamel über Soest] 1946: [Druckwerkstatt Hermann Kätelhön].) 10 Bl. mit Abb. [Umschlagtitel:] Heinrich v. Kleist. Für d. Jahr 1946.
1. Blatt. Titel mit Radierung: Kleist am Schreibtisch, an Wilhelmine v. Zenge in Würzburg am 16. Nov. 1800 den Brief schreibend, der das Gleichnis vom Gewölbe enthält, das nicht einsinkt, weil alle Steine auf einmal einstürzen wollen.
2. u. 3. Blatt. Der Text dieses Gleichnisses mit Erläuterungen in Schreibschrift.
4. Blatt. Radierung: Kleist das Gewölbe betrachtend.
5. Blatt. Die Verse der Penthesilea, in die das Gleichnis übergegangen ist, in Schreibschrift.
6. Blatt. Radierung. Ein während der Feldarbeit ausruhender, auf seinen Spaten sich stützender Bauer.
7. Blatt. Radierung: Ein durch Blitz zersplitterter Baumstumpf.
8. Blatt. Radierung: Zwei Bauern pflanzen einen jungen Baum.
9. Blatt. Radierung: Familie mit Kindern unter einem starken Baum.
10. Blatt. Radierung: Ein unter einem Baum sitzender, einen Brief lesender Jüngling. Darunter in Schreibschrift Widmungs- und Druckvermerk.
Weltmann. L.: Über Kleist und den Kleist-Preis. [s. Nr. 212.] 1952.

228. Fürstenberg, Georg: Kleist-Plakette. Reliefbildnis aus Hartklinker. 50 cm. 1956. Bes.: Kleist-Gedenkstätte Frankfurt a. d. O.
Hohoff, C.; Heinrich von Kleist in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. [s. Nr. 243.] 1958.

LEBEN UND SCHAFFEN

Gesamtdarstellungen. Monographien.

229. Bottacchiari [Ildebrando] Rodolfo: Kleist e altri saggi. Roma: Perrella [1948]. S. 7-211: Kleist.
Introduzione. 1. L'uomo Kleist. 2. Il mondo tragico di Kleist. 3. Kleist minore. 4. Essenza romantica del tragico di Kleist e realismo della sua arte. Note bibliografiche. Bibliografia. [Mit einer Sonderbibliographie italienischer Literatur über Kleist bis 1940, S. 206-207.] Indice-Sommario.

230. Kuhn-Foelix, August: Heinrich von Kleist. Murnau: U. Riemerschmidt Verlag (1948). 200 S.
1. Vorspruch. 2. Der Weg zur Eingeburt. 3. Die Wehe zur "Penthesilea". 4. Die Geburt des magischen Dramas. 5. Der Absturz in die Wirklichkeit. 6. Der Triumphgesang des Todes.
Kleists Lebensgang als Leidensweg des Genius. Im Mittelpunkt der Darstellung steht der Schaffensprozeß.
Bespr.: F. Stählin: Muttersprache, 1950, S. 253-255.

231. Kürenberg, Joachim von [d. i. Joachim von Reichel:] Heinrich von Kleist. Ein Versuch. Hamburg: R. Mölich (1948). 255 S.
Versuch einer Biographie in lose zusammenhängenden Kapiteln ohne chronologischen Aufbau.
Bespr.: F. Stählin: Muttersprache, 1949, S. 287-288.

232. Schulte, Max: Heinrich von Kleist [Trad. dal tedesco.] Napoli: Armanni 1948. 41 S.

233. Uyttersprot, H[ermann]: Heinrich von Kleist. De Mensch en het Werk. Brugge: "De Tempel" 1948. VIII, 614 S., 1 Bl. (Rijksuniversiteit te Gent. Werken uitgegeven door de Faculteit van de Wijsbegeerte en Letteren. Afl. 101.) [Auch als Diss. ersch. Brugge 1947. 609 S.]
D. I. Ervaring en Poëzie bij Kleist. I. Ervaring en Poëzie. II. De Brieven. III. De Kleist-Literatuur.
D. II. De Gang naar het Dichterschap. 1. Inleiding. 2. De "Bestimmung". 3. Afscheid van het Leger. 4. Levensplan. 5. Metamorfosen van het Plan. 6. De Strijd voor het Plan. 7. De Strijd tusschen Rationalisme en Irrationalisme. 8. De Kant-Krisis. 9. Parijs. 10. Het Ontwaken van Kleists poëtische Roeping.
D. III. De Mensch en het Werk. I. Levensbeschouving. II. Het Raadsel, de "Unaussprechliche". III. Mateloosheid. IV. De Eros.
D. IV. Literaire Situeering. I. Kleist en de Sturm und Drang. II. Kleist en de Romantiek. III. Kleist en de Klassiek. Register. Bibliographie.
Im ersten Teil, "Erlebnis und Dichtung bei Kleist", wird das mit der Dilthey entnommenen Formel angedeutete Verhältnis im allgemeinen untersucht. Diltheys bekanntes Wort über Goethe anwendend und abwandelnd zugleich, gelangt der Verf. zu der Einsicht, daß Kleist nie etwas gedichtet habe, das er nicht hätte "leben" können.
Kleists Gestalten sind somit Menschen nach seinem Bilde, "ein Geschlecht, das ihm gleich ist". Diese Einsicht ist das Ergebnis einer ausführlichen Auseinandersetzung mit Gundolfs Grundanschauung, wie sie in der Einleitung zu dessen Buch (1922) dargelegt wird: "Nicht aus Erkenntnissen und Zeugnissen läßt sich etwas Wesentliches über das entnehmen, um dessentwillen Kleist wesentlich ist." Dieser Standpunkt erklärt bzw. bedingt den Bau der folgenden Teile. Teil 2, "De Gang naar het Dichterschap", bringt unter fast ausschließlicher Benützung der Briefe eine biographisch-psychographische Darstellung von Kleists innerem Werdegang, die jedoch nur bis zur Entdeckung der dichterischen Berufung (1802) führt, folglich auf eine biographische Behandlung der letzten neun Lebensjahre verzichtet. Im 10. Kapitel dieses Teiles, "Das Erwachen der Dichter-Berufung", verficht der Verf. u. a. die Ansicht, daß es Kleist mit seinem "Landmann-Ideal" nie ernst gewesen sei. Eingehende Erörterung von H. A. Korffs Thesen in dessen häufig zitiertem und gewürdigtem Aufsatz in der Zeitschrift f. Deutschkunde (1933). Im 3. Teil wird in den vier umfangreichen Kapiteln das psychographisch-"Kleistische" nach dem festgelegten Prinzip dargestellt und jeweils direkt anschließend das Werk, Drama und Erzählung, auf die entsprechenden Elemente hin untersucht. Im 4. Teil wird der Versuch unternommen, Kleists Gestalt nach drei Richtungen hin zu profilieren: gegen den Sturm und Drang, die Romantik und die Klassik. Der Verf. ist der Ansicht, daß es Korff gelungen ist, mit seiner Doppelformel "Kleist, eine verspätete und gesteigerte Sturm und Drangnatur - sein Drama: Sturm und Drang in der äußeren Form der Klassik" des Dichters Platz endgültig zu bestimmen. [Referat vom Verf.]
Bespr.: R. van Mechelen [d. i. R. Foncke]: De Nieuwe Gids (Brüssel), 30. Jan. 1948. - A. Nivelle: Revue des langues vivantes (Brüssel), A. 16, 1950, S. 565-567. - Sirius [d. i. U. Vandevoorde]: De Standaard (Brüssel), 18. Sept. 1949.

234. Accolti Gil Vitale, Nicola: Confessioni di Heinrich von Kleist: Bologna: C. Zuffi (1950). 255 S. (Università degli studi di Bologna. Facoltà di lettere e filosofia. Studi e ricerche. 6.)
Introduzione. (Zur Kleist-Literatur.)
I. "Der arme Kauz aus Brandenburg."
II. Ricerca della felicità.
III. Piano "razionale" di vita.
IV. Wilhelmine von Zenge e il viaggio di Würzburg.
V. "Liebe und Bildung."
VI. La missione terrestre dell'uomo
VII. Vocazione alla poesia.
VIII. Crisi.
IX. Sentimento, azione e poesia.
X. Valore indicativo e valore intrinseco dell'epistolario kleistiano.
S. 247-255: Nota bibliografica.

235. Heiseler, Bernt von: Kleist. (Neue durchges. Ausg.) (Gütersloh:) C. Bertelsmann 1951. 75 S. (Das kleine Buch. 25.) - Wiederabgedr. in: Heiseler, B. von: Lebenswege der Dichter. 4 Beiträge. Ebda. 1958. S. 11-87. [Zuerst 1939.]
Bespr.: J.-J. Anstett: Etudes germaniques, A. 8, 1953, S. 301. - H. Beckmann: Neues Abendland, Jg. 7, 1952, S. 700.

236. Zweig, Stefan: Heinrich von Kleist. In: Zweig, St.: Baumeister der Welt. Balzac - Dickens - Dostojewski - Hölderlin - Kleist - Nietzsche - Casanova - Stendhal - Tolstoi. (Frankfurt a. M.:) S. Fischer 1951. S. 243-296. [Zuerst 1925.]
Der Gejagte. Bildnis des Bildnislosen. Pathologie des Gefühls. Lebensplan. Ehrgeiz. Der Zwang zum Drama. Welt und Wesen. Der Erzähler. Die letzte Bindung. Todesleidenschaft. Musik des Untergangs.

237. Gabor, Annemarie: Heinrich von Kleists Lebensschicksal. Med. Diss. Erlangen 1954. 2 Bl., 70 S., 3 Bl. [Maschinenschr.]
Kleist als stark schizoider Charaktertyp mit Neigung zur schizoiden Psychopathieform zeigt das Krankheitsbild eines Pseudoneurasthenikers, was an Hand seiner brieflichen Äußerungen, seiner Werke und der Berichte seiner Freunde nachgewiesen wird.

238. March, Richard: Heinrich von Kleist. Cambridge: Bowes & Bowes (1954). 60 S. (Studies in Modern European Literature and Thought.)
I. The Prussian Officer an the Disciple of Rousseau. II. The Wanderer. III. The Creative Period 1805 - 1810. IV. The Patriot - The Last Phase. Chronology. Published Works. Selected Bibliography.
Bespr.: A. Closs: Euphorion, Bd. 50, 1956, S. 434. - H. B. Garland: The Modern Language Review, Vol. 50, 1955, S. 577. - L. Leibrich: Etudes germaniques, A. 11, 1956, S. 370. - H. J. Weigand: Modern Language Notes, Vol. 71, 1956, S. 470-472.

239. Wolff, Hans M[atthias]: Heinrich von Kleist. Die Geschichte seines Schaffens. Berkeley, Los Angeles: University of California Press 1954. 332 S. (University of California Publications in Modern Philology. Vol. 41.); Bern: A. Francke 1954.
I. Zur Chronologie. 1. "Urkäthchen" und "Urpenthesilea". 2. Die Erzählungen. Das Erdbeben in Chili. Die Verlobung in St. Domingo. Der Findling. Michael Kohlhaas. Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik. Das Bettelweib von Locarno.
II. Kleists Entwicklung. 3. Jugend (bis 1801). Erste Konflikte. Reise nach Würzburg. Winter 1800/1801. 4. Jahre der Krise (1801-1803). Paris. Die Familie Schroffenstein. Robert Guiskard. 5. Der Weg nach Innen (1804-1807). Der Zerbrochene Krug. Amphitryon. Die Marquise von O. Der Zweikampf. 6. Triumph des Gefühls (1807-1808). Penthesilea. Die Begründung der Gefühlsphilosophie. Das Käthchen von Heilbronn. 7. Antithese und Synthese (1808-1811). Die Hermannsschlacht. Der Prinz von Homburg. Das Ende.
Anhang, Rekonstruktionsversuche enthaltend. Das Käthchen von Heilbronn. Penthesilea. Der Findling. Das Bettelweib von Locarno. Die Marquise von O... Zum Prinzen von Homburg. - Nachwort.
Bespr.: R. Ayrault: Etudes germaniques, A. 11, 1956, S. 79-80. - J. C. Blankenagel: The Journal of English and Germanic Philology, Vol. 54, 1955, S. 158-161. - J. Eyssen: Bücherei und Bildung, Jg. 7, 1955, S. 61-62. - G. Jungbluth: Orbis litterarum, T. 12, 1957, S. 108-113. - E. J. Leo: Modern Language Notes, Vol. 71, 1956, S. 468-470. - H. Maeder: Neue Zürcher Ztg., 6. Nov. 1954. - H. Rüdiger: Schweizer Monatshefte, Jahr 34, 1954/55, S. 616; Englische Rundschau (Köln), Jg. 4, 1954, Nr. 51, S. 718-719. - R. Samuel: Euphorion, Bd. 49, 1955, S. 251-258. - N. H. Smith: Erasmus, Vol. 8, 1955, Sp. 612-615. - E. L. Stahl: The Modern Language Review, Vol. 50, 1955, S. 357-358. - National-Ztg. (Basel), 10 Okt. 1954.

240. Robert, Marthe: Heinrich von Kleist. Dramaturge. (Paris:) L'Arche (1955). 154 S., 1 Bl. (Collection Les grands dramaturges. 8.) (Mit 8 Bildtaf.)
Esquisse d'une biographie.
Les pièces. I. L'Obsession de Kleist. II. La tragédie de l'héritage. III. Les états nocturnes de l'âme. IV. La double entente. V. Une dramaturgie de l'acte manqué. Répertoire des mises en scéne.
Bibliographie.
Bespr.: M. Gravier: Revue d'histoire du théâtre (Paris), A. 8, 1956, S. 78.

241. Maaß, Joachim: Kleist, die Fackel Preußens. Eine Lebensgeschichte. Wien, München, Basel: K. Desch (1957). 452 S.
Bespr.: K. Bachler: Weser-Kurier (Bremen), 18. Mai; Rhein-Neckar-Ztg. (Heidelberg), 18. Juli. - M. Beheim-Schwarzbach: Kölner Stadt-Anzeiger, 27. April; Die Welt (Berlin), 4. Mai. - G. Blöcker: Der Tagesspiegel (Berlin), 20. Okt. - R. Bongs: Der Mittag (Düsseldorf), 12. Mai. - W. Fehse: Der Tag (Berlin), 2. Juni. - W. Görlitz: Die Welt (Berlin), 12. Febr. - P. Goldammer: Neue dt. Literatur, Jg. 5, 1957, H. 9, S. 143-145. - R. Goldschmit: Stuttgarter Ztg., 18. Mai. - H. Gumtau: Der Kurier (Berlin), 14. Juli. - P. Hühnerfeld: Die Zeit (Hamburg), 9. Jan. 1958. - H. Nette: Neue dt. Hefte, 1958, H. 43, S. 1041-42. - D. Rasmussen: Nr. 218. 1959. - K. Rauch: Telegraf (Berlin), 2. Juni. - A. Schmidt: Neue Volksbildung, Jg. 8, 1957, S. 467-468. - F. Sieburg: Frankfurter Allgem. Ztg., 6. April. - G. von Waldkirch: Bücherei u. Bildung, Jg. 9, 1957, S. 707-708.

242. Sembdner, Helmut: Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Hrsg. Bremen: C. Schünemann (1957). XII, 548 S., 1 Titelbild. (Samml. Dieterich Bd. 172.)
Einleitung.
Kindheit, 1777-1792. Soldatenzeit, Juni 1792 - April 1799. Studium, April 1799 - Aug. 1800. Würzburger Reise, Aug. - Okt. 1800. Berlin, Okt. 1800 - April 1801. Dresden/Leipzig, Mai 1801. Paris, Juli - Nov. 1801. Schweiz, Dez. 1801 - Okt. 1802. Weimar/Oßmannstedt, Nov. 1802 - Febr. 1803. Leipzig, Febr. - April 1803. Zur Buchausgabe der "Familie Schroffenstein". Dresden, April - Juli 1803. Schweiz/Paris, Aug. - Nov. 1803. Mainz, Nov. 1803 - Juni 1804. Berlin, Juni 1804 - April 1805. Die Grazer Aufführung der "Familie Schroffenstein". Königsberg, Mai 1805 - Jan. 1807. Gefangenschaft, Ende Jan. - Juli 1807. Zum Erscheinen des "Amphitryon". Dresden, Aug. 1807 - April 1809. Das Kunstjournal "Phöbus". Die Weimarer Aufführung des "Zerbrochenen Krug". Das Käthchen von Heilbronn. Zur Buchausgabe der "Penthesilea". Die Hermannsschlacht. Österreich, Mai - Nov. 1809. Berlin, Febr. 1810 - Nov. 1811. Die Wiener Aufführung des "Käthchen von Heilbronn". Zur Buchausgabe des "Käthchen" und der "Erzählungen". Die Berliner Abendblätter. "Penthesilea" als Pantomime. Zur Buchausgabe des "Zerbrochenen Krug". Zum zweiten Teil der "Erzählungen". Die Zerstörung Jerusalems. Prinz Friedrich von Homburg. Die letzten Stunden, Nov. 1811. Nachruf und Gedanken, 1811 - 1816. Zeitungsmeldungen. Theodor Körners "Toni". Die Sorge um Kleists Werk, 1811-1860. Tieck als Herausgeber. Um den "Prinz von Homburg". Käthchen von Heilbronn. Kleists Bild. Kleists Grab.
Quellennachweis.
Register. Personen. Kleists Werke.
Die "Lebensspuren" ersetzen die von Flodoard v. Biedermann u. d. T.: Heinrich von Kleists Gespräche (Leipzig 1912) zusammengestellten Lebenszeugnisse und ergänzen sie durch zahlreiche neue Dokumente, Rezensionen und Briefe an Kleist. Die Quellen dienen als Belege für einzelne Abschnitte und Ereignisse im Leben Kleists, sind also nicht im Zusammenhang abgedruckt; doch bieten Verweisungen am Schluß des Textstückes die Möglichkeit der fortlaufenden Lektüre. Die Rechtschreibung ist unter Beibehaltung des Lautstandes modernisiert, die Texte sind nicht durchweg vollständig wiedergegeben. Das Titelbild ist die Originalminiatur, dem Text sind 8 Faksimiles beigefügt: hs. Eintragung in das Besucherbuch der Dresdner Bibliothek v. 13. Juni 1803 (S. 74), gedr. Widmungsblatt des Phöbus für den Kaiser von Österreich (S. 151), Titelblatt des Phöbus (S. 152), Theaterzettel der Uraufführung des Zerbrochnen Kruges in Weimar 1808 (S. 170), Titelblatt der Erstausgabe der Penthesilea mit hs. Widmung für Buol (S. 198), hs. Widmung der Penthesilea für Fr. Gottl. Wetzel (S. 199), Theaterzettel der Uraufführung des Käthchen im Schauspielhaus a. d. Wien 1810 (S. 250), Berliner Abendblätter, 19. Bl. (S. 283).
Bespr.: J. Baxa: Der Wächter, Jg. 39/40, 1958/59, S. 22-23. - C. David: Etudes germaniques, A. 15, 1960, S. 77. - M. Hamburger: German Life & Letters, N. S., Vol. 13, 1959/60, S. 78-79. - P. Hühnerfeld: Die Zeit (Hamburg), 9. Jan. 1958. - R. Kluth: Bücherei u. Bildung, Jg. 10, 1958, S. 103-104. - H. Nette: Neue dt. Hefte, 1958, H. 43, S. 1040-41. - D. Rasmussen: Nr. 218. 1959. - R. Samuel: Euphorion, Bd. 52, 1958, S. 205-207. - H. Smith: Erasmus, Vol. 12, 1959, Sp. 184-185. - D. Steinbach: Stuttgarter Ztg., 8. Febr. 1958. - E. Weißert: Erziehungskunst, Jg. 12, 1958, S. 83-86.

243. Hohoff, Curt: Heinrich von Kleist in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Dargest. (Den dokumentar. u. bibliograph. Anh. bearb. Paul Raabe.) (Hamburg:) Rowohlt (1958). 163 S. (Rowohlts Monographien. 1.)
Mit einer Zeittafel, Zeugnissen von Zeitgenossen Kleists, Bibliographie und 61 Abbildungen im Text, darunter ein bisher unbekanntes Jugendbildnis Kleists aus Berliner Privatbesitz, 2 Handschriftenfaksimiles und je 1 Faksimile aus dem Phöbus und den Berliner Abendblättern.
Bespr.: D. Rasmussen: Nr. 218. 1959.

244. Zweig, Arnold: Versuch über Kleist. 1922. In: Zweig, A.: Essays. Bd. 1. Literatur und Theater. Berlin: Aufbau-Verlag 1959. (Ausgewählte Werke in Einzelausgaben. Bd. 15.) S. 84-143. [Zuerst 1922.]
1. Das äußere Leben. 2. Aufgabe. 3. Exkurs über die sachliche Situation. 4. Das persönliche Element. 5. Das Werk. 6. Die Gestalt.

245. Blöcker, Günter: Heinrich von Kleist oder das absolute Ich. Berlin: Argon-Verlag (1960). 315 S.
Warum Kleist? Der Dichter ohne Biographie. Die innere Lebensgeschichte. Positive Katastrophen. Das todessüchtige Genie. In einer unbegreiflichen Welt. Das erkennende Gefühl. Cherub und Traumgesicht. Jenseits der Sprache. Unaussprechliche Heiterkeit. Kleists Lebensdaten. Literaturhinweise. Personenregister. Werkregister.
Bespr.: K. O. Conrady: Germanistik, Jg. 2, 1961, S. 235-237. - E. Endres: Dt. Ztg. (Stuttgart, Köln), 19. Febr. 1961. - W. Haas: Die Welt, Ausg. B. (Berlin), 11. März 1961. - G. F. Hering: Der Tagesspiegel (Berlin), 23. Okt. 1960 u. ö. - C. Hohoff: Süddt. Ztg. (München), 5. März 1961. - H. Pfeiffer: Berliner Morgenpost, 2. Dez. 1960. - F. Sieburg: Frankfurter Allgem. Ztg., 11. März 1961 u. a.

Würdigungen. Einzelne Wesenszüge

246. Ehrhart, Georg: Eine deutsche Tragödie. Heinrich von Kleist z. 125. Todestag. Die Wochenpost, (Stuttgart), Jg. 1, 24. Nov. 1946, Nr. 27, S. 2.

247. Berger, Jan: Zwiastun grozy hitlerowskiej Henryk Kleist. [Der Vorläufer hitlerischer Verbrechen Heinrich Kleist.] Przeglad zachodni (Poznan), 1948, S. 384-421.

248. Haftmann, Werner: Das Schicksal des preußischen Lieutenants Heinrich von Kleist. Die Zeit (Hamburg), 4. März 1948.
Der moderne, absolute Mensch, dem das eigene Herz zum Schicksal wird, ist von Kleist erschaffen worden. Der Anarchie des absoluten Menschen stellt Kleist die Unterwerfung des Herzens unter den Anspruch der Gesellschaft als Gegengewicht entgegen. Angst und Einsamkeit, die Begleiter des absoluten Menschen, trieben Kleist zu dem Entschluß, gemeinsam mit einem anderen Menschen zu sterben.

249. Matthies, Kurt: Kleist. In: Matthies, K.: Literarische Begegnungen. Hamburg-Bergedorf: Stromverlag (1948). S. 50-83. [Zuerst 1941.]
Leben und Werk werden unter dem Aspekt des Ungeheuerlichen, Unaussprechlichen betrachtet, das sich in bestimmten Szenen manifestiert wie in der Schlußszene des Findling, des Kohlhaas, der Penthesilea, die um dieser Szenen willen geschrieben wurden und Einblick in die Problematik Kleists gewähren.

250. Siemsen, Anna: Literarische Streifzüge durch die Entwicklung der europäischen Gesellschaft. Frankfurt a. M., Bielefeld, Mainz: Büchergilde Gutenberg (1948). S. 166-169: Heinrich von Kleist. [Zuerst 1924.]

251. Uyttersprot, Herman: Heinrich von Kleist. Proeve van Synthese. [Vortrag, geh. auf d. 19. Niederländ. Philologenkongreß in Amsterdam, April 1946.] Revue des langues vivantes (Brüssel), A. 14, 1948, S. 146-156.
Nach einer kritischen Auseinandersetzung mit Gundolfs Kleist-Auffassung, nach der das Werk des Dichters von seinem Denken und Erleben scharf zu trennen ist, tritt der Verf. dafür ein, daß Kleist sehr wohl als Erlebnisdichter zu bezeichnen ist, wenn auch seine Dichtungen eher potentielle als wirkliche Erlebnisse wiedergeben. Sie spiegeln sein Inneres nicht weniger treu wider als seine Briefe, die als Bekenntnisdichtungen zu werten sind, solange er nicht in seinem Werk Ausdrucksmöglichkeiten fand; wobei zu berücksichtigen ist, daß er sich selbst als einen "unaussprechlichen Menschen" bezeichnete.

252. Zygulski, Zdzislaw: Henryk Kleist (1777-1811). Lodz teatralna, 1948/49, Nr. 5, S. 6-14. [K., Leben u. Werk, mit Portrait.]

253. Jedlicka, W.: O wlasciwy stosunek do literatury niemieckiej. Kuznica (Lodz), 1949, Nr. 4, S. 11. [Über eine richtige Verbindung zur deutschen Literatur; beh. Leben und Schaffen K. s.] Dazu: Hertz, Pawel: Rozwazania o stosunku do literary niemieckiej. Ebda., Nr. 5, S. 4. [Erwägungen zur Verbindung mit d. dt. Lit.] - Koprowski. Jan: Jeszcze w sprawie Kleista. Ebda., Nr. 7, S. 11. [Nochmals zur Sache K.; Polemik.]

254. Hentschel, Hertha, geb. Schmidt: Führende Journalisten unter den Romantikern. Diss. Leipzig 1949. [Maschinenschr.]
S. 67-95: Heinrich von Kleist als Gründer der ersten politischen Zeitung der Romantik und Herausgeber des Phöbus.

255. Kochan, L. E.: Deutsche Profile. Heinrich von Kleist. Blick in d. Welt, Jg. 4, April 1949, H. 4, S. 20-21. (Mit Bild.)

256. Molo, Walter von: Sinnbild Heinrich von Kleist. Ansprache beim Fest der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger im Plenarsaal des Reichstages, Bern 1957. In: Molo, W. von: Zwischen Tag und Traum. Gesammelte Reden und Äußerungen. (Vom Dichter durchges. endgült. Ausgabe.) (Berlin, Bielefeld, München:) E. Schmidt (1950). S. 48-53. [Zuerst 1930.]
Betrifft nur im letzten Abschnitt Kleist, der als Sinnbild echten Künstlertums apostrophiert wird.

257. Zygulski, Zdzislaw: Henryk Kleist w stosunku do swej epoki. Sprawozdania z czynnosci i posiedzn Polskiej Akademii Umiejetnosci (Kraków), 1950, Nr. 4, S. 198-199.

258. Michel, Wilhelm: Heinrich von Kleist, Tragödie der Männlichkeit. Das neue Forum (Darmstadt), [Jg. 1, 1951/52, H.] 13, S. 193-196.
Mit der ungemischten Männlichkeit seines Wesens übersteigt Kleist das menschliche Maß. Er fordert restlose Hingabe als einzige Hilfe für seine uferlose Bedürftigkeit. Käthchen ist das Wunschbild, Penthesilea das eigene Abbild, wobei Penthesilea als Mann, Achill als Frau zu denken ist. Penthesilea fordert von Achill nicht bloß Liebe, sondern bedingungslose Hingabe; sie läßt den vampirischen Zug in Kleists Liebesforderung hervortreten, der das Menschenopfer braucht, um seinen jenseitigen Überhunger zu stillen.

259. Blöcker, Günter: Der Durchgang durch das Unendliche. Zu Heinrich von Kleists 175. Geburtstage. Der Tagesspiegel (Berlin), 18. Okt. 1952. (Mit Bild.)

260. Böhlich, Walter: Welttheater und Weltgericht. Zum 175. Geburtstag von Heinrich v. Kleist. Die Neue Ztg. (Berlin), 18. Okt. 1952. (Mit Abb.)

261. Heinrich von Kleist. Der Aufstieg, Ansporn f. Vorwärtsstrebende, Jg. 4, 31. Mai 1952, Nr. 10, S. 427-428.

262. Uhlmann, A[lfred] M[ax]: "Die Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war." Zum 175. Geburtstag des Dichters Heinrich von Kleist am 18. Okt. Börsenbl. f. d. Dt. Buchhandel, (Leipzig), Jg. 119, 1952, S. 762 bis 765. (Mit Portrait.)
Biographische Skizze im Anschluß an Lukács.

263. Heinrich von Kleist. The Times, Literary'Suppl., 21. Aug. 1953, Nr. 2, 690, S. 529-530 - Übers. in: Englische Rundschau (Köln), Jg. 3, 1953, Nr. 36, S. 460, 463.

264. Shirohata Shin: Kleist und Madonna. - Die Geburt des Dichters. Bulletin d. Universität Toritsu, Nr. 4, 1953.

265. Tominaga Hiroshi: Kuraisuto to shinkeisho. [Kleist und Neurose. Japanisch.] Doitsu bungaku (Tokyo), 1953, [H.] 11, S. 44-48.

266. Trepte, Curt: Heinrich von Kleist und Hans Otto. Eine Betrachtung zu ihren Todestagen (21. Nov. 1811 u. 24. Nov. 1933) zum 20. Todestage Hans Ottos. Heute u. Morgen (Schwerin), 1953, S. 676-681.
Gegenüberstellung der Schicksale Kleists und des kommunistischen Schauspielers Hans Otto, der in der Hitler-Zeit Opfer seiner Weltanschauung wurde.

267. K..... 1777-1811. [Karthaiu, Rena: Heinrich von Kleist. Der Dichter. Seine Zeit. Sein Werk.] N..... (Athen), T. 56, 1954, S. 1009-13. [Auskunft von München SB.]

268. Maurois, André: Heinrich von Kleist. La revue de Paris, A. 61, juin 1954, S. 3-24. - Wiederabdr. in: Maurois, A.: Robert et Elizabeth Browning. Portraits suivis de quelques autres. Paris: B. Grasset (1955). (Les cahiers verts. N. S. 30.) S. 65-102.

269. Wittels, Fritz: Heinrich von Kleist - Prussian and Creative Genius. A Study in Bisexuality. The American Imago, Vol. 11, 1954, Nr. 1, S. 11 bis 31. - Wiederabgedr. in: Art and Psychoanalysis, 1957, S. 165-182.
Kleists ununterbrochen bestehende homosexuelle Panik wird als Grund seiner Flucht aus allen möglichen Lebenssituationen und seiner stark maskulinen, oft grausamen Dichtung angesehen. Kleist schuf in der Dichtung das Äquivalent für seine feminine Veranlagung und sublimierte in ihr seine perversen sexuellen Instinkte. Im Doppelselbstmord Kleists und Henriette Vogels zeigt sich die dem Psychoanalytiker wohlbekannte Erscheinung der Projizierung der unerwünschten Züge eigenen Wesens - hier der Femininität - in eine andere Person und deren Beseitigung.

270. Hamburger, Michael: Heinrich von Kleist: An Introduction. Partisan Review, Vol. 22, 1955, S. 222-233. - Erw. Fassung in: Hamburger, M.: Reason and Energy. Studies in German Literature. London: Routledge and Kegan Paul; New York: Grove Press 1957. S. 107-144.

271. Shiba, Kazutomi: Kuraisuto-ron. 1. [Über Heinrich von Kleist. 1. Japanisch.] Sogo sekai bungei, 1955, Nr. 9.

272. Wellek, René: A History of Modern Criticism: 1750-1950. [Vol. 2.] The Romantic Age. New Haven: Yale University Press 1955. S. 288-291: Arnim and Kleist; S. 291-297: Adam Müller.
S. 290-291: Kleists grundlegender Irrationalismus hinderte ihn, Kritiker und Kunsttheoretiker zu werden.

273. Zillmann, Fr[iedrich]: Die Einsamkeit des Genies. Zu Heinrich von Kleists 145. Todestag (21.11.1956). Berliner Lehrer-Ztg., Jg. 10 (25), 1956, S. 526-528.

274. Goldschmit-Jentner, Rudolf K[arl]: Genius der Jugend. Gestalten und Werke der Frühvollendeten. Wien, München, Basel: K. Desch (1960). S. 158-164: Heinrich von Kleist. (Mit 1 Bildtaf.)
Würdigung; Abdruck des Bettelweibs von Locarno und anderer Proben und einiger Urteile über Kleist.

Einzelne Lebensabschnitte. Örtliche Beziehungen

Schweiz

275. Liebi, Alfred: Das Bild der Schweiz in der deutschen Romantik. Diss. Bern 1946. Bern-Leipzig: P. Haupt 1946. XV, 191 S.
S. 14-15: Kleist und Pestalozzi.
S. 79-80: Kleists politisches Bild von der Schweiz.
S. 92-93: Schweizerisches Landvolk und Landleben bei Kleist.
S. 127-128: Schweizer Landschaft bei Kleist.
S. 143-144: Bern.
S. 161: Gesamteindruck der Schweiz.

1803-1804

276. Ude, Karl: Kleists Flucht aus Paris. Welt u. Wort, Jg. 3, 1948, S. 389.

277. Zimmermann, Karl: Heinrich v. Kleist am Rhein 1803/04. Rhein. Vierteljahrsbll., Jg. 21, 1956, S. 366-372.
Der Verf. nimmt an, daß Kleist während der Zeit von Okt. 1803 bis Juni 1804 im Hause des Dr. Georg Wedekind, auf dessen Leben näher eingegangen wird, fünf Monate lang gepflegt wurde und zwar nicht in Mainz, wie er selbst angibt, sondern in Kreuznach, wo Wedekind von 1802-1804 tätig war. Von April bis Juni 1804 war Kleist wahrscheinlich im Büro des französischen Generalsekretärs der Präfektur des Departements Rhein/Mosel, Charles Francois Philibert Masson (Wedekinds Freund M* in Wielands Brief?), den Wedekind genannt haben muß, in Koblenz beschäftigt und dorthin von Wedekind empfohlen worden. Grund für Kleists Abschied von Koblenz war vielleicht die Verpflichtung der rheinländischen Angestellten, Napoleon den Treueid zu leisten. In Koblenz erschien auch Görres' Besprechung der Familie, Schroffenstein (Aurora, 28. Okt. 1804). Im Koblenzer Staatsarchiv waren Nachforschungen vergeblich.

Frankreich

278. Marcuse, Ludwig: Die Rache Heinrich von Kleists. Neue Schweizer Rundschau, N. F., Jg. 18, 1950/51, S. 298-305. - Auch in: Theater u. Zeit (Wuppertal), Jg. 4, 1956/57, S. 141-146.
Darstellung der Erlebnisse Kleists während der französischen Kriegsgefangenschaft auf Grund der Veröffentlichung von K. G. Herwig in der "Weltbühne" 1921. [Vgl. Nr. 279.]

279. Jacobi, Hansres: Eine Kleist-Mystifikation. Neue Zürcher Ztg., 26. April 1951.
Betrifft die von Karl Gustav Herwig in der "Weltbühne" 1921 veröffentlichten Kleist-Dokumente, die der Verf. als Fälschungen nachweist. [Wiederabgedr. in Nr. 459.]

280. Marcuse, Ludwig: Kleist-Dokumente. Zu einer Polemik. Neue Schweizer Rundschau, N. F., Jg. 19, 1951/52, S. 119-121.
Verteidigung gegen Hansres Jacobis Einwendungen [Nr. 279 u. 459], K. G. Herwigs Veröffentlichungen betreffend.

Dresden

281. Schlagdenhauffen, A[lfred]: Kleist à Drèsde. Etudes germaniques, A. 6, 1951, S. 291-302.
Kleists Entwicklung vom Individualismus zum Patriotismus in der Dresdner Zeit von Herbst 1807 bis Sommer 1809. Der tragische Konflikt: das Recht des schöpferischen Menschen gegen das Recht des Staates manifestiert sich in der Penthesilea. Kleist selbst unterwarf sich nicht dem Staat. Seine politisch-schöpferischen Ideen entwickelt er in der Hermannsschlacht. Das überlegene Individuum muß dem Kollektiv seinen höheren Willen aufzwingen. Das wahre Deutschland ist die individuelle Schöpfung Hermanns.

282. Gay, Fritz: Kleist in Dresden. (Originalbeitrag.) In: Jahrbuch z. Pflege d. Künste, 2. Folge. Dresden: W. Jess (1954). S. 39-60.
Baxa, J.: Die "Phoenix"-Buchhandlung. [s. Nr. 631.] 1956.

283. Beck, Wilhelm: Heinrich von Kleists Bewerbung um französische Postdienste in Westfalen. Archiv f. Dt. Postgesch., 1958, S. 14-25. (Mit 3. Abb.)
Auf Grund eines Schreibens der Generalpostdirektion in Düsseldorf vom 4. Aug. 1808, in dem das Gesuch eines Mr. Kleist aus Hamm, vormals Premierleutnant in preußischen Diensten, um Einstellung als Postdirektor in Lünen abgelehnt wird, schließt der Verf., daß der Dichter der Adressat ist und in der Zeit von Ende Juli bis 4. Aug. 1808 von Dresden nach Hamm gereist ist und sich von dort aus um diesen Posten beworben hat. Als Beweggrund wird Kleists geheimer Kampf gegen Napoleon angegeben.

Berlin

284. Sembdner, Helmut: Zu Heinrich und Marie von Kleist. 1. Die falsch datierten letzten Briefe. 2. Kleists Audienz beim König. 3. Wie der "Prinz von Homburg" der Prinzeß Wilhelm überreicht wurde. 4. Das Schicksal der Homburg-Manuskripte. Jahrbuch der dt. Schillergesellschaft, Jg. 1, 1957, S. 157-178.
1. Die von Marie v. Kleist verbrannten letzten Briefe Kleists sind mit den bekannten Abschriften der Briefe vom 9., 10. und 12. Nov. identisch. Die Briefe vom 9. und 12. Nov. werden auf den 19. und 21. datiert, der Schluß des Briefes vom 10. Nov. wird als Nachschrift zu dem Brief vom 9. Nov. gestellt.
2. Kleists Brief an Marie von Kleist (Ausg. Minde-Pouet, Bd. 2, Nr. 212) wird auf den 17. Sept. 1811 umdatiert und nachgewiesen, daß Kleist in einer persönlichen Audienz beim König sein Gesuch um Wiedereinstellung beim Militär vom 7. Sept. vorgebracht hat.
3. Aus dem hier zum erstenmal veröffentlichten Brief Marie von Kleists an den Prinzen Wilhelm vom 3. Sept. 1811 geht hervor, daß sie das Dedikationsexemplar des Prinzen von Homburg an die Prinzeß gelangen ließ, um Kleist dadurch eine Pension zu verschaffen. Die Beziehungen des in diesem Brief erwähnten Majors Friedrich von Luck zu Kleist werden erstmalig erhellt.
4. Das Dedikationsexemplar des Prinzen von Homburg ist die einzige authentische Grundlage des Homburg-Textes. Demnach sind die Abweichungen in Tiecks Ausgabe der "Hinterlassenen Schriften" 1821 als Emendationen des Herausgebers zu werten.

Tod

285. Schneider, Reinhold: Kleists Ende. I. (Das Problem.) II. (Die Seele.) III. Weg des Geistes. IV. Der Prinz von Homburg. V. Das Ende. Neues Abendland, Bd. 1, 1946/47, S. 6-11, 12-19. (Mit 2 Holzschnitten u. d. Bilde d. Verf.) - Auch als Buch ersch. München: K. Alber 1946. 31 S. - Wiederabgedr. in: Schneider, R.: Dämonie und Verklärung. Vaduz: Liechtenstein Verlag (1947). S. 129-163. - Auch in: Schneider, R.: Über Dichter und Dichtung. Köln u. Olten: J. Hegner (1953). S. 46-71.
Versuch einer Deutung und Wertung des Selbstmordes. Politische Motive nicht ausreichend als Erklärung. Treitschkes falsche Behauptung, daß Kleist das große Vaterland gefehlt habe. Kleist kein repräsentativer Preuße. Preußische Form zu eng für ihn. Seelische Motive: Kleists Gestalten, beherrscht von der Tyrannei des Ichs, kennen keine Liebe im Sinne der Gebundenheit an eine höhere, die Welt durchwaltende Liebesmacht, sondern nur Selbstliebe, Haß und Selbstzerstörung. Geistige Motive: Deutscher Idealismus und preußische Form, die für ihn gegebenen Bildungsmächte, zu schwach als Schutz gegen die Maßlosigkeit seines Herzens. Begegnung mit Katholizismus blieb Versuchung, Kleist weit entfernt von Religiosität. Unethische Motive in der Hermannsschlacht, im Kohlhaas und Findling. Erst im Homburg Überwindung des eigenen Dämons durch sittliche Entscheidung. Verteidigung des Menschlichen gegen Staat und Soldatentum. Aus der Stärke des Herzens heraus schenkt der Kurfürst Gnade. Daß das liebende Herz stärker ist als Gesetz, Ruhm und Macht, ist Kleists Vermächtnis. Ihm selbst brachte nur der Tod Erlösung von der Tyrannei des Ichs. Kleists Tragik, daß ihm die Begegnung mit der Gnade, der Durchbruch zum Glauben, der ihn allein gegen die Meute der Penthesilea hätte schützen können, versagt blieb.
Bespr.: W. Michael: Geistige Welt, Jg. 3, 1948/49, S. 143-144.

286. Über den Tod Heinrich von Kleists. Aus dem Briefwechsel Wilhelm von Gerlachs mit dem Maler Friedrich Meier. Zschr. f. Religions- u. Geistesgesch., Jg. 2, 1949/50, S. 169.
Meier an Gerlach, 31. Dez. 1811: Frage nach den näheren Umständen. Gerlach an Meier, 28. Jan. 1812: Charakteristik Kleists. Über Kleists Selbstmord. Kleists Absicht, seinen Bruder Leopold erschießen zu wollen, falls er eine unheilbare Krankheit haben sollte.

287. Wilde, Jean T.: Heinrich von Kleist's Suicide. Two Unpublished Letters by Caroline de la Motte Fouqué. The Germanic Review, Vol. 26, 1951, S. 192-195.
Der von Rahmer erwähnte, aber nicht abgedruckte Brief an Adam Müller, der auch für Ernst von Pfuel gilt. Enthält Klage um Kleists Tod, Würdigung, Aufforderung, einen Nachruf zu schreiben. Manuskript im Goethe-Schiller-Archiv in Weimar. Ein zweiter Brief an Hitzig (wie aus dem Inhalt hervorgeht) kommentiert die letzten Briefe Kleists und Henriette Vogels und ist nur als Bruchstück erhalten. Manuskript in der Bayerischen Staatsbibliothek. Wortgetreuer Abdruck beider Briefe.

288. Hatori Shigeo: Kuraisuto no shi ni tsuite. [Über Kleists Tod. Japanisch.] Doitsu bungaku (Tokyo), 1952, [H.] 8, S. 44-47.

289. Imaizumi Kotaro: Kuraisuto no jisatsu. [Kleists Selbstmord. Japanisch.] Shinbunmei, Vol. 2, 1952, Nr. 2.

290. Ompteda, Roderich Frhr. von: Heinrich von Kleist. Zu s. 140. Todestag. [Ärztlicher Epilog]. Medizin, Klinik, Jg. 47, 1952, S. 20-21.
Abdruck des ärztlichen Berichtes über die Obduktion der Leiche Kleists ohne Angabe der Quelle und ohne Kommentar.

291. Ghysbrecht, Paul F.: Le suicide du poète Heinrich von Kleist: Essai d'Analyse. Folia psychiatrica, neurologica et neurochirurgica neerlandica (Amsterdam), Jg. 57, 1954, Nr. 2, S. 182-194.
Untersuchung der Motive des Doppelselbstmordes: Henriette Vogel starb durch Mord auf Verlangen, Kleists Selbstmord war ein Akt der Wollust. Er suchte ein Leben lang einen Partner, der diesen Tod wie Henriette wollte. Seine im Brief an Marie von Kleist angegebenen Motive sind mit größter Vorsicht zu prüfen; das wahre Motiv war die "unerhörte Lust", die ihm das gegenseitige Opfer gewährte.

292. Tominaga Ko: Hainritsuhi fuon Kuraisuto no shiin ni tsuite. [Heinrich von Kleists Tod. Japanisch.] Senshu daigaka ronshu (Universität Senshu), 1955, Nr. 8, S. 27-38.

GEISTIGE WELT

Weltbild

293. Beutler, Ernst: Der Glaube Heinrich von Kleists. In: Beutler, E.: Essays um Goethe. 3., verm. Aufl. Bad. 1. Mit 13 Abb. Wiesbaden: Dieterich (1946). (Sammlung Dieterich. Bd. 101.) S. 409-424. - 4., verm. Aufl. Ebda. 1948. [Zuerst 1936.]
Kleists Sakrament ist der Glaube an das eigene Gefühl, das Vertrauen zum Ich und zum Du.

294. Scott, D[ouglas] F. S.: Heinrich von Kleist's Kant Crisis. The Modern Language Review, Vol. 42, 1947, S. 474-484.
Auseinandersetzung mit Cassirers Hypothese der Beeinflußung Kleists durch Fichters "Bestimmung des Menschen". Nicht dieses Werk, sondern Fichtes "Sonnenklarer Bericht an das größere Publikum über das eigentliche Wesen der neuesten Philosophie. Ein Versuch, die Leser zum Verstehen zu zwingen". Berlin 1801, soll der Anstoß zu Kleists Kantkrise gewesen sein. Aus äußeren und inneren Gründen stimmt der "Sonnenklare Bericht", in dem Fichte jedes Wissen a priori im Gegensatz zu seiner "Wirtschaftslehre" ablehnt, zu Kleists Brief vom 22. März 1801. Es scheint, daß Kleist im Homburg zu dem Gedanken der "Bestimmung des Menschen" zurückgekehrt ist.

295. Ermatinger, Emil: Deutsche Dichter 1700-1900. Eine Geistesgeschichte in Lebensbildern. Tl.2. Vom Beginn des deutschen Idealismus bis zum Ausgang des Realismus. Bonn: Athenäum-Verlag 1949. S. 189-205: Kleist.
Ermatinger lehnt Cassirers Theorie, daß Kleist statt Kant Fichte gelesen habe, ab. Die Auseinandersetzung Kleists mit Kant war eine heilsame Kur für Kleist und machte ihn zum Dichter. Der Inhalt der Familie Schroffenstein spiegelt das verzweifelte Ringen nach der Wahrheit wider: Es gibt keine Erkenntnis, nur Sinnenschein. In der Gestalt des Jupiter im Amphyitryon stellt Kleist die Einsamkeitsgefühle des Genius dar. Ermatinger zieht wie Hanna Hellmann zwischen Jupiter und Kleist, Alkmene und Wilhelmine Krug Parallelen.

296. Geraci, Oreste: Problemi filosofici ed etici nell' opera letteraria di H. von Kleist. Siculorum Gymnasium. Rassegna Semestrale della facoltà di lettere e filosofia dell' università di Catania, N. S., A. 3, Nr. 1-2, gennaio dicembre 1950, S. 155-168. [Bes.: Akad. d. Wiss., Göttingen.]

297. Schmitt, Carl: Zwei Gräber. In: Schmitt, C.: Ex captivitate salus. Erfahrungen der Zeit 1945/47. Köln: Greven Verlag 1950.
S. 38-45: Zwiespalt von Ost und West in Kleists Wesen. Sein Haß gegen Napoleon bedeutet Option für den Osten, der fechtende Bär im Marionettentheater wird als mythisches Symbol für den Gegensatz von Ost und West gedeutet. Kleist, den Humanismus und Idealismus unerlöst gelassen hatten, versuchte, den Selbstmord zum Sakrament zu machen; er bedeutete ihm den Eingang in ein Jenseits. Wenn er auch nicht im Zeichen des Kreuzes lebte und starb, auf seinen Frauengestalten ruht das Licht der Immaculata, die den Dichter nicht ohne Hilfe gelassen haben kann.

298. Bodensohn, Anneliese: Heinrich von Kleists Begegnung mit dem Tode. Frankfurt a M. u. Bonn: M. Diesterweg 1951. 128 S.
1. Vorwort. 2. Einleitung.
I. Die Verstrickung des Daseins.
II. Die Mächtigkeit des "Anderen".
III. Die "Lösung" im Tode.
IV. Kleists Todesweg.
Kleists Leben und Werk sind, wenn auch nicht ungebrochen, eine Hinbewegung zum Tod, der als Erlöser aus der Ausweglosigkeit des Lebens erscheint. Das Werk zeigt das Leben in seiner Verstrickung, verbunden mit dem psychologischen Problem, das aber einem unter- und überpsychologischen Geschehniszusammenhang unterworfen ist. Es zeigt das Leben durchwirkt von einem "Anderen", einem unbennenbaren, dämonischen Es, das von unten als elemantarische Gewalt oder von oben als Gott das Dasein zu einem bedrohten, leidvoll aufgerissenen Hier macht, aus dem es nur Erlösung durch den Tod gibt, der als Öffnung zu einem Noch-Anderen aufgefaßt wird. Kleists heroischer und tragischer Irrationalismus würde dem Nihilismus verfallen, sähe er nicht im Tode den Zugang zu dem eigentlichen, dem Dort, das immer auch hier ist und nur vom Leben überfremdet erscheint. Der Dualismus vom Hier und Dort löst sich ihm in den Monismus des Todes auf. Im Prinzen von Homburg liegt die Tragik in dem Wiedereintritt des Prinzen in das Leben, das er sterbend schon überwunden hatte. Der Aufsatz über das Marionettentheater sieht im Tod den Wiedereingang in das verlorene Paradies. Kleist selbst, der den Tod als eigentliche Wirklichkeit erfahren hat, erlebt sterbend die stärkste Realisierung seines Lebens.
Bespr.: F. Braig: Stimmen d. Zeit, Bd. 150, 1951/52, S. 159.

299. Buchwald, Reinhard: Heinrich von Kleists Urerlebnis. Dt. Rundschau, Jg. 79, 1953, S. 728-735. - U. d. T.: Kleist-Renaissance gekürzt in: Das neue Forum (Darmstadt), [Jg. 2, 1952/53, H.] 8, S. 115-121. (Mit 3 Szenenphotos.)
Kleists Urerlebnis ist der Mensch, der im absolut Ungewissen lebt und damit ein Äußerstes an Tragik erleiden muß. Dieses Motiv wird durch Kleists dramatische Dichtung verfolgt. Die Gleichheit des Erlebens der Existenz im Ungewissen macht Kleist zum bevorzugten Klassiker unserer Epoche.

300. Wiese, Benno von: Das Menschenbild Heinrich von Kleists. Wirkendes Wort, Jg. 4, 1953/54, S. 1-12. Abdr. d. auf Einladung d. Stadt Berlin am 10. Okt. 1952 zu Kleists 175. Geburtstag geh. Festvortrags. - Wiederabgedr. in: Wiese, B. von: Der Mensch in der Dichtung. Studien zur deutschen und europäischen Literatur. Düsseldorf: A. Bagel (1958). S. 170-188.
Kleist ist im Grunde keine kompliziert-problematische Künstlernatur wie die meisten Romantiker, obwohl ihm pathologische Züge, ein Drang zum Katastrophalen, anhaften. Sein Lebensziel, die eigene Bestimmung zu finden, ist einfach und klar. Die eigentliche Kleistfrage, ob es eine Gewißheit für die Selle gibt, die eigene Bestimmung in einer durch Schein und Täuschung verwirrenden Welt zu finden, beantwortet er mit der tragischen Paradoxe, daß das Stürzende zum Rettenden, der Tod zum Leben wird. Die Entwicklung des 19. und 20. Jahrhunderts vorausnehmend, überwindet er im Symbol der Marionette die Bedrohung des Menschen durch den Nihilismus. Durchgöttlichung der Seele, die aus dem unbewußten Gefühl als der letzten, unzerstörbaren Wahrheit des Einzelmenschen herauswächst, ist die eigentliche Aufgabe des Kleistschen Menschenbildes. Wie die Wahrheit des Gefühls, die Gewißheit der Seele, gegen allen täuschenden Schein der Wirklichkeit und gegen ein vernichtendes Schicksal behauptet wird, sei es auch erst im Tode, wird an vier Beispielen: Alkmene, Penthesilea, Käthchen und Homburg gezeigt. Als besonderes Ausdrucksmittel für die innere Wahrheit des Menschen braucht der Dichter an Stelle des dem Schein verhafteten Wortes die Pantomime, die das Geheimnis der Seele am vollkommensten sichtbar macht.

301. Kramer, Walter: Heinrich von Kleists Stellung zu den Fragen der Bildung und Erziehung. Die Sammlung, Jg. 9, 1954, S. 381-390.
Kleist als Vorläufer der modernen Philosophie (Kierkegaard, Jaspers). In Kleists pädagogischen Schriften, dem Allerneuesten Erziehungsplan, Marionettentheater, Betrachtungen über den Wettlauf und Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden, wird der Versuch gemacht, dem geistigen Leben eine neue Grundlage zu geben, die Not der Erziehung nicht allein durch musische Fragen zu lösen, sondern die Rückkehr zum Schwerpunkt, also im Religiösen, zu suchen. Kritik an Schiller, Pestalozzi, Fichte.

302. Muth, Ludwig: Kleist und Kant. Versuch einer neuen Interpretation. Köln: Kölner Universitäts-Verlag 1954. 83 S. (Kantstudien. Erg. - H. 68.)
Einleitung. Darstellung des Problems, Auseinandersetzung mit der vorliegenden Literatur, Entwicklung des neuen Ansatzes.
1. Kap. Die Vorgeschichte der Kantkrise. 1. Vorbetrachtung. 2. Umfang und Wert der wissenschaftlichen Studien Kleists. 3. Wielands "Sympathien" als Quelle des teleologischen Denkens. 4. Die erste Begegnung Kleists mit der Kantischen Philosophie. 5. Kleists Wissenschaftsideal. 6. Herkunft des Wissenschaftsideals aus der Wissenschaftslehre Professor Wünschs. 7. Der Zusammenhang von Wahrheit und Bildung.
2. Kap. Die Kantkrise. 1. Vorbetrachtung. 2. Nachweis der Lektüre der "Kritik der Urteilskraft". 3. Die Vernichtung des Wissenschaftsideals durch die "Kritik der Urteilskraft". 4. Kleists Formulierungen als Hinweis auf die "Kritik der Urteilskraft". 5. Bestätigung des Interpretationsergebnisses aus den Folgerungen für die Biographie Kleists. 6. Das Interpretationsergebnis und Cassirers Untersuchung. 7. Kleists Kantverständnis.
Literaturverzeichnis.
Quellenangabe.
Das Augengleichnis Kleists, das als Ansatzpunkt für eine neue Deutung der Kantkrise genommen wird, bringt als zentralen Gedanken das "Nicht-entscheiden-können" des Verstandes in einem logischen und folgerichtigen Bild. Hieran wird die Hypothese geknüpft, daß nicht die Kritik der reinen Vernunft, sondern die Kritik der Urteilskraft, namentlich deren 2. Teil, der Kantkrise Kleists zugrunde liegt. Die dort durchgeführte Kritik der dogmatischen Teleologie der Aufklärungsphilosophie zerstörte das Fundament von Kleists Wissenschaftsideal, durch fortschreitende Erkenntnis Vollkommenheit zu erlangen. Damit war die Würde der Wissenschaft für Kleist zerstört. Der zerstörte Glaube an die Kontinuität des Erkennens und der daraus erwachsene Nihilismus Kleists zeugen, unter dem Gesichtspunkt der Unbegrenztheit menschlichen Daseins erfahren, für Echtheit und Tiefe von Kleists Kantverständnis.
Bespr.: R. Ayrault: Etudes germaniques, A. 11, 1956, S. 170-171. - R. Samuel: Euphorion, Bd. 50, 1956, S. 358-361. - D. F. S. Scott: Dt. Literaturztg., Jg. 76, 1955, Sp. 426-429. - E. L. Stahl: The Modern Language Review, Vol. 50, 1955, S. 358. - Th. C. van Stockum: Neophilologus, Jg. 39, 1955, S. 65-66. - H. J. Weigand: Modern Language Notes, Vol. 71, 1956, S. 470-472. - H. M. Wolff: The Journal of English and Germanic Philology, Vol. 54, 1955, S. 161.

303. Kim, Jean-Jaques: Kierkegaard et Kleist, poètes tragiques. La table ronde, nov. 1955, Nr. 95, S. 82-85.
Kleist und Kierkegaard sind beide tragische Existenzen, erfüllt von tiefer und undefinierbarer Melancholie, deren Ursache ein Geheimnis bleibt, das sie schreibend eifersüchtig verhüllen. Kleist versuchte sein Geheimnis, die tragische Coexistenz von Schuld und Nichtschuld, auf ethischer Grundlage zu lösen und scheiterte total; Kierkegaard rettete sich durch den Absprung in den christlichen Glauben.

304. Stockum, Th[eodorus] C[ornelius] van: Heinrich von Kleist und die Kantkrise. Neophilologus, Jg. 39, 1955, S. 65-66.
Darstellung der Kantkirse Kleists mit kritischer Würdigung der Schrift von Ludwig Muth: Kleist und Kant, 1954. [Nr. 302.]

305. Gluscevic, Zoran: Fragmenti o racionalnom i iracionalnom kod Klajsta. [Fragmente über das Rationale u. Irrationale bei Kleist.] Knjizevnost (Beograd), 1958, Sv. 11/12, S. 440-466.
Abhandlung mit eingestreuten Zitaten.

306. Krieger, Erhard: Ostdeutsche Charakterköpfe. Heinrich von Kleist. Ostdt. Monatshefte, Jg. 25, 1958/59, S. 193-200.
Kleist als Initiator des deutschen Existentialismus in der Literatur. Der Mensch steht immer im Verhör vor Gott und muß zwischen Übersteigerung und Selbstbescheidung in freier Verantwortung entscheiden. Die Thematik Mensch, Welt, Gott mündet in die einzig mögliche Sinngebung: die Liebe.

306 a. Helbling, Robert Eugene: Heinrich von Kleist's Way from Rationalism to Ethical Voluntarism. Diss. Stanford 1959. Vgl. Dissertation Abstracts, Vol. 20, 1959, S. 670.

307. Hoffmeister, Johannes: Beitrag zur sogenannten Kantkrise Heinrich von Kleists. (Aus d. Nachlaß nach d. Manuskript e. im Mai 1955 in d. Universität Bonn geh. Vortrages hrsg. u. überarb. von Werner Wolfgang Kirchesch.) Dt. Vierteljahrsschr. f. Literaturwiss. u. Geistesgesch., Jg. 33, 1959, S. 574-587.
Kleists Kantkrise, von den Literarhistorikern bisher viel zu wörtlich genommen, entpuppt sich bei genauerer Analyse der Briefe Kleists an seine Braut vom März 1801 als großaufgemachter Vorwand, sich von seinen Verpflichtungen, ein Amt zu nehmen, zu befreien. Vorwiegend war aber Kleists eigener innerer Zustand Ursache seiner Verzweiflung, nicht eine ernste geistige Auseinandersetzung, wie sie vor ihm Hegel, Goethe u. a. bereits positiv geleistet hatten, und zu der seine subjektiv-partikuläre Natur gar nicht fähig war, wie aus seinem Brief an Wilhelmine vom 28. März 1801 hervorgeht. Frickes Deutung der Kantkrise macht aus dem Versagen Kleists, aus dem Verabsolutieren des einzelnen, konkreten Ichs, eine großartige Tugend, während Lugowski erkennt, daß es Kleist unmöglich war, objektiv Geistiges zu personieren, d. h. im guten Sinne zu existieren. Es ist belanglos, ob Kleists oberflächliche Kenntnisse Kants aus dessen eigenen Schriften, aus Fichte oder anderen Quellen stammen. Jedenfalls gelangte er nicht, wie Cassirer behauptete, durch ein geistiges Erleben, zu einer neuen theoretischen Weltanschauung, was seinem antithetischen Denken auch ganz fern lag. Das Ergebnis seiner Kantkrise war der Zusammenbruch aller ideellen Zielsetzungen, die Rechtfertigung seines existentiellen Radikalismus und vor allem die Ungebundenheit im Interesse seines Dichtertums.

308. Geary, John Edward: Philosophy and Form: An Analysis of the Basic Patterns in the Thought and Works of Heinrich von Kleist. Diss. Columbia 1959/60. Vgl. Dissertation Abstracts, Vol. 21, 1960, S. 873-874.

Staat und Gesellschaft

309. Lewalter, Christian E.: Heinrich v. Kleist und die Feinde Brandenburgs. Die Zeit (Hamburg), 30. Aug. 1951.
Für Kleist waren das selbständige, mündige Dasein und die vor Fremdherrschaft und vor Vergewaltigung duch ein starres Staatssystem zu wahrende Freiheit das höchste Gut. Der preußische Staat, in dem Kleist lebte, war von dem Typ des Machtstaates so weit entfernt, daß die Versöhnung von Gesetz und Gefühl im Prinzen von Homburg, das Resultat einer durch dichterische Gestaltung gewonnenen Selbsterziehung, Wirklichkeit werden konnte. Kleist darf weder als martialischer Preuße noch als Opfer staatlicher Tyrannei angesehen werden, wie es Bert Brecht in seinem (abgedruckten) Gedicht auf den Prinzen von Homburg will.

310. Antkowiak, Alfred: Heinrich von Kleist. Zu s. 175. Geburtstag. Der Sonntag (Berlin), 26. Okt. 1952. (Mit Portrait.)
Kleist als unbewußter Klassenkämpfer im Zerbrochenen Krug und im Michael Kohlhaas.

311. Fuchs, Katharina: Hölderlin und Kleist. Heute u. Morgen (Düsseldorf), Bd. 2, 1952, S. 874-879.
Hölderlin und Kleist als Patrioten. Kleist, durch junkerlichen Kastengeist gehemmt, blieb die Wirkung auf seine politisch noch unreife Zeit versagt.

312. Rudolph, Johanna, u. Wilhelm Girnus: Heinrich von Kleist - Dichter des nationalen Widerstandes. Zu s. 175. Geburtstag. (Mit Portrait.) Neues Deutschland (Berlin), 18. Okt. 1952.
Kleist als Opfer seiner eigenen Klasse und als deutscher Patriot. Rechtfertigung seiner Auffassung der Hermannsschlacht durch Friedrich Engels.

313. Brandt, Helmut: Heinrich von Kleist. Dichter des nationalen Widerstandes. Forum, Organ des Zentralrats der FDJ für die deutschen Studenten, Jg. 7, 3. Okt. 1953, Nr. 33, S. 6.
Kleists Kampf für Freiheit, Einheit und ein neues Staatsideal in der Hermannsschlacht, seinen Freiheitsgesängen und im Homburg.

314. Mathieu, Gustave: Heinrich von Kleist's Primer for Propaganda Analysis. Monatshefte (Madison), Vol. 46, 1954, S. 375-382.
Das Lehrbuch der französischen Journalistik analysiert Napoleons Zeitungspropaganda, lange bevor der Beweis für die Beeinflußung der Presse durch Napoleons Direktiven erbracht wurde. Kleist entdeckte alle modernen Propagandapraktiken und schrieb das Vorwort des modernen Journalismus.

315. Deiters, Heinrich: Heinrich von Kleist und die politischen Kämpfe seiner Zeit. In: Beiträge zum neuen Geschichtsbild. Zum 60. Geburtstag von Alfred Meusel. Hrsg. von Fritz Klein u. Joachim Streisand. Berlin: Rütten & Loening (1956 [Ausg. 1957]). S. 184-200.
Kleists politische und sozialökonomische Ansichten im Zerbrochenen Krug, Michael Kohlhaas, den patriotischen Dichtungen und in den Berliner Abendblättern.

316. Mathieu, Gustave: Heinrich von Kleist as a Political Propagandist and Propaganda Tool. Diss. Columbia 1957. 268 S. Vgl. Dissertation Abstracts, Vol. 17, 1957, S. 2596.

Beziehungen. Einflüsse. Vergleiche

317. Schenck, Ernst von: Briefe der Freunde. Das Zeitalter Goethes im Spiegel der Freundschaft. Stuttgart: Reclam (1949). S. 478-495: Heinrich von Kleist.
S. 478-479: Einführende Charakteristik.
S. 479-485: Abdruck von Briefen an Lohse, Pfuel und Rühle.
S. 472-473: Adolf Wagner an Fouqué über Kleists Tod.

318. Gjodesen, Rigmor: Forholdet Kleist, Goethe, Shakespeare. Edda, Nordisk Tidsskrift for Litteraturforskning, Jg. 37, Bd. 50, 1950, H. 1/2, S. 1-38.
I. Die Zeit bis zum sogenannten Kanterlebnis. a) Kleists Psyche, b) Kleist/Goethe, c) Kleist/Shakespeare.
II. Die Zeit bis zum Zusammenbruch im Oktober 1803.
III. Die Zeit bis zu Kleists Tod. a) Kleists Verhältnis zur englischen Sprache, b) Kleists Verhältnis zu Shakespeare beleuchtet an einer Reihe von Zitaten.
Schluß.
Blühm, E.: Die Wandlungen des Kleistbildes, vornehmlich aufgewiesen an der Auffassung der "Penthesilea". [s. Nr. 500.] 1951.

319. Zschiersch, Roland: Das eigentliche Kleist-Problem. Die Neue Ztg. (Berlin), 2. Dez. 1951.
Kleist war nicht verkannt, aber er fand nicht den Regisseur, der seine Dramen aufzuführen wagte, bis das Publikum reif wurde, sie zu würdigen.

320. Vietta, Egon [d. i. Egon Fritz]: Heinrich von Kleist und die Gegenwart. Das neue Forum, [Jg. 2, 1952/53, H.] 8, S. 113-114.
Kleist als Vorläufer der existentiellen Problematik des 20. Jahrhunderts.

321. Mulot, Arno: Im Urteil der Dichter. Die deutsche Literatur von Lessing bis Hauptmann. Hrsg. München: Bayerischer Schulbuch-Verlag 1957. S. 126-139: Heinrich von Kleist.
S. 126: Johann Wolfgang Goethe über Kleists Hypochondrie, um 1809. [Falk, 1832.]
S. 127-128: Ludwig Tieck über Käthchen von Heilbronn, 1821.
S. 128-130: Friedrich Hebbel über Käthchen von Heilbronn, 1848.
S. 130-131: Friedrich Hebbel über den Zerbrochenen Krug, 1850.
S. 131-132: Otto Ludwig über Kleist und Shakespeare, 1857.
S. 132-134: Adolf Wilbrandt über Kleists Novellen, 1863.
S. 134-137: Theodor Fontane über Kleists Hermannsschlacht, 1875; Prinz von Homburg, 1876; Zerbrochenen Krug, 1886.
S. 137-139: Stefan Zweig über Kleist als Erzähler, 1925.
Sembdner, H.: Heinrich von Kleists Lebensspuren. [s. Nr. 242.] 1957.

Karl Frhr. von Stein zum Altenstein

322. Samuel, Richard: Heinrich von Kleist und Karl Baron von Altenstein. Eine Miszelle zu Kleists Biographie. Euphorion, Bd. 49, 1955, S. 71-76.
Kleists Arbeit unter Altenstein in Berlin, seine Vorbereitung zum modernen Verwaltungsbeamten für Altensteins Reformpläne in Ansbach, Altensteins Denkschrift über Bayreuth 1806 und seine Rigaer Denkschrift von 1807, deren Einfluß auf Kleists Staatsauffassung, Kleists Einführung in den Königsberger Reformkreis um Hardenberg und Einweihung in die ersten Erneuerungspläne.

Clemens Brentano

323. Brentano, Clemens: Briefe. Hrsg. von Friedrich Seebaß. Bd. 2. 1810-1842. Nürnberg: H. Carl 1951.
S. 30: An Joseph Görres, [Berlin, Anfang 1810]. Über Adam Müller, Kleist, Käthchen, Kohlhaas und "Arminius".
S. 34: An Wilhelm Grimm, Berlin, Mitte Febr. 1810. Charakteristik Kleists, über die Christlich-deutsche Tischgesellschaft, Käthchen, Kohlhaas, Arbeitsweise.
S. 37: Erwähnung Kleists als Gast Johann Daniel Sanders'.
S. 58: An Jacob und Wilhelm Grimm, Berlin, 2. Nov. 1810. Charakteristik Adam Müllers und Kleists; Erzählungen, Käthchen und Berliner Abendblätter.
S. 83-84: An Achim von Arnim, Prag, 10. Dez. 1811. Über Kleists Tod, Ernst von Pfuels Urteil über Kleist, Brentanos Urteil.
S. 167: An Achim von Arnim, Berlin, 3. Febr. 1816. Über Zusammenkünfte bei Marie von Kleist, Lesung der Hermannsschlacht, Urteil über Kleists Art zu dichten.

Caroline de la Motte Fouqué

324. Wilde, Jean T.: The Romantic Realist, Caroline de la Motte Fouqué. New York: Bookman (1955).
S. 139-144: Carolines Beziehungen zu Kleist, Marie von Kleist, Pfuel und Adam Müller. Ihre Stellungnahme zu Kleists Tod mit Abdruck eines Briefes an Adam Müller, in dem sie Müller und Pfuel zur Verteidigung Kleists auffordert (S. 141 bis 143); s. auch Anmerkungen S. 158-159 und Register.

Friedrich de la Motte Fouqué

325. Sembdner, Helmut: Fouquès unbekanntes Wirken für Heinrich von Kleist. Jahrbuch d. dt. Schillergesellschaft, Jg. 2, 1958, S. 83-113.
1. Persönliche Begegnungen. - 2. Fouqués Rezensionen. - 3. Nach Kleists Tode. - 4. Caroline Fouqués "Gespräch über die Erzählungen von Heinrich von Kleist". - 5. Fouqués "Gespräch über die Dichtergabe Heinrichs von Kleist". - 6. Die geplante Herausgabe von Kleists Nachlaß. - 7. Fouqués letzte Bemühung.
Die in der Zeitung für die elegante Welt erschienenen anonymen Rezensionen der Werke Kleists haben Fouqué zum Verfasser, wie auf Grund von Stilanalysen nachgewiesen wird. Die Besprechung des Käthchen wird nochmals abgedruckt. Fouqué nahm ferner positiven Einfluß auf die Haltung der "Eleganten Welt", die auch Caroline Fouqués Ehrenrettung Kleists (s. oben) aufnahm, der Fouqués Beitrag "Gespräch über die Dichtergabe Heinrichs von Kleist" im Morgenblatt folgte. Beide Schriften werden kommentiert und teilweise abgedruckt. Fouqué schildert verschlüsselt die Gesellschaft, die sich freitags bei Marie v. Kleist traf. Die Bemühungen Fouqués, Hitzigs und Marie v. Kleists um die Herausgabe des Homburg scheiterten an dem Widerstand der Prinzessin Wilhelm. Fouqués hier zum erstenmal veröffentlichter Brief an die Prinzeß Wilhelm vom 13. Aug. 1822, in dem er über seine Beziehungen zu Tieck spricht, gibt Aufschluß darüber, wie Tieck in den Besitz des Dedikationsexemplars des Homburg gelangte, das er für die Herausgabe des Nachlasses Kleists benutzte. Fouqué setzte seine Bemühungen um das Andenken Kleists durch Veröffentlichung von Gedichten Kleists, durch eigene Gedichte und die Würdigung seiner Dichtergabe in "Die drei Kleiste", wiederum in der "Eleganten Welt" 1821 erschienen, fort.

Goethe

326. Blume, Bernhard: Kleist und Goethe. Monatshefte (Madison), Vol. 38, 1946, S. 20-31, 83-96, 150-164.
Eine vergleichende Wesensschau beider Dichter ergibt, daß nicht Kleist, sondern Goethe eine Ausnahme in der deutschen Geistesgeschichte gewesen ist. Kleists Leben erscheint als eine Abbreviatur des deutschen Weges in den Abgrund; es umfaßt Sturm und Drang, Loslösung vom deutschen Idealismus, Nihilismus und endlich Bindung an den absoluten Staat. Bei aller Gegensätzlichkeit werden auch starke Ähnlichkeiten, besonders mit dem jungen Goethe, in Anlage, Thematik, historischer Aufgabe und geistesgeschichtlicher Situation festgestellt, die mit zunehmendem Zeitabstand beide einander näherrücken. Gefühl, Vertrauen, Selbstbehauptung sind für beide wesentliche Motive; was sie trennt, ist ihre abweichende Haltung dem Leben gegenüber: bei Goethe freudige Entsagung und freiwillige Beschränkung, bei Kleist tragisches Streben nach dem Absoluten, das zum Untergang führt.

327. Goldschmit-Jenter, Rudolf K[arl]: Kleist und Goethe, Hölderlin und Schiller. In: Goldschmit-Jentner, R. K.: Die Begegnung mit dem Genius. Darstellungen und Betrachtungen. Mit 15 Bildtaf. Hamburg: Chr. Wegner Verlag (1946). S. 181-216. [Zahlreiche weitere Auflagen. - Zuerst 1939.] - Auch Frankfurt a. M., Hamburg: Fischer Bücherei (1954). (Fischer Bücherei. 56.)
S. 181-199: Kleist und Goethe.

328. Steinen, Wolfram von den: Das Zeitalter Goethes. Bern: A. Francke (1949). (Sammlung Dalp. Bd. 70.)
S. 322-324: Goethe und Kleist.

329. Molo, Walter von: Die Kleist-Rede in Hamburg. In der Goethe-Gesellschaft 1938, an Kleists Todestag. In: Molo, W. von: Zwischen Tag und Traum. Gesammelte Reden und Äußerungen. (Vom Dichter durchges. endgült. Ausg.) (Berlin, Bielefeld, München:) E. Schmidt (1950). S. 140-164. [Zuerst 1939, stark erw. u. umgearb.]
Der Konflikt Goethe-Kleist. Beide Dichter als "Extremzustände der schöpferischen Substanz"; beide formen ihr Leben zum Kunstwerk, Kleist zur Tragödie.

330. Aoki, Shokichi: Gete to Kuraisuto. [Goethe und Kleist. Japanisch.] Tokyo: Omura 1952. 599 S. [Auskunft aus Tokio.]

331. Vogel, Artur: Die Weimarer Klassik und das Lustspiel. Diss. Zürich 1952. Zürich 1952: Beromünster.
S. 87-94: Goethes Beurteilung der Dichtung Kleists.

332. Hatori, Shigeo: Goethe und Kleist. Bulletin d. Universität Yokohama, 1954.

333. Ivarsson, Nils Ivar: Goethe och Das Käthchen von Heilbronn. In: En Goethebok till Algot Werin. Ed. by Carl Fehrmann, Nils Ivar Ivarsson and Hans Ruin. Lund: Glerup 1958. S. 89-103.

Franz Kafka

334. Brod, Max: Franz Kafka. Eine Biographie. (Erinnerungen und Dokumente.) (2. Aufl.) New York: Schocken Books (1946). (Mit Abb.) - 3., erw. Aufl. (Berlin u. Frankfurt:) S. Fischer 1954. (Mit Abb.)
S. 46-52: Vergleich Kafkas mit Kleist. Infantilismus bei Kleist und Kafka. Forderung nach blindem Vertrauen als Grundproblem der Dichtungen Kleists, Verantwortung vor der Familie, Überspannung der Ansprüche, gemeinsames Lebensideal: das einfache, natürliche Leben. Kristallklarer Stil und Realismus der Einzelheiten als Kompensation gegen Neigung zu Traum und Kindheit bei beiden Dichtern. Ähnlichkeit der Porträts. Kafkas Lektüre Kleists.

335. Friedrich, Heinz: Heinrich v. Kleist und Franz Kafka. Studie. Berliner Hefte, Jg. 4, 1949, S. 440-448.
Das "Unzerstörbare" ist bei Kleist das sich ständig erneuernde Leben, das Werden, bei Kafka das absolute Sein. Kafka ist der mathematische Gegenpol Kleists und der deutschen Romantik, er gehört zur väterlichen, geistbestimmten, Kleist zur mütterlichen, gefühlsbestimmten Seite der Welt. Beide haben das gleiche innere Anliegen: die Existenz des Menschen ins Unbedingte zu heben und eine tiefere Moral zu leben. Gemeinsam ist ihnen die Abkehr von der Vernunft und aller Theorie, ähnlich auch ihre Sprache in Wirklichkeitsgehalt und sinnlicher Fülle, Schlichtheit und Formstrenge; aber Kafka schrieb glanzlos, mit magischer Gelassenheit, Kleist dagegen farbig, leidenschaftlich.

336. Kafka, Franz: Tagebücher. 1920-1923. [Frankfurt a. M.:] S. Fischer, Lizenzausg. von Schocken Books New York [1951]. (Gesammelte Werke. Hrsg. von Max Brod.)
S. 43: Kleists Berufswahl, eine kleine Szene dargestellt nach seinen Jungendbriefen.
S. 172: Die Familie Kleist zum 100. Todestag des "Besten ihres Geschlechts".
S. 341: Kafka über seinen Vortrag des Michael Kohlhaas in der Toynbeehalle am 11. Dez. 1913.
S. 706: Max Brod zu dieser Kleist-Vorlesung Kafkas.

337. Kafka, Franz: Über Kleists "Anekdoten". In: Kafka, F.: Erzählungen. [Frankfurt a. M.:] S. Fischer, Lizenzausg. von Schocken Books New York [1952]. (Gesammelte Werke. Hrsg. von Max Brod.) S. 315-316.
Zur Ausgabe von Rowohlt.

338. Pongs, Hermann: Im Umbruch der Zeit. Das Romanschaffen der Gegenwart. (Göttingen:) Göttinger Verlagsanstalt (1952). S. 81-87: Exkurs: Kafka - Kleist. - Wiederabgedr. in: Welt u. Wort, Jg. 7, 1952, S. 379-380.
Im Gegensatz zu Max Brod findet Pongs grundlegende Unterschiede zwischen beiden Dichtern: die tragische Ambivalenz von Einfalt und Teufel in der gespaltenen Seele als bitterste Grunderfahrung Kafkas und die Gefährdung der Einfalt der Seele durch die Welt bei Kleist bei grundsätzlicher Übereinstimmung mit der Welt. Ein Vergleich des Michael Kohlhaas und der Marquise von O. mit Kafkas "Prozeß" zeigt den Triumph der Einfalt bei Kleist, bei Kafka deren Zerstörung. Dem entspricht Kafkas analytischer Stil, Kleists Stil dagegen ist symbolisch.
Hebel, F.: Kafka. Zur Frage der Gesetze und Kleist: Michael Kohlhaas. [s. Nr. 588.] 1956.

Thomas Mann

339. Guthke, Karl S[iegfried]: Thomas Mann on Heinrich von Kleist: An Unpublished Letter to Hans M. Wolff. Neophilologus, Jg. 44, 1960, S. 121-122.
Brief Th. Manns vom 19. Jan. 1949 an Wolff über Kleist anläßlich des Buches "Heinrich von Kleist als politischer Dichter" von Wolff. Th. Mann gibt eine kurze Charakteristik Kleists und lehnt ihn als "fragwürdiges Phänomen" ab.

Adam Müller

340. Mühlher, Robert: Kleists und Adam Müllers Freundschaftskrise. Zwei ungedruckte Briefe Adam Müllers zur Geschichte der Zeitschrift "Phöbus". Wien, Zürich: Europa-Verlag (1948). 32 S. (Europa-Reihe.) - Wiederabgedr.: Euphorion, Bd. 45, 1950, S. 450-470.
Erstdruck eines Briefes Adam Müllers vom 29. März 1808 an Friedrich Carl Ferdinand von Müffling mit der Bitte um Vermittlung einer Professur in Jena und eines zweiten Briefes vom 5. April 1809 an Rühle von Lilienstern und Ernst von Pfuel mit Nachrichten über die geschäftlichen Zerwürfnisse zwischen Kleist und Müller im Jahre 1808, die in einer Forderung Kleists durch Müller gipfeln. Der Kommentar zu diesen beiden Briefen liefert Beiträge zur Geschichte des Phöbus: Müllers Versuch, durch Berufung nach Jena bereits im März 1808 von dem Unternehmen abzuspringen, Müfflings politisch exponierte Stellung als Verbindungsmann zwischen Weimar und Dresden, Müllers gespannte Beziehung zu Karl August Böttiger, die Fehde Böttigers gegen Müller und Gentz im "Freymüthigen", die finanziellen Grundlagen des Phöbus, Müllers Anteile, Kleists Freundschaft zu Sophie von Haza und die Auswirkung ihrer Scheidung auf Kleists Freundschaft mit Müller. Müller als "böser Geist" Kleists in der Kleist-Literatur und die literarischen Unterlagen.

341. Baxa, Jakob: Die Taufe der Cäcilie Müller. Euphorion, Bd. 53, 1959, S. 92-102.
Die Eintragung über die Taufe der Tochter Adam Müllers im Kirchenbuch der französisch reformierten Friedrichsstadt nennt unter den Paten außer Kleist zahlreiche berühmte Namen der Berliner Romantik. Biographische Nachrichten über die Paten, ihre Beziehungen zu Kleist und die weiteren Schicksale der Cäcilie Müller.

Schiller

342. Borcherdt, Hans Heinrich: Schiller und die Romantiker. Briefe und Dokumente. Hrsg. u. eingel. Stuttgart: J. G. Cotta (1948).
S. 97-105: Schiller und Kleist.
Der Besuch Kleists bei Schiller in Weimar nicht ausgeschlossen. Einwirkung Schillers. Schillers "Hymne an den Unendlichen" und Kleists "Hymne an die Sonne", Schillers "Lied an die Freude" und Kleists Ode "Germania an ihre Kinder", Max-Thekla und Ottokar-Agnes, Wallenstein und Guiskard, Jungfrau von Orleans und Penthesilea. Synthese von Klassik und Romantik im Homburg wie in der "Jungfrau", "Wilhelm Tell" und "Demetrius". Kleist im Homburg als geistiger Erbe Schillers.
S. 632-635: Schiller und Heinrich von Kleist.
Ausschnitte aus Briefen von und über Kleist, das Verhältnis zu Schiller betreffend.

343. Wiese, Benno von: Schiller und die deutsche Tragödie des 19. Jahrhunderts. Dt. Viertelsjahresschr. f. Literaturwiss. u. Geistesgesch., Jg. 25, 1951, S. 199-213:
S. 202-205: Vergleich der Weltanschauungen Schillers und Kleists.

344. Staiger, Emil: Kleist oder Schiller? Die Gegenwart, Jg. 9, 1954, S. 240-241.
Alle Stücke Kleists sind Inkarnationen ein und desselben metaphysischen Problems: Gefühl gegen Verstand, Abfall vom Paradies durch das Gesetz, durch die Sprache. Als Mensch und Denker fühlt sich Kleist zum Katastrophalen, als Künstler zum glücklichen Spiel hingezogen. Seine Gestalten sind Sonderfälle, fernab vom Gemeingültigen. Darin liegt Kleists Grenze, wenn auch nicht für den Kenner. Hinzu kommt die Bühnenunwirksamkeit seiner Stücke. Das, worauf es ankommt, wird auf der Bühne nicht sichtbar. Unerfindlicher Tiefsinn wird mit graziöser Hand gestaltet, das metaphysische Problem künstlerisch einzigartig dargestellt. Schiller ist bühnenwirksamer, faßlicher, massiver in seinen Problemen. Er sieht das Leben vom erhabenen Standpunkt aus und setzt den Zuhörer dadurch in Freiheit. Der Stoff wird objektiv und mit Vernunft gestaltet, er reißt den Zuhörer nicht mit sich fort, sondern macht ihn frei. In der Kunst des problematischen Dramas ist Schiller Kleist unterlegen, im Pathetischen und Theatralischen ist er Meister.

345. Crosby, Donald H.: Schiller and Kleist: Influence and Creative Kinship. Diss. Princeton 1955. 211 S. Vgl. Dissertation Abstracts, Vol. 18, 1958, S. 2138.

Gotthilf Heinrich Schubert

346. Thomas, Ursula: Heinrich von Kleist and Gotthilf Heinrich Schubert. Diss. Wisconsin 1957. 149 S. Vgl. Dissertation Abstracts, Vol 17, 1957, S. 2617.

347. Thomas, Ursula: Heinrich von Kleist and Gotthilf Heinrich Schubert. Monatshefte (Madison), Vol. 51, 1959, S. 249-261.
Eine nähere Untersuchung der Familie Schroffenstein ergibt, daß Kleist schon 1801 mit den Erscheinungsformen der irrationalen Elemente der menschlichen Natur vertraut war: daß also nicht Schubert Kleist beeinflußt hat. Schubert kam vielmehr erst im Gespräch mit Kleist und seinen Freunden zu einer genaueren Formulierung dieser Ideen, die er seinen Vorlesungen in Dresden 1807/08 und in seinen "Ansichten von der Nachtseite der Naturwissenschaft" behandelte.

Shakespeare

348. Samuel, Richard: Shakespeares "Heinrich IV" und Heinrich von Kleist. Studies in Language and Literature Presented to Augustin Lodewycky. (Ed. by Heinz Wiemann. Melbourne [1954].) S. 12-15.
Einfluß "Heinrichs IV" auf den Zerbrochenen Krug, den Prinzen von Homburg und auf Kleists Staatsdenken. Als Beweis wird der bedeutsame Brief an Rühle vom Dez. 1805 herangezogen, in dem sich Kleist mit der politischen Lage Preußens auseinandersetzt und dabei zweimal Shakespeare "Heinrich IV." zitiert. Darüber hinaus gibt der Brief die rebellische Stimmung des Auftritts in "Heinrich IV.", 1. Teil, 1. Aufzug, 3. Szene wieder.

349. Lüthi, Max: Kleist und Shakespeare. Shakespeare-Jahrbuch, Bd. 95, 1959, S. 133-142.
Bildersprache und Manierismus bei Shakespeare und Kleist. Vergleich beider Dichter. Kleists Einseitigkeit und Schärfe im Gegensatz zu Shakespeares Weltaufgeschlossenheit. Direkter und indirekter Einfluß Shakespeares auf Kleist.

Louis Vogel

350. Fricke, Hermann: Louis Vogel, Kleists Freund im alten Landeshause der Kurmark. Jahrbuch f. Brandenburg. Landesgesch., Bd. 3, 1952, S. 9-10.
Friedrich Wilhelm III. bestätigte am 7. Dez. 1815 die Wahl des Rendanten Vogel zum Adjunkten des Landrentmeisters; am 20. Dez. 1816 wurde Vogel selber Landrentmeister und war zur Zeit von Kleists Tod "Landeinnehmer im neuen Biergeld". Den Titel "Rendant" hatte er vermutlich aus seiner früheren Tätigkeit bei der Feuersozietät der Mark Brandenburg.

DAS WERK IN DER WISSENSCHAFTLICHEN LITERATUR

Das Gesamtwerk. Thematische Einzelstudien

351. Becker, Ingeborg: Die Todesstrafe in der Dichtung Heinrich von Kleists. Jur. Diss. Freiburg i. Br. 1945. XIII, 149 S. [Maschinenschr.]
Einleitung: Die Problematik der Todesstrafe und ihr rechtshistorischer und rechtsphilosophischer Standort z. Z. Kleists.
1. Kap. Der Einfluß der für die Todesstrafenproblematik bedeutsamen Zeitströmungen auf die allgemeine geistige Entwicklung Kleists.
2. Kap. Die Todesstrafe in den einzelnen Werken Kleists. 1. Die Familie Schroffenstein. 2. Der Findling. 3. Das Erdbeben in Chili. 4. Die Verlobung in St. Domingo. 5. Michael Kohlhaas. 6 a. Der zerbrochene Krug, b. Amphitryon, c. Penthesilea, d. Die Hl. Cäcilie. - Das Bettelweib von Locarno. 7. Die Hermannsschlacht. 8. Anekdoten, Kurzgeschichten und Gedichte. 9. Der Zweikampf. 10. Prinz Friedrich von Homburg.
3. Kap. Die Todesstrafe in der Dichtung der Klassik und Romantik im Vergleich zu ihrer Darstellung bei Kleist.
4. Kap. Kleists Rechtfertigung der Todesstrafe.
Für Kleist ist die Todesstrafe Vergeltung und nicht Abschreckung. Vom primitiven Rachebedürfnis in den Schroffensteinern geht die Entwicklung der Rechtsauffassung Kleists über die Wende vom individuellen zum staatlichen Gemeinschaftsdenken im Kohlhaas zur Überwindung der Todesstrafe im Homburg durch die Wiederherstellung der Rechtsgesinnung. Der Grund der Todesstrafe ist stets absolut, der Vollzug öffentlich, das Verbrechen ist immer im individuellen Bereich begründet, die Vergeltung wird nicht dem metaphysichen Bereich überlassen, der Zug zum Extremen läßt Kleist die Todesstrafe wählen. Sie kann durch freiwillige Hingabe und Selbstüberwindung aufgehoben werden.

352. Scheffler, Karl: Späte Klassik. Ein Stilproblem deutscher Dichtung. Urach [jetzt Stuttgart]: Port-Verlag (1946). (Erbe u. Schöpfung. 11.)
S. 64-66: Kleist als Nachklassiker und Manierist.

353. Siebenschein, Hugo: K pudorysu humoru v nemeckém písemnictví 19. století [Die Struktur des Humors in der deutschen Litaratur des 19. Jahrhunderts.] [1:] Kleist. Jean Paul. Casopis pro moderni filologii, Roc. 29, 1946, S. 38-46.
S. 38-42: Kleist.

354. Lion, Ferdinand: Romantik als deutsches Schicksal. Stuttgart, Hamburg: Rowohlt (1947).
S. 108-126: Heinrich von Kleist. Die Verbindung von barbarisch-urzeitlichen Elementen mit rationaler Ordnung ist charakteristisch für Preußen, und Kleist als Preuße steht durch reale Verbindungen mit der Urzeit dem Vorgeschichtlich-Primitiven näher als seine Zeitgenossen. Machtinstinkte als Urtriebe, besonders im Verhältnis der Geschlechter zueinander, sind in seinen Gestalten und in seiner Sprache wirksam. Beide Elemente, das Abgründig-Unbewußte und das Taghell-Rationale, sind bei ihm vorhanden und zu harmonischer Einheit im Großen Kurfürsten verschmolzen als Huldigung für Goethe. Homburg geht, zwischen Extremen schwankend, Irrwege wie Wilhelm Meister, übertrifft dann aber den Kurfürsten durch freiwilligen Gehorsam. Die Sprache Kleists ist zweideutig, aus beiden Elementen erwachsen: dem preußisch-imperativischen, gesetzmäßigen Element, militärisch knapp, zuchtvoll, oft banal, und dem romantischen, voll sehnsüchtiger, weicher Musikalität.
S. 184-190: Kleist und die Neudeutschen. Alle Deutschen gegen Ausgang des 19. Jahrhunderts hatten das Erlebnis der Verbindung von Romantik und Preußentum. Kleist wurde ihnen Vorbild, aber seine Neigung zum Extremen verhinderte, daß die Neudeutschen sich mit ihm identifizierten.

355. Lukács, Georg: Die Tragödie Kleists. Dramaturg. Blätter (Berlin), Jg. 1, Mai 1947, S. 7-30. - Wiederabgedr. u. d. T.: Die Tragödie Heinrich von Kleists. (1936.) In: Lukács, G.: Deutsche Realisten des 19. Jahrhunderts. Berlin: Aufbau-Verlag 1951. S. 19-48. - Auch Bern: A. Francke 1951.
Einsamkeit, Todesgrauen und Todessehnsucht machen Kleist in der Dekadenz der kapitalistischen Welt modern. Die Weltanschauungskrise, der er unterlag, festigte nur den Zusammenhang mit der Gesellschaftsschicht, aus der er hervorging, und der er immer verbunden blieb. Seine Tragödie ist die allgemeine Tragödie des Menschen in der kapitalistischen Gesellschaft: die Einsamkeit. Seine Dramen und Novellen beruhen auf solipsistischem Mißtrauen, ihr Inhalt ist jeweils die Entlarvung eines Mißverständnisses. Die Gegenüberstellung von Mensch und Schicksal ohne gesellschaftliche Vermittlung hat das Scheitern des Guiskard zur Folge. Amphitryon, Penthesilea, Käthchen sind Gestaltungen monomanischer Leidenschaften ohne Beziehungen zur Umwelt. In den politischen Dramen siegen nationale Gegenstände über die individualistische Gefühlsrevolte. Die Rolle des Zufalls in Novelle und Drama, auf die Spitze getrieben und ohne Gestaltung der objektiven Notwendigkeit, erzeugt Dissonanzen und verhindert die Entstehung einer hohen Tragödie. Kleist gehört nicht in die große klassische Entwicklung der Tragödie, die von Shakespeare über Goethe und Schiller zu Puschkin führt. Sein Drama stellt vielmehr einen irrationalistischen Nebenweg dar, vorbildlich für die Niedergangsperiode des modernen Dramas; seine Gestalten sind fensterlose Monaden der bürgerlichen Gesellschaft. Gesellschaftliche Konflikte gestaltet er nicht, vielmehr privatisiert er das Drama. Vom gesellschaftlichen Standpunkt sind nur der Kohlhaas und der Krug zu bejahen. Sie allein sind vernünftig und nicht pathologisch. Die dramatische Handlung tritt hinter das szenisch-lyrische Element zurück. Auch darin ist Kleist Vorläufer des modernen Dramas (Wagner, Ibsen, Strindberg). Die individuellen Probleme, in monomanisch-mystischer Überspannung erlebt, berühren das Objektiv-Tragische nicht. Nähme man Kleists Dramen das lyrische Pathos, sie würden zu Komödien. Dennoch bricht in einigen Werken (Hermannsschlacht, Homburg, besonders Kohlhaas, Krug) die objektive und kritische Realistik durch. Seine Zeit war nicht stark genug, ihn zu einem wirklichen Realisten wie Balzac oder Tolstoi zu machen. Er ging an seinen eigenen reaktionären und dekadenten Instinkten zugrunde.

356. Ruprecht, Erich: Wille und Schicksal bei Heinrich von Kleist. In: Ruprecht, E.: Die Botschaft der Dichter. Zwölf Vorträge. Stuttgart: R. Schmidt 1947. (Schriftenreihe d. Universitas. Bd. 1.) S. 119-153.
Kleists Welt ist eine tragische Willenswelt, die in musikalischen Eruptionen ins Dasein drängt. Tat und Opfer, beide Möglichkeiten des auf das Unbedingte gerichteten Willens, bestimmen jeweils den Inhalt seiner Dichtungen und vereinen sich im Homburg. Die Lösung der Tragik der menschlichen Willenswelt geben der Homburg, das Marionettentheater und Kleists eigener Tod.

357. Wolff, Hans M[atthias]: Heinrich von Kleist als politischer Dichter. Berkeley, Los Angeles: University of California Press 1947. 2 Bl., S. 343-521. (University of California Publications in Modern Philology, Vol. 27, Nr. 6.)
Einleitung.
I. Der antisoziale Individualismus. Jugendbriefe. Erste Dichtungen: Die Familie Schroffenstein. Die Verlobung in St. Domingo. Das Erdbeben in Chili. Robert Guiskard. Amphitryon.
II. Der liberale Individualismus. Der zerbrochne Krug. Michael Kohlhaas. Der Findling.
III. Individualismus und Kollektivismus. Penthesilea.
IV. Nationalismus. Übergang (Briefe 1805-08. Das Käthchen von Heilbronn). Die Hermannsschlacht.
V. Ausgleich. Der Prinz von Homburg.
Bespr.: J. C. Blankenagel: Modern Language Notes, Vol. 63, 1948, S. 410-413. - M. Colleville: Etudes germaniques, A. 4, 1949, S. 419-420. - W. P. Friedrich: The Modern Language Journal, Vol. 32, 1948, S. 623-624. - E. Kast: Dt. Literaturztg., Jg. 73, 1952, Sp. 224-226. - H. P. Krebs: The Germanic Review, Vol. 25, 1950, S. 144-146. - R. Tymms: The Modern Language Review, Vol. 43, 1948, S. 565-566. - J. D. Workman: Monatshefte (Madison), Vol. 40, 1948, S. 429.

358. Muschg, Walter: Tragische Literaturgeschichte. Bern: A. Francke (1948). - 2., umgearb. u. erw. Aufl. Ebda. 1953. - 3., veränd. Aufl. 1957.
S. 34-35: Kleist eine bewußt tragische Natur, Todeswollust als Höhepunkt der romantischen Ekstase, aus der sich die Tragödie erhebt. Ohne Beispiel, von urzeitlicher Gewalt. Moralische, natürliche, vernünftige Maßstäbe sind nicht anzulegen.
S. 233-236: Kleist ist der einzige politische Dichter der Romantik ohne Beziehung zur Idee der Demokratie. Ihm hätte der Aufstieg Preußens auch nicht geholfen. Sein Leiden war die Unvereinbarkeit von Vision und Wirklichkeit.
S. 268: Kleist eine pathologische Natur.
S. 281: Kleists tragische Trauer.
S. 303: Goethe lehnte die Wendung ins Ekstatische, unverhüllt Tragische in der Penthesilea ab: Liebesekstase ist das große Thema der Romantik.
S. 390: Penthesilea als erotische Wunsch- und Schreckgestalt ist mit Grillparzers Medea vergleichbar.
S. 349-350: Die Vernichtung des Guiskard ist ein Zeichen der Schuld des Dichters dem Leben gegenüber.
S. 359: Kleists Kant-Erlebnis als mystischer Durchbruch der Erkenntnis von der Unzulänglichkeit der Sinne und des Verstandes.
S. 381: Die Liebe bei Kleist und Grillparzer ist ewiger Krieg zwischen den Geschlechtern, in dem es nur Sieg oder Untergang gibt. Brutale Sinnlichkeit steht gegen schneidenden Intellekt. Kleist zerstörte die Menschen, besonders die Frauen.
S. 387: Kleist sieht die Welt als Verhängnis; seine Dichtungen sind in jeder Szene und Metapher von dem unentrinnbaren Verhängnis inspiriert. Daß die Welt nicht zusammenbricht, verhindert das Gleichgewicht tödlicher Lasten.
S. 406: Verwerfung der eigenen Arbeiten (Vernichtung Guiskards, Selbstvernichtung nach der Fertigstellung seiner Meisterdramen) auch bei Schiller und zahlreichen anderen Dramatikern, die ihr Werk teils lieben, teils hassen.
S. 408: Naturhaft-triebhaftes Schaffen bei Kleist u. a. Dichtern.
S. 411: Das Verharren in der potentiellen Energie ist der Zustand der höchsten Vollendung (s. Meister Eckhart). In diesem Zustand ist der Mensch Gott gleich. Das Werk ist die Vollkommenheit. Die Versunkenheit ist potentielles Tun, ist Vorbereitung auf das Werk. Die Möglichkeit des Schaffens ist größer als das Werk. Am Ende mündet der Furor des Schaffens wieder in das große Schweigen der Mystik aus (Kleist).
S. 420: Der Zusammenhang des Schaffens und Zerstörens, der satanischen Kehrseite des Schaffenstriebes, war Kleist bewußt.

359. Benz, Richard: Die Welt der Dichter und die Musik. (2., veränd. u. erw. Aufl.) Düsseldorf: E. Diederichs (1949). S. 215-231: Kleist.
Als Tatmensch lehnte Kleist Fichte, den abstrakten Sittlichkeitsdogmatiker, ab. Ebenso die Moral praktischer Vernunft: er sieht in Gut und Böse eine Naturgegebenheit. Auch seine Gestalten sind jenseits von Gut und Böse, sie sind Urwirklichkeit und aus allen Tiefen und Höhen des Lebens zu einem zweiten Leben erschaffene, mythische Urmächte. Kleists Dichtung kann mit keiner anderen verglichen, sondern nur aus dem Geist der Musik begriffen werden, die aus unbewußter Sphäre zum Ausdruck drängt und bei Kleist zur dramatischen Plastik, der indirektesten und objektivsten künstlerischen Form, umgeschaffen wird. Wie bei Beethoven kommen Kleists Gestalten aus dem Bereich des Unbewußten ins Licht des Bewußtseins. Bei diesem Prozeß zerbrechen sie, und ihr überwirklicher Gehalt wird nun erst frei. So ist auch Kleists Tod wahre Selbstbehauptung und letzter Triumph seines Geistes. Durch den freiwilligen Tod wird das Leben gerechtfertigt wie nur je durch eine philosophische oder religiöse Lehre. Mit dieser Tat klagt der Dichter seine Nation und seine Zeit an, vor allem aber Goethe, der ihn, wie auch alle großen Musiker seiner Zeit, verstieß. Kleist wurde das Geschick, von allen Gewalten, denen er sich vertrauend nahte, zurückgestoßen zu werden: Goethe, Vaterland, Familie. Selbst im Tode einsam, verneint er das Hohe und Edle als unerlaubte Abweichung von der Welt und löscht sich selbst aus, um der Welt ihre eigene Ordnung zu lassen, die keinen Genius duldet.

360. Cassou, Jean: Kleist et le somnambulisme tragique. Les Cahiers du Sud, 1949, No spécial: Le Romantisme allemand. Textes et études publiés sous la direction de Albert Béguin, S. 269-275. [Zuerst 1937.]
Deutung Kleists und deutschen Wesens am Beispiel Kleist.

361. Chino Shosho: Doitsu roman-shugi. [Deutsche Romantik. Japanisch.] Tokyo: Saito 1949. S. 318-330: Kleist.

362. Smith, Pieter Fokko: Das Vertrauen in Heinrich von Kleists Briefen und Werken. [Nebst] Stellingen. Diss. Groningen 1949. (Amsterdam: de Faam 1949.) 1 Bl., 151 S.
I. Das Vertrauen. II. Das Vertrauen in Kleists Briefen. III. Das Vertrauen in Kleists Werken (Dramen und Novellen). IV. Zusammenfassung. Literatur.
Materialzusammenstellung.

363. Stahl, Edmund: Kleist et le symbole des rivières. (Übers. von Gennie Luccioni.) Les Cahiers du Sud, 1949, No spécial: Le Romantisme allemand. Textes et études publiés sous la direction de Albert Béguin, S. 264-268.
Kleists Briefe aus den Jahren 1800 und 1801 sind frühe Zeugnisse seiner dramatischen Berufung und enthalten später verwendete tragische Elemente. Am Symbolgehalt des häufig gebrauchten Strommotivs wird die künstlerische Entwicklung Kleists nachgewiesen.

364. Glaser, Martha: Heinrich von Kleist. In: Glaser, M.: Dichtung vor Gott. Eine darstellende Untersuchung der Dichtung des 19. Jahrhunderts. Berlin-Bielefeld: Verlag Haus u. Schule (1950). S. 8-28.
Kleist leitet eine Entwicklung in der Literatur des 19. Jahrhunderts ein, die durch die Loslösung vom göttlichen Seinsgrund, ihrem legitimen Ursprung, und durch die Erhebung des Menschen aus der Gebundenheit des Geschöpfseins zu selbständingem Meistertum gekennzeichnet ist. Er ist der Dichter des Inferno, ohne den Himmel offen zu sehen; an ihm wird die Gefährdung des Menschen durch eine gigantische Zielsetzung ohne tragfähige Bodenfläche deutlich, seine Dichtungen bewegen sich in der Ebene des Lebens zwischen Himmel und Hölle. Dem Genie in Kleist gelingt eine aus unbewußten Tiefen eruptiv hervorgebrachte dichterische Vision, die sein "dichterisches Fluidum" ausmacht und mit der sein Talent rational und ästhetisch nichts anzufangen weiß. Das Besondere in Kleists Dichtkunst kommt am stärksten in seiner Prosa zum Ausdruck und nicht im Drama, dessen strenge Form der Kleistschen Eigensprache hinderlich ist. Kleist fand weder den geeigneten dramatischen Stoff noch den ihm gemäßen Ausdruck. Der Kontrast zwischen Stoff und Stil in den Erzählungen wird als Spannung empfunden, die die Spannung zwischen Himmel und Hölle in der Ebene des Lebens versinnbildlicht.

365. Lintzel, Martin: Liebe und Tod bei Heinrich von Kleist. Berlin: Akademie-Verlag 1950. 76 S. (Berichte über d. Verhandlungen d. Sächs. Akad. d. Wiss. zu Leipzig. Philolog.-histor. Klasse. Bd. 97, H. 8.)
In Kleists Briefen, Dramen und Novellen besteht ein Zusammenhang zwischen Liebe und Tod, der als ein aktives Töten oder Wehetun oder als ein passives Sterben oder Leiden in Erscheinung tritt. Liebe gleich Tod ist die Formel, die im Leben Kleists und in seinen Werken ständig wiederkehrt, wie auch sein eigener Tod beweist, der ihm - als Mord und Selbstmord - höchste Liebesbefriedigung gewährte.
Bespr.: R. Ayrault: Etudes germaniques, A. 7, 1952, S. 301. - G. Fricke: Euphorion, Bd. 47, 1953, S. 235-236. - E. Kast: Dt. Literaturztg., Jg. 73, 1952, Sp. 223 bis 224.

366. Schmidt, Herta: Kleist als Romantiker im Hinblick auf das "Androgynen"-Problem. Diss. Frankfurt a. M. 1950. 4, 193 S. [Maschinenschr.]
Vorbetrachtung. Definition des Erosproblems (die ideelle Hälftenliebe; die Androgyne). - Arbeitsmethode. Zielsetzung.
I. Hauptstück. Literarische Grundlagen des Kleistschen Erosproblems. 1) Die ideelle Hälftenliebe in der Vor- und Frühromantik. 2) Das Androgynenproblem in der Romantik.
II. Hauptstück. Die psychologischen Grundlagen für die Problematik des Kleistschen Erosproblems. 1) Der feminine Zug in Kleists Charakter. 2) Das Erosproblem in Kleists Briefen. a) Kleists Verhältnis zu Wilhelmine von Zenge. b) Kleists Verhältnis zu Ulrike von Kleist.
III. Hauptstück. Die Vereinigung literarischer Anregungen mit den psychologischen Voraussetzungen in der Dichtung Heinrichs von Kleist. 1) Die charakterliche Antinomie der Kleistschen Gestalten als Vorstufe zum Androgynenproblem. 2) Das Mann-Weib-Problem in den Dramen. a) Penthesilea. b) Das Käthchen von Heilbronn.
Schlußbetrachtung. Folgerungen für die Erkenntnis der dichterischen und menschlichen Persönlichkeit Heinrichs von Kleist.
Anmerkungen und Literaturangaben.
Literaturverzeichnis.
Nach einem Überblick über die platonische Androgynen- und Eroslehre behandelt das 1. Hauptstück das Androgynenproblem in der Literatur der Vor- und Frühromantik: Wielands platonische Jugendschriften als Ausgang der romantisch-sympathetischen Hälftentheorie, Friedrich Schlegel, Jean Paul und Novalis als Vertreter der schicksalhaften, prästabilisierten Liebe werden als Vorbilder Kleists und seiner Behandlung des Eros in seinen Dramen unter Zufügung zahlreicher Zitate herangezogen. Das Androgynenproblem, zurückgehend auf Plato und Jakob Böhme, in Parallele gesetzt zur romantischen Polarisationslehre, bestimmt Kleists Zuordnung zur Romantik, der er nicht nur duch äußere Einflüsse, sondern auch durch innere Veranlagung zugehört. Die platonische Eroslehre als psychologisches Problem der Romantik gibt die Erklärung für Kleists Verhältnis zu den Frauen: in Wilhelmine konnte er die feminine Passivität lieben, vermißte aber die männliche Aktivität. Selbst bipolar veranlagt, brauchte er eine entsprechende Ergänzung, die er in seiner Schwester Ulrike fand. Kleist war besonders prädestiniert für die Darstellung des Androgynenproblems. Im Unterschied zur Romantik sieht er in der Mann-Weibheit nicht Harmonisierung, sondern erotische Spannung und Zwiespalt. Eine Harmonisierung wird versucht, indem der eine Pol zugunsten des andern abgelegt wird wie bei Penthesilea und Wetter vom Strahl. Kleist kennt zwei androgyne Typen: die Koppelung männlicher und weiblicher Eigenschaften innerhalb eines Individuums (Penthesilea) und die reine Ausbildung des einen wie des anderen Typus in Mann und Weib und damit die Androgyne in der Paarung auf Grund sympathetischer Liebe (Wetter vom Strahl und Käthchen).

367. Mogk, Waltraud: Die Problematik des Tragischen im 19. Jahrhundert und ihre Verarbeitung in der neueren Literaturwissenschaft. Diss. Kiel 1951. X, 150, 35 S. [Maschinenschr.]
S. 4-16: Heinrich von Kleist: Die Problematik des Tragischen in der Unbedingtheit des Ichgefühls. Die Frage der Einsamkeit und der Existenzerschütterung im beginnenden 19. Jahrhundert - Das Erlebnis des konkreten Ich in seiner Unbedingtheit und Einmaligkeit. - "Die Familie Schroffenstein." Das Problem des Vertrauens - Das Verhängnis des Irrtums - Anklage Gottes - Der Tod als Zufall. - "Penthesilea." Die Unbedingtheit des Gefühls - Die ausweglose Situation zwischen zwei Gesetzen - Die bestimmende Begegnung mit dem Du - Liebe und Haß - Die Gewißheit über den Tod hinaus - Das Motiv des Außersichseins. - "Die Marquise von O." Die rettende Gefühlstiefe - Grenzfall des Bewußtseins. - "Das Marionettentheater." Der innere Schwerpunkt - Die Tragik des Bewußtseins - Die "Nachtseite der Natur" und der Bezug zur Romantik - Das Durchleben des Schicksals.
S. 121-126: Die Tragikproblematik des 19. Jahrhunderts bei G. Fricke (Wirklichkeit u. Schicksal bei H. v. Kleist) und W. Psaar (Schicksalsbegriff u. Tragik bei Schiller u. Kleist).

368. Weigand, Kurt: Kleist und Kommerell. Das neue Forum (Darmstadt), [Jg. 1, 1951/52, H.] 13, S. 196-201.
Im Anschluß an Kommerell über Gebärdensprache und Unterbewußtsein bei Kleist.

369. Brown, W. N.: Heinrich von Kleist. An Interpretation of his Works in Relation to his Life and Mind. Diss. Oxford 1952.

370. Eda Hakaru: Kuraisuto no bungakushiteki chii. [Über Kleists literarhistorische Stellung. Japanisch.] Doitsu bungaku (Tokyo), 1952, [H.] 8, S. 41-44.

371. Gasse, Therese: Die dramatische Grundspannung bei Kleist. Diss. Leipzig 1952. 3, 158, 5 S. [Maschinenschr.]
Einleitung: Aufgabe und Methode.
I. Tl.: Die dramatische Grundspannung in Kleists Leben und Weltgefühl. 1. Kap.: Die Kantkrise. 2. Kap.: Der Aufsatz "Über das Marionettentheater".
II. Tl.: Die dramatische Grundspannung in Kleists Dichtung. 3. Kap.: Der Inhalt: Spannung zwischen Wahrheit und Wirklichkeit. 1: Die Bedrohung der Wahrheit. 2: Die Wiedergewinnung der Wahrheit. 3: Durchdringung von Wahrheit und Wirklichkeit. 4: Die Umkehrung in der Komödie. 4. Kap.: Die Form. 1: Das Entstehen der dramatischen Bewegung. 2: Die Form als Ausdruck des inneren Vorgangs. 3: Akteinteilung und Aktschlüsse. 4: Die Struktur der Novellen. 5. Kap.: Die Sprache. 1: Sprache als Prozeß. 2: Sprache als Ausdruck der Spannung. 3: Sprache als Symbol. 4: Die Grenzen der Sprache.
III. Tl.: Die dramatische Grundspannung bei Kleist in historischer und soziologischer Sicht. 6. Kap.: Kleists geistesgeschichtliche Stellung im Verhältnis zur deutschen Klassik. 1: Die Entfaltung der Frage am Beispiel zweier Textstellen. 2: Die Behandlung des Chores bei Schiller und Kleist. 3: Der Wahrheitsbegriff in der Klassik und bei Kleist. 4: Kleists Verhältnis zur Geschichte. 7. Kap.: Kleists soziologische Stellung innerhalb seiner Zeit. 1: Gesellschaftliche Voraussetzungen. 2: Kleists Verhältnis zur Bühne. 3: Kleists soziologische Stellung als Mensch und Dichter. 4: Soziologische Betrachtung des Werkes.
Schluß.
Die dramatische Spannung in Kleists Leben und Werk ist der Gegensatz von Wahrheit und Wirklichkeit, Ich und Welt, der sich symbolisch als Spannung zwischen Marionette und Gott, den beiden äußersten menschlichen Möglichkeiten, verkörpert und nicht nur den Inhalt, sondern auch die äußere Form und die Sprache seiner Dichtung bestimmt. Geistesgeschichtlich und soziologisch gesehen zeigt sich die gleiche Spannung und bedingt die Einmaligkeit und Isoliertheit Kleists in seiner Zeit, die für die Gesellschaft zur Bedrohung, für den Dichter selbst zur Katastrophe führte.

372. Ulbricht, Günter: Das Verhältnis von Dichter und Dichtung bei Heinrich von Kleist. Diss. Bonn 1952. 1 Bl., 147 S. [Maschinenschr.]
I. Einleitung.
II. Der Dichter. A. Das Verhältnis zum Du. B. Die Überwältigung der Wirklichkeit. C. Der Widerstand der Wirklichkeit.
III. Das Verhältnis des Dichters zu seiner Dichtung.
IV. Die Dichtung. A. Die Familie Schroffenstein.
{Die Marquise von O.} B. Penthesilea. (Guiskard.) C. Das Käthchen von Heilbronn.
V. Beschluß. (Der Prinz von Homburg.)
VI. Literaturverzeichnis.
Die Untersuchung bemüht sich um eine "physiognomische" Literaturbetrachtung, die in Fortführung der morphologischen Methode den Dichter und dessen Verhältnis zu seiner Dichtung zum Thema hat. Die Ichbefangenheit Kleists und Kontaktschwierigkeiten, die in den Jugendbriefen festgestellt werden, seine Sicherung durch einen rational bestimmten Lebensplan machen eine Anreicherung seines eigenen Wesens durch das Du unmöglich. Erfindung tritt an die Stelle der Wirklichkeit und bedingt den Mangel an Welthaltigkeit in seiner Dichtung. Die Natur ist nur Anlaß zum Räsonnieren, Kleists Grundverhältnis zu ihr, zur Welt, ist der Eigen-Sinn. Das Du wird nur so weit gesehen, als es mit dem Ich übereinstimmt. Glück ist Behauptung des Ich, Selbstgenuß, und muß gegen die Welt möglichst abgeschirmt werden. Die Kantkrise wird zum Mittel, sich von lästigen Verpflichtungen zu befreien, und ebenso dient die Gefühlssicherheit dazu, der Wirklichkeit und der Kontrolle des Bewußtseins auszuweichen. Dichtung wird Kleist zum Asyl des Ich. So verfehlen auch seine Gestalten die Wirklichkeit in der Unmittelbarkeit ihres Gefühls: das Subjekt soll im Objekt aufgehen oder umgekehrt, Entwicklung und Verwandlung als Grundelement des Dramatischen fehlen, und erst im Homburg gelingt die Synthese von Wirklichkeit und Ich, was sich auch in der formalen Gestaltung des Werkes bemerkbar macht, dem Kleist jedoch bezeichnenderweise weniger Interesse entgegenbrachte als seinen übrigen Werken. Kleist ist der ungeschichtliche, eigensinnige Mensch ohne Bezug auf Vergangenheit und Zukunft; sein Werk ist ihm nur Mittel zum Leben, nie drückt sich in ihm ein konkretes Verhältnis zur Welt aus.

373. Korff, H[ermann] A[ugust]: Geist der Goethezeit. Versuch einer ideellen Entwicklung der klassisch-romantischen Literaturgeschichte. Tl. 4. Hochromantik. Leipzig: Koehler & Amelang 1953. - 2., durchges. Aufl. 1958.
S. 27-91: Der Aufstieg Heinrich von Kleists.
S. 29-46: Das Ringen um die dramatische Form. Einleitung. Die Verbindung von Shakespeare und Sophokles. Die große "Erfindung".
S. 47-82: Das Urmotiv der Kleistischen Dichtung. Metaphysischer Realismus. Familie Schroffenstein. Alkmene. Penthesilea. Käthchen.
S. 83-91: Die Novellen. Allgemeines. Das Wunderbare in Kleists Novellen.
S. 272-314: Kleists nationalromantische Wendung. Der zerbrochene Krug. Das Märchendrama. Die Hermannsschlacht. Der Weg zum Prinzen von Homburg. Prinz Friedrich von Homburg.
Siehe auch Register.

374. Wohlhaupter, Eugen: Dichterjuristen. Hrsg. von H[orst] G[erhard] Seifert. [Bd.] 1. Tübingen: J. C. B. Mohr (P. Siebeck) (1953). S. 467-563: Heinrich von Kleist.
Einführung.
I. Recht und Politik auf Kleists Lebensbahn. Jugend. Gärung und Klärung. Die Jahre des großen Dichters und Patrioten Kleist.
II. Recht und Staat im Werke Heinrich von Kleists. Übersicht, Abgrenzung. Die Zeitpolitik in Kleists literarischem Werk. Das Recht in Kleists Anekdoten und Erzählungen. Das Recht in Kleists Dramen. Übersicht über Quellen und Schrifttum. Kleists Berührungen mit juristischen, politischen, verwaltungstechnischen und wirtschaftlichen Fragen. Vermögensverhältnisse der Familie, Studium, berufliche Pläne und Ausbildung. In seinem Werk zeigt sich Kleist begabt mit einem selten feinen Gefühl für die hintergründige Problematik von Recht und Staat. Kleists Thema ist die Gebrechlichkeit der Welt, gespiegelt in der Not des Rechts. Seiner Aufgeschlossenheit für juristische Probleme entsprechen auch seine Stil- und Formelemente: zügig geführte Dialoge, Verhöre, fast aktenmäßige, sachliche Darstellung. Die politischen Schriften zeigen Kleist als Vertreter eines Weltstaatgedankens. Die Novellen und Anekdoten, besonders Michael Kohlhaas, werden vom rechtskundlichen Standpunkt gründlich untersucht, etwas knapper auch das dramatische Werk. Keiner vermochte die Tragödie des Rechts in der Welt ergreifender zu gestalten als Kleist.

375. Brooke, Francis J.: The Male-Female Relationships in the Dramas and Novellen of Heinrich von Kleist: Diss. North Carolina 1954.

376. David, Claude: Heinrich von Kleist et le secret. Preuves (Paris), A. 4, 1954, Nr. 46, S. 37-44.
Aus Mißtrauen und Einsamkeit, dem Unvermögen, sich mitzuteilen, erwächst die Lebenstragödie Kleists und die Tragik seiner Dichtung. Das Geheimnis, das der Dichter immer wieder gestaltet, ist der Zwiespalt von Wollen und Nichtkönnen. Seine Gestalten leben hoffnungslos isoliert in einem imaginären Raum; sie sprechen nicht das erlösende Wort oder wollen absichtlich ihr Geheimnis bewahren.

377. Grob, Anneliese: Die Beddeutung der Natur in Kleists Leben und Werk. Diss. Zürich 1954. Bozen 1954: Athesia. 79 S.
Vorwort über den Stand der Literatur.
I. Bedeutung der Natur in Kleists Leben. II. Die Naturmotive in Kleists Werken. (Dramen u. Novellen.)
III. Zusammenfassung.
Literatur.
Kleists rationale Auffassung der Natur in seinen frühen Briefen: als Allegorie, als Personifikation und als Ausdruck des eigenen Ich, nicht als selbständiges Sein, weicht nach der Kantkrise einer ebenfalls ichbezogenen, gefühlsbestimmten Hingabe rousseauscher Prägung; in der letzten schöpferischen Phase wird eine Synthese beider Haltungen gesucht. In den Dramen und Novellen erscheint die Natur als harmonische Vollendung, von der sich der Mensch durch seine verstandesmäßige Reflexion ausgeschlossen sieht. Die Natur hat Symbolwert und versinnbildlicht die jeweilige Bedeutung des Geschehens. Der Mensch ist in die Auseinandersetzung mit der Natur als Symbol der inneren Gefühlswelt und der Notwendigkeit, sich zu der äußeren Welt des Gesetzes und der Ratio verantwortlich zu verhalten, gestellt. Wo der Mensch die Berechtigung der Gefühlswelt auf Kosten der Verstandeswelt mit Gewalt durchzusetzen versucht, zeigt sich die Natur von ihrer bedrohlichen Seite. Sie erscheint also nicht als letzter Wert, sondern als Durchgang zur höchsten, dem Menschen möglichen Reife, wie sie im Homburg erreicht wird.

378. Hamanaka, Hideta: Einleitung zu Kleist-Studien. Bulletin d. Universität Saitama, 1954.

379. Takahashi Fumio: Die Tragik bei Kleist. [Japanisch.] Geibun-kenkyu (Universität Hokkaido), 1954, Nr. 3.

380. Geyer, Horst: Dichter des Wahnsinns. Eine Untersuchung über die dichterische Darstellbarkeit seelischer Ausnahmezustände, Göttingen, Frankfurt, Berlin: Musterschmidt-Verlag (1955).
S. 95-114: Hysterische Charakterzüge. Kleists Penthesilea.
S. 115-144: Eine querulatorische Reaktion. Kleists Kohlhaas.

381. Hartl, Charlotte: Das Tragische zwischen Sein und Schein. Innsbruck: Universitätsverlag Wagner 1955. S. 71-82: Das Tragische und die Wirklichkeit des Daseins. (Kleist.)
Die Erschütterung durch das Kanterlebnis läßt Kleist das menschliche Sein im Sinne der Seinsanalyse Heideggers als ein Gegeneinander von Verborgenem und Offenbarem erkennen. Die Tragik der Kleistschen Gestalten liegt in der unscharfen Schau der Wirklichkeit. Sie geraten mit dieser in Konflikt, weil sie nicht zwischen Sein und Schein unterscheiden können. In Kleists späteren Werken nehmen sie ihr konkretes Geschick in ihren Willen auf und bejahen es. In der Hl. Cäcilie zeigt Kleist eine letzte Tragik: Die tragische Situation des Menschen im mysterium iniquitatis vor Gott.

382. Müller, Andreas: Landschaftserlebnis und Landschaftsbild. Studien zur deutschen Dichtung des 18. Jahrhunderts und der Romantik. (Stuttgart:) W. Kohlhammer (1955).
S. 202-204: Die Landschaft als Abbild der seelischen Kämpfe Kleists in seinen Briefen. Zustände der Landschaft werden in barocker Manier in Seelengeschichte verwandelt. Geringes Raumgefühl in den Dramen und Novellen.

383. Prang, Helmut: Irrtum und Mißverständnis in den Dichtungen Heinrich von Kleists. Erlangen: (Universitätsbund Erlangen e.V.) 1955. 66 S. (Erlanger Forschungen. Reihe A. Geisteswissenschaften. Bd. 5.)
Einleitung.
I. Dramen.
II. Novellen.
III. Anekdoten und Gedichte.
IV. Aufsätze und Briefe.
Den Begriffen "Irrtum" und "Mißverständnis" werden im Gegensatz zu Kleists Briefen in den Dramen und Novellen entscheidende Funktionen zugewiesen, soweit der Bereich des immanent Menschlichen in Betracht gezogen wird. Wo Göttliches einwirkt, wird die gefährliche Macht des Irrtums, die überall im menschlichen Verhalten oder Sprechen als Leitmotiv zutage tritt bzw. verborgen ist, gebrochen.
Bespr.: R. Ayrault: Etudes germaniques, A. 12, 1957, S. 174-175. - G. Fricke: Euphorion, Bd. 51, 1957, S. 340. - G. Konrad: Welt u. Wort, Jg. 11, 1956, S. 325. - H. H. H. Remak: Monatshefte (Madison), Vol. 49, 1957, S. 94-95. - D. F. S. Scott: Dt. Literaturztg., Jg. 78, 1957, Sp. 710-712. - Th. C. van Stockum: Neophilologus, Jg. 40, 1956, S. 324-325. - W. D. Williams: The Modern Language Review, Vol. 51, 1956, S. 628. - E. M. Wilkinson: German Life & Letters, N. S., Vol. 9, 1955/56, S. 320-321.

384. Tymms, Ralph: German Romantic Literature. London: Methuen (1955). S. 298-324: The Drama in the Romantic Period: Zacharias Werner (1768-1823) and Heinrich von Kleist (1777-1811).
S. 315-324: Kleists Dramen als solche haben unromantische Züge, teilen aber in ihrer individualistischen Eigenheit die romantische Auffassung von künstlerischer Freiheit. Nicht wie bei den Romantikern sind Kleists Gestalten durch äußere dunkle Gewalten beherrscht, sondern durch ihre unterbewußten Impulse. Diese widersprechen nicht der Realität, sondern decken sie vielmehr in einer überhöhten Form auf. Darin ist Kleist vor allem E. T. A. Hoffmann verwandt. Der allgemeinen Betrachtung folgen kurze Analysen der Dramen und Novellen.

385. Böckmann, Paul: Heinrich von Kleist. 1777-1811. In: Die großen Deutschen. Deutsche Biographie. Hrsg. von Hermann Heimpel, Theodor Heuss, Benno Reifenberg. Bd. 2. Berlin: Propyläen-Verlag (1956). S. 362-377. (Mit 2 Abb. u. Faksimiles aus dem "Phöbus".)
Das Inkommensurable der Gestalten Kleists erschließt sich erst durch die Darstellungweise im Ganzen des Werkes. Die dramatische Bewegung entwickelt sich aus der Zweideutigkeit der Situationen, deren Doppelsinnigkeit der Mensch nicht zu durchschauen vermag. Weder Gefühl noch sinnliche Wahrnehmung noch begriffliche Erkenntnis bieten die Gewähr, daß der Mensch seine Situation begreift. Die Dichtungen Kleists sind durch die Verrätselung des Daseins bestimmt, paradoxe Situationen und Motive kehren die Gebrechlichkeit der Welt hervor. Der Dialog enthält die dramatische Spannung zwischen Bewußtem und Unbewußtem, ohne daß die Vorgänge der tieferen Schichten der Seele ausgedrückt werden. Der Sprache der beobachtenden Wahrnehmung und logischen Erklärung begegnet das Paradox des Rätselhaften, so daß sie aus sich den dramatischen tragischen Vorgang entläßt.

386. Kommerell, Max: Die Sprache und das Unaussprechliche. Eine Betrachtung über Heinrich von Kleist. In: Kommerell, M.: Geist und Buchstabe der Dichtung. Goethe, Schiller, Kleist, Hölderlin. 4. Aufl. Frankfurt a. M.: V. Klostermann 1956. S. 243-317. [Zuerst 1937.]

387. Reimann, Paul: Hauptströmungen der deutschen Literatur. 1750-1848. Beiträge zu ihrer Geschichte und Kritik. Berlin: Dietz 1956. S. 464-473.
Kleist konnte als Angehöriger seiner Klasse sich nicht von deren Vorstellungen lösen und ging an seiner gesellschaftlichen Isolierung zugrunde. Seine realistischen Werke (Krug, Kohlhaas und einige Novellen) zeigen, was aus ihm hätte werden können, wenn er die Verbindung zu den werktätigen Massen aufgenommen hätte.

388. Riethmüller, Helmut: Wunder und Traum bei Heinrich von Kleist. Die Überwindung des "Unbegreiflichen" durch die "Bestimmung". Diss. Tübingen 1956. 1 Bl., 174 S. [Maschinenschr.]
Literaturverzeichnis.
Voraussetzung.
Untersuchung. Die Erfahrung des Unbegreiflichen. Die Gestaltung des Unbegreiflichen. Die Familie Schroffenstein. Robert Guiskard. Die Erzählungen. Das Erdbeben in Chili. Der Findling. Das Bettelweib von Locarno. Die hl. Cäcilie... Michael Kohlhaas. Der Zweikampf. Die Marquise von O... Amphitryon. Penthesilea. Die Zäsur zwischen den Dramen "Penthesilea" und "Das Käthchen von Heilbronn". Marionettengedanke und Bestimmungsproblem. Kleists Begegnung mit Gotthilf Heinrich Schubert. Das Käthchen von Heilbronn. Die Formung des Traumes. Die Hermannsschlacht. Prinz Friedrich von Homburg.
Ergebnis.
Die Erfahrung des Unbegreiflichen erschien Kleist zunächst als blinder Zufall, nachdem sein Versuch, das Leben nach rationalen Grundsätzen einzurichten gescheitert war. Dafür gelang ihm, das Unbegreifliche in seiner Dichtung zu objektivieren. Die in den Bereich der Handlung einbrechenden fremden Mächte, an denen seine Personen scheitern oder durch die sie innerste Kraft erfahren, werden im Wunder und im Traum dichterische Gestalt. Zur Erklärung der Behandlung des Unbegreiflichen dient auch das Marionettensymbol. Es versinnbildlicht zunächst den durch willkürlichen Zufall geleiteten Menschen (Schroffensteiner). In der Penthesilea findet die irdische Bestimmung, die den Menschen zur freien, selbständigen Persönlichkeit führen soll, Verwirklichung, Grenze und Untergang. Die Bekanntschaft mit Gotthilf Heinrich Schubert vermittelt Kleist eine neue Symbolbedeutung der Marionette, die er in seinem Käthchen gestaltet. In ihm wird die ewige Bestimmung des Menschen dargestellt, die ihm "Antigravität" verleiht. Der Homburg setzt die Käthchenfigur fort; aus dem passiv geführten Mädchen wird der aus seinem Bestimmungszentrum handelnde Mann, aus der Marionette ohne Bewußtsein entwickelt sich ein Wesen, dessen Bewußtsein durch ein Unendliches gegangen ist. In beiden Figuren sind die Gravität der Welt und des Bewußtseins überwunden, weil sie ihre ewige Bestimmung erfüllen, die sich mit Hilfe des Traums, des Somnambulismus und des Marionettensymbols ausdrücken läßt. Aus der Tragödie entwickelt sich als letztes Ziel Kleists das gelöste, antigrave Drama.

389. Fukami Shigeru: Kuraisuto ni okeru kigekisei. [Das Komische in den Dichtungen H. v. Kleists. Japanisch.] Quelle, 1957, Nr. 2, S. 11-20.

390. Zwischen Klassik und Romantik. (Hrsg. vom Kollektiv f. Literaturgesch. im Volkseigenen Verlag Volk u. Wissen. Bearb. u. Red.: Günter Albrecht u. Johannes Mittenzwei.) Berlin: Volk u. Wissen 1957. (Erläuterungen z. dt. Literatur.) S. 123-195: Heinrich von Kleist. (1777-1811.) (Mit 2 Abb.) - 2. bearb. Aufl. Ebda. 1960. S. 127-199.
S. 11-18: Bemerkungen zur literarhistorischen Einordnung Hölderlins, Jean Pauls und H. von Kleists.
S. 123-195: Heinrich von Kleist.
{1777.1811.} Ein tragisches Dichterleben. "Der zerbrochene Krug." "Michael Kohlhaas." Die übrigen Novellen. Anekdoten. "Die Hermannsschlacht." Aufsätze zur Kunsttheorie. "Prinz Friedrich von Homburg."
Biographische Daten. Bibliographische Angaben.
Darstellung für Lehrer.
Bespr.: Deutschunterricht (Berlin), Jg. 11, 1958, S. 164-166. [Unterz.: be - al.]

391. Koch, Friedrich: Heinrich von Kleist. Bewußtsein und Wirklichkeit. Stuttgart: J. B. Metzler 1958. 4 Bl., 364 S.
Vorwort.
Einleitung: Heinrich von Kleists Leben.
I. Das Grunderlebnis. 1. Die Zerstörung des Bewußtseins als die Grundsituation der Dichtung Kleists. 2. Die Krise des Bewußtseins, das Grunderlebnis Kleists. 3. Das Tragische bei Kleist.
II. Bewußtsein und Wirklichkeit. 1. Die Krise des absoluten Denkens und das Versehen an der Wirklichkeit. "Die Familie Schroffenstein" / "Die Verlobung in St. Domingo" und "Das Erdbeben in Chili" / "Der zerbrochne Krug". 2. Die Krise des absoluten Wollens (1. Abschnitt): "Robert Guiskard". 3. Die Verherrlichung des absoluten Gefühls. Die neue Haltung / "Die Marquise von O..." / "Amphitryon" / "Der Zweikampf". 4. Die Krise des absoluten Wollens (2. Abschnitt): "Penthesilea". Die Krise von 1806 / "Penthesilea": die Handlung / "Penthesilea": das Amazonentum / "Das Käthchen von Heilbronn". 5. Die Hinwendung zum Vaterland. 6. "Prinz Friedrich von Homburg". Die Ausgangslage / Der Weg des Prinzen / Der Kurfürst / Die strukturelle Analogie zum Verhältnis von Gott und Mensch in christlicher Sicht. 7. Der Rhythmus des Kleistschen Erlebens. 8. "Michael Kohlhaas". Die Handlung / Das Verhältnis des Einzelnen zum Staat. 9. Kleists Ende.
Anhang. 1. Der späte Prosastil Heinrich von Kleists. 2. Zeittafel. 3. Anmerkungen. 4. Literatur.
Register.
Bespr.: R. Ayrault: Etudes germaniques, A. 14, 1959, S. 180-181. - G. Baumann: Archiv f. d. Studium d. neueren Sprachen, Bd. 197, 1960/61, S. 321-322. - K. O. Conrady: Wirkendes Wort, Jg. 10, 1959/60, S. 251-252. - M. Hamburger: German Life & Letters, N. S., Vol. 13, 1959/60, S. 78-79. - B. von Heiseler: Christ u. Welt; 27. Nov. 1958. - F. W. Kaufmann: The Journal of English and Germanic Philology, Vol. 58, 1959, S. 504-505. - R. Kluth: Bücherei u. Bildung, Jg. 11, 1959, S. 54. - G. Konrad: Welt u. Wort, Jg. 14, 1959, S. 38. - R. Michaelis: Stuttgarter Ztg., 20. Sept. 1958. - W. K. Pfeiler: Erasmus, Vol. 12, 1959, Sp. 351-353. - D. Rasmussen: Nr. 218. 1959. - W. Silz: The Germanic Review, Vol. 35, 1960, S. 307-311.

392. Markwardt, Bruno: Geschichte der deutschen Poetik. Bd. 3. Klassik und Romantik. Berlin: W. de Gruyter 1958. (Grundriß d. German. Philologie. 13/III.)
S. 183-185: Hölderlin und Kleist. Marionettentheater. "Kritik des reinen Gefühls."
S. 368-383: Kants Einfluß auf Kleists künstlerisches Schaffen. Kleists "Kritik des reinen Gefühls" gegen Kants "Kritik der reinen Vernunft". Wie Kant spürte Kleist den Grenzen der Gefühlserkenntnis nach im Sinne der Erprobung der Verläßlichkeit und Reichweite des "reinen Gefühls". Tragik entsteht bei Kleist, wo das reine Gefühl versagt. "Gefühlsverwirrung" als Mittel seiner Kritik des reinen Gefühls. Der "magische Kritizismus" verbindet Kleist mit der jüngeren Romantik. Polarität von Ausdruckskunst und Realismus in Kleists Kunstwollen. Verhältnis zur Musik als Urkunst und musikalische Kompositionsart, Unmittelbarkeit des Ausdrucks als "Wesen und Kern der Poesie" bei Kleist. Abkehr von der Klassik, Sprache und Form als Hilfsmittel, nicht als Eigenwert.
S. 626-637: Anmerkungen. Mit kritischen Besprechungen von Kleist-Literatur.
S. 637-650: Kleist (Exkurs: werkimmanente Poetik). Nähere Erläuterungen zu dem vom Verf. geprägten Begriff "Kritik des reinen Gefühls". Vernunftsidealismus bei Kant und Gefühlsidealismus bei Kleist.
Kleists Poetik im Grenzbereich der Epochenstile (Romantik und Realismus) und der Gattungsstile (Tragik und Tragikomik). Auseinandersetzung mit der soziologischen Literaturbetrachtung (Lukács). Gesetzlichkeit des Rhythmischen in Kleists Kunstschaffen (Ballung und Entladung). Bevorzugung von Drama und Novelle. Das Tragische im Dienst der Kritik des reinen Gefühls. Gefühlsrigorismus. Gefühl als Zugang zum Weltverstehen. Kleists künstlerische Wirkung liegt in der Transformation des Transzendenten, die der Wirklichkeit ihr Recht zubilligt. Siehe auch Register.

393. Traverso, Leone: Drammi, novelle, epistolario di H. von Kleist. Studi Urbinati di storia, filosofia e letteratura, N. S. B, A. 32, 1958, Nr. 1/2, S. 16-64.
Su "Roberto il Guiscardo". Sulla "Brocca rotta". Sull' "Anfitrione". Sulla "Käthchen di Heilbronn". Sulla "Pentesilea". Sul "Pricipe di Homburg". Novelle e altri scritti in prosa. Sull' epistolario.
Interpretationen der Werke und Würdigung Kleists.

394. Ishii Yasuo: Das Tragische und seine Abwandlung ins Gegenteil bei Heinrich von Kleist. [Deutsch.] Doitsu bungaku (Tokyo), 1959, [H.] 22, S. 78-88.

395. Wensinger, Arthur Stevens: An Introduction to the Problem of "Gesture" in Heinrich von Kleist and his Works. Diss. Michigan 1959. VII, 373 S. [Maschinenschr.] Vgl. Dissertation Abstracts, Vol. 20, 1959, S. 1797.
Nur wenige Zeitgenossen und moderne Kritiker haben das "Rätselhafte", "Stille" und "Wahre" in Kleists Natur erkannt. Jenseitige Offenbarungen, die Kleist in Form unmittelbarer Mitteilungen erfuhr, versuchte er in einer für seine Zeit ungewöhnlichen Sprache, als "Gebärdensprache" und "Sprachgebärde", auszudrücken. Dazu dienten ihm Pantomime, Gesten, abgebrochene Sätze und Ausrufe, aber auch die Sprache selbst. Eine Untersuchung der Rolle, die Kleists Gebärdensprache in der neueren Forschung einnimmt (Kapitel I u. II), der zeitgenössischen Urteile über Kleist (Kapitel III - A) und ein neues Studium seiner Briefe und kurzen theoretischen Schriften (Kapitel III - B u. C) sollen zu einem genaueren Lesen und Interpretieren von Kleists Dramen und Novellen führen und das Innerste der Dichtung Kleists erhellen. Die gewonnen Erkenntnisse werden auf die Werke, besonders auf die Dramen angewandt, da hier die Gegenüberstellung und Abwechslung von Ausgesprochenem und Unausgesprochenem besonders evident ist. In einem Anhang werden vier Szenen aus der Penthesilea entsprechend interpretiert. Das Ziel der Arbeit ist, durch eine Vielfalt der Methoden eine Vereinigung des "Intrinsic Approach" moderner amerikanischer Kritiker mit der "Interpretation" solcher Literaturwissenschaftler wie Emil Staiger und Wolfgang Kayser zu erreichen und, gestützt auf die Ergebnisse editorischer und biographischer Forschung, das in der Arbeit ausgewertete Material in eine neue und intime Verbindung mit Kleists Werken selbst zu bringen und die verschiedenen Elemente seines Stils zu erforschen, unter denen die Gebärdensprache eine der stärksten Äußerungen ist. [Nach Mitteilung d. Verf.; s. auch Selbstreferat in Germanistik, Jg. 1, 1960, S. 369.]

395 a. Singer, Herbert: Kleists "Verhöre" In: Studio di onore die Lorenzo Bianchi. ([Schriftleitung:] Mario Pensa, Horst Rüdiger.) Bologna: Zanichelli (1960). S. 423-442.

396. Beißner, Friedrich: Unvorgreifliche Gedanken über den Sprachrythmus: In: Festschrift Paul Kluckhohn und Herman Schneider gewidmet zu ihrem 60. Geburtstag. Hrsg. von ihren Tübinger Schülern. Tübingen. J. C. B. Mohr (P. Siebeck) 1948. S. 427-444.
Kleists Ausspruch, daß der Generalbaß die wichtigsten Aufschlüsse über die Dichtkunst enthält, wird im Sinne handwerklicher Gesetzmäßigkeit und Zuverlässigkeit der Kunstmittel, durch die das Schöne hervorgebracht wird, interpretiert. Entgegen früheren Beurteilungen wird die Eigengesetzlichkeit des Kleistschen Stils mit seinen Schachtelungen (Auseinanderreißen zusammengehörender Satzteile durch Einschübe und Partizipalkonstruktionen) als Mittel der Darstellung inhaltlicher Vorgänge nachgewiesen wie auch die Ähnlichkeit des Stils in Kleists dramatischen und epischen Werken. Das sinntragende Wort als Element des Rhythmus, seine Länge oder Kürze und seine Stellung im Satz, der Widerstreit zwischen Rhythmus und Metrum, die rastlose Unverzüglichkeit des Berichtes im Gegensatz zur Umständlichkeit in der Ausführung, die Isolierung der Satzglieder durch Einschübe, der Wechsel zwischen stauenden, schachtelnden Passagen und gelösteren, ebenmäßigen, sind Grundgebärde des Kleistischen Stilwillens. Dieser ist nie willkürlich oder gar nachlässig, sondern selbst in leidenschaftlichen Sätzen genau überlegt. Auch schwere Anakoluthe dienen einer bestimmten Sinngebung. Erst eine genaue Untersuchung der Eigentümlichkeit des dichterischen Ausdrucks führt zu Kleists schwer deutbaren geistigen Erscheinung und wurde bisher von geistesgeschichtlichen Deutungen zu wenig oder gar nicht beachtet. Die Doppeldeutigkeit der Dichtung, zugleich schöne Form und Gefäß eines durchgängigen Sinnzusammenhangs zu sein, hat eine Arbeitsteilung zwischen geistesgeschichtlicher Betrachtung und Formanalyse verursacht, die überwunden werden muß, wenn das Werk des Dichters erschöpfend ausgedeutet werden soll.

397. Heiseler, Bernt von: Kleist und seine Sprachkunst. In: Heiseler, B. von: Ahnung und Aussage. Essays. (Neue erw. Ausg.) (Gütersloh:) C. Bertelsmann (1952). S. 19-29. [Zuerst 1937.]
In seinem Aufsatz "Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden" deckt Kleist die Gesetze seiner Sprachkunst auf und eröffnet zugleich den tiefsten Einblick in den Geist seiner Dichtung. Er lehrt, daß das Schicksal die Rolle des sokratischen Lehrers übernimmt und zur "Hebamme" am Geist seiner Geschöpfe wird. Diese sind keine fertigen Charaktere, sondern bewähren sich erst unter dem Druck des Schicksals als das, was sie sein können. Aus der Gefährdung des Augenblicks erwächst die Klärung des Gefühls, zeigt sich die wahre Natur des Menschen. Getreuer Spiegel der inneren Vorgänge ist Kleists Sprachkunst: die dramatische Rede ist nie vorbedacht, sondern entwickelt sich aus dem Augenblick, gehemmt und gesteigert durch das Gegenüber.

398. Langen, August: Deutsche Sprachgeschichte vom Barock bis zur Gegenwart. In: Deutsche Philologie im Aufriß. Unter Mitarb. zahlreicher Fachgelehrter hrsg. von Wolfgang Stammler. Bd. 1. (Berlin, Bielefeld:) E. Schmidt (1952). Sp. 1357-61: Kleist. - 2., überarb. Aufl. Ebda. (1957). Sp. 1220-24.

399. Hubberten, Hans-Günter: Form und Rhythmus in der gebundenen Dichtung Heinrich von Kleists. Diss. Tübingen 1953. 266 S. [Maschinenschr.]
I. Einleitung.
II. Vergleichende Analysen. A. Prosa. 1. Klopstock. 2. Jünger. 3. Goethe. 4. Rilke. 5. Kleist. 6. Vergleich. B. Vers. 1. Wieland. 2. Goethe. 3. Hofmannsthal. 4. Schiller. 5. Kleist. 6. Vergleich.
III. Begriffserklärung, Fragestellung und Methode.
IV. Die Gedichte.
V. Die Dramen. A. Einführung. B. Untersuchungen [sämtlicher 8 Dramen]. C. Auswertung. 1. Versbehandlung. 2. Der persönliche Rhythmus des Dichters. 3. Die Bearbeitungen.
VI. Zusammenfassung.
Die Beziehungen zwischen persönlicher Sprachbewegung (Rhythmus) und Versmaß bei Kleist werden zunächst in der Lyrik, darauf in der dramatischen Dichtung untersucht, nachdem der Begriff der persönlichen Sprachbewegung an Hand einiger Prosa- und Verspartien von verschiedenen Dichtern analysiert worden ist. In der Lyrik Kleists findet eine echte Auseinandersetzung zwischen Rhythmus und Versmaß statt. Die strenge Form des lyrischen Versmaßes schränkt den persönlichen Rhythmus des Satzes ein, eine Aufgabe, die Kleist bei jambischen und trochäischen Versmaßen künstlerisch meisterte, während ihm daktylische Versmaße nicht gelangen. Die Bewältigung der Form im Gedicht widerlegt die Fabel von der ungebändigten Sprache Kleists. - In der dramatischen Dichtung überwiegt die individuelle Ausdruckskraft; der Blankvers wird bis an die Grenze seiner Elastizität beansprucht und erscheint als reines Schema ohne Eigenwert, was jedoch auf eine besondere künstlerische Absicht schließen läßt, da Kleist sich in der Lyrik als Meister der Form erwiesen hat. In der Familie Schroffenstein ist allerdings das Versmaß noch nicht bewältigt, der Rhythmus überwiegt, aber im Guiskard überwiegt wie schon in den Gedichten die Zucht der Form. In den folgenden hochdramatischen Dichtungen Amphitryon, Zerbrochener Krug und Penthesilea ist der Vers meisterhaft beherrscht, tritt aber an Bedeutung hinter der Sprachbewegung zurück. Käthchen und Hermannsschlacht weisen glattere, bzw. geringere Versbeherrschung auf, die den jeweiligen Anliegen beider Stücke entsprechen. Im Homburg entzündet sich die persönliche Sprachbewegung am Zwang des Versmaßes zu voller, klassischer Wirkung. Beide Komponenten bilden eine vollkommene Einheit. - Die Entwicklung zeigt, daß Kleist nicht als expressiver Stürmer und Dränger begann, sondern von Anbeginn die strenge Form anstrebte. In den Dramen der Reifezeit zeigt sich die souveräne Beherrschung der Form in deren Absorbierung durch die individuelle Ausdruckskraft und Dynamik der Sprache; im letzten, künstlerisch reifsten Werk gelingt die Synthese zwischen formaler Erfüllung und individuellem Ausdrucksstreben.

400. Kahlen, Irene: Der Sprachrhythmus im Prosawerk Heinrich von Kleists. Diss. Tübingen 1953. 168 S., 2 Bl. [Maschinenschr.]
I. Einleitung. A. Einführung in das Problem. B. Interpretation: Das Bettelweib von Locarno. C. Entwicklung der Methode.
II. Analyse. A. Rhythmus im Silbenfall. B. Rhythmus im Satz. C. Rhythmus im Aufbau.
III. Zusammenfassung. A. Rhythmus in den Gattungen. B. Rhythmus der dichterischen Persönlichkeit.
Durch das ganze Werk Kleists, in Alltags- und Kunstsprache, geht eine Rhythmuslinie, die sich in Silben- und Satzgruppen, Abschnitten und ganzen Prosastücken als Ausdruck eines bewußt ordnenden Gestaltungswillens auswirkt. Den seiner Anlage nach stark dramatischen Satz hält ein bis in die Teile wirkender Spannungsbogen als Ganzes zusammen, unterteilt in zahlreiche kleinere rhythmische Gruppen, die die Bewegung dramatisch gestalten. Am deutlichsten ist der Sprachrhythmus in den Briefen ausgeprägt, die ihn zwar ungeordnet und willkürlich, aber typisch wiedergeben und dem Prosakunstwerk in der rhythmischen Gestaltung näher stehen als die theoretischen Schriften. Der Struktur der einzelnen Sätze entspricht die Komposition der Gesamtkunstwerke. Der rhythmische Aufbau zeigt Steigerung, Höhepunkt, Auslauf, wobei keine wesentlichen Unterschiede zwischen Prosa und Versdichtung festgestellt werden. Der Sprachrhythmus der Prosa entspringt weniger dem feilenden Bemühen um den besten Ausdruck, als einer dem Dichter eigenen gestalterischen Begabung. Dem Sprachkünstler Kleist wird die Möglichkeit einer weiteren sprachrhythmischen Entwicklung bei längerer Lebenszeit abgesprochen.
Jancke, O.: Kunst und Reichtum deutscher Prosa von Lessing bis Thomas Mann. [s. Nr. 144.] 1954. S. 181-189.

401. Abe Takatoshi: Kuraisuto no buntai no ritsudosei. [Der Rhythmus im Stil H. v. Kleists. Japanisch.] Jimbun kagaku (Bulletin of Gakugei-gakubu, Oita University), 1955, Nr. 4.

402. Albrecht, Hans: Die Bilder in den Dramen Heinrich von Kleists. Ihr Wesen und ihre Bedeutung. Diss. Freiburg 1955. 2 Bl., 233 S. [Maschinenschr.]
Einleitung.
I. Weltlosigkeit. 1) Die Verwendung der in der Sprache vorgefundenen Bildlichkeit, a) Tiernamen und Tiermotive, b) sonstige Verwertung, c) das Motiv von Licht und Finsternis. 2) Übernahme aus anderen Dichtungen. 3) Wiederholungen im eigenen Werk.
II. Dramatische Elemente. 1) Die dramatische Funktion des Bildes. 2) Die Einordnung des Bildes, a) Die Form des Vergleichs, b) grammatische Verbindungen, c) Vertretung der eigentlichen Aussage, d) Beziehungswörter.
III. Emotionale Bildlichkeit. 1) Ungenauigkeiten innerhalb des Bildlichen, a) einzelne Wörter, b) unprägnante Bilder, c) Bilderfolgen. 2) Bedeutungslosigkeit logischer und grammatischer Beziehungen, a) unlogische Verhältnisse, b) Bedeutungslosigkeit grammatischer Beziehungen. 3) Hyperbel und Antithetik, a) Übertreibungen, b) Zahlen, c) Antithetik. 4) Die Häufung, a) mehrfache Umschreibungen, b) Steigerung durch die Reihenfolge, c) Wiederholungen. 5) Intensität / Bedeutung des Klanges, a) Namen / fremdartige Klänge, b) Schimpfworte / Zusammensetzungen, c) Farb- und Stoffbeziehungen, d) Verbalmetaphern.
Schlußbemerkung.
Anmerkungen.
Literatur.
In der dramatischen Dichtung weist das Bild über sich hinaus auf eine noch zu schaffende Welt, ist nur Andeutung und dient zur Umschreibung des Eigentlichen. Anstelle des in der epischen Dichtung gebrauchten Bildes als Symbol für das Allgemeine tritt im Drama die Metapher. Der Gebrauch des Bildes bei Kleist ist, im Gegensatz zu allen anderen Dramatikern, Teil der subjektiv beschränkten und relativen Ausdrucksmöglichkeit der Sprache, die nicht geeignet ist, absolut und objektiv Gültiges auszusagen. Die Zusammengehörigkeit von Bild und objektiv gültiger Welt ist bei Kleist nicht vorhanden; die Sprache kann Wahrheit und Wirklichkeit nicht aussagen. Der Sprechende selbst ist ein Rätsel und seine Aussage voller Irrtum. Das Schwergewicht des Bildes bei Kleist liegt daher nicht auf der inhaltlichen Aussage, sondern auf klanglichen und rhythmischen Elementen. Es ist emotionaler Bestandteil der Sprache. Kennzeichen der Bilder Kleists sind 1.) die Weltlosigkeit, die dem Fehlen einer objektiv-gültigen Wirklichkeit, Kleists eigentlicher Tragik, entspricht; 2.) das Problem der Dramatik Kleists, den Charakter als Rätsel zu sehen, wodurch das Bild an der dadurch bedingten dramatischen Spannung beteiligt wird; 3.) die Verlagerung des Gewichtes des Bildes auf das Gefühl anstelle der inhaltlichen Aussage. Kleist verwendet vorgegebene Bilder aus zwei Bereichen: der Sprache selbst und Dichtungen anderer. Sein Bilderbestand ist nicht groß infolge seiner Weltlosigkeit. Typisch dafür ist die Rückwendung zur eigenen Sprache, die bewußte Auswertung der Bildlichkeit der Umgangssprache und der Gebrauch von Wiederholungen. Als dramatisches Element erzeugt sein Bild Spannung durch Andeutung eines Stichwortes, oder es dient der Enträtselung der Wahrheit im Dialog. Eine Untersuchung der grammatischen Form der Bilder ergibt die Unterordnung des bildlichen unter den eigentlichen Bereich, Ungenauigkeiten und Widersprüche zeigen den Vorrang des Emotionalen. Der Mangel an objektiver Gestaltung der Aussage ist Zeichen von Kleists subjektiver Gebundenheit und seiner Not, nicht wissen zu können. Die wesentlichen Aufschlüsse, die seine Bilder geben, liegen nicht im Inhaltlichen, sondern im Subjektiven, Relativen, Widersprüchlichen. Eigentliche Tragödien hat Kleist nur zwei geschrieben: Die Familie Schroffenstein und Penthesilea; aber in den unbewußten Voraussetzungen und inneren Verhältnissen seiner dichterischen Ausdrucksweise wird seine eigentliche Tragik offenbar.

403. Hohoff: Curt: Wenn man über nichts schreibt. Ein Versuch über "reine Dichtung". Der Tag (Berlin), 24. Juni 1956.
Zu Kleists Brief an Ulrike vom 1. April 1801, der als Beispiel für eine inhaltlose Dichtung angeführt wird.

404. Haller, Rudolf: Studie über den deutschen Blankvers. Dt. Vierteljahrsschr. f. Literaturwiss. u. Geistesgesch., Jg. 31, 1957, S. 380-424.
Kleists Blankvers wird häufig erwähnt.

405. Storz, Gerhard: Sprache und Dichtung. München: Kösel-Verlag (1957).
S. 74-76: Strukturuntersuchung eines Satzes aus dem Kohlhaas.
S. 199-201: Wechsel von direkter und indirekter Rede als Stilmittel in der Marquise von O. Siehe auch Register.

406. Jung, Gerhard: Dialogische Bilder in Kleists Verssprache. Die Sammlung, Jg. 13, 1958, S. 578-579.
Weiterführung einer Metapher im dramatischen Dialog (Penthesilea, Schlußworte im Homburg II, 6), die die innere Übereinstimmung der Sprechenden zum Ausdruck bringt.

407. Keller, Marie Louise, geb. Stock: Die Bildlichkeit in der Tragödie Heinrich von Kleists. Bilder als Phänomene des Tragischen. Diss. Tübingen 1959. 211 S. [Maschinenschr.]
Einleitung: Die Fragestellung. 1. Probleme der Kleist-Deutung. 2. Probleme der Erfassung des dichterischen Bildes.
I. Hauptteil: Allgemeine Strukturen des Kleistschen Sprachbildes. Die sprachlichen Formen und die Form des Sprechens. 1. Formen der Vergleichung. a) Der einfache Vergleich. b) Der negative und der komperativische Vergleich. c) Der konjunktivisch-irreale Vergleich. d) Zusammenfassung: Die hyperbolische Bewegung der Sprache im Vergleich. 2. Formen der Metaphorik. a) Die allegorisierende Metapher. b) Die bildliche ("urmetaphorische") Verbalmetapher. 1. Der Befund. 2. Überlegungen zur Struktur der Metapher. 3. Der "unmetaphorische" Sinn der Kleistschen Metapher. c) Das lyrische Sphärenbild. 3. Grenzformen der Bildlichkeit. a) Die Verdinglichung des Undinglichen. b) Die dramatisierende Personifikation. c) Das Monstregefüge. 4. Zusammenschau: Tragisches Sprechen. Zwischenteil: Das Weltverhältnis im Entwurf des Kleistschen Sprachbildes. 1. Der allgemeine Charakter der Kleistschen Bilddinge. 2. Das Problem des Kleistschen "Realismus". 3. Das Problem des Kleistschen "Idealismus". 4. Zusammenschau: Tragisches Weltverhältnis.
II. Hauptteil: Der Aufriß Kleistscher Dramatik im Bild. Die Gestalt des tragischen Menschen. 1. Die Familie Schroffenstein. a) Der formale Charakter der tragenden Bildschicht. b) Bildliche Leitmotive und ihre gesamtdramatische Bedeutsamkeit [usw. für alle Dramen, außer Krug]. 8. Zusammenschau: Die Geschichte der Seele in Bildern.
Schluß: Ein-Bildung tragischen Daseins ins Werk. Der Mensch unter dem Gesetz.
Anhang.
Literaturverzeichnis.
Auf Grund phänomenologischer Sprachbetrachtung wird von der bildlichen Erscheinung im Zentrum des Sprachwerkes auf die existentielle Wurzel in der Menschlichkeit des Dichters geschlossen. Die das idealische Ich betonende Kleist-Interpretation G. Frickes läßt sich durch eine Untersuchung der angefochtenen innerweltlichen Realität des Kleistschen Daseins ergänzen. Aus dem Gegeneinander beider an sich berechtigten Dimensionen, der idealen wie der realen, erwächst die seinsmäßige Spannung, die sich bei Kleist in dichterische Tragödie umsetzt. Der 1. Hauptteil bringt eine Analyse des Bildgebrauchs und der durch diesen zutage tretenden Aussagekraft eines Bildes ohne Rücksicht auf den Inhalt. Im 2. Hauptteil wird der Gegenstand der Formung, also die ganze Bildgestalt, sowie die funktionale Verwurzelung der Bilder im gesamtdramatischen Geschehen betrachtet. Im Bilde, dessen eigentlicher Gegenstand der Mensch in seiner dramatisch-tragischen Existenz ist, verdichtet sich die gehaltliche Substanz des Kleistschen Dramas. Den dramatischen Grundsituationen entsprechen sich stereotyp wiederholende Bildmotive. Die bildliche Leitmotivik weist auf den Urvorgang dramatischer Handlung bei Kleist: den Einbruch einer als ungeheuer erfahrenen Störung der göttlichen Bestimmung, also dessen, was sein soll, und die maßlose Reaktion des empörten Gefühls. Kleists Lebenstragik wurzelt in der Sorge, seine nur ihm allein aufgetragene göttliche Bestimmung nicht erfüllen zu können. - Der Anhang setzt sich mit der Dissertation von Hans Albrecht, 1955, auseinander.

408. Rudolph, Gerhard: Die Epoche als Strukturelement in der dichterischen Welt. Zur Deutung der Sprache Heinrichs von Kleist und Achims von Arnim: German.-roman. Monatsschr., N. F., Bd. 9, 1959, S. 118-139.
S. 118-133: Heinrich von Kleist. Die Form wird bestimmt durch das Sinnerlebnis, worunter bei Kleist die Erfahrung zu verstehen ist, daß alles menschliche Sprechen und Handeln offen bleiben muß, da jederzeit etwas Neues, Transzendentes in die Welt des Menschen einbrechen kann. Kleists Sprachform ist somit nicht geschlossen, sondern bleibt für Einfügungen offen. Geschehnisfolge, auf die sich der Spannungsbogen seiner hypotaktisch gebauten Sätze stützt, und eingefügte Erklärungen der näheren Umstände sind die beiden Strukturelemente der Prosa Kleists. Die Wirklichkeit, auf die sein Sprechen bezogen ist, bleibt dunkel und fremd, sie wird nicht formend abgewandelt, sondern ungebrochen als eigenständiges Element in seine Dichtung einbezogen. Kleists dichterische Welt entsteht als Abgrenzung von der Wirklichkeit, ist ständig immanente Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, ohne je zum Ausgleich zu kommen. Ihre Struktur weist auf die Überwindung des Idealismus hin, der beide Elemente, dichterische Welt und Wirklichkeit, in Einklang zu bringen wußte. Aus der Struktur einer Dichtung fällt Licht auf die Struktur einer Epoche, und mit dieser Erkenntnis ist ein Weg beschritten, der zu einer Synthese zwischen bislang voraussetzungsloser Literaturwissenschaft und Literaturgeschichte bzw. Geisteswissenschaft führen könnte.

409. Schneider, Karl Ludwig: Heinrich von Kleist. Über ein Ausdrucksprinzip seines Stils. In: Libris et litteris. Festschrift für Hermann Tiemann zum 60. Geburtstag am 9. Juli 1959. (Hrsg. von Christian Voigt u. Erich Zimmermann.) Hamburg: Maximilian-Gesellschaft (1959). S. 258-271.
Kleists Satzverschränkungen sind nicht simple grammatische Defekte, wie frühere Stilanalysen annahmen, sondern organische Äußerungsformen eines ursprünglichen dramatischen Welterlebens und dienen der Erhöhung der Spannung. Durch Exponierung von Wörtern und Wortgruppen werden der Phantasie bestimmte, als erste ins Auge fallende Bilder eingeprägt und Vorgänge der Handlung konkret vergegenwärtigt. Die Technik des Mitausdrucks, der Entsprechung von Satzgestaltung und Aussageinhalt, verleiht der Sprache selbst Aktionscharakter. Stilmittel wie abweichende Wortstellung, polysyndetische Satzgestaltungen, sukzessive Darstellung von Vorgängen u. a. sind schon bei Klopstock zu finden, dessen kühne Behandlung der Wortfolge die Voraussetzungen für Kleists Sprachkunst schuf.

410. Steinbach, Dietrich: Die dramatische Gestaltformel Heinrich von Kleists. Studien zum Stil des Dichters. Diss. Tübingen 1959. 1 Bl., 241 S. [Maschinenschr.]
Vorwort.
Grundlegung: Kleists Begriff von der Dichtung.
Die "Bach"-Anekdote als Modell der dramatischen Gestaltformel.
Die syntaktische und kompositorische Ausprägung der dramatischen Gestaltformel. 1. Die syntaktische Ausprägung. 2. Die kompositorische Ausprägung.
Die szenische Ausprägung der dramatischen Gestaltformel. 1. Der Schauplatz. 2. Die szenische Gliederung: Der Auftritt. a) Die Konstituierung des Auftritts. b) Die äußeren Mittel des Auftritts: Schauplatz, Szenerie, Requisiten. 3. Die "Dramatische Mimik": Die Gebärde. 4. Die Dramatische Rede: Der Dialog. 5. Die szenische Perspektivität.
Die Gestaltformel als Lebensformel.
Die "Gestaltformel" ist das der Vers- und Prosadichtung Kleists innewohnende Gesetz (die "algebraische Formel"), die durch genaue Werkinterpretation ermittelt werden kann. Sie ist bei Kleist wesenhaft dramatisch, wie eine Analyse von Syntax und Struktur der Bach-Anekdote ergibt. Die für Kleist charakteristische Gleichzeitigkeit von Denken und Sprechen ergibt einen besonderen Sprachrhythmus, der durch die hypotaktische Schicht- und Stufenform des Satzes (Torossenform), die vorwärtsdrängende Energie der Satzkonstruktion (der "Lauf zum Ziele") über stauende, nachholende Hindernisse hinweg, schließlich durch die endgültige Aufhebung der Spannung am Ziel als Auflösung eines ursprünglichen Widerspruchs gekennzeichnet ist. Dasselbe gilt für die kompositorische Gestaltung der Dramen und Novellen. Der Aufbau des Satzes entspricht dem Aufbau des ganzen, so daß man pointiert vom Aufbau der Dramen und Novellen als vielfach erweiterten Perioden sprechen kann, deren einzelne Szenen und Abschnitte in ihrer Funktion den einzelnen Satzteilen entsprechen. Mittelpunkt des in Szene gesetzten Geschehens ist der Mensch in der Situation der Auseinandersetzung (Agon), die sich dialogisch und mimisch vor dem Hintergrund eines szenischen Schauplatzes ereignet. Dem syntaktischen und kompositorischen Funktionalismus von Satz und Struktur entspricht eine existentielle Lebenserfahrung: die paradoxe Situation der Isolierung und zugleich Verflochtenheit in bezug auf die Welt, die als Widerspruch erlebt wird und unbedingt aufgelöst werden muß. Die dramatische Gestaltformel Kleists ist Ausdruck seines Persönlichkeits-Rhythmus, so daß sich am Ende der Untersuchung die Gleichung "Gestaltformel - Lebensformel" nach einer vom objektiv Gegebenen ausgehenden Analyse des Sprachrhythmus aufstellen läßt. Als Grundformel der Kleistischen Existenz ergibt sich das agonale Prinzip, der unbedingte Kampf, der unter dem "Gesetz des Widerspruchs" und des "voreiligen Laufes zum Ziele" steht - gedeutet als Kampf des Kleistischen absoluten Gefühls mit den Widerständen der Außenwelt und des eigenen Innern - und als Spannung auftritt, die notwendig in der Selbstaufhebung ihre pointierte Lösung findet.

Briefe

411. Brügger, Hans-Horst: Die Briefe Heinrich von Kleists. Diss. Zürich 1946. Zürich-Höngg 1946: A. Moos. 116 S.
Einleitung und Abgrenzung der Arbeit.
I. Die Form der Briefe. 1. Anfänge. a) Der Brief an A. H. von Massow, vom 13.-18. März 1793. b) Der Brief an Ulrike von Kleist, vom 25. Februar 1795. c) Der Brief an Chr. E. Martini, vom 18. und 19. März 1799. 2. Von 1799 bis zum März 1801. a) Äußerungen Kleists über Brief, Gespräch und Aufsatz. b) Der Brief an Wilhelmine von Zenge, Anfang 1800. c) Der Brief an Ulrike von Kleist, vom 21. August 1800. d) Der Brief an Wilhelmine von Zenge, vom 16. August 1800. e) Zusammenfassung. 3. Vom April 1801 bis zum Mai 1802. a) Der Brief an Karoline von Schlieben, vom 18. Juli 1801. b) Der Brief an Wilhelmine von Zenge, vom 15. August 1801. c) Der Brief an Heinrich Zschokke, vom 1. Februar 1802. 4. Vom Juni 1802 bis zum November 1811.
II. Kleist in seinen Briefen.
Schlußbetrachtung.
Literaturverzeichnis.
Die angeführten Briefe werden nach ihrer formalen Bedeutung und nach ihrer Struktur als Kriterium einer Darstellung des Dichters untersucht. In der rationalistischen Periode überwiegt der dem Aufsatz angeglichene, bewußt ein bestimmtes, meist dem Lebensplan dienendes Thema behandelnde Brief, dessen Sprache reflektiert, rhetorisch ist. Erst nach dem Scheitern des Lebensplanes (Brief an Wilhelmine, 15. Aug. 1801) hört der Brief auf, Werk und Form zu sein; das Stoffliche, Inhalt und Zufall des Mitgeteilten, überwiegt.
Die Briefe aus der Zeit des Lebensplanes, die als Rechenschaftsbericht für eine höhere Instanz, die Ratio, aufzufassen sind, weisen kaum eine Beziehung zwischen Briefschreiber und Empfänger auf, sie sind von narzißhafter Selbstbespiegelung. Dem entspricht die monologische Form der Briefe, die den Partner nur als Objekt, nicht als Individuum wertet. Die Briefe nach 1801 zeigen an Stelle der restlosen Unterordnung des Du unter das Ich des Schreibers, die die frühen Briefe beherrschte, eine Interessengemeinschaft beider Briefpartner, ohne daß es bei Kleist zu einer echten menschlichen Beziehung kommt. Seine Ichbezogenheit bleibt erhalten.
Sembdner, H.: Kleine Beiträge zur Kleist-Forschung. [s. Nr. 635.] 1953.
Sembdner, H.: Zu Heinrich und Marie von Kleist. [s. Nr. 284.] 1957.

412. Bumke, Joachim: Zu Kleists Briefen. I. Ein unbeachteter Brief. II. Ein ungenau datierter Brief. Euphorion, Bd. 52, 1958, S. 183-192.
I. Der von S. Rahmer zweimal abgedruckte Brief (zuerst in: Heinrich von Kleist: Briefe an seine Schwester Ulrike. Kleist-Bibliothek. Bd. 1. Berlin 1905. Anh. II, S. 215-216 und in: Heinrich von Kleist als Mensch und Dichter. Berlin 1909. S. 419-421) von Ludwig Brockes wird Kleist zugeschrieben und auf Spätherbst 1801 datiert. Wahrscheinlich wurde der Brief in Paris geschrieben. Rahmers Text wird verbessert und mit Lesarten versehen; als Textunterlage dienen die beiden bei Rahmer wiedergegebenen, voneinander abweichenden Fassungen.
II. Kleists Brief an Ulrike [Briefausgabe Minde-Pouet, Bd. 1, Nr. 36] wurde Weihnachten 1800 aus Frankfurt geschrieben. Kleists dortiger Aufenthalt Weihnachten 1800 wird auch von Wilhelmine v. Zenge bestätigt.

Dramen

413. Schmidinger, Liselotte: Kleist und das Burgtheater. Diss. München 1946. 2 Bl., 89 S., 1 Bl. [Maschinenschr.]
Literaturverzeichnis.
Einleitung.
I. Kleists Persönlichkeit und das Theater. Prinzipielle Einstellung. Theaterlage seiner Zeit.
II. Kleist und das Burgtheater. 1. Beziehungen zum Wiener Theater. Sein Werk auf dieser Bühne. 2. Die erste Wiener Käthchenaufführung. 3. Schreyvogel - der Wegbereiter für Kleist. 4. Stagnation und Übergang - Deinhardstein und Holbein. 5. Die Laube-Zeit. 6. Der Einsatz technischer Mittel - Dingelstedt. 7. Verfall - Wilbrandt und Burckhard. 8. Übergang - Wendung in der Literatur. Der Naturalismus. 9. Neuer Impuls - Schlenther und Kainz. 10. Festigung und Einbürgerung - Berger und Thimig. 11. Zusammenbruch und neuer Beginn - Herterich. 12. Röbbeling. 13. Das Burgtheater der Jahre 1938-1944.
Übersicht über Häufigkeit, Wirkung und Einrichtung der in der Burg aufgeführten Dramen Kleists, über die Bestrebungen der Regie, die Besetzung der Rollen und die Bearbeitungen und ihre Beurteilungen verbunden mit allgemeinen Überblicken über die literarischen Strömungen und Geschmacksrichtungen der behandelten Zeitabschnitte. Keine genaue Materialsammlung, sondern allgemeine Darstellung.

414. Gavazzeni, G. A.: Kleist e il melodramma. Le tre Venezie, 1947, Nr. 3, S. 86-88.

415. Scholte, J[an] H[endrik]: Een nuttig boek over Heinrich von Kleist. Neophilologus, Jg. 31, 1947, S. 27-28.
Bespr. von Tino Kaiser: Vergleich der verschiedenen Fassungen von Kleists Dramen. Bern 1944.

416. Astman, Joseph G.: Heinrich von Kleist's Dramas in Relation to Greek Tragedy: A Study of Der zerbrochene Krug, Robert Guiskard and Penthesilea. Diss. Yale 1948.
Rohrer, A.: Das Kleistsche Symbol der Marionette und sein Zusammenhang mit dem Kleistschen Drama. [s. Nr. 621.] 1948.

417. Stahl, E[rnst] L[eopold]: Heinrich von Kleist's Dramas. Oxford: B. Blackwell 1948. 4 Bl., 144 S. (Modern Language Studies. 4.)
S. 1-39: Introduction.
S. 40-115: I. Robert Guiskard and Die Familie Schroffenstein. II. Amphitryon. III. Der Zerbrochene Krug. IV. Penthesilea. V. Käthchen von Heilbronn and Die Hermannsschlacht. VI. Prinz Friedrich von Homburg.
S. 116-117: Epilogue.
S. 118-140: Translation of Passages Quoted.
S. 141: Chronological Table of Kleist's Life and Works.
S. 142-143: Select Bibliography.
S. 144: Index.
In der Einführung wird die geistige und künstlerische Entwicklung Kleists, das Hervorbrechen des dichterischen Talents nach der Auseinandersetzung mit Kant, seine innere Wandlung von ausweglosem Pessimismus zu einem gemäßigten Optimismus im Käthchen und die Abkehr von metaphysischen Problemen zu innerweltlichen, praktischen in der Hermannsschlacht und im Homburg allgemein charakterisiert mit Bemerkungen über Aufbau, Technik und Stil der Dramen. In den Einzelinterpretationen wird versucht, den Guiskard als Kleists Erstlingswerk nachzuweisen.
Bespr.: J. C. Blankenagel: Modern Language Notes, Vol. 64, 1949, S. 428-429. - J. T. Krumpelmann: The Journal of English and Germanic Philology, Vol. 50, 1951, S. 269-271. - C. P. Magill u. W. W. Chambers: German Life & Letters, N. S., Vol. 3, 1949/50, S. 73-74. - R. Majut: German.-roman. Monatsschr., N. F., Bd. 1, 1950/51, S. 284-285. - C. K. Pott: The Modern Language Journal, Vol. 34, 1950, S. 490-491. - A. M. Sauerlander: Modern Language Quarterly, Vol. 12, 1951, S. 119-120. - D. F. S. Scott: The Modern Language Review, Vol. 45, 1950, S. 108-109. - W. Silz: The Germanic Review, Vol. 26, 1951, S. 62-64.

418. Wiese, Benno von: Die deutsche Tragödie von Lessing bis Hebbel. Bd. 2. Tragödie und Nihilismus. Hamburg: Hoffmann u. Campe 1948. S. 15 bis 102. - (2., völlig nei bearb. Aufl.) Ebda. (1952.) Tl. 2. S. 277-347. - 3. Aufl. Abda. 1955. - 4. Aufl. Ebda. 1958.
S. 15-38 (2. Aufl. S. 277-295): Der Tragiker Heinrich von Kleist und sein Jahrhundert.
Schillernachfolge und Schillerabkehr im Drama des 19. Jahrhunderts - Ursprünge des Tragischen im 19. Jahrhundert: das Erlebnis der Dissonanz von Idee und Wirklichkeit, Krise des Humanitätsideals, Problematik des überlieferten Heldenbildes, Auflösung des christlichen Glaubens, Pessimismus und Historismus - Heinrich von Kleist als tragische Existenz - Kleist und Idylle - Dasein als religiöse, von Gott aufgetragene Bestimmung - Der tragische Glaube - Marionettensymbol - Begriff der Anmut bei Schiller und bei Kleist - Vergleich des Lebens mit einem Ringkampf - Kleists Auffassung von der Geschichte - Das Tragische bei Schiller, Goethe und Kleist. [Inhaltsverzeichnis.]
S. 39-57 (2. Aufl. S. 296-310): Schein und Wirklichkeit im Drama H. von Kleists. Familie Schroffenstein - Erlebnis des Scheines - Verhältnis zur Wirklichkeit - Analyse des Rupert - Gegengestalt des Sylvester - Die Gottesfrage der Tragödie, der rätselhafte, unbegriffene und undurchdringlich gewordene Gott - Unmittelbarkeit und Gewißheit in der Liebe, Agnes und Ottokar - Amphitryon - Das Rätsel, die Gefahr und die Gnade des Ichseins - Die Funktionen des Jupiter: Durch den Gott tritt das Widergöttliche in Erscheinung; der Gott als der überhöhte Gegenspieler der Alkmene, der das Göttliche erst aus ihr herausfragt - Bedrohung des Gefühls durch das Bewußtsein - Das mythische Thema von der Einkehr des Gottes - Ausgang des Amphitryon: Bedrohung durch den Wahn und Verklärung durch den Gott. [Inhaltsverzeichnis.]
S. 58-80 (2. Aufl. S. 311-329): Tragische und märchenhafte Existenz bei H. von Kleist.
Penthesilea als Marionette und tragische Existenz - Das Tragische als Unangemessenheit der Seele zu den Ordnungen und Dämonen der Welt - Musikalische Komposition der "Penthesilea" - Gesetz der Tanais - Penthesileas tragischer Konflikt und seine Enfaltung - Analyse der 9. und der 14. und 15. Szene - Das tragische Mißverstehen der Liebenden - Achill - Schlußszene der "Penthesilea" als Zwiesprache des in der Welt wurzellos gewordenen Ich mit seiner eigenen, unbegreiflichen Gottheit - Penthesileas Tod - Verklärung des Menschen - Kategorie des Märchens bei Kleist - Käthchen von Heilbronn, Traum und Welt. [Inhaltsverzeichnis.]
S. 81-102 (2. Aufl. S. 330-347): Tragödie, Tod und Geschichte bei H. von Kleist. Robert Guiskard - Der Tod als Entwerter einer sich in der Immanenz der Geschichte entfaltenden Lebenskraft - Doppelte Deutung des Todes, "lethargischer" uns "orgiastischer" Tod - Todesdeutung des "Guiskard", der "Penthesilea" und des "Prinzen von Homburg" - Kleists politische Entwicklung - Hermannsschlacht - Der Prinz von Homburg - Spannung von Dichter und Staat - Die drei Schichten des Dramas - Die Märchenschicht - Die tragische Krise des Todeserlebnisses und ihre Auflösung in der Freiheit des tragischen Ich - Die Gestalt des Kurfürsten und der Staat - Überwindung des Tragischen bei Kleist. [Inhaltsverzeichnis.]
Bespr.: (1.-3. Aufl.) W. Barzel: Stimmen d. Zeit, Bd. 146, 1949/50, S. 319. - I. Frowein: The Modern Language Review, Vol. 47, 1952, S. 87-90. - M. Gravier: Etudes germaniques, A. 7, 1952, S. 190-191. - H. Hugelmann: Bücherei u. Bildung, Jg. 5, 1953, S. 280-281. - G. Konrad: Welt und Wort, Jg. 7, 1952, S. 291-292. - W. F. Liepe: The Journal of English and Germanic Philology, Vol. 53, 1954, S. 247-251. - K. May: Anzeiger f. dt. Altertum u. dt. Literatur, Bd. 68, 1955/56, S. 28-33. - F. Sengle: Dt. Vierteljahrsschr. f. Literaturwiss. u. Geistesgesch., Jg. 27, 1953, S. 149-155. - K. Ziegler: Wirkendes Wort, Jg. 4, 1953/54, S. 240 bis 242. - Ders.: Euphorion, Bd. 50, 1956, S. 240-246.

419. Dreykorn, Paul: Studien über Hölderlin und Kleist vom Problem der Schuld in ihrem Drama aus. Diss. Erlangen 1949. [Maschinenschr.] S. 96 bis 173: Heinrich von Kleist.
Einleitung: Problemstellung und Literatur.
I. Angelegtheit, Ethos, Lebensform.
II. Das Problem der Schuld. 1. Penthesilea. 2. Alkmene.
III. Das Halt im Erlebnis der Schuld und die Erfahrung des Ich. 1. Penthesilea. 2. Alkmene.
IV. Die Problematik des Kleistschen Ich und sein Verhalten.
V. Die Lösung bzw. Nichtlösung der Problematik des Kleistschen Ich.
VI. Wirklichkeit und Dichtung.
VII. Das Wagnis des Lebens.
Das Gefühl, das nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt, sich von ihr also widerlegt fühlt, wird zum Problem der Schuld bei Kleist, zum Schulderlebnis.

420. McClain, William H.: Kleist and Molière as Comic Writers. The Germanic Review, Vol. 24, 1949, S. 21-33.
Der tiefe Ernst im Amphitryon und im Zerbrochenen Krug zerstört die reine komische Wirkung, indem das Mitgefühl des Zuschauers geweckt wird. Molière hält sich auch in tragischen Situationen in den Grenzen des Komischen. Seine Gestalten sind frei von emotionalen Erschütterungen, er verhindert, daß man sich mit ihnen identifiziert. Kleist dagegen steigt in die Tiefen ihrer Probleme und zeigt ihre intimsten Gefühle. Seine voller entwickelten und feiner nuancierten Charakter verhindern die komische Wirkung. Er überschreitet die Grenze des Komischen zugunsten der Kategorie des Tragischen, verbunden mit weltanschaulichen Aspekten. Als geborener Tragiker konnte er nicht anders, als die Situation ernst nehmen.

421. Tymms, Ralph: Doubles in Literary Psychology. Cambridge:
Bowes & Bowes (1949).
S. 43-53: Persönlichkeitsspaltung bei Penthesilea, Wetter vom Strahl und Homburg. Der dramatische Konflikt erwächst aus dem bewußten und unbewußten Selbst. Einfluß G. H. Schuberts auf Kleist. Zum Vergleich werden Zacharias Werners "Wanda, Königin der Sermaten" und "Attila, König der Hunnen" herangezogen. - Der Abschnitt über Kleist und Werner erschien zuerst u. d. T.: Alternation of Personality in the Dramas of H. v. K. and Zacharias Werner in The Modern Language Review, Vol. 37, 1942, S. 64-73 und wurde nur wenig umgearbeitet.

422. Vox, Hermann Harold: The Historical Element in the Dramas of Heinrich von Kleist. [Anzeige von] Oscar C. Burkhard. Summaries of Ph. D. Theses, University of Minnesota, Vol. 3, 1949, S. 144-148.
Wertschätzung der Geschichte und Geschichtstreue bei Kleist. Beziehungen zwischen seinen Dramen und der Geschichte. Untersuchung der historischen Quellen unter Ausschluß der legendarischen oder mythologischen. Vergleich zwischen Quellen und Dichtungen als Beitrag zur Entstehungsgeschichte der Werke, zur Schaffensweise des Dichters und zur Ästhetik. Methode und dramatische Vorwürfe. Stoffwahl und -auswahl. Schillers Einfluß. Besondere Charaktere bildeten den dramatischen Kristallisationspunkt. Poetische Freiheit in Behandlung der historischen Stoffe und geniale Auswahl des dramatisch Wirksamen. Plastische und lebenswahre Darstellung der historischen Figuren und des historischen Hintergrundes, Vorrecht der Phantasie. Bei Kleist bringt nicht die Geschichte allein, sondern diese mit Hilfe der freien Phantasie im Dienst des Genius die Meisterwerke hervor.

423. Wiese, Benno von: Der Tragiker Heinrich von Kleist und sein Jahrhundert. R. Petsch zu seinem 70. Geburtstag in dankbarer Verehrung zugeeignet. In: Vom Geist der Dichtung. Gedächtnisschrift für Robert Petsch. Hrsg. von Fritz Martini. Hamburg: Hoffmann u. Campe 1949. S. 250-269.
Identisch mit Benno von Wiese: Die deutsche Tragödie von Lessing bis Hebbel [Nr. 418]. Bd. 2. S. 15-38.

424. Yoshida Jiro: Kuraisuto no higeki "Doitsu bungaku ni okeru higekisei to sono chokoku naka". [Kleists Tragödie. In: Die Tragik und ihre Überwindung in der deutschen Literatur. Japanisch.] Hrsg. von d. Japan. Gesellschaft f. Germanistik. Tokyo: Ikubun 1949. S. 100-126.

425. Keist, Erika: Abnormes Seelenleben als dramatisches Ausdrucksmittel. Beitrag zur Darstellung der Geisteskrankheit im deutschen Drama. Diss. Wien 1950. [Maschinenschr.]
S. 87-89: Kleist als Gestalter des seelischen Halbbewußten.

426. Wiese, Benno von: Probleme der deutschen Tragödie im 19. Jahrhundert. Wirkendes Wort, Jg. 1, 1950/51, S. 32-38.
S. 36-37: Kleist.

427. Geisenheyner, Max: Kulturgeschichte des Theaters. Volk und Drama. Mit 147 Abb. Berlin: Safari-Verlag (1951).
S. 365-379: Heinrich von Kleist.

428. Kohrs, Ingrid: Das Wesen des Tragischen im Drama Heinrichs von Kleist. Dargestellt an Interpretationen von "Penthesilea" und "Prinz Friedrich von Homburg". Marburg/Lahn: Simons Verlag 1951. 138 S. (Probleme d. Dichtung. H. 1.)
Einleitung. Typen tragischer Daseinssicht. Gefühl: Wortgebrauch und Wortbedeutung. Situation der Kleistforschung.
I. Interpretation. 1. Penthesilea. a) Der Konflikt. b) Das dramatische Geschehen. c) Die tragische Situation. 2. Prinz Friedrich von Homburg. a) Das Verhältnis der Dramen zueinander. b) Die Entwicklung des Prinzen. c) Das Gefühl des Kleistischen Menschen. d) Der Weg des Kurfürsten. e) Die Frage des Tragischen im Prinzen von Homburg.
II. Das Wesen des Tragischen. 1. Das Problem der Gefühlsverwirrung. a) Die Hauptkontroverse der gegenwärtigen Kleistforschung. 1. Die "Fehlbarkeit" des Gefühls. 2. Die "Machtlosigkeit" des Gefühls. 3. Die "Verfälschbarkeit" des Gefühls. 4. Der antinomische Mensch. b) Die Bedeutung der Gefühlsverwirrung. 2. Die innere Begründung des Tragischen. a) Lösungsmöglichkeiten der tragischen Situation. Schiller-Grillparzer. b) Die Grundgegensätze bei Kleist. Die gebrechliche Welt. Das unbedingte Gefühl. c) Das Verflochtensein der Grundgegensätze. 3. Verwirklichung tragischen Seins.
Exkurs (über den Aufbau des Penthesilea-Dramas).
Literatur.
In der Einleitung wird nach dem Sinn des tragischen Geschehens gefragt. Eine Betrachtung der Typen tragischer Daseinssicht kommt zu dem Ergebnis, daß echte Tragödie eine unlösbare Spannung von Mensch und Schicksal, einen großen, zu verantwortenden Konflikt enthalten muß. Die echte Tragödie (Shakespeare, Kleist, auch Goethe) kennt nur die Entscheidung für den unlöslichen Konflikt, dadurch erst erhält das Tragische Sinn und Notwendigkeit. Es wird versucht, die Kontroverse der Forschung über das Gefühl bei Kleist und das Problem des Tragischen zum Austrag zu bringen. In Anlehnung an Fricke wird das Gefühl als die wesentliche Lebens- und Begegnungskraft von Welt und Transzendenz im Menschen angesehen. Eine Interpretation der Penthesilea stellt die Titelheldin als tragische Existenz dar, deren Gefühl durch die Gebrechlichkeit der Welt (hier die Unnatur des Amazonenstaates) gefährdet ist. Ihre doppelte Bestimmung ist, liebendes Weib und Amazone zu sein und beide echten Bestimmungen ihres Gefühls erfüllen zu müssen. Unter "doppelter Bestimmung" wird keine innere Gegensätzlichkeit des Gefühls, sondern die doppelte Bindung des Gefühls, an die Wirklichkeit verstanden. Penthesileas Situation ist tragisch, weil ihre beiden Bestimmungen echte Bezüge zur Wirklichkeit sind, sich aber widersprechen. Dennoch hält ihr Gefühl an beiden Bestimmungen fest, auch als sich beide gegeneinander und auch gegen ihr Gefühl selbst wenden, das dadurch in seinem Sein bedroht wird. Penthesileas Schicksal zeigt im Vollzug der tragischen Entscheidung das Paradoxon von Selbstverwirklichung und Untergang, das der eigentliche Sinn der Kleistischen Tragödie ist, die weder idealistisch, noch nihilistisch, sondern objektiv-tragisch, extistential begriffen werden muß. Am Beispiel der Penthesilea zeigt sich das Wesen des Tragischen: das unauflösliche und ernstgenommene Zugleich von Schicksal und Mensch, Gefühl und Welt. Insofern ist sie die Tragödie Kleists, da hier eine gleichwertige Verknüpfung von ich und Welt den Konflikt bestimmt, und Ich und Welt als identisch erlebt werden.
Die Interpretation des Homburg wird angeschlossen, um das Erwachen des Gefühls als bestimmender Kraft und Wesensgrund des Kleistischen Menschen zu zeigen. Das Gefühl im Prinzen ist zunächst latent, erhält aber in der Begegnung mit der Welt seine eigentliche Bestimmung. Der Prinz erringt die Gewißheit, aus dem Ewigen zu existieren, er begreift sein Gefühl als die Mitte des Seins, das in doppeltem Bezug zum Seinsgrund und zur konkreten Daseinswirklichkeit über sich hinausweist. Nach dem von der Verf. herausgearbeiteten Begriff des Tragischen liegt das tragische Paradoxon, das in Selbstverwirklichung und Untergang besteht, nicht in der Todesfurchtszene, sondern in der Umkehr des Prinzen im Gefängnis. Homburg erkennt seine eigentliche Bestimmung und gleichzeitig die Notwendigkeit seines Untergangs. In der Auseinandersetzung mit Einsiedel, der den Konflikt der Penthesilea auf innermenschliche Antinomien zurückführt, wird der Begriff des Tragischen als paradoxales, objektives Sein, als furchtbares Zugleich der Seinsmächte, nochmals klargestellt.
Bespr.: R. Ayrault: Erasmus, Vol. 4, 1951, Sp. 142-143.

429. Kindermann, Heinz: Kleist und Grillparzer. In: Kindermann, H.: Meister der Komödie. Von Aristophanes bis G. B. Shaw. Wien-München: Donau-Verlag (1952). S. 231-241.
Amphitryon und Zerbrochener Krug als moderne metaphysische Komödien. Beide kreisen um das Kardinalproblem aller Komödien: die unversöhnliche Spannung zwischen Schein und Sein.

430. Schoch, Margrit: Kleist und Sophokles. Diss. Zürich 1952. Zürich 1952: Aschmann & Scheller. 101 S.
Einleitung. 1. Die Voraussetzungen. 2. Die Begegnung. 3. Der Nachhall der Begegnung.
Der Vergleich. A. "König Oedipus" und "Robert Guiskard". 1. Die Weissagung. 2. Fürst und Volk. 3. Die Pest. Exkurs: Tragödie und Komödie. B. "König Oedipus" und "Der zerbrochene Krug". 1. Die Situation des sich selber verurteilenden Richters. 2. Die analytische Handlung. 3. Die Zweideutigkeit der Sprache.
Moderne und Antike.
Literatur.
Anmerkungen.
Kleists antike Studien, Kenntnis des Griechischen und der antiken Mythologie, Begegnung mit der Antike in Dresden und Paris. Nicht die äußere Form des "Oedipus", die Erfindung regt Kleists künstlerisches Schaffen an, und zwar in entgegengesetzter Richtung. Kein bewußtes kunsttheoretisches Studium Sophokles', sondern momentane, punktuelle Einwirkung. Der Zerbrochene Krug, ungefähr gleichzeitig mit Robert Guiskard konzipiert, wird als Vollendung des Guiskard-Ideals angesehen. Vergleich des "Oedipus" mit Guiskard und Zerbrochenem Krug. Die Vergleichspunkte der Erfindung zeigen in der verschiedenen Behandlung durch die beiden Dichter den Unterschied zwischen antikem und modernem Weltbild. Unterstützt durch Zitate zeitgenössischer Kunsttheoretiker erscheint Kleists Begegnung mit Sophokles als Bruchstück der großen Auseinandersetzung der idealistischen Philosophie mit dem Problem der Antike und Moderne. Guiskard und Adam sind Repräsentanten der auf sich selbst gestellten unendlichen Freiheit des Subjekts, ihr Scheitern zeigt aber die Krise des romantischen Glaubens an die Selbstherrlichkeit des Subjekts. Die notwendige Bindung des Subjekts an das Objekt bei Sophokles ist der mittelbaren Bindung des Individuums und der Verquickung von Subjektivem und Objektivem gewichen, wie auch die Zweideutigkeit der Sprache, bei Sophokles notwendiger Bestandteil der Sache, bei Kleist Ausdruck der bewußt gehandhabten Freiheit und des Spaßes an der Doppelbödigkeit ist. Die Einheit von Idee und Erscheinung, die in der Antike noch gewahrt ist, muß bei Kleist von neuem errungen werden und gipfelt in der Konzeption eines neuen Menschen, wie ihn Eve verkörpert, in der sich ein unendlicher Ausblick auf eine Versöhnung der Gegensätze von Unendlichem und Endlichem in der Liebe eröffnet.

431. Sengle, Friedrich: Das deutsche Geschichtsdrama. Geschichte eines literarischen Mythos. Stuttgart: J. B. Metzler 1952.
S. 47-50: Der Gegensatz von naturhaft-mythischem, geschichtslosem Geniebegriff, der im traditionsärmeren Ostdeutschland durchbricht, und der wirklichen Geschichtlichkeit seines Heimatstaates und Geschlechtes ist ein Urkonflikt Kleists, der sich im Guiskard und in der Penthesilea als im Gefühl sich offenbarende persönliche Bestimmung und geschichtliche Bindung an Volk und Staat thematisch darstellt. Vor der Absolutheit des Gefühls versinkt in diesen Dramen alles Wirkliche, die Geschichte wird entmächtigt durch den Augenblick. Wie in der Klassik hat bei Kleist die Vergangenheit geringe Bedeutung. In der Hermannsschlacht wird der Stoff als Geschichte durch die unbedingte Geltung des nationalen Augenblicks aufgezehrt und zur Allegorie. Kleists Wirklichkeit in diesem Drama ist nicht Preußen, sondern Deutschland. Er erlebt das Volk als Natur und als Macht, nicht als Tradition oder Zukunftsbild. Die Hermannsschlacht widerspricht somit der Reichstradition, sie ist revolutionär und daher nicht österreichisch, sondern preußisch empfunden und darf nicht als Geschichtsdichtung betrachtet werden. Mit dem Homburg kehrt Kleist in den Heimatstaat zurück und versucht, die Dissonanz zwischen persönlichem Wollen und geschichtlicher Wirklichkeit zu lösen. Als Geschichtsdrama ist der Homburg wenig welthaltig. Die Versöhnung von Staat und Seele geschieht auf menschlicher Ebene, wofür die Familienbande und die Verlobung mit Natalie symbolischer Ausdruck sind. Die Lösung des Konfliktes bleibt ein Märchen und führt nicht in die geschichtliche Welt zurück. Im Kohlhaas und in seinen Briefen entschied sich Kleist für den Weg der persönlichen Freiheit jenseits der Welt.

432. Kerr, Alfred: Die Welt im Drama. Hrsg. von Gerhard F. Hering. Köln, Berlin: Kiepenheuer & Witsch (1954). [Auszug. Zuerst 1917-1920. 5 Bde.]
S. 390-392: Amphitryon.
S. 392-394: Prinz Friedrich von Homburg.
S. 572-573: Penthesilea.

433. Spörri, Reinhart: Dramatische Rhythmik in Kleists Komödien. Diss. Zürich 1954. Zürich 1954: O. Altorfer. 107 S.
Einleitung.
Anekdote.
Der zerbrochene Krug. Dramaturgisches Material. Form. Sprache. Zusammenfassung.
Amphitryon. Dramaturgisches Material. Form. Sprache. Zusammenfassung.
Vergleich Amphitryon / Zerbrochener Krug.
Schluß.
Anmerkungen.
Literatur.
An Kleists Aufsätzen Über das Marionettentheater und Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden orientiert sich die Untersuchung über das Zustandekommen des Dialogs in Kleists Lustspielen. Einer beschreibenden Strukturanalyse der Anekdote aus dem letzten preußischen Kriege folgt die Darstellung des dramatischen Prozesses. Er entsteht aus der starren Gesetzlichkeit der menschlichen Gesellschaft und aus dem von ihr abweichenden Verhalten der lebendigen Erscheinung des Einzelwesens. Beide, menschliche Gesellschaft und Einzelwesen, geraten in komischen Kontrast, dem Kleist auch durch die Sprache Rechnung trägt. Der Dialog kommt nach dem in Kleists Aufsatz Über die allmähliche Verfertigung... gegebenen Rezept zustande, indem aus der Rede die Gegenrede und so der vorwärtsstrebende dramatische Rhythmus entwickelt wird. Das Sprachmaterial ist den einzelnen darzustellenden Lebenskreisen entnommen. Die konventionelle Ausdrucksweise, Sprichwörter und formelhafte Wendungen, werden durch Wiederherstellung des ursprünglichen Sinnes mit neuem Leben erfüllt und durch Bezug auf die konkrete Situation als Mittel eingesetzt, komische Wirkungen zu erzielen und die Handlung voranzutreiben. Der durch die Störung der herkömmlichen Ordnung in Gang gebrachte dramatische Prozeß wird durch deren Wiederherstellung beendet und damit auch die dramatische Handlung. Als vorbildlich wird die verkürzte Fassung des zerbrochenen Kruges im Gegensatz zum Varianten verteidigt. Der Krug wird in seiner dramatischen Einheitlichkeit in Handlung und Sprache dem Amphitryon vorgezogen. Er erfüllt Kleists Ideal einer Synthese von antikem Drama und Shakespeare, sofern man die dem Teniers nachgebildete Fülle des Lebens und die Einheitlichkeit des sophokleischen Dramas als Voraussetzungen gelten läßt.

434. Ziegler, Klaus: Das deutsche Drama der Neuzeit. In: Deutsche Philologie im Aufriß. Unter Mitarb. zahlreicher Fachgelehrter hrsg. von Wolfgang Stammler. Bd. 2. (Berlin, Bielefeld:) E. Schmidt (1954). Sp. 1172-76: Heinrich v. Kleist. - 2., überarb. Aufl. Ebda. (1960). Sp. 2225-29.

435. Fechter, Paul: Das europäische Drama. Geist und Kultur im Spiegel des Theaters. [Bd.] 1. Vom Barock zum Naturalismus. Mannheim: Bibliogr. Institut (1956). S. 277-302: Kleist und Büchner.
S. 277-299: Der Vorstoß zum irrationalen Kern des Lebens setzt mit Kleist ein, der durch die bewußte Objektivierung des Innern in der Sprache über die Klassik hinauswächst, die Wendung vom Apollinischen zum Dionysischen, von der Form zum Substantiellen als neuen Möglichkeiten des Gestaltens vollzieht und so das eigentlich Moderne vorwegnimmt. Auf Grund seiner persönlichen Anlage kommt Kleist von der szenischen zur sprachlichen Spannung im Gegensatz zu Schiller, bei dem jede Szene dynamisch gespannter Vorgang ist, während bei Kleist jede Szene in sich, statisch, vom Sprachlichen her bewegt und eigentlich undramatisch ist. Die Sprache und ihr dramatischer Gang, das Leben, die Einzelexistenz sind dramatisch, nicht so sehr das dramatische Geschehen. Das Letzte ist nur der Musik und dem Schweigen zugänglich. Es folgen Analysen von Amphitryon, Käthchen, Penthesilea, Homburg, Krug, Hermannsschlacht, Giuskard und Familie Schroffenstein.

436. Kultermann, Erika: Die Bedeutung der Pantomime in den Dramen Heinrich von Kleists. Maske u. Kothurn, Jg. 3, 1957, S. 70-81.
Die häufig angewandte Pantomime als dramatisches Ausdrucksmittel neben oder anstelle des Wortes macht Kleists Bühnengestalten zu scharf von ihrer Umwelt abgehobenen Individuen; sie zeigt deren eigentümlich ähnliche geistig-seelische Struktur, die sich in gleichen Gebärden, formelhaften Worten und gleichen Symbolen ausdrückt. Kleist nimmt den modernen Menschen, der sich in der Situation des Nicht-sagen-könnens befindet, vorweg.

437. Kohlschmidt, Werner: Drama (Neuzeit). In: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte. ... 2. Aufl. ... Hrsg. von Werner Kohlschmidt u. Wolfgang Mohr. Bd. 1. Berlin: W. de Gruyter 1958 [Lfg. ersch. 1956]. S. 302-303: Heinrich von Kleist. (Mit Bibliographie.)

438. Hering, Gerhard F[riedrich]: Zur Kleist-Dramaturgie. I. Etwas über Adam. II. Friedrich und Katherine. II. Alkmenes "Ach". Theater u. Zeit (Wuppertal) Jg. 6, 1958/59, S. 21-28. - U. d. T.: Heinrich von Kleist wiederabgedr. in: Hering, G. F.: Der Ruf zur Leidenschaft. Improvisationen über das Theater. (Köln, Berlin:) Kiepenheuer & Witsch (1959). S. 327-340.
I. Adam als Muster des Menschseins und Werkzeug in einer höheren Hand. Walther als höherer Abgesandter, der den Sünder nicht zur Desertion zwingt, sondern in einem Raum von Hoffnung beläßt. Die Welt als gebrechliche Einrichtung, in der Lug die Wahrheit fördert.
II. Regiebemerkungen zum Käthchen. Seelendrama; die Ritterszenen müssen als Schablone inszeniert werden.
III. Schwierigkeiten einer Aufführung des Amphitryon. Das "Ach" der Alkmene verrätselt den Schluß und drückt Unaussprechliches aus. Tragender Grund einer Aufführung ist die kleistische Sprache.

438 a. Hubbs, Valentine Charles: Consciousness and the Unconscious in the Drama of Heinrich von Kleist: Kleist's Struggle for Individuation. Diss. New York 1959. Vgl. Dissertation Abstracts, Vol. 20, 1959, S. 1025-26.

439. Mann, Otto: Geschichte des deutschen Dramas. Stuttgart: A. Kröner (1960). (Kröners Taschenausgabe. Bd. 296.) S. 347-370: Kleist.
Kleists Trauerspiele. Kleists Lustspiele.
Unter "Trauerspiele" werden alle Dramen außer Krug und Amphitryon verstanden.

Die Familie Schroffenstein

440. Peck, Louis F.: An Adaption of Kleist's Die Familie Schroffenstein. The Journal of English and Germanic Philology, Vol. 44, 1945, S. 9-11.
Vergleich der Familie Schroffenstein mit der Erzählung "Mistrust, or Blanche and Osbright; an Feudal Romance" in M. G. Lewis' "Romantic Tales" (1808), die Kleists Drama als Vorbild genommen hat.

441. Thas, M.: Die Familie Schroffenstein. De dramaturg Heinrich von Kleist in zijn eerste Werk. Thesis (Lic.) Genth 1955/56.

442. Matsuzawa Yoshiro: H. von Kleist no "Die Familie Schroffenstein" ni tsuite. [Über H. v. Kleists "Die Familie Schroffenstein". Japanisch.] The Journal of Literature and Linguistics (Toyama University), 1956, Nr. 6.

Robert Guiskard

443. Gausewitz, Walter: Ein nochmaliger Weg zu "Guiskard". Zum Kleist-Problem. Monatshefte f. Dt. Unterricht (Madison), Vol. 37, 1945, S. 53 bis 66. - Auch in: Festschrift für M[arshall] Blakemore Evans. Hrsg. von d. Redaktion d. Monatshefte f. Dt. Unterricht u. d. Dt. Abteilung d. Staatsuniversität von Ohio. Columbus: The Ohio State University Press 1945. (Graduate Schoole Studies. Language and Literature Series. Nr. 1.) S. 53-66.
Das Problem Einzelmensch und Staat ist nicht erst eine spätere Erscheinung bei Kleist. Der Homburg ist das Endresultat einer Entwicklung, die seit dem Bruch mit dem beamteten Dienst am Staat begann, wie eine Betrachtung der Werke und Briefe ergibt. Am Anfang steht der Guiskard, der das Problem im negativen Sinne löst.
Guiskard verkörpert in sich Mensch und Staat, die sich beide befehden; der Staat siegt über das Menschliche und vernichtet es. Durch die Überfülle der Motive gelangte der Plan nicht zur Ausführung. Kleist hat ein traditionsbedingtes Schuldgefühl dem Staat gegenüber nie völlig überwunden. In der Penthesilea wird nicht der Staat überhaupt, sondern nur die unnatürliche Staatsform, die das Recht auf ein natürlich-menschliches Dasein einengt, abgelehnt. Den Wandel von negativer Ablehnung zur Bejahung zeigt Kohlhaas' Gespräch mit Luther. Im Homburg kommt Kleist zu der Lösung, daß man dem Staat mit seinem eigensten Selbst, in seinem Fall als Dichter, dienen kann. Der wahre Staat ist eine Notwendigkeit, dessen Foderungen sich weder Untertan noch Herrscher entziehen dürfen.

444. Figna, J.: Fragment tragedii H. Kleista "Robert Guiskard". Sprawozdania z csynnosci i posiedzen. Polskiej Akademii Umiejetnosci (Kraków), 1947, Nr. 10, S. 408-410.

445. May, Kurt: Schiller und Kleist im Vergleich des "Wallenstein" und "Robert Guiskard". In: May, K.: Friedrich Schiller. Idee und Wirklichkeit im Drama. Göttingen: Vandenhoeck u. Ruprecht 1948. S. 189-222.
Kleists Guiskard wird als erste tragoedia humana interpretiert, in deren Zentrum wie nie zuvor der Held ohne metaphysischen Protagonisten steht. Der Sinn des Geschehens ist die machtvolle Überlegenheit des Unterliegenden über die Wirklichkeit. Jede Interpretation, die vom Schillerschen Begriff der Tragödie ausgeht, muß notwendig fehlgehen. Kleists Guiskard steht als Tragödie ohne religiöse Substanz einzig in seiner Zeit und wird erst von Büchner, Grabbe und den Tragödiendichtern nach dem Jahrhundertende fortgesetzt, während Kleist selbst wahrscheinlich vor der in seinem Guiskard eingeschlagenen Linie zurückschreckte und sie nicht fortsetzte. Der Gegensatz von religiös-ethischem und radikal-realistischem Drama wird am Beispiel Schillers und besonders des Wallensteins im Vergleich mit Guiskard wechselseitig erhellt. Sprach- und Stilanalyse bestätigen die aus der Dichtung gewonnenen Ergebnisse. Die Guiskardszenen zeichnen sich durch Unmittelbarkeit, stark antikisierte Hochsprache und Monumentalität des Ausdrucks aus.

446. Gausewitz, Walter: Kleists Guiskard Fragment? Monatshefte (Madison), Vol. 42, 1950, S. 325-330.
Der Guiskard war nur so weit gediehen, wie er im Phöbus erschienen ist. Als Beweis wird eine Anmerkung Kleists im Phöbus herangezogen. Auftauchen von Bruchstücken aus dem Guiskard in anderen Dramen, namentlich in der Penthesilea. Bewältigung des Formproblems im Zerbrochenen Krug und in der Penthesilea.

447. Bremer, Klaus: Kleists Robert Guiskard und Orffs Astutuli. Das neue Forum, Jg. 5, 1955/56, [H.] 6, S. 89-92. (Mit Szenenbild.)
Wie der altgriechischen Tragödie das Satyrspiel folgte, so der Kleistschen Tragödie Orffs bayrische Komödie. Orff begegnet dem Pathos Kleists mit der Archaik seiner Rhythmen und dem Schaubudengeschehen auf der Bühne. Angehängt ist ein Abschnitt aus Gundolfs Kleist-Monographie.

448. Brinkmann, Karl: Erläuterungen zu Kleists Robert Guiscard und Michael Kohlhaas. Neu bearb. 6. Aufl. Hollfeld/Obfr.: Bange [1958]. 84 S. (Wilhelm Königs Erläuterungen zu d. Klassikern. Bd. 87.)

449. Fukami, Shigeru: Kuraisuto no "Roberuto Gisukaru" hyoko no kokoromi. [Kleists Robert Guiskard - Versuch einer Würdigung. Japanisch.] Doitsu bungaku (Tokyo), 1960, [H.] 24, S. 98-104.

Amphitryon

450. Mann, Thomas: Kleists Amphitryon. Eine Wiedereroberung. 1926. In: Mann, Th.: Adel des Geistes. 16 Versuche zum Problem der Humanität. Stockholm: Berman-Fischer Verlag 1945. (Stockholmer Gesamtausgabe d. Werke.) - Ebda. 1948. S. 56-103. - (Frankfurt a. M.:) S. Fischer 1955. - Auch in: Mann, Th.: Gesammelte Werke in 12 Bdn. Berlin: Aufbau-Verlag 1955. Bd. 10. S. 47-89. [Zuerst 1928.)

451. Ernst, Fritz: Der Weg Alkmenens. (1943.) In: Ernst, F.: Essais. Bd. 2. (Zur dt. Geistesgeschichte.) Zürich: Fretz & Wasmuth (1946). S. 142-154. [Zuerst 1943.]
Alkmene bei Plautus, Molière und Kleist, ihre Entwicklung aus mythologischer Verstrickung durch rein menschliche Vollendung zu priesterlicher Weihe. Die Handlung in Kleists Amphitryon kann nur aus der Transzendenz und als Mysterium begriffen werden.

452. Nordmeyer, H[enry] W[aldemar]: Kleists "Amphitryon". Zur Deutung der Komödie. Monatshefte (Madison), Vol. 38, 1946, S. 1-19, 165-176, 268-283, 349-359; Vol. 39, 1947, S. 89-125.
In der kritischen Auseinandersetzung mit der Amphitryon-Literatur wird die tragische und christlich-mystische Deutung der Handlung abgelehnt. Die ausführliche Analyse will unter Ausschaltung des Molièreschen Vorbildes beweisen, daß der Amphitryon eine Komödie und ein dramatisch vollwertiges und in allen Teilen wohlausgewogenes und bewußt komponiertes Kunstwerk ist. Voraussetzung für seine ästhetisch-stilistische Würdigung ist die Erkenntnis des mythisch-märchenhaften Charakters der Fabel, der den Kausalnexus der Alltagswelt aufhebt, und der Doppelbödigkeit des Spiels, seiner Verankerung im mythischen und menschlichen Bereich.
Jupiter ist teils Verkörperung des blind eingreifenden Schicksals, teils dreidimensionaler Mensch, der in der Begegnung mit Alkmene sein Schicksal erlebt. Die Analyse Amphitryons setzt die potentielle Gleichheit mit Jupiters Charakter und Sprache voraus; die Unterschiede zwischen beiden sind nur situationsbedingt. Alkmenes Existenz, als "Du-Gefühl" definiert, wird durch Jupiters Betrug scheinbar tragisch bedroht, trägt aber schließlich als bewußt gewordene Existenz den Sieg davon. Am Schluß des Spiels führt der für das Verständnis des Ganzen entscheidende Zeugungsmythos (Theophanie und Verkündigung) die Versöhnung herbei. Jupiter und Amphitryon werden Alkmene in einer durch ihre Ohnmacht versinnbildlichten Tiefe des Gefühls zu einer Gestalt. Damit wird die Spaltung ihres Du-Gefühls durch den Einbruch Jupiters aufgehoben, d. h. ihre Existenz wird in ihrer ursprünglichen Einheit und Reinheit wiederhergestellt. Die Schlußszene ist symbolisch, nicht tragisch aufzufassen. Amphitryons und Alkmenes Situationen sind hochkomisch, da sie gegen scheinbare Realitäten ankämpfen; der Ausgang ist untragisch; Architektonik und Symbolik des Spiels in ihrer gegenseitigen Bedingtheit erweisen den Amphitryon eindeutig als Lustspiel. Goethes und Adam Müllers Auffassungen standen seiner gerechten Würdigung als in sich geschlossenen und vollendetem Kunstwerk bisher im Wege. Als Ausdruck für Kleists Welterleben ist der Amphitryon von einmaliger Bedeutung. Alkmenes Gestalt ist ein Gleichnis Kleists, der aus sich schaffend sich gegen das Nichts behauptete und dasselbe auch auf die mißhandelte Welt bezog, die er zu ihrer Würde zurückführen wollte.

453. Kahn, Ludwig W.: Goethes "Iphigenie", Kleists "Amphitryon" und Kierkegaard. Monatshefte (Madison), Vol. 39, 1947, S. 234-236.
Die Identität des Göttlichen und der reinen Menschlickeit, bei Goethe selbstverständlich, wird bei Kleist zum Problem. Die Frage nach der sittlichen Bewährung des Göttlichen, das existentielle Grundproblem Kierkegaards (erläutert an der Geschichte von Isaks Opferung), wird bei Kleist im Sinne einer Suspension des Ethischen gelöst. Alkmene steht im Widerstreit zwischen sittlichem Gefühl und göttlicher Versuchung und muß einen unverstandenen Gott anerkennen.

454. de Leeuwe, H. H. J.: Molières und Kleists Amphitryon. Ein Vergleich. Neophilologus, Jg. 31, 1947, S. 174-193.
Nach inhaltlichem und stilistischem Vergleich beider Stücke wird als Ausgangspunkt für eine Deutung des Sinngehalts die Spaltung des Ich in Ideal-Ich und Normal-Ich genommen. Das Kind (Herkules) darf nur vom Ideal-Ich gezeugt sein: darin manifestiert sich der evolutionistische Gedanke des Stückes. Die Deutung durch die Spaltung des Ich versucht die pantheistische und christliche Auslegung des Vorgangs zu vereinen.

455. Anstett, J[an]-J[acques]: A propos d'Amphitryon 38. J. Giraudox & H. von Kleist. Les langues modernes, A. 42, 1948, S. 385-393. - Wiederabgedr. in: Modern Languages, Vol. 33, 1951/52, S. 17-22.
Vergleich beider Dramen.

456. Stockum, Th[eodorus] C[ornelius] van: Kleists "Amphitryon" und Rotrous "Les Sosies". Nephilologus, Jg. 34, 1950, S. 157-162.
Geht von K. G. Herwigs Brieffragmenten aus. Stilistische Hinweise auf einen möglichen Einfluß Rotrous auf Kleist. Die zum Schluß gestellte Foderung, Herwigs Veröffentlichungen auf ihre Echtheit zu prüfen, ist inzwischen von Hansres Jacobi [Nr. 279] mit dem Nachweis der Fälschung erfüllt worden.

457. Hilpert, Heinz: Kleine dramaturgische Anmerkungen zu Kleists "Amphitryon". (1942.) In: Hilpert, H.: Gedanken zum Theater. (Erw. Ausg. von "Formen des Theaters". 1944.) Göttingen: Hainbund-Verlag (1951). S. 135-136. [Zuerst 1944.]
Alkmene als Mittelpunkt des Stückes. In ihr gipfelt die kleistische Unbedingtheit. Statt der griechischen Szenerie sollte die architektonische Phantasie Schlüters auf die Bühne gebannt werden.

458. Dyer, D[enys] G.: "Amphitryon": Plautus, Molière and Kleist. German Life & Letters, Vol. 5, 1951/52, S. 191-201.
Vergleich mit Inhaltsangaben der drei Bearbeitungen.

459. Jacobi, Hansres: Amphitryon in Frankreich und Deutschland. Ein Beitrag zur vergleichenden Literaturgeschichte. Zürich: Juris-Verlag 1952. 136 S. (Zürcher Beiträge z. vergleichenden Literaturgesch. Bd. 2.)
I. Ursprung des Amphitryon-Stoffes.
II. Der "Amphitruo" des Plautus. 1. Der neue Gehalt des Amphitryon-Themas. 2. Die dramatische Leistung des Plautus. 3. Der "Amphitruo" des Plautus - ein Lustspiel der Antike.
III. Das Amphitryon-Thema im Mittelalter. A. Vitalis Blesensis Comoedia Geta. B. Die Gesta Romanorum.
IV. Molière als Vollender Rotrous. A. Rotrou zwischen Plautus und Molière. B. "Amphitryon", eine Komödie von Molière. 1. Der neue Gehalt des Amphitryon-Themas. 2. Molières dramatische Leistung. 3. Molières "Amphitryon" - ein Lustspiel des französichen Klassizismus.
V. Kleists "Amphitryon", "ein Lustspiel nach Molière". 1. Der neue Gehalt des Amphitryon-Themas. 2. Kleists dramatische Leistung. 3. Kleists "Amphitryon" - das Lustspiel eines deutschen Dichters der Romantik.
VI. "Amphitryon 38" von Jean Giraudoux.
VII. "Zweimal Amphitryon" von Georg Kaiser.
VIII. "Amphitryon" - eine Oper von Robert Oboussier.
IX. Anhang: Eine Kleist-Mystifikation.
X. Bibliographie.
S. 46-73: Die Interpretation im ersten Abschnitt des Kleist-Kapitels ist Thomas Mann und Gerhard Fricke verpflichtet, im zweiten wird der Gegensatz zu Molière behandelt und im dritten eine Kritik des deutschen Wesens gegeben. Besonders verdienstvoll ist die im Anhang wiedergegebene kritische Stellungnahme zu den 1921 in der "Weltbühne" von Karl Gustav Herwig veröffentlichten angeblichen Kleist-Dokumenten, die der Verf. als Fälschungen nachweist.
Bespr.: J.-J. Anstett: Etudes germaniques, A. 9, 1954, S. 60-61. - C. Dionisotti: The Modern Language Review, Vol. 49, 1954, S. 116-117. - W. Reichert: Comparative Literature, Vol. 8, 1956, S. 354-355. - J. Voisine: Revue de littérature comparée, A. 27, 1953, S. 472-474.

460. Lindberger, Örjan: The Tranformations of Amphitryon. Stockholm: Almqvist & Wiksell (1956). (Acta Universitatis Stockholmiensis. Stockholm Studies in History of Literature. 1.) S. 121-166: Kleist's Amphitryon.
Durch Vergleich mit Molières Amphitryon und durch kritische Auseinandersetzung mit früheren Auslegungen wird versucht, eine neue Interpretation des Kleistschen Textes zu gewinnen. Das Verhältnis Kleists zu dem Ehepaar Krug in Königsberg ist Vorbild für die Szenen mit Jupiter, Alkmene und Amphitryon. Alkmenes Stellung zwischen Ideal und Wirklichkeit ist tragisch und gibt Kleists eigenes Schwanken zwischen Schuldgefühl und Festhalten am Lebensziel wieder. Sein Versuch, die tragische Grundstimmung gegen Ende des Stückes ins Lustspielhafte umzudeuten, bringt ein fremdes Element in die Dichtung.

461. Milch, Werner: Das zwiefache "Ach" der Alkmene. In: Milch, W.: Kleine Schriften zur Literatur- und Geistesgeschichte. Mit e. Nachw. von Max Rychner hrsg. von Gerhard Burkhardt. Heidelberg, Darmstadt: L. Schneider 1957. (Veröffentlichungen d. Dt. Akad. f. Sprache u. Dichtung, Darmstadt. 10.) S. 156-159.
An die Darstellerin der Alkmene wird die Frage gestellt, wie das letzte "Ach" Alkmenes zu sprechen sei, nachdem das erste "Ach" (I, 5) den Triumph Jupiters über Amphitryon bestätigt hat. Alkmenes Leben kann nach diesem ersten "Ach" nur tragisch verlaufen. Die Erkenntnis, daß sie Amphitryon nie mehr geliebt hat als in der Stunde, da er nicht Amphitryon war, wird ihr die Rückkehr zum Gatten verbieten.

462. Guthke, Karl S[iegfried]: Kleists Amphitryon als Tragikomödie. Orbis litterarum, T. 13, 1958, S. 141-162.
Eine Umarbeitung dieses Aufsatzes erschien in Neophilologus, Jg. 43, 1959; vgl. Nr. 463.

463. Guthke, Karl S[iegfried]: "Mit einem lachenden und einem weinenden Auge." Ein Versuch über das Tragikomische. Ein Vortrag. Neophilologus, Jg. 43, 1959, S. 89-108.
Nach einem Überblick über Anwendung und Geschichte des Begriffs "Tragikomödie" wird Kleists Amphitryon als ästhetisch eigenständige Formverwirklichung des Tragikomischen untersucht. Strukturelemente des Tragikomischen sind die in sich komischen, in ihrer eigentlichen Funktion aber das Komische der Haupthandlung beleuchtenden Sosiasszenen, die Widersprüche in Jupiters göttlich-menschlichem Doppelcharakter - der Gott macht den Menschen Jupiter komisch und wiederum macht der Mensch Jupiter den Gott tragisch - und Amphitryons Komik als Betrogener, die sich durch die Werthaftigkeit seines Charakters aber wieder ins Tragische wendet. Besonders Alkmene, als potentielle Tragödienfigur angelegt, aber in eine Komödienwelt gestellt, zeigt die Doppelheit der tragischen und komischen Perspektive: ihr Verhältnis zur Umwelt ist und bleibt ein Mißverhältnis bis zum Ende. In der komplexen Einheit von Lachen und Weinen, die nur Menschen mit "unendlichem Bewußtsein" zugänglich ist, verharrt das Stück im Unentschiedenen, dessen Gestaltung Kleist im Amphitryon gelang.

464. Jetter, Marianne R.: Some Thoughts on Kleist's Amphitryon and Kaiser's Zweimal Amphitryon. German Life & Letters, N. S., Vol. 13, 1959/60, S. 178-189.
Vergleichende Analyse beider Dramen.

Der zerbrochne Krug

465. Goetz, Wolfgang: Erinnerung. Neue Zeit (Berlin), 6. Dez. 1945.
Zur Geschichte der Handschrift des Zerbrochenen Kruges.

466. de Leeuwe, H. H. J.: So koch' dir Tee (Kleist, Der zerbrochene Krug, v. 1679). Neophilologus, Jg. 30, 1946, S. 63-64.
Nach K. F. Wanders "Deutschem Sprichwörterlexikon", Leipzig 1867-80, Bd. 4, S. 1143 Berliner sprichwörtliche Redensart. Leeuwe interpretiert im Sinne von "Tu was du willst", "laß mich in Ruhe" entgegen früheren wörtlichen Auslegungen.

467. Lennig, Walter: Schauspiel - modern und klassisch. Weisenborn "Babel" - Kleist "Der zerbrochene Krug". Der Sonntag (Berlin), 26. Okt. 1947.
Zur Aufführung im Schiffbauerdammtheater in Berlin, Regie von Rochus Gliese. Forderung weiterer Kleist-Aufführungen.

468. Wilkie, Richard F.: A New Source for Kleist's Der zerbrochene Krug. The Germanic Review, Vol. 23, 1948, S. 239-248. (Mit Abb.)
Außer dem Stich von Jean Jacques Le Veau nach dem Gemälde von Jean Philibert Debucourt wird als weitere mögliche Quelle angegeben: "Der Krug geht so lange zu Wasser, bis er zerbricht; oder der Amtman." In: "Briefwechsel der Familie des Kinderfreundes", hrsg. von Christian Felix Weiße, Tl. 6. Leipzig: Crusius 1786. S. 185-318. In Charakteren und Handlung große Ähnlichkeit. Hofrat Biedermann als Vorbild des Gerichtsrats Walther, der Kleists eigene Erfindung zu sein schien. Der "Briefwechsel" wurde in gehobeneren Kreisen gelesen, er konnte auch Kleist bekannt sein, obwohl darüber keine Sicherheit besteht.

469. Krawczykowski, Zbigniew: O "Rozbitym dzbanie". Lodz teatralna, 1948/1949, Nr. 5, S. 1-3. [Über d. zerbr. Krug.]

470. Victor, Walther: Ein klassisches deutsches Lustspiel. Zu einer Aufführung von Kleists "Zerbrochenem Krug". (1935.) In: Victor, W.: Köpfe und Herzen. Begegnungen mit Zeit und Zeitgenossen. Weimar: Thüringer Volksverlag 1949. S. 185-187.
Entstehung. Wirkung.

471. Heiseler, Bernt von: Kleist in Salzburg. Zeitwende, Jg. 23, 1951, S. 367 bis 368.
Inszenierung des Zerbrochenen Krugs durch Berthold Viertel.

472. Jannings, Emil: Theater - Film - Das Leben und ich. Autobiographie. Bearb. von C. C. Bergius. Berchtesgaden: Zimmer & Herzog 1951.
S. 206-209: Über den Zerbrochenen Krug. Mit 2 Abb.

473. Krumpelmann, John T.: Shakespeare's Falstaff Dramas and Kleist's "Zerbrochener Krug". Modern Language Quarterly, Vol. 12, 1951, S. 462-472.
Eine Reihe von Parallelen zwischen dem Krug und Shakespeares Falstaffdramen werden mit dem Resultat aufgeführt, daß Kleist bei der letzten Version seines Lustspiels vertraut mit Schlegels Übersetzung von "König Heinrich IV." und mit Eschenburgs Übersetzung der "Lustigen Weiber von Windsor" war, und daß bei der Konzeption der Dichtung nicht allgemeine Erinnerungen, sondern bewußte Nachahmung vorlagen. Der Verf. hält auch die Benutzung der englischen Originale für wahrscheinlich.

474. Krumpelmann, John T.: Kleist's Krug and Shakespeare's Measure for Measure. The Germanic Review, Vol. 26, 1951, S. 13-21.
Thematische und wörtliche Anklänge nach Eschenburgs Übersetzung.

475. Mühlher, Robert: Die Mythe vom Zerbrochenen Krug. In: Mühlher, R.: Dichtung der Krise. Mythos und Psychologie in der Dichtung des 19. und 20. Jahrhunderts. Wien: Herold (1951). S. 13-39. (Wissenschaft u. Weltbild.)
In frühen, mythischen Zeiten war der Krug Symbol für Gefäß (Becher), Horn, Mond, schließlich Mutter. Der abnehmende Mond ist dem zerbrochenen Krug, der zunehmende Mond dem geflickten Krug gleichzusetzen. Auch zwischen dem Mythos vom Mann im Mond und Adam bestehen symbolische Beziehungen. Spiegelungen dieser Krugmythe in peruanischen und indischen Regenliedern. Im 18. Jahrhundert begegnet der Krug als Liebessymbol (Greuze). Der Krug als mythologisches und erotisches Symbol in französischen Stücken unabhängig von Kleist.

476. Emmel, Felix: Der märkische Falstaff. Blätter d. Deutschen Theaters in Göttingen, 1951/52, H. 14.

477. Frey, Emmy: "Der zerbrochene Krug" im Unterricht. Der Deutschunterricht (Stuttgart), 1952, H. 1, S. 90-104.

478. Neumann, Alfred R.: Goethe and Kleist's "Der zerbrochene Krug". Modern Language Quarterly, Vol. 13, 1952, S. 61-63.
Die einaktige Oper "Le Prisonnier" von Alexandre Duval, übersetzt von Karl Alexander Herklots und komponiert von Pierre Antoine Dominique Della Maria, die mit Kleists Zerbrochenem Krug am 2. März 1808 zum achten Mal auf der Weimarer Bühne unter Goethes Leitung aufgeführt wurde, erlebte in den Jahren 1800 bis 1815 im ganzen 15 Aufführungen. Vor dem Mißerfolg des Krugs wurde sie zusammen mit Stücken Goethes und Schillers und anderer Goethe nahestehender Autoren gespielt, danach nur mit unbedeutenderen Autoren. Der Verf. glaubt daraus eine Stellungnahme Goethes zu der verunglückten Aufführung des Kleistschen Stückes zu erkennen.

479. Weinert, J[oachim]: "Der zerbrochene Krug" von Heinrich von Kleist in den Kammerspielen Berlin (Berliner Ensemble). Theater d. Zeit (Berlin), Jg. 7, 1952, H. 5, S. 26-28. (Mit Abb.)
Erstaufführung: 23. Jan. 1952. Zusammenfassung der Kritiken.

480. Weckwerth, Manfred: Die Variante zu Kleists "Der zerbrochene Krug". Theater d. Zeit (Berlin), Jg. 8, 1953, H. 8, S. 8-12.
Der Variant als soziale Satire Kleists auf die Zustände des damaligen Preußens und die Gründe für die gewöhnliche Auslassung des Varianten.

481. Weltmann, Lutz: Götter, Kinder und Deutsche. Saisonbeginn in London. Frankfurter Allgem. Ztg., 6. Sept. 1953.
Uraufführung des zerbrochenen Kruges als Sendespiel im Londoner Sender, auch als Television-Drama in der Übersetzung von Lawrence Wilson.

482. Kleist, Heinrich von: Der zerbrochene Krug. Lustspiel in einem Aufzug. Gestaltung und Gestalten. Jahrbuch d. Dresdner Staatstheater, 1954, 9. Folge, S. 23-28.

483. Graham, Ilse Appelbaum: The Broken Pitscher. Hero of Kleist's Comedy. Modern Language Quarterly, Vol. 16, 1955, S. 99-113.
Der Krug ist dichterisches Symbol für die verlorene Unschuld, das Gemälde auf ihm Symbol für die Vertreibung aus dem Paradies. Die biederen Teniersschen Bauern des Stückes, die Kleist bezeichnenderweise zweimal im Gegensatz zu der himmlischen Kunst Raphaels erwähnt, und zwar im Hinblick auf seinen Krug und im Marionettentheater, sind aus dem archaischen Gnadenzustand durch ihre Sünde vertrieben. Adam bleibt eine hybride Natur an der Schwelle der menschlichen Welt, Marthe, Ruprecht, zunächst auch Eve können sich von der konkreten Erscheinung nicht lösen; Eve erhebt sich im Variant und nimmt die Last der Erkenntnis als ersten Schritt der Menschwerdung auf sich. Unbewußtheit, Unfähigkeit der Unterscheidung ist das Thema dieser Komödie, wie Bewußtheit und Unfähigkeit, das Nichterkennbare auf den Flügeln des Glaubens zu erreichen, das Thema der Tragödie Kleists ist.

484. Reichert, Karl: Heinrich von Kleist: "Der zerbrochene Krug". Zur Behandlung im 9. Schuljahr. Deutschunterricht, Jg. 8, 1955, S. 62-74.
I. Analyse des Inhalts der Komödie. II. Die künstlerische Form des Lustspiels. III. Zur unterrichtlichen Behandlung.
Gesellschaftskritische Untersuchung.

485. Ulvestad, Bjarne: A Fairy Tale Motive in Kleist's Der zerbrochene Krug. Journal of American Folklore, Vol. 68, 1955, Nr. 269, S. 290 u. 312.
Als Quelle für Adams Ausrede, die Katze habe in seiner Perücke gejungt, wird das hessische Märchen "Katze und Maus in Gesellschaft", das auch in die Hausmärchen der Brüder Grimm aufgenommen wurde und Ähnlichkeiten mit der von Adam fingierten Situation aufweist, angenommen. Damit soll gesagt werden, daß dieses Detail nicht aus Kleists eigener Phantasie stammt.

486. Goldammer, Peter: Variante oder Urfassung? Ein patriotisches Motiv in Kleists "Zerbrochenem Krug". Neue dt. Literatur, Jg. 4, 1956, H. 7, S. 115 bis 124.
Der Variant, der zweifellos die ursprüngliche Fassung des 12. Auftrittes war, behandelt das Motiv des gerechten Krieges, das Kleist schon früh beschäftigte. Der demokratisch bestimmte Patriotismus des Varianten offenbart die Kontinuität des nationalen Empfindens Kleists als wesentliches Moment für das Verständnis seines widerspruchsreichen Denkens und Schaffens.

487. Brinkmann, Karl: Erläuterungen zu Kleists Der zerbrochene Krug. Neu bearb. 4. Aufl. Hollfeld/Obfr.: Bange [1957]. 80 S. (Wilhelm Königs Erläuterungen zu d. Klassikern. Bd. 30.)

488. Enomoto Shigeo: "Koware kame" ron. [Über den "zerbrochenen Krug". Japanisch.] Doitsu bungaku (Tokyo), 1957, [H.] 19, S. 29-33.

489. Kehrli, J[akob] O[tto]: Wie "Der zerbrochene Krug" von Heinrich von Kleist entstanden ist. Dem Andenken Dr. Ludwig Hirzels gewidmet. Schweizerisches Gutenbergmuseum, Jg. 43, Nr. 1, April 1957, S. 3-18. (Erweit. Abdr. e. Aufsatzes in Der kleine Bund, Jg. 107, Nr. 515, 2. Nov. 1956.) Mit 5 Abb. u. 2. Faks. - Auch als Sonderdr. ersch.: Bern: Schweizerisches Gutenbergmuseum; [Vertrieb:] H. Lang (1957). 20 S. mit Abb., 2 Bl. Abb., 1 gef. Bl. (Bibliothek d. Schweizerischen Gutenbergmuseums Bern. Nr. 22.)
Zolling (Heinrich von Kleist in der Schweiz, 1882) hat nicht den Originalstich, den Kleist bei Zschokke in Bern gesehen hat, wiedergegeben, sondern eine nach dem Gemälde von Debucourt für die "Gazette des Beaux-Arts" 1873 angefertigte Radierung. Der Kupferstich von Jean Jacques Le Veau: "Le juge, ou la cruche cassée", nach dem im Pariser Salon von 1781 ausgestellten Gemälde "Le juge de village" von Jean Philibert Debucourt angefertigt, wurde 1795 von Zschokke in Paris gekauft und befindet sich jetzt im Besitz der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern. Nach einem Vergleich des Gemäldes Debucourts mit Jean Baptiste Greuzes "La cruche cassée" aus dem Louvre wird die auf Le Veaus Stich dargestellte Szene mit der Handlung des Lustspiels verglichen. - Die Abbildungen zeigen: Porträts von Zschokke, Kleist (Miniatur), Jean Philibert Debucourt, den Originalstich von Le Veau, Greuze: "La cruche cassée" und Faks. der Titelblätter von Kleists Familie Schroffenstein und Der zerbochene Krug.

490. Reh, Albert: Der komische Konflikt. Eine Untersuchung über das Wesen des Komischen in der Komödie von Lessing und Kleist. Diss. München 1957. 2 Bl., IV, 141 S. [Maschinenschr.]
S. 74-119: Die Frage nach Begriff und Struktur des Komischen, das, bislang auf den ästhetisch-psychologischen Bereich eingeengt, überwiegend abwertende Beurteilung erfahren hat, und nach den verschiedenen Möglichkeiten seiner Gestaltung wird auf Grund einer Untersuchung von Lessings Minna und Kleists Zerbrochenem Krug neu gestellt. Danach zeigt sich das eigentlich Komische im komischen Konflikt, d. h. in dem Bemühen, den Widerspruch zwischen anschaulich gegebener Wirklichkeit und gedachter Vorstellung hinter einer Vorspiegelung ehrlicher Absichten zu verbergen, wobei unbewußte Verkennung (bei Tellheim) und bewußte Verstellung (bei Adam) zu unterscheiden sind.
Der in den komischen Konflikt gestellte Mensch ist nicht nur Objekt des Lachens, sondern als Subjekt der Anteilnahme gewiß. Subjektsein und Objektsein, Ernst und Lächerlichkeit müssen sich in der Komödie durchdringen. Da Dichtung vornehmlich Aussage über den Menschen ist, wird auch das Leben Kleists für die Erkenntnis des Komischen behandelt. Grundproblem der Komödie Kleists ist die Selbstentlarvung menschlicher Verstellung und die Bewährung des innersten Gefühls. Der Amphitryon wird wegen seiner komischen Elemente gestreift; von der Grundidee her gesehen ist er als Tragödie aufzufassen.
S. 130-136: Anmerkungen.

491. Reinhardt, Heinz Rainer: Kleists "Zerbrochener Krug" und das Schultheater. Die Pädagog. Provinz, Sonderdruck d. April.-H. 1957: Sinn u. Wege d. Schulspiels, S. 227-235.
Das Typische des Kleistschen Theaters wird mit Hilfe der in Kleists Aufsatz Über das Marionettentheater aufgestellten Erkenntnisse über das Wesen des Menschen erarbeitet.

492. Scholz, Albert: Zur Textkritik von Kleists Der zerbrochene Krug. Modern Language Notes, Vol. 72, 1957, S. 200-202.
Betrifft Kleists Regiebemerkung im 11. Auftritt: "Er zeigt seinen linken Fuß." Gemeint kann nur der rechte sein.

493. Schadewaldt, Wolfgang: Der "Zerbrochene Krug" von Heinrich v. Kleist und Sophokles' "König Ödipus". (Das Problem. - Entsprechungen. - Spiegelbildliche Verkehrung. - Schicksal. - Tragik. - Allgemeiner Ausblick.) Schweizer Monatshefte, Jahr 37, 1957/58, S. 311-318. - Wiederabgedr. in: Schadewaldt, W.: Hellas und Hesperien. Gesammelte Schriften zur Antike und zur neueren Literatur. (Zum 60. Geburtstag von Wolfgang Schadewaldt am 15. März 1960 unter Mitarb. von Klaus Bartels hrsg. von Ernst Zinn.) Zürich, Stuttgart: Artemis Verlag (1960). S. 843-850.
Personen, Motive, Situationen und Handlung des zerbrochenen Kruges sind negatives Spiegelbild des Ödipusgeschehens. Als Beispiel echter schöpferischer Fortwirkung großer griechischer Gestaltung im modernen abendländischen Geiste, die nicht Nachahmung, sondern Metamorphose ist, bezeugt er die unerschöpfliche Fruchbarkeit antiker Grundformen. Es ist nicht nur Charakterdrama, sondern wie die antike Tragödie auch Schicksalsdrama. In Eva, Ruprecht und auch Adam verkörpert sich echte Tragik, die sich jedoch im Guten auflöst. Der Krug zeigt, daß die echte Komödie "beinahe" auch eine Tragödie und die höhere Komik ihrem Wesen nach Verkehrung des Ernstes ist.
Bespr.: K. O. Conrady: Germanistik, Jg. 2, 1961, S. 10-12.

494. Fukumoto Kinosuke: Heinrich von Kleist: Der zerbrochene Krug sprachlich erläutert. 1. 2. [Deutsch.] Essays and Studies (Kansai University), Vol. 7, 1958, Nr. 4, S. 1-39; Vol. 8, 1958, Nr. 2, S. 1-64.

495. Schrimpf, Hans Joachim: Kleist. Der zerbrochene Krug. In: Wiese, Benno von: Das deutsche Drama vom Barock bis zur Gegenwart. Hrsg. [Bd.] 1. Düsseldorf: A. Bagel (1958). S. 339-362.
Analyse. Das Groteske - die unheimliche Verfremdung der Wirklichkeit bei ausbleibender Sinnerfüllung, die in der Tragödie sichtbar wird - ist charakteristisch für Kleists Komödie und bereichert die deutsche Lustspielliteratur um eine eigentümliche Gattungsform: die Grotesk-Komödie.

496. Guthke, Karl S[iegfried]: Kleists Zerbrochener Krug und Sartres La Putain Respectueuse. Die Neueren Sprachen, N. F.; Jg. 8, 1959, S. 466-470. - Vgl. Nr. 497 a.
Die Grundstruktur beider Stücke ist die gleiche und beruht vermutlich auf einer archetypischen Verwandschaft. Parallelen in der Figurenkonstellation und in der Entwicklung der inneren Handlung legen nahe, daß Kleists Lustspiel eine literarische Figuration für Sartres Stück hergegeben hat.

497. Tamura Noboru: "Koware kame" ni okeru Kuraisuto no romanteki shikokeishiki. [Kleists romantische Denkform im "Zerbrochenen Krug". Japanisch.] Doitsu bungaku (Tokyo), 1960, [H.] 25, S. 29-35.

497 a. Zimmermann, Hans-Joachim: Noch einmal: Kleists Zerbrochener Krug und Sartres La Putain Respectueuse. Die Neueren Sprachen, N. F., Jg. 9, 1960, S. 485-488.
Sartre spielt nicht, wie Guthke [Nr. 496] annimmt, auf den Stich von Le Veau an, sondern auf das Gemälde von Greuze: "La cruche cassée", und wollte keine untergründige Beziehung zu Kleists Lustspiel andeuten.

Penthesilea

498. Petsch, Robert: Wesen und Formen des Dramas. Allgemeine Dramaturgie. Halle: M. Niemeyer 1945. (Dt. Vierteljahrsschr. f. Literaturwiss. u. Geistesgesch., Buchreihe, Bd. 29.)
S. 117-121: Penthesilea. Siehe auch Register.

499. Sternberger, Dolf: Kampf der Liebenden. Über Kleists "Penthesilea". In: Sternberger, D.: Figuren der Fabel. Essays. (Berlin:) Suhrkamp 1950. S. 93-105. [Zuerst 1942.]
Gegenstand des Dramas ist der Kampf um die Macht. Achill als Eroberer, Routinier und Kavalier verkörpert das Salonstück im Trauerspiel. Selbsttäuschung hält sein eignes Wunschbild für weibliche Natur. Penthesilea als Modell des Ewig-Weiblichen in Hingabe und Machtgier. Erst dem Vernichteten gibt sie sich willig hin.

500. Blühm, Elger: Die Wandlungen des Kleistbildes, vornehmlich aufgewiesen an der Auffassung der "Penthesilea". Diss. Greifswald 1951. 4, 224, XVI S. [Maschinenschr.]
I. Einleitung.
II. Kleist über die "Penthesilea".
III. Kleist und seine Zeit. 1. Vorbemerkungen. 2. Zeitgenössische Urteile über Kleist. 3. Kleist im Urteil der Romantiker. 4. Zeitgenössische Urteile über die "Penthesilea". 5. Goethe und Kleist.
IV. Urteile über Kleist von 1820-1860. 1. Vorbemerkungen. 2. Romantik und Biedermeier. Eichendorff und Grillparzer. 3. Kleist im Urteil der Jungdeutschen. 4. Friedrich Hebbel und Otto Ludwig. 5. Öffentliche Meinung und Literaturgeschichtsschreibung.
V. Das Kleistbild in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 1. Vorbemerkungen. 2. Die Anfänge der Kleistliteratur. 3. Die Literaturforschung. 4. Stimmen außerhalb der Literaturforschung. Nietzsche.
VI. Das Kleistbild des 20. Jahrhunderts. 1. Vorbemerkungen. 2. Das Kleistbild im Zeichen des Jubiläumsjahres von 1911. 3. Das Kleistbild zwischen 1918 und 1933. 4. Das Kleistbild des Nationalsozialismus. 5. Das Kleistbild der Gegenwart.
Inhaltsübersicht.
Literaturverzeichnis.
Abkürzungsverzeichnis.
Keine ästhetisch-kritische, sondern morphologische Betrachtung der Wandlung des Kleistbildes unter Berücksichtigung der jeweiligen Geisteshaltung der einzelnen Zeitabschnitte.

501. Tagawa Motozo: Über Kleists "Penthesilea". Bulletin d. Universität Kyoto, 1952.

502. Gerlach, Kurt: Kleists Drama "Penthesilea", eine Interpretation. Die Pädagog. Provinz, Jg. 7, 1953, S. 179-185.
Geyer, H.: Dichter des Wahnsinns. [s. Nr. 380.] 1955.

503. Kushida Teruo: Hainrihi fuon Kuraisuto no "Pentejirea". [H. v. Kleist: "Penthesilea". Japanisch.] Tohoku-gakuin daigaku ronshu (The Literary and Economic Association Review, Tohoku-gakuin University), 1955, Nr. 21, S. 95-126.

504. May, Kurt: Kleists "Penthesilea". In: May, K.: Form und Bedeutung. Interpretationen deutscher Dichtung des 18. und 19. Jahrhunderts. Stuttgart: E. Klett (1957). S. 243-253.
Im Gegensatz zur Klassik kennt Kleists Drama nicht den Grundkonflikt von sinnlicher und sittlicher Natur, sondern läßt das individuelle Gefühl in einem Zustand letzter, unbewußter Getriebenheit triumphieren. Das Gesetz des Amazonenstaates erweist sich als sinnlose Ordnungsmacht gegenüber dem natürlichen Anspruch des lebendigen Menschen und besiegelt den Untergang Penthesileas. Doch auch die Liebe wird zur Quelle des Unterganges und enthüllt die Tragik einer Weltordnung, in der selbst der höchste Wert die menschliche Existenz zerstört.

505. Fricke, Gerhard: Kleist. Penthesilea. In: Wiese, Benno von: Das deutsche Drama vom Barock bis zur Gegenwart. Hrsg. [Bd.] 1. Düsseldorf: A. Bagel (1958). S. 363-384.
Dem eigentlichen Vorgang in Kleists größter Tragödie kann man nur in concreto folgen, ohne prinzipielle Fragen nach Idee und Konflikt, Charakter und Typus der Helden, faktischen und grundsätzlichen Voraussetzungen zu stellen, da sie das tragische Geschehen qualitativ verändern und das Verständnis dieser unmittelbarsten Selbstaussage des Dichters erschweren. Denn der Widerspruch von Gesetz und Liebe bleibt Penthesilea verborgen, weil beide unbewußte, selbstverständliche Bedingungen ihrer inneren Existenz sind und nicht vor das Bewußtsein gebracht, sondern nur erlebt werden können. Dem konkreten Wort und Geschehen nach bleibt das Tragische uneingeschränkt bewahrt, und doch wird der Menschenseele die Kraft zuerkannt, es ganz zu durchleiden und zu bestehen.

506. Kossmann, Alfred: Het rozenfeest van Heinrich von Kleist. De Gids (Amsterdam), Jg. 121, 1958, Nr. 7, S. 22-31.
Nach einleitenden Bemerkungen über Kleists Leben und Werk wird das Rosenfest in der Penthesilea als Symbol für Kleists Liebesempfinden gedeutet.

507. Streller, Siegfried: Zur Problematik von Kleists "Penthesilea". (Überarb. Fassung e. Vortrages, geh. am 11. Dez. 1985 im Goethe-Nationalmuseum.) Weimarer Beiträge, Jg. 5, 1959, S. 496-512.
Der Widerspruch zwischen Naturrecht des Individuums, vertreten durch Achill, und vertraglicher Staatsordnung, vertreten durch die Amazonen, bestimmt die Tragödie und ist auch der Lebenskonflikt des jungen Kleist. Noch in der Penthesilea wird der Staat als Unterdrücker der individuellen Natur schlechthin aufgefaßt, in dem sich menschliche Größe nur durch Selbstvernichtung verwirklichen kann. Kleist war blind gegenüber der historischen Größe seiner Zeit; seine Staatstheorie, nach dem Vorbild Rousseaus geformt, noch vorrevolutionär; und so erklärt sich die Unzulänglichkeit seiner Sicht des Humanismus, dem die Perspektive der historischen Entwicklung und damit die objektive historische Wahrheit fehlt.

Das Käthchen von Heilbronn

508. Blaesing, Edith: Kleists Käthchen von Heilbronn. Gestalt und Gehalt (Beziehungen zur Romantik und Ausdruck Kleistscher Individualität.) Diss. Marburg 1945. 2, 126, 6 S. [Maschinenschr.]
I. Einleitung. a. Die verschiendenen Ergebnisse der Kleistdeutung, Ausdruck der Schwierigkeit der Einordnung des Dichters. b. Bedeutung der Dresdner Epoche für das Lebensgefühl und Kunstschaffen des Dichters. c. Zielsetzung.
II. Analyse des Käthchen von Heilbronn.
III. Die Gestalt des Dramas. Darstellung der romantischen Elemente im K. v. H. a. Lebens- und Kunstauffassung der Romantik im Gegensatz zu der Kleists. b. Die Welt des Ritterstückes als äußerer Rahmen des Geschehens. c. Die "Nachtseiten der Natur", das Unbewußte in der Beziehung zwischen Käthchen und dem Grafen. d. Das christliche Element, symbolischer Ausdruck des Ineinandergreifens von Transzendentem und Empirischem. e. Die Bezüge zum Volksmärchen. f. Das Melusinenmotiv.
IV. Der Gehalt des Dramas. Das Käthchen von Heilbronn, ein Ichausspruch Kleists. a. Kleists Grundanliegen: Erfüllung der irdischen Bestimmung und Gefühlssicherheit. b. Kleists Wesen, seine Unaussprechlichkeit und seine Unbedingtheit.
V. Zusammenfassende Schlußbetrachtung.
Literaturangabe.
Die Bezeichnung "Romantisches Drama" läßt sich nur äußerlich auf das Käthchen anwenden als eine Form, in der Kleist sein stets gleiches Grundanliegen: Gefühlssicherheit und Erfüllung der eigenen Bestimmung, ausspricht. Käthchen verkörpert Kleists Wesen in seiner Unaussprechlichkeit und Unbedingtheit, ist zugleich Ausdruck der glücklichen Lebensepoche in Dresden und der Hoffnung des Dichters, seine Grundanliegen - im Gegensatz zur Penthesilea - verwirklichen zu können. Die romantischen Bestandteile: Einbeziehung des unbewußten Seelenlebens, innige Wechselwirkung von Transzendentem und Empirischem, ausgedrückt durch christliche Motive, Märchencharakter und mittelalterlich-ritterlichen Rahmen, betreffen nur die Gestalt, nicht den inneren Gehalt des Stückes, der seinem Wesen nach unromantisch ist.

509. Molo, Walter von: Über das Deutsche Theater. Ansprache zur Eröffnung der Käthchen-Festspiele in Heilbronn, 1927 [recte 1929]. In: Molo, W. von: Zwischen Tag und Traum. Gesammelte Reden und Äußerungen. (Vom Dichter durchges. endgült. Ausg.) (Berlin, Bielefeld, München:) E. Schmidt (1950). S. 34-47. [Zuerst 1930.]
Käthchen von Heilbronn als echtes Volksstück und deutsches Weihespiel.

510. Wolff, Hans M[atthias]: Käthchen von Heilbronn und Kunigunde von Thurneck. Trivium, Jg. 9, 1951, S. 214-224.
Aus bestimmten Unstimmigkeiten des Zusammenhanges wird eine ältere Fassung konstruiert, die ursprünglich "Kunigunde von Thurneck" hieß und mit Käthchens Vergiftung schloß. Sie war kein romantisches Ritterdrama, sondern ein realistisch-anklagendes Stück gegen Standesunterschiede und Habsucht im Sinne Rousseauscher Ideen. Die so konstruierte ältere Fassung wird zum "Götz" und zur Familie Schroffenstein in Parallele gesetzt, ihre Entstehung in die Zeit der Familie Schroffenstein verlegt und der Plan bis auf die Würzburger Zeit zurückverfolgt, der so den ersten dichterischen Versuch Kleists darstellt.

511. Endo Shingo: Kuraisuto to "Hairuburon no Ketohien". [Kleist und das "Käthchen von Heilbronn". Japanisch.] Philharmonie, Vol. 24, 1952, Nr. 8.

512. Grolman, Adolf von: Kleist: "Das Käthchen von Heilbronn oder die Feuerprobe". Das neue Forum (Darmstadt), [Jg. 2, 1952/53, H.] 6, S. 91-94.
Die unsaussprechliche Angst vor der dichterischen Verantwortung ist die Feuerprobe, die der Philister vordergründig auf der Bühne mitansieht, während es sich um eine Tragödie des Menschen schlechthin handelt mit der todernsten Frage im Hintergrund: Hat der Mensch einen freien Willen oder nicht? Der zweite Untertitel des Werkes "Großes historisches Ritterschauspiel" ist parodistisch aufzufassen und auch darzustellen.

513. Hering, G[erhard] F[riedrich]: Notizen zum "Käthchen". Das neue Forum (Darmstadt), [Jg. 2, 1952/53, H.] 9, S. 141-143.
Interpretations- und Regiebemerkungen.

514. Adolf, Helen: Kleist's Kunigunde, Jung-Stilling, and the Motif of the Paradox. The Journal of English and Germanic Philology, Vol. 52, 1953, S. 312-321.
Schon Wukadinovic hatte auf den Einfluß von Jung-Stillings Roman "Theobald oder die Schwärmer" auf Kleists Käthchen hingewiesen. Die drei Motive der Kunigunde-Handlung: Befreiungsszene, synthetische Schönheit (mosaische Arbeit) und Melusinenmotiv finden sich auch in Jung-Stillings "Heimweh". Kunigunde ist Allegorie für die Sünde, Rosalie für die Sinnlichkeit. Beide sind Freundinnen und gehören zueinander. Die Sünde erscheint als Geschöpf der Sinnlichkeit. Rosalie sollte vielleicht das Gegenstück zu Käthchens Engel sein. Kunigunde erscheint auch als Allegorie der falschen Aufklärung, des Atheismus und der Frivolität. Wie Kunigunde findet auch Käthchen ihre Parallele bei Jung-Stilling, sie ist eine Allegorie des religiösen Paradox, in ihr vereinen sich märchenhafte und christliche Motive. Das Ärgernis (Käthchens hündische Dienstfertigkeit) ist die Mutter des Heiligen bei Kleist, das Skandalöse vermischt sich mit dem Ekstatischen, wie bei seinem Tod. Erst die pietistische Allegorie bietet eine Basis für das richtige Verständnis des Käthchen.

515. Torberg, Friedrich: Das Käthchen vom Ronacher. Ein parodistisches Nachspiel zur Weihnachts-Premiere des Burgtheaters. Forum (Wien), Jahr 2, 1955, S. 32-33).
Gereimte Parodie und Kritik des Käthchen von Heilbronn anläßlich der Aufführung im Wiener Burgtheater unter Adolf Rott. Vgl. Der Spiegel, Jg. 9, 16. Febr. 1955, S. 40-41.

516. Weigand, Hermann J.: Zu Kleists Käthchen von Heilbronn. I. Voraussetzungen. Hyberbelstil. II. Der Doppeltraum und seine Bedeutung für die Träger der Handlung. III. Das Käthchen und der Ofterdingen. In: Studia philiogica et litteraria in honorem L[eo] Spitzer. Ed. A[nna] G[ranville] Hatcher [u.] K[arl] L[udwig] Selig. Bern: Francke (1958). S. 413-430.
Träger der dramatischen Handlung ist Graf Wetter vom Strahl, dessen Entwicklung auf zwei Voraussetzungen beruht: Der selbstverständlichen und gottgewollten Trennung der Stände bei gegenseitiger Achtung und der Verheißung, daß die ihm bestimmte Geliebte eine Kaiserstochter ist. Eine psychologische Motivierung des Geschehens widerspricht dem Wundercharakter des christlich-mittelalterlichen Vorsehungsdramas. Das Wunderbare drückt sich auch in dem von Kleist häufig angewandten und seinem eigenen Wesen entsprechenden Hyperbelstil aus. Während Käthchen einig, unschuldig und unbewußt die Bedingung des Traumes erfüllt, wird der Graf durch Ichbefangenheit, Irrtum und Leiden zur Erkenntnis seiner Begnadung geführt. Sein Widerruf vor versammeltem Hofstaat wird als momentante Verzagtheit gedeutet. Parallelen zu Hardenbergs "Heinrich von Ofterdingen" und ein diesem Roman entnommenes Zitat in Kleists Brief an Ulrike vom 12. Jan. 1802 beweisen, daß Kleist den Ofterdingen gleich nach Erscheinen im Herbst 1801 gelesen hat, wofür auch die Verwendung des Namens Sylvester in den Schroffensteinern zeugt, die an den Arzt Sylvester in Hardenbergs Roman erinnert.

517. Grözinger, Wolfgang: Kleists Käthchen am Lippeschen Hof. Ein Fund auf der Auer Dult. Dt. Ztg. (Stuttgart), 19. Juli 1959; abgedr. in: Der Kurier (Berlin), 2. Febr. 1960 u. d. T.: Käthchen auf der Auer Dult.
Auf dem Münchner Jahrmarkt, der Auer Dult, wurde ein altes Bühnenmanuskript entdeckt, das als Soufflierbuch für eine Aufführung wahrscheinlich noch zu Lebzeiten des Dichters gedient hatte. Das Manuskript, das den Stempel des ehemaligen Fürstlichen Lippeschen Hoftheaters trägt, enthält eine Reihe von Lesarten, die von der Buchausgabe abweichen und typisch Kleistische Ausdrücke sind, wofür Beispiele gebracht werden.

Die Hermannsschlacht

518. Joerden, Rudolf: Über den Haß in der Dichtung. Die Sammlung, Jg. 2, 1947, S. 555-565.
S. 560-562: Kleists Hermannsschlacht als Haßdichtung. Vergleich mit Klopstocks Hermanns-Dramen. Das politisch-kriegerische Programm von 1944-1945 ist in diesem Schauspiel der politischen Aktivierung vorweggenommen.

519. Kuehnemund, Richard: Arminius or the Rise of a National Symbol in Literature. (From Hutten to Grabbe.) Chapel Hill: University of North Carolina 1953. (University of North Carolina Studies in Germanic Languages and Literatures. Nr. 8.) S. 86-105: The Struggle for Freedom and Union - Heinrich von Kleist and his Successors.
S. 86-95: Hermannsschlacht.

520. Mathieu, G[ustave]: Kleist's Hermann: The Portrait of an Artist in Propaganda. German Life & Letters, N. S., Vol.7, 1953/54, S. 1-10.
Hermanns psychologische Kunst der Kriegführung.

521. Kushida Teruo: Heinrich von Kleists "Hermannsschlacht". [Japanisch.] Ronshu (Universität Tohoku-gakuin), 17, 1956.

522. Heidicke, Manfred: Aktuell um jeden Preis. "Die Hermannsschlacht" von Heinrich von Kleist im Harzer Bergtheater Thale. Theater der Zeit (Berlin), Jg. 12, 1957, H. 8, S. 48-50.
Der Irrationalismus in der Hermannsschlacht als Resultat der gesellschaftlichen Herkunft Kleists. Kritik an der Aufführung, die das Drama willkürlich auf die Einheit Deutschlands zurechtbog.

523. May, Kurt: Kleists "Hermannsschlacht". Eine Strukturanalyse. In: May, K.: Form und Bedeutung. Interpretationen deutscher Dichtung des 18. und 19. Jahrhunderts. Stuttgart: E. Klett (1957). S. 254-262.
Umarbeitung des Aufsatzes in der Zschr. f. Deutschkunde, Jg. 51, 1937, S. 294 bis 300. Die Hermannsschlacht, erste politische Tendenzdichtung in der deutschen Literatur und noch heute als Vorbild eines aktivistischen Dramas unübertroffen, zeigt in seiner Struktur den völligen Mangel an innerer Dialektik. Die Aktion ist in sich spannungslos, eine Entwicklung der Charaktere findet nicht statt. Das aktivistische Drama hat lediglich Wert und Unwert zu zeigen. Die Eindeutigkeit seiner Handlung würde zur Auflösung des Dramas führen, läge seine Bestimmung nicht darin, aufstachelnd zu wirken, um dann durch das tendenzfreie Drama abgelöst und überwunden zu werden.

524. Samuel, Richard: Eine unbekannte Fassung von Heinrich von Kleists Hermannsschlacht. Jahrbuch d. dt. Schillergesellschaft, Jg. 1, 1957, S. 179-210.
Tiecks Fassung der Hermannsschlacht von 1821 (Dresdner Handschrift) und das in den "Zeitschwingen" 1818 abgedruckte Bruchstück des Dramas werden nebeneinander abgedruckt und verglichen. Die Zeitschwingen-Fassung, die auf einer von Kleist selbst korrigierten Abschrift beruht, liegt zeitlich früher und weist erhebliche Abweichungen auf, was auf die Existenz eines anderen Manuskripts schließen läßt. Tiecks Fassung hat ihr gegenüber zahlreiche Verbesserungen, die Kleist vermutlich im Laufe der Zeit selbst anbrachte, ohne nach dem Scheitern der Aufführungspläne durch Collin je wieder den Versuch gemacht zu haben, das Stück an die Öffentlichkeit zu bringen. Woher der Herausgeber der "Zeitschwingen" Johann Baptist Pfeilschifter die Abschrift erhalten hatte, konnte nicht ermittelt werden.

525. Hartlieb, Wladimir v.: Prinz Friedrich von Homburg von Heinrich von Kleist. In: Hartlieb, W. v.: Geist und Maske. Erlebtes Theater. Wien, Köln: A. Sexl (1950). S. 116-128.
Würdigung Kleists. Homburg als deutsches Meisterdrama.

526. Dietz, Walthari: Gérard Philipe als Prinz von Homburg. Die Theaterfestspiele in Avignon. Die Neue Ztg. (Berlin), 2. Aug. 1951.
Zur Aufführung des Prinzen von Homburg im Palast der Päpste in Avignon während der Festspiele im Juli 1951.

527. Hilpert, Heinz: Zum: "Prinz von Homburg". (1951.) In: Hilpert, H.: Gedanken zum Theater. Göttingen: Hainbund-Verlag (1951). S. 137-139.
Der Homburg ist kein Kriegsstück, sondern will nur für das Gesetz und gegen das Chaos plädieren. Das Preußische liegt im freiwilligen Gehorsam.

528. Fricke, Gerhard: Kleists "Prinz von Homburg". Versuch einer Interpretation. (Vortrag, geh. im Sommer 1950 in d. "Wissenschaftlichen Studiengesellschaft" in Stuttgart.) Germ.-roman. Monatsschr., N. F., Bd. 2, 1951/52, S. 189-208. - Wiederabgedr. in: Fricke, G.: Studien und Interpretationen. Ausgewählte Schriften zur deutschen Dichtung. Frankfurt a. M.: H. F. Menck (1956). S. 239-263.
Der Prinz handelt aus dem Schwerpunkt seiner gewissen Bestimmung. Durch die Erfüllung seines Wunschtraumes in der letzten Szene erweisen sich seine in unbewußter Tiefe der Seele genährten Träume als groß und berechtigt. Traumerscheinung und Handschuh, als Bindeglied zwischen Traum und Wirklichkeit, bilden die geheime Quelle seines Handelns, nicht Ehrsucht und Selbstliebe. Darüber vergißt der Prinz den realen Bezug zu seiner Aufgabe und erleidet somit ein rein tragisches Schicksal, das nicht mittels ethischer Kategorien zu begreifen ist. Er bleibt ethisch der gleiche, ohne daß sich ein Substanzwechsel von Selbstsucht zur Selbsthingabe in ihm vollzieht. Die Verurteilung bewirkt in ihm den Verlust seines Vertrauens und damit Verlust seines wesenhaften Ichs. Er wird zum existenzlosen Objekt, dem das nackte Dasein der höchste Wert ist. Die Lösung des Kurfürsten bewirkt die Rückwandlung des Prinzen vom Objekt zum Subjekt. Er findet zu sich selbst zurück, folgt aber nicht dem Gesetz, sondern seinem Gefühl, und durch diesen absolut persönlichen Akt wird das Gesetz erst bestätigt, das zu seiner Rechtfertigung der Zustimmung der Person bedarf. Persönlich, unsachlich bleibt der Prinz bis zuletzt. Der Prinz der ersten Szene ist nicht sittlich überwunden, sondern tritt nach schicksalhafter Verdunkelung in der letzten Szene als ein mit sich und seiner Bestimmung einiges Ich wahr und rein hervor. Die Schlußszene führt die Anfangsszene zu Ende.

529. Marcel, Gabriel: Der Prinz von Homburg in Paris. Das neue Forum (Darmstadt), [Jg. 1, 1951/52, H.] 13, S. 202-205.
Zur Aufführung von Jean Vilar in Paris 1951. Inhaltsangabe und Beurteilung.

530. Braun, Hanns: Repatriierter Kleist. Zu Jean Vilars Deutschlandtournee. Rhein. Merkur, 3. Okt. 1952.
Der Prinz von Homburg als Gastspiel des Théâtre National Populaire (Paris) in München. Vorbildliche Aufführung.

531. Franke, Walter: Prinz Friedrich von Homburg. Eine Schulinterpretation. Der Deutschunterricht (Stuttgart), 1952, H. 1, S. 77-89.

532. Günther, Herbert: Theaterbriefe aus Paris. Zur Aufführung von Kleists "Prinz von Homburg". Neue literar. Welt, Jg. 3, 1952, Nr. 6, S. 10.

533. Hafner, Franz: Heinrich von Kleists "Prinz Friedrich von Homburg". Zürich: Atlantis-Verlag (1952). 104 S., 1 Bl. (Zürcher Beiträge z. dt. Literatur u. Geistesgesch. Nr. 4.)
Vorwort.
I. Die Sprache. Das Nennen. Das Bild. Der Satz. Der Vers.
II. Gestalten und Motive. Der Prinz von Homburg - Der Fall. Natalie. Der Kurfürst. Kottwitz. Der Prinz von Homburg - Die Erhebung.
III. Das Spiel. Das Problem. Der Stil. Der Rhythmus. Die Heimat. Das Spiel.
Literatur.
Kleists Sprache, ohne Bezug zur Wirklichkeit aus der inneren Anschauung gewonnen, entspringt einem sich absolut setzenden Gefühl, das um jeden Preis Übersinnliches auf Kosten der Wirklichkeit ausdrücken will. Daraus erklärt sich die Häufung von Hyperbeln, kosmischen und mythischen Vergleichen, der allegorische Stil. Die Sprache soll nach Möglichkeit knapp sein und zugunsten des Gedankens verschwinden, auch auf Kosten der Anschaulichkeit. Das Grundproblem Kleists, die Überwindung der tötlichen Antinomie von unendlichem Gefühl und Wirklichkeit, realisiert sich sprachlich als Unnatur und Gewaltsamkeit in Satzbau und Rhythmus. Sprache, Inhalt und dramatischer Aufbau des Homburg zeigen als inneres Gesetz den Dreischritt der menschlichen Entwicklung von der ursprünglichen Einheit des Gefühls über die diskursive Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit zu deren Anerkennung und Überwindung. Wo wie im Homburg das unbedingte Gefühl die Eigenart der Welt in ihrer Gebrechlichkeit annimmt und überwindet, indem es sich nach der Austreibung aus dem Paradies wieder an der idealen Sphäre des Absoluten orientiert, ergeben Sprache, Inhalt und Stil eine vollkommene Einheit, wie sie nur im Homburg von Kleist erreicht wird und womit das Höchste in der Kunst, das Tiefste mit vollendeter Grazie zu sagen, erreicht ist.

534. Heiseler, Bernt von: Über Vers und Bühne. In: Heiseler, B von: Ahnung und Aussage. Essays. (Neue erw. Ausg.) (Gütersloh:) C. Bertelsmann (1952). S. 329-348.
Dialog über eine dem Geist der Dichtung gerecht werdende Darstellung des Prinzen von Homburg auf der Bühne.

535. Karsch, Walther: Prinz Friedrich von Homburg - französisch. Zweites Gastspiel des Théâtre National Populaire im Schiller-Theater (Berlin). Der Tagesspiegel (Berlin), 18. Sept. 1952. (Mit Abb.)

536. Luft, Friedrich: Der Stil des Théâtre National Populaire. Zu Jean Vilars "Prinz von Homburg". Die Neue Ztg. (Berlin), 18. Sept. 1952.

537. Wiese, Benno von: Gedanken zum Drama als Gespräch und Handlung. Der Deutschunterricht (Stuttgart), 1952, H. 2, S. 28-46. - Wiederabgedr. in: Wiese, B. von: Der Mensch in der Dichtung. Studien zur deutschen und europäischen Literatur. Düsseldorf: A. Bagel (1958). S. 277-298.
S. 33-35 (283-286). Homburg 4,4 als Beispiel des dramatischen Gesprächs. In der Gebärde enthüllt sich das Eigentliche des Menschen, während Worte nur Umwege sind, die verdunkeln, was die Gebärde aussagt.

538. Höllriegl, Wolfgang: Das Lösungsdrama. (Vornehmlich in deutscher Dichtung.) Diss. Tübingen 1953. [Maschinenschr.] S. 107-118: Romantische Dramatiker; Kleist.
Das Lösungsdrama ist eine besondere Gattung des Dramas, der Tragödie gleichwertig mit echtem tragischen Konflikt, der durch äußere Gnadeneinwirkung, innere Wandlung oder Bewährung des Helden überwunden wird. Die Überwindung muß eine echte, notwendige sein, so daß zwischen menschlicher Haltung und göttlicher Gnade eine notwendige Beziehung besteht. Der Moment der höchsten Gefahr muß mit dem der persönlichen Reife zusammenfallen und Gnade die Antwort Gottes auf die Hingabe des Menschen sein. Voraussetzung für das Lösungsdrama ist religiöse Gebundenheit oder religiöses Kämpfen des Dichters, wobei häufig eine enge Verbindung zwischen Religion und staatlich-politischem Bereich besteht; ferner muß das Diesseits als unbedingter Wert erfaßt werden. In diesem Sinne ist der Prinz von Homburg Kleists als "Lösungsdrama par excellence" zu betrachten. Der Prinz löst sich aus der traumhaften Gefühlssicherheit, die sich als egozentrisch und unwahr erwiesen hat, indem er die tragische Katastrophe sich wandelnd und reifend besteht, sich zu einer höheren Stufe des Seins nach dem Erlebnis des Wertes der nackten Existenz erhebt und damit das Tragische als ein von einem höheren Gesichtspunkt aus gesehen Vorletztes menschlichen Seins überwindet.

539. Schlagdenhauffen, Alfred: L'univers existentiel de Kleist dans le Prince de Hombourg. Paris: Société d'Edition Les Belles Lettres 1953. 108 S. (Publications de la Faculté des Lettres de l'Université de Strasbourg. Nr. 121.)
Dem Gang der Handlung folgend wird Kleists letztes Drama als Ausdruck seines tiefsten Pessimismus interpretiert. Der Prinz ist in eine Welt gestellt, in die er sich seiner Veranlagung nach nicht zu fügen vermag. Auch die Apotheose am Schluß steht in Widerspruch zu dem eigentlichen Wollen des Prinzen und zeigt die Tragik Kleists, der sich selbst im Prinzen zeichnet.
Bespr.: R. Ayrault: Etudes germaniques, A. 10, 1955, S. 304-308. - J. C. Blankenagel: Modern Philology, Vol. 52, 1954/55, S. 135-137. - E. Kast: Archiv f. d. Studium d. neueren Sprachen, Bd. 191, 1954/55, S. 229. - Th. C. van Stockum: Neophilologus, Jg. 38, 1954, S. 76-77.

540. Guder, G[otthard]: The Prince and the Elector. Modern Languages, Vol. 35, 1953/54, S. 89-92.
Inhaltswiedergabe und Analyse.

541. Fürstenheim, E. G.: The Sources of Kleist's Prinz Friedrich von Homburg. German Life & Letters, N. S., Vol. 8, 1954/55, S. 103-110.
Statt Friedrichs II. "Mémoires pour servir á l'historie de la maison de Brandenbourg" wird als Quelle für Kleists Drama K. H. Krauses "Mein Vaterland unter den Hohenzollernschen Regenten". Halle 1803-1805. Bd. 2. S. 181-184, das Kleist 1809 aus der Dresdner Bibliothek entliehen hatte, nachgewiesen. Dort fand er auch die Kronprinzenaffäre von 1731 dargestellt. Kleist, der auf der Suche nach einem patriotischen Stoff war, verband beide Geschichten in seinem Homburg miteinander, wodurch manche bisher nicht gelösten Widersprüche, besonders in den Charakteren des Prinzen und des Kurfürsten, erklärt werden. Die patriotische Bedeutung des Stückes gewinnt an Gewicht, wenn als Vorbild des Prinzen nicht ein halb vergessener Landgraf, sondern der große Preußenkönig selbst gemeint ist. Dadurch erst kann die letzte Szene mit ihrer berühmten Schlußzeile voll gewürdigt werden. Die betr. Stelle aus Krauses Geschichtswerk ist im Anhang abgedruckt.

542. Fühmann, Franz: "Das oberste Gesetz". Die Nation (Berlin), Jg. 5, 1955, S. 361-367.
S. 362-365: Vergleich von Alfred Bagdahns Offiziersstück "Das oberste Gesetz" mit Kleists Homburg. Für die Frage nach der absoluten Gültigkeit des Gehorsams fand Kleist als Vertreter des preußischen Junkertums nur eine historisch abstrakte Scheinlösung, die zwischen Mensch und Offizier unterscheidet und damit eine eklektische Moral verkündet.

543. Morinaga Takashi: "Homuburuku koshi Furidorihi" no ichi kaishaku to sakusha no shi. [Interpretation von "Prinz Friedrich von Homburg" und Tod des Autors. Japanisch.] Doku-Futsu bungaku kenkyu (Studies in German and French Literature, Kyushu University), 1955, Nr. 5, S. 50-57.

544. Brinkmann, Karl: Erläuterungen zu Kleists Prinz von Homburg. Neu bearb. 10. Aufl. Hollfeld/Obfr.: Bange [1956]. 84 S. (Wilhelm Königs Erläuterungen zu d. Klassikern. Bd. 151.)

544 a. Ernst, Fritz: Kleist: Prinz Friedrich von Homburg. (1955.) In: Ernst, F.: Meisterdramen. Olten: (Vereinigung Oltner Bücherfreunde) 1956. (Publikation f. d. Vereinigung Oltner Büchfreunde. 72.) S. 73-84.
Essay. In 570 Exemplaren.

545. Erpenbeck, Fritz: "Prinz Friedrich von Homburg" Heinrich von Kleist im Staatsschauspiel Dresden. (Mit e. Abb.) Theater d. Zeit (Berlin), Jg. 11, 1956, H. 1, S. 46-49.
Der Konflikt des Prinzen entspringt nicht subjektiv-moralischen oder objektiv-gesellschaftlichen Motiven, sondern lustspielhaften Mißverständnissen, wodurch jede tragische Perspektive zerstört wird. Der Prinz ist pathologisch, der Kurfürst leichtsinnig. Kleist hat das zu seiner Zeit hochaktuelle Problem: Feudalismus mit Söldnerheer oder reformiertes Volksheer poetisch verfremdet. Die unmittelbare Wirkung auf die Zuschauer ist daher zwiespältig, weshalb von weiteren Aufführungen des Homburg abzuraten ist.

546. Kamnitzer, Heinz: Kleists "Prinz von Homburg" und die Bühne. Der Sonntag (Berlin), 18. März 1956.
Der Ideengehalt des Stückes ist Rebellion der Gesellschaft gegen den preußischen Absolutismus.

547. Matsuzawa Yoshiro: "Honburuku koshi" no seiritsu ni tsuite. [Zur Frage der Zeit der Entstehung des "Prinz von Homburg". Japanisch.] Doitsu bungaku (Tokyo), 1956, [H.] 17, S. 80-84.

548. Mohr, Wolfgang: Parallelen zwischen deutscher Dichtung des Mittelalters und der Neuzeit. Euphorion, Bd. 50, 1956, S. 129-161.
S. 139-144: Vergleich des Prinzen von Homburg mit Parzival und Lessings Minna. Versuch einer Interpretation des Dramas.

549. Müller, Joachim: Zum Verständnis von Kleists "Prinz Friedrich von Homburg". Weimarer Beiträge, Jg. 2, 1956, S. 413-416.
Die dialektische Kollision von Freiheit und Notwendigkeit wird dargestellt am Gegensatz von genialer individueller Intuition und selbstlos-einsichtiges Denken fordernder staatlicher Wirklichkeit. Die in der Krise restituierte Staatlichkeit beruht auf der Synthese von vaterländischer Wirklichkeit und in der Selbstentscheidung freigewordener Persönlichkeit.

550. Kamnitzer, Heinz: Geschichte und Gestaltung, Neue dt. Literatur, Jg. 5, 1957, H. 6, S. 126-141.
S. 131-133: "Prinz Friedrich von Homburg." Der Homburg als Rebellenstück, das die preußisch-absolutistische Staatsraison durchlöchert und den unfehlbaren Fürsten von Gottes Gnaden demütigt. Der Schurke des Stückes [d. i. der Kurfürst] unterliegt dem gesellschaftlichen Druck.

551. Demetz, Peter: The Elm and the Vine: Notes toward the History of a Marriage Topos. Publications of the Modern Language Association of America, Vol. 73, 1958, S. 521-532.
S. 530-532: Das hochzeitliche Ulme- und Weinmotiv im Homburg.

552. Kushida, Teruo: Kuraisuto no "Honburu no koshi". ["Prinz Homburg" von H. v. Kleist. Japanisch.] Zschr. f. Germanistik (Universität Tohoku), März 1958, S. 13-22.

553. Müller-Seidel, Walter: Kleist. Prinz Friedrich von Homburg. In: Wiese, Benno von: Das deutsche Drama vom Barock bis zur Gegenwart. Hrsg. [Bd.] 1. Düsseldorf: A. Bagel (1958). S. 385-404.
Nach einem Überblick über die neueren Homburg-Deutungen wird die Frage aufgeworfen, ob es neben einer Schuld der Willkür und neben der Schuldlosigkeit des Unwillkürlichen (beides Fricke) noch ein Drittes gibt. Homburgs Gefühl, der Zustand seines Unbewußten, ist im Anfang vom Endlichen und Vergänglichen geprägt, durch Reflexion gestört und enthüllt sich in der Todesfurchtsszene als Schein. In dieser unwillkürlichen Verbindung von Gefühl und Schein wird eine Schuld Homburgs gesehen, deren Erkenntnis die Lösung verbürgt. Homburg macht keine Entwicklung durch, sondern ihm widerfährt eine Verwandlung durch Erkenntnis seiner unwillkürlichen Schuld am Ende des 4. Aktes. Im Sinne des Marionettentheaters muß der durch Ichbezogenheit und Reflexion gestörte Zustand des Innern erkannt werden, um die Versöhnung und endgültige Harmonie herbeizuführen. Dies geschieht rechtzeitig, und es enthüllt sich eine versöhnte Welt, die nicht erst durch sittliche Entscheidungen geschaffen wurde, sondern schon immer vorhanden war, worauf die Korrespondenz von Eingangs- und Schlußszene hinweist. So gesehen ist der Homburg ein ideales Beispiel für die Gattung des Schauspieles; denn hier wird der dem Schauspiel eigene Charakter der objektiven Versöhnung im Kunstwerk im Gegensatz zu dem der subjektiven Versöhnung im Zuschauer in der Tragödie (Lipps) in vollkommener Weise verwirklicht.

554. Fukami Shigeru: "Homuburuku koshi" ni awaseru kigekisei "Minna" to hikaku to chushin to shite. [Über die Konstruktion des Komischen in Kleists "Homburg" im Vergleich mit Lessings "Minna". Japanisch.] Studies in the Humanities (Osaka City University), Vol. 10, 1959, Nr. 3, S. 19-38.

555. Mathieu, G[ustave]: The Struggle for a Man's Mind: A Modern View of Kleist's Prinz von Homburg. German Life & Letters, N. S., Vol. 13, 1959/60, S. 169-177.
Die psychologischen Mittel, die der Kurfürst anwendet, um Homburgs Zustimmung zu seiner Verurteilung zu erreichen, im Lichte moderner Seelenführung. Für die Verurteilung wie für die Begnadigung brauchte der Kurfürst die Zustimmung des Prinzen.

Erzählungen

556. Hippel, Elisabeth von: Die Zeitgestaltung in den Novellen von Heinrich von Kleist. Diss. Bonn 1948. 2 Bl., 161 S., 3 Bl. [Maschinenschr.]
A. Einleitung.
B. Interpretation der Novellen. I. Das Bettelweib von Locarno. II. Die Marquise von O... III. Das Erdbeben in Chili. IV. Die Verlobung in St. Domingo. V. Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik. VI. Der Zweikampf. VII. Der Findling. VIII. Michael Kohlhaas.
C. Schluß. Versuch einer Darstellung des Typus der Kleist-Novelle durch Zusammenfassung der gestaltbildenden Elemente.
D. Literaturverzeichnis.
Die Novellen werden morphologisch, d. h. als organisches Ganzes, als "Gestalt" im Sinne Goethes, betrachtet. Die Aufgabe ist, das Wachsen und Werden einer Dichtung, das Verhältnis ihrer Teile zum Ganzen unter dem Gesichtspunkt der Zeitdarstellung zu untersuchen. Der Einzelanalyse der Novellen geht eine ausführliche Auseinandersetzung über den Begriff der Zeitgestaltung voraus. Die Verf. unterscheidet "erzählte Zeit" und "Erzählzeit". Diese ist die Zeit, die der Leser beim Lesen der Novelle braucht, jene die Zeitspanne, in der sich die Handlung abspielt. Beide Zeitelemente sind bei Kleist streng gegeneinander abgewogen. Jedes Ereignis erhält nur soviel Raum, als ihm seiner Bedeutung gemäß zukommt. "Zeitraffung" und "Führkraft" sind die wesentlichen Merkmale des epischen Stils Kleists. Retardierende Momente dienen nur zur Erhöhung der Spannung. Handlungen und Ereignisse bestimmen die Zeiteinteilung, die Handlung selbst ist die Zeitgröße. Die physikalische Zeit spielt keine oder nur eine geringe Rolle. Dem entspricht der strenge, architektonische Aufbau der Novellen. Aus den paradoxen Elementen des dramatischen Stoffes und der epischen Form erwächst als neue Einheit der Typus der Kleist-Novelle.

557. Spiero, Heinrich: Geschichte des deutschen Romans. Berlin: W. de Gruyter 1950.
S. 81-85: Romantischer Einfluß bei Kleist. Kohlhaas als Heimatdichtung. Verwandtschaft der Erzählungen Kleists mit Arnim.
S. 193: Vergleich der "Judenbuche" mit Kleists Novellenstil.
S. 216: Robert Hellers "Erdbeben in Caracas" abhängig von Kleist.
S. 223: Einfluß des Kohlhaas auf die Landschaftsschilderung der Romantik.
s. auch Register.

558. Burger, Heinz Otto: Theorie und Wissenschaft von der deutschen Novelle. Der Deutschunterricht (Stuttgart), 1951, H. 2, S. 82-98.
Kleist sprengt die Novelle als gesellige Unterhaltungsform, indem er die Spannung vom Ich und Schicksal zum Nerv der Novelle macht. Er schuf damit die deutsche Symbolnovelle, die selbst die Tragik in sich aufnimmt. Übergang zum Realismus des 19. Jahrhunderts.

559. Arx, Bernhard von: Novellistisches Dasein. Spielraum einer Gattung in der Goethezeit. Zürich: Atlantis Verlag (1953). (Zürcher Beiträge z. dt. Literatur- u. Geistesgesch. Nr. 5.)
Tl. 2. S. 67-85: Heinrich von Kleist und die Novelle. 1. Grundlagen. 2. Die Novellen und Anekdoten.
Weltbild und dichterische Form bedingen sich gegenseitig. Spekulation statt Erfahrung, Überschätzung des Einzelnen, Einmaligen finden ihren adäquaten Ausdruck in der Kurzform der Novelle oder Anekdote. Kleist schreibt seine Novellen und Anekdoten nicht, um Menschen zu charakterisieren, sondern um einen einzigen, sein Leben und seine Dichtung beherrschenden Gedanken darzustellen: die Unmöglichkeit einer Rechtfertigung Gottes. Der Mangel an Ideen und an stilistischen Mitteln zwingt ihn, in der Form der Novelle oder noch besser der Anekdote die grausame Wirklichkeit der Welt auszusprechen. Der verlorengegangene zweibändige Roman kann nur als eine Summe anekdotenhafter Episoden oder als eine Novelle strengster Funktionalität von monströser Länge vorgestellt werden.
Bespr.: R. Thieberger: Etudes germaniques, A. 10, 1955, S. 343-344.

560. Conrady, Karl Otto: Die Erzählweise Heinrichs von Kleist. Untersuchungen und Interpretationen. Diss. Münster 1953. 4, 212 S. [Maschinenschr.]
Die Aufgabe. 1. Die stilistische Betrachtung kleistischer Dichtung. 2. Der Sinn des Wortes "Erzählweise". 3. Die Aufhellung des "Kleistischen" als Ziel der Arbeit. I. Untersuchungen. Der kleistische Satz. Das Dramatische. Das Ungesagte. Das Idyllisch-Märchenhafte. Symbol und Sinnbild. Exkurs: Versuch einer Grundlegung zur Bestimmung von Symbol und Sinnbild. 1. Das Symbol der Marionette und das Symbol des Kindes. 2. Das Sinnbild des Schwans.
II. Die Novellen. (Interpretationen.) Zur Datierungsfrage der kleistischen Novellen. Findling. Verlobung. Erdbeben. Marquise. Bettelweib. Hl. Cäcilie. Zweikampf. Kohlhaas (mit Bemerkungen zur Erzählweise der Sagas). Ansätze zu einer "Geschichte der kleistischen Erzählweise". Literaturverzeichnis.
Die Erzählweise Kleists, deren Erhellung in das Zentrum der Dichtung vorstoßen soll, wird nicht als Erzählform, sondern als ein So-und-nicht-anders-Sein des Kleistischen begriffen. Besonders charakteristisch sind: zeitliche und räumliche Selbstbewegtheit des Satzes, Vorrang der Logik des Geschehens vor der grammatisch-logischen Linie des Satzes, weitgeschwungene Passagen unter Zuhilfenahme der zeitraffenden Tiefenform des Satzes; Sachlichkeit des Erzählens, Konzentrierung auf den Handlungsablauf, wobei Kleists Menschen keine Entwicklung durchmachen, sondern aus einem unwandelbaren Kern heraus in der Begegnung mit einem bestimmten Ereignis handelnd reagieren; das immer gegenwärtige Unaussprechliche, mit Worten umstellt, durch Gebärden und durch Worte unbestimmten Sinnes angedeutet; das Dramatische im Satz- und Gesamtbau der Novelle, dem alle Verknüpfungen, vor allem das "Dergestalt, daß" als Perepetiezeichen des Satzes, und die Mehrschichtigkeit des szenischen Aufbaus dienen; das Idyllisch-Märchenhafte als ausgesparter Raum im Ablauf des Geschehens, in dem sich die Ordnung des Heilen für kurze Zeit in der Gebrechlichkeit der Wirklichkeit behauptet; der Gebrauch von Symbolen und Sinnbildern als Mittel, das durch Worte Unsagbare anschaulich zu machen. Die Interpretation der einzelnen Novellen beschließt ein Versuch, auf Grund der angeführten Merkmale von Kleists Erzählweise eine Chronologie der Novellen festzulegen, wobei besonders auf die zentrale Bedeutung der Symbole und Sinnbilder (das Kind als Symbol der liebenden Ich-Du-Gemeinschaft im Erdbeben, der Schwan in der Marquise und die Rappen im Kohlhaas als Sinnbilder des Geschehens) hingewiesen wird.

561. Klein, Johannes: Geschichte der deutschen Novelle von Goethe bis zur Gegenwart. Wiesbaden: F. Steiner 1954. S. 49-70: Heinrich von Kleist. - 2., verb. u. erw. Aufl. Ebda. 1954. - 3., verb. u. erw. Aufl. Ebda. 1956. - 4., verb. u. erw. Aufl. Ebda. 1960.
1. Struktur von Kleists Wesen und Werk und seinen Novellen. 2. "Michael Kohlhaas". 3. "Die Marquise von O.". 4. "Das Erdbeben in Chili". 5. "Die Verlobung in St. Domingo". 6. "Der Findling". 7. "Der Zweikampf". 8. Der letzte Übergang in die Romantik. 9. Zusammenfassung. S. 509: Anmerkungen. Analyse nach Inhalt, Aufbau und Motiven. Verhältnis von dramatischer Spannung und epischer Bannung.

562. Kunz, Josef: Geschichte der deutschen Novelle vom 18. Jahrhundert bis auf die Gegenwart. In: Deutsche Philologie im Aufriß. Unter Mitarb. zahlreicher Fachgelehrter hrsg. von Wolfgang Stammler. Bd. 2. (Berlin, Bielefeld:) E. Schmidt (1954). Sp. 1774-83: Die Novelle Heinrich von Kleists. - 2., überarb. Aufl. Ebda. (1960). Sp. 1829-37.
Kleists Novelle setzt, an Goethe anknüpfend, mit der Problematik des Dämonischen, dem Ineinander von Gut und Böse, Engel und Teufel, ein und versucht, über die Romantik hinausgehend, diese unheilvolle Spaltung zu überwinden und in einer lebendigen Einheit zusammenzufassen. Hierin liegt die Bedeutung Kleists für die Entwicklung der deutschen Novelle.

563. Mann, Thomas: Heinrich von Kleist und seine Erzählungen. Vortrag, geh. am 30. Nov. 1954 im Auditorium Maximum d. Eidgenöss. Techn. Hochschule zu Zürich. [Druck: Nr. 567.]
Berichte: Stuttgarter Ztg., 2. Dez.; Die Welt, Die Tat (Zürich). 4. Dez.; National-Ztg. (Basel), Neue Zürcher Ztg., 5. Dez. 1954.

564. Kayser, Wolfgang: Kleist als Erzähler. German Life & Letters, N. S., Vol. 8, 1954/55, S. 19-29. - Wiederabgedr. in: Kayser, W.: Die Vortragsreise. Studien zur Literatur. Bern: Francke (1958). S. 169-183.
Gegenstand der Betrachtung ist Kleists Erzählkunst. Alle Erzählungen sind auf ähnliche Art erzählt, so verschieden sie nach Stoff und Gattung sind. Der Erzähler tritt selten hervor, spricht nicht zum Publikum, ist nur Übermittler des wirklich Vorgefallenen, wertet aber das Erzählte aus der Perspektive seiner Gestalten. Seine Stellungnahme erfolgt unter dem Eindruck der jeweiligen Situation, ohne das Gesamtgeschehen zu beachten. Typisch sind paradoxe Urteile, wodurch er die verwirrende Eigenart der Welt bewußt machen will. Vorausdeutungen beziehen sich nur auf die nächste Zukunft; Wort und unwillkürliche Gebärde bezeichnen die leib-seelische Einheit. Es wird berichtet, selten beschrieben; die Konzentration des Erzählten drückt sich in Nominalbildungen auf "ung", indirekter Rede, allmählicher Entwicklung von Gedanken aus der Rede aus; der Satzbau wird "umständlich" durch Beobachtung der Umstände auf jeder Stufe des Geschehens, die trotz scheinbarer Bedeutungslosigkeit ihre Eigenständigkeit haben. Der Blick auf die Geschehnisfolge (Aoristsätze) und der auf die Umständlichkeit (Folge-, Objekt, Relativ-, Temporalsätze) gehören zusammen und bilden die Einheit des Kleistschen Erzählens. Geschehen und Umstand bestimmen die Struktur des Satzes, ebenso auch die Struktur der Kleistschen Welt.

565. Lämmert, Eberhard: Bauformen des Erzählens. Stuttgart: J. B. Metzler 1955.
Zahlreiche Bemerkungen über Kleist, s. Register.

566. Mann, Thomas: The Genius of Kleist. Transl. by Francis Golfing. [Teilw. Überw. von Thomas Manns Essay "Heinrich von Kleist und seine Erzählungen". 1954. s. Nr. 567.] The American Scholar (New York), Vol. 24, 1955, S. 187-194.
S. 189: "This article by Thomas Mann... is an excerpt from his Introduction to The Short Novels and Stories of Heinrich von Kleist, to be published by Criterion Books, Inc. in June." Die von Criterion Books, New York, für Juni 1955 vorgesehene und angezeigte Übersetzung kam nicht zustande. Sie erschien erst 1960. [s. Nr. 171.]

567. Mann, Thomas: Heinrich von Kleist und seine Erzählungen. Einleitung zu einer amerikanischen Ausgabe der Novellen. 1954. In: Mann, Th.: Gesammelte Werke in 12 Bdn. Berlin: Aufbau-Verlag 1955. Bd. 11. Altes und Neues. Kleine Prosa aus 5 Jahrzehnten. S. 637-656. - Auch in: Mann, Th.: Nachlese. Prosa 1951-1955. (Berlin, Frankfurt a. M.:) S. Fischer 1956. (Stockholmer Gesamtausg. d. Werke.) S. 9-28.
Allgmeiner Lebensüberblick und Charakteristik des Dramatikers. Verhältnis Kleists zu Goethe. Würdigung Kleists als Erzähler. Wegen der Darstellung des permanenten seelischen Ehebruchs Elvirens wird der Findling - neben Kohlhaas - künstlerisch am höchsten bewertet. Ambivalentes Verhältnis Kleists zur katholischen Kirche. Das "Scandalum" wird durch Anspielungen auf das "Mysterium" erklärt (Marquise von O.).

568. Nedde, Dietmar: Untersuchungen zur Struktur von Dichtung an Novellen Heinrich von Kleists. Diss. Göttingen 1955. 2 Bl., 168 S., 8 Bl. [Maschinenschr.]
Einleitung: Das Anliegen der Untersuchung. Die Methode. Der Gegenstand.
Tl. I: Strukturanalyse der Novelle "Der Findling". Die Strukturelemente. Der Aufbau. Das Gefüge. Die sinnbildende Struktur.
Tl. II: Strukturvergleich an den Novellen "Michael Kohlhaas" und "Die Marquise von O..." [Wie unter I.]
Tl. III: Schlußbetrachtung. Die Struktur der Novelle Kleists.
Anhang A: Strukturschema der Novelle "Der Findling".
Anhang B: Literaturverzeichnis.
Nach einem Überblick über frühere Interpretationen des Findling ergibt die Strukturanalyse dieser Novelle, bestätigt durch gleiche Untersuchungen am Kohlhaas und der Marquise, eine funktionale Verbindung von Motiven und Handlungselementen zu einem Sinnganzen (Aufbau) und entsprechend eine funktionale Verknüpfung von Teilen neben- und untereinander zu einem Formganzen (Gefüge). Die Strukturanalyse erhellt den Stil (Werkstil bei Betrachtung eines Werkes, Persönlichkeitsstil bei Betrachtung des gesamten Werkes) und den gedanklichen Ausdruck durch Betrachtung der einzelnen Sinnbilder oder des Ganzen, wobei die Rechtfertigung Gottes in der bösen Welt als das Anliegen der Dichtung Kleists verstanden wird. Jedes zufällige Geschehen wird als Heilsvorgang gedeutet. Der Mensch verfällt in der Welt zwangsläufig dem Bedingten, wo er das Absolute will, und wählt den Weg der unbedingten rächenden Vernichtung des Bösen, indem er im extremen Selbstvernichtungsprozeß die Welt erlöst, sich selbst als Rettender verwirklicht und die Welt heil macht.

569. Lockemann, Fritz: Gestalt und Wandlungen der deutschen Novelle. Geschichte einer literarischen Gattung im 19. und 20. Jahrhundert. München: M. Hueber 1957. S. 64-77: Heinrich von Kleist.
Das Gesetz der Novelle als Gattung ist die Spannung von Ordnung und Chaos als Grundspannung menschlichen Daseins. Wie weit diese Mächte wendend in das Geschehen eingreifen, wird zum Kriterium der Zugehörigkeit der aus diesem Kern entwickelten Gattungsbestimmung. Bei Kleist verliert die Gesellschaft ihre Ordnungsautorität, Chaos und Ordnung spalten die Menschheit in Engel und Teufel. Der Findling ist nur chaotisch, teuflisch; Wendepunkt sind jeweils die Einbrüche des Chaotischen in die Ordnungswelt, oder umgekehrt der Durchbruch aus dem Chaotischen zur höheren Ordnung. Der Unterschied zwischen Novelle und Anekdote, den Kleist als erster deutlich werden läßt, liegt in der Tiefendimension des Geschehens. Die Anekdote ist einschichtig, die Novelle mehrschichtig; Chaos und Kosmos sowie die Übergänge vom einen zum andern spielen in der Anekdote keine Rolle, wohl aber im Bettelweib, das trotz seiner Kürze von Kleist zu den Novellen gestellt wurde und durch den Einbruch des Chaos die Wende zur Novelle vollzieht.

570. Matsuzawa Yoshiro: Thomas Mann no "Kleist und seine Erzählugen" no naka ni mirareru Kleist-zo-Kuraisuto kenkyu to shite. [Das Kleist-Bild in Thomas Manns "Kleist und seine Erzählungen". Eine Studie über Kleist. Japanisch.] The Journal of Literature und Linguistics (Toyama University), 1958, Nr. 7, S. 19-28.

571. Silz, Walter: Geschichte, Theorie und Kunst der deutschen Novelle. (Übers. e. am 9. Okt. 1958 vor d. Schulmännertagung (Schoolmen's Week) in Philadelphia geh. englischen Vortrags.) Der Deutschunterricht (Stuttgart), 1959, H. 5, S. 82-100. - Im Original u. d. T.: The Achievement of the German Novelle. In: Quality and Quantity in American Education. Ed. by Frederick C. Gruber. Philadelphia: University of Pennsylvania Press; London: Oxford University Press [1960]. S. 119-137.
Behandelt auch Kleist.
Während Goethe den älteren, romanischen Novellenstil vollendet, geht von Kleist die neue, spezifisch deutsche Form aus, die den von der Gesellschaft abgesonderten, modernen Menschen in seiner tragischen Preisgegebenheit an die "gebrechliche Welt" darstellt.

572. Zweig, Arnold: Ausklang: Nochmals der Novellist. 1946. In: Zweig, A.: Essays. Bd. 1. Literatur und Theater. Berlin: Aufbau-Verlag 1959. (Ausgewählte Werke in Einzelausgaben. Bd. 15.) S. 144-151.

573. Lamprecht, Helmut: Mühe und Kunst des Anfangs. Ein Versuch über Kafka und Kleist. Neue dt. Hefte, 1960, H. 66, S. 935-940.
Der Anfang einer Novelle muß das Ganze in nuce enthalten, mithin auch das Ende. Auch Kleist liebt wie Kafka den lapidaren Anfang, der eine optimale Entfaltung des Themas ermöglicht. Anfang und Thema in Kafkas "Verwandlung" und Kleists Marquise zeigen ebenso wie Kafkas "Prozeß" und Kleists Kohlhaas zahlreiche Parallelen.

Michael Kohlhaas

574. Kanduth, Elsa: Puschkins Erzählung "Dubrovskij" und Kleists "Michael Kohlhaas". Ein Kapitel aus der Nachwirkung naturrechtlicher Lehren in der schönen Literatur. Diss. Graz 1945. [Maschinenschr.]
III. Tl. S. 137-190: Das Naturrecht bei Kleist. Analyse des "Michael Kohlhaas" unter besonderer Berücksichtigung des Naturrechtes.
Nach einer Darlegung der Auffassung des Naturrechtes in der Philosophie des 18. Jahrhunderts wird das rechtsphilosophische Problem der Selbsthilfe im "Dubrovskij" von Puschkin und in Kleists Kohlhaas behandelt. Die Frage, wie die Idee des Naturrechts im Kohlhaas verwirklicht ist, wird im Anschluß an eine Betrachtung über Kleists Leben, aus seiner Stellung zum Staat entwickelt. Kleist tritt demnach für das Recht des Widerstandes gegen den Staat ein, sofern dieser seine Pflichten verletzt. In Übereinstimmung mit Rousseaus "Contrat social" ist im Kohlhaas der Naturzustand der Selbsthilfe gegeben. Am Schluß feiert das absolute Naturrecht, das Kohlhaas vertritt, seine Versöhnung mit dem positiven Recht in der wiederhergestellten Rechtsordnung. Ein Einfluß Kleists auf Puschkin kann nicht angenommen werden; beide Dichter behandeln vielmehr selbständig das gleiche Problem, finden aber verschiedene Lösungen entsprechend den abweichenden Charakteren ihrer Helden.

575. Linnartz-Kaiser, Franz: Das Problem des Michael Kohlhaas. Eine Ehrenrettung. Denkendes Volk, Jg. 2, Jan. 1948, S. 6-11.
Kohlhaas darf nicht als Räuber und Mörder, dem Gerechtigkeit geschieht, aufgefaßt werden, sondern als Wiederhersteller des Rechts, dessen Hinrichtung ein Justizmord ist.

576. Bäurle, Wilhelm: Der unsterbliche Michael Kohlhaas - wieder aktuell. Blätter d. Freiheit (Heidelberg), Jg. 1, 1949, H. 3, S. 10-11.
Psychologisch-soziologisch betrachtet ist Kohlhaas' Verhalten nicht nur durch und durch christlich in seinem absoluten Verantwortungsbewußtsein, sondern auch eine Selbstverständlichkeit für jeden Menschen von innerem Adel, da Kohlhaas die allgemeine Not der Welt zu seiner eigenen machte und sich einen "rechts- und weltfreien, Gott allein unterworfenen Herrn" nannte. Nur ein solcher Charakter ist in der Lage, die Flut des alles verschlingenden Kollektivismus zu dämmen.

577. Theel, Adalbert: Peter Haftiz. Berliner Hefte, Jg. 4, 1949, S. 505-506.
Leben und Werke von Haftiz, der Quelle zu Kleists Kohlhaas.

578. Aettner, Käthe: Gesetz und Evangelium in Kleist's "Michael Kohlhaas". Der evang. Erzieher, Jan. 1950, S. 2-6.

579. Heber, Fritz: "Michael Kohlhaas", Versuch einer neuen Textinterpretation. Wirkendes Wort, Jg. 1, 1950/51, S. 98-102.
Kohlhaas' metaphysische Existenz wird durch die religiöse Autorität Luthers vernichtet, die Eigengesetzlichkeit der praktisch-empirischen Welt triumphiert über ihn und vernichtet ihn selbst. Damit ist die Geschichte des Michael Kohlhaas zu Ende. Im letzten Teil der Novelle wird sein Rechtsgefühl von der Rache abgelöst, und ein moralischer Niedergang setzt ein.

580. Gemkow, Heinrich: Heinrich von Kleist: "Michael Kohlhaas". Zur Behandlung im 10. Schuljahr. Deutschunterricht (Berlin), Jg. 5, 1952, S. 311 bis 316.
Analyse des gesellschaftlichen Gehalts.

581. Fricke, Gerhard: Kleists "Michael Kohlhaas". Der Deutschunterricht (Stuttgart), 1953, H. 1, S. 17-39. - Wiederabgedr. in: Fricke, G.: Studien und Interpretationen. Ausgewählte Schriften zur deutschen Dichtung. Frankfurt a. M.: H. F. Menck (1956). S. 214-328.
Kohlhaas ist nicht starrsinniger Rechtsfanatiker, sondern mit der Gebrechlichkeit der Welt wohl vertraut. Er besteht erst auf seinem Recht, als sein sittliches Selbst zum Objekt boshafter Willkür erniedrigt wird. Sein Kampf ums Recht, der gleichzeitig auch Kampf um sein Recht ist, soll sich und dem Willen Gottes zugleich Genugtuung verschaffen. In der Zigeunerin wird die höhere göttliche Leitung, die alles zum Guten wendet, geheimnisvoll offenbar und segnet Kohlhaas' gerechten Kampf.

582. Ozuka Toshio: Die Tragödie und ihre Erlösung in Kleists Michael Kohlhaas. Bulletin d. Universität Gifu, 1953.

583. Aragon, [Louis]: Le "Michael Kohlhaas" d'Heinrich von Kleist. In: Aragon: La lumiére de Stendhal. Prosper Mérimée, Heinrich von Kleist, Marceline Desbordes-Valmore ... Paris: Editions Denoël (1954). S. 199-214. [Wiederabdr. d. Einl. von Nr. 181.]
Kleists Leben als Hintergrund der politischen und sozialen Tendenzen im Kohlhaas, der dazu beitragen kann, das gegenseitige Verständnis des französischen und deutschen Volkes zu fördern, deren edelste Impulse durch gemeinsame Feinde irregeleitet werden.

584. [Winkler, Willy:] Michael Kohlhaase, Märtyrer der Gerechtigkeit. Eine Rekonstruktion der geschichtlichen Ereignisse um Hanns Michael Kohlhaase 1532-1540 in der Landschaft um die Burg Düben an d. Mulde. (Bildl. Darst.: Paul Haffner. (Bad Düben: Landschaftsmuseum [Auslfg.: Streubel 1954]. 15 S. (Heimatkundl. Veröffentlichung d. Landschaftsmuseums d. Dübener Heide in Bad Düben. [1.])
Geyer, H.: Dichter des Wahnsinns. [s. Nr. 380.] 1955.

585. Hofacker, Erich: Bergengruen's "Das Feuerzeichen" and Kleist's "Michael Kohlhaas". Monatshefte (Madison), Vol. 47, 1955, S. 349-357.
Kleists Kohlhaas als Vorbild für Bergengruens Novelle. Ählichkeit des Themas, der Handlung, des Stils.

586. Passage, Charles E[dward]: Michael Kohlhaas: Form Analysis. The Germanic Review, Vol. 30, 1955, S. 181-197.
Ein Vergleich des geschichtlichen Ablaufs mit der Novellenhandlung zeigt den strengen, dramatischen Aufbau der Novelle, der dem einer fünfaktigen, klassischen Tragödie entspricht. Kohlhaas erscheint als Prototyp des aristotelischen tragischen Helden; abweichend von diesem Vorbild sind Kohlhaas' Schuld, die nicht mit der antiken Hybris verwechselt werden darf, da es sich bei ihm um die christliche Sünde des Stolzes handelt, ferner das komische Element, versinnbildlicht in den Rappen, deren Schicksal genau entgegengesetzt zu dem des Helden, nämlich vom Elend zum Glück, verläuft, und schließlich das soziale Element: der Held ist keine hohe, sondern eine bürgerliche Gestalt. Darin ist möglicherweise der Grund für die Gestaltung des Stoffes als Novelle zu suchen. Eine Tragödie mit bürgerlichem Helden wäre zu Kleists Zeit noch nicht möglich gewesen, und für das Genre der bürgerlichen Tragödie war der Kohlhaas-Stoff nicht geeignet. Kleist suchte daher eine neue Form und fand sie in der Verbindung von klassischem Drama und romantischer Prosaerzählung. Die viel getadelte Zigeunerin-Episode, mit einzigartiger künstlerischer Kraft gestaltet, versinnbildlicht folgerichtig die Auswirkung des Rechtsfalles über den irdisch-menschlichen Bereich hinaus bis ins Jenseits und die Notwendigkeit eines außerirdischen Gerichts. Der brandenburgische Kurfürst, der das Recht Zug um Zug wiederherstellt, repräsentiert Christus als Richter, die Gerichtsszene am Schluß das Jüngste Gericht. Der letzte Abschnitt beschäftigt sich mit den stilistischen Eigentümlichkeiten, die hier besonders kräftig hervortreten. Im Gegensatz zu der sonst üblichen Ausschmückung historischer Stoffe gibt Kleist ein Destillat im Stil eines Juristen des 16. Jahrhunderts mit historisch-juristischem Wortschatz, Dialogen in Verhörform und zahlreichen Archaismen. Jedes Wort ist bewußt und kontrolliert gebraucht.

587. Wiese, Benno von Bildsymbole in der deutschen Novelle. (Vortrag, geh. am 3. Mai 1955 in der English Goethe Society in London.) Publications of the English Goethe Society, N.S., Vol. 24, 1955, S. 131-158. - U. d. T.: Heinrich von Kleist. Michael Kohlhaas wiederabgedr. in: Wiese B. von: Die deutsche Novelle von Goethe bis Kafka. Interpretationen. Düsseldorf: A. Bagel (1956). S. 47-63; Literatur: S. 344.
Die beiden Rappen charakterisieren durch die Art und Weise ihres jeweiligen Auftretens und Zustandes das äußere und innere Geschehen und dessen Bedeutung. In der Abdeckerszene versinnbildlichen sie die tragische Zweideutigkeit des Rechtskampfes, die Kohlhaas aus einem Handelnden zu einem Erleidenden seines Geschickes macht. Im Augenblick der Wiederherstellung des Rechtes in der Welt erscheinen die Rappen wieder in ihrem ursprünglichen Zustand und erheben die ganze Begebenheit in ein Gleichnis für den notwendigen Antagonismus von Ordnung und Unordnung und dessen Lösung in der geschichtlichen Welt des Menschen.

588. Hebel, Franz: Kafka: Zur Frage der Gesetze und Kleist: Michael Kohlhaas. Die Pädagog. Provinz, Jg. 10, 1956, S. 632-638.
Der Vergleich ergibt, daß beide Dichter auf der Unbedingtheit ihrer Selbtverwirklichung bestanden und am Ungenügen der Welt um des Absoluten willen litten.

589. Morinaga Takashi: "Kofuku ron" to "Koruhasu". [Über Kleists "Michael Kohlhaas". Japanisch.] Doku-Futsu bungaku kenkyu (Studies in German and French Literature, Kyushu University), 1957, Nr. 7, S. 23-30.

590. Brinkmann, Karl: Erläuterungen zu Kleists Robert Guiskard und Michael Kohlhaas. Neu bearb. 6. Aufl. Hollfeld/Obfr.: Bange [1958]. 84 S. (Wilhelm Königs Erläuterungen zu d. Klassikern. Bd. 87.)

591. Anstett, J[ean]-J[acques]: A propos de Michael Kohlhaas. Etudes germaniques, A. 14, 1959, S. 150-156.

592. Lindsay, J. M.: Kohlhaas and K. Two Men in Search of Justice. German Life & Letters, N. S., Vol. 13, 1959/60, S. 190-194.
Vergleich des Kohlhaas mit Kafkas "Prozeß". Parallelen zwischen Kohlhaas und Josef K.; Kafka als der bescheidenere und größere Künstler.

Die Marquise von O.

593. Müller-Seidel, Walter: Die Struktur des Widerspruchs in Kleists "Marquise von O..." Dt. Vierteljahrsschr. f. Literaturwiss. u. Geistesgesch., Jg. 28, 1954, S. 497-515.
Der Widerspruch ist im Gefüge der Novelle, wie auch in anderen Novellen und Anekdoten Kleists, der Mittelpunkt. In der Marquise ist er die Unvereinbarkeit von mütterlichem Gefühl und der Unnatürlichkeit der Eheschließung, d. h. von göttlichem Geschenk und frevelhafter Tat, von Engelhaftem und Teuflischem. Mutterliebe und Gattenliebe gehören als unteilbare Einheit zusammen. Der Widerspruch zwischen Göttlichem und Gerbrechlichem in allen Personen, das Ineinander, das Wogen von Konflikt zu Konflikt, drückt sich im Gehalt und auch in der Sprache als Steigerung durch Stauung aus. Dahinter liegt ein Spannungsverhältnis von Philosophie und Dichtung, dem die Struktur des Widerspruchs entspringt, und das als künstlerisches Hauptanliegen immer wieder gestaltet worden ist. Die Frage ist, wie durch Gebrechlichkeit und Widerspruch hindurch das Göttliche erkannt werden kann.

594. Hamburger, Käte: Die Logik der Dichtung. Stuttgart: E. Klett (1957).
S. 79-83: Beispiele aus der Marquise von O. für veranschaulichende Darstellung des inneren Daseins, die nicht mit subjektivem Erzählen zu verwechseln ist.

595. Bokelmann, Siegfried: Betrachtungen zur Satzgestaltung in Kleists Novelle "Die Marquise von O...". Wirkendes Wort, Jg. 8, 1957/58, S. 84-89.
Der Satz als organischer Teil des sprachlichen Kunstwerkes liefert die Indizien für die Innenwelt der Sprechenden. Die Kleistsche Syntax (indirekte Rede, gehäufte Daß-Sätze, Adverbialsätze, Stauung, Druck und Gegendruck) verdeutlicht Wesen und Schicksal der Person.

596. Pouilliart, R.: Sur une source de Barbey d'Aurevilly. Les lettres romanes, T. 12, 1958, S. 426-429.
Auffallende Übereinstimmungen zwischen Barbeys Roman "Une histoire sans nom" und Kleists Marquise von O.

Das Erdbeben in Chili

597. Walther, Siegfried: Die Rolle der führenden und schwellenden Elemente in Erzählungen des 19. und 20 Jahrhunderts. Diss. Bonn 1952. [Maschinenschr.]
S. 37-45: Kleists Erdbeben in Chili wird neben anderen Novellen von Eichendorff, Stifter, Kafka und Virginia Woolf und im Vergleich zu ihnen auf den morphologischen Aufbau hin analysiert, Ereignisfolge und innere Steigerung (Bewußtseinsbewegung) im Verlauf der Handlung untersucht.
S. 84-87: Die Untersuchung der führenden und schwellenden Elemente im Erdbeben erhellt, daß die Impulse der Ereigniskette der Handlung keinen durchgreifenden Drang nach vorwärts geben, vielmehr von plötzlichem Hervorbrechen zu unwirksamer Ruhe umspringen. Der spannungsgeladene Raum erscheint bei Kleist in der Rolle eines führenden Elements; der Wechsel von bloßem Vorwärtsschreiten und plötzlichen Entladungen bedingt ein starkes Vorwärtsschreiten der Handlung.
S. 90-91: Vergleich zwischen Kleists Erdbeben und Kafkas "Hungerkünstler".
S. 115-118: Rhythmus und Komposition im Erdbeben. In der ganzen Novelle wird die Bewegungsintensität durchgehalten, die qualitative Einheitlichkeit gewahrt ohne Ausgleich der spannenden Bewegung durch entsprechende Entspannungen. Starke, unregelmäßige Rhythmisierung durch den Satzbau.
S. 123-125: Das Geschehen wird von Kräften bestimmt, die sich nicht in Bewegung und Gegenbewegung entfalten, sondern plötzlich auftreten und ebenso plötzlich verschwinden. Die Erzählung ist nicht in spannende und entspannende Bewegung gegliedert; Lage und Umfang eines jeden Teiles werden nicht durch eine durchwirkende Kraft bestimmt, d. h. die Erzählung hat keinen organischen Aufbau. Der Erzählfluß ist in viele kleine, hart nebeneinandergesetzte Einheiten zerteilt von ungleichmäßigem Umfang und ohne gesetzmäßige Entsprechung zum Bau des Ganzen. Das Geschehen wird nicht von individuellen, menschlichen Impulsen bestimmt, sondern von irrationalen, dem Einfluß einzelner Menschen entzogenen Mächten, die sich plötzlich entladen. Bei Kleist findet der Vergleich von sprachlichen Kunstwerken mit organischen Gebilden seine Grenze. Unregelmäßig expressive Rhythmisierung und Fehlen eines gesetzmäßigen Aufbaus bedingen eine vorwiegend nach außen, auf den Leser, gerichtete Wirkung.

598. Conrady, Karl Otto: Kleists "Erdbeben in Chili". Ein Interpretationsversuch. German.-roman. Monatsschr., N. F., Bd. 4, 1954, S. 185-195.
Das Widerspiel von menschlicher Gesellschaft und allmächtiger Natur als entscheidenden Räumen menschlichen Daseins ist das wesentliche Motiv dieser Novelle. Die Frage nach der Schuld der beiden in dieses Widerspiel gestellten Liebenden wird nur indirekt beantwortet. Sie sühnen ihre Schuld vor der Welt durch ihren Tod, doch wird das Unbedingte ihrer Hingabe durch die Rettung ihres Kindes als Wert anerkannt. Inmitten der gebrechlichen Welt, in der das Heile und Wahre nur in märchenhafter Gestalt erscheint, wird die Möglichkeit erörtert, bei aller Unbegreiflichkeit des Geschehens zu Gott vorzudringen. Orientierungspunkte für den Menschen sind das unbeirrbare Gefühl, das aus dem geheimen Schwerpunkt des Ich aufwächst, und die vertrauende Liebe zum Du. Die im Erdbeben versuchte Lösung des Problems ist beispielhaft für Kleists Erzählstruktur.

599. Klein, Johannes: Kleists "Erdbeben in Chili". Der Deutschunterricht (Stuttgart), 1956, H. 3, S. 5-11.
Strukturanalyse.

Die Verlobung in St. Domingo

600. Pfeiffer, Johannes: Heinrich von Kleist. Die Verlobung in St. Domingo. In: Pfeiffer, J.: Wege zur Erzählkunst. Über den Umgang mit dichterischer Prosa. Hamburg: F. Wittig (1953). S. 13-20.
Stilanalyse.

600 a. Kunz, Josef: Kleist - "Die Verlobung in St. Domingo". Mitteilungen, Universitätsbund Marburg, 1960, H. 1, S. 18-36.

Das Bettelweib von Locarno

601. Staiger, Emil: Kleists "Bettelweib von Locarno". Zum Problem des dramatischen Stils. In: Staiger, E.: Meisterwerke deutscher Sprache aus dem neunzehnten Jahrhundert. 2., verm. Aufl. Zürich: Atlantis-Verlag (1948). S. 100-118. - 3. Aufl. Ebda. 1957. [Zuerst 1942.]
Stilanalyse. Syntax und Satzzeichen zeigen das Schema dramatischen Stils. Die unerbittlich durchgeführte dramatische Form der Erzählung zwingt dazu, die Struktur der Einbildungskraft des Dichters anzunehmen.

Der Findling

602. Heubi, Albert: H. v. Kleists Novelle "Der Findling". Motivuntersuchungen und Erklärung im Rahmen des Gesamtwerks. Diss. Zürich 1948. Zürich 1948: Müller, Werder. 79 S.
Aus dem Sinngehalt des einzelnen Wortes wird eine Deutung des Gesamtwerkes Kleists und seiner Weltanschauung gegeben. Jedes Werk ist eine Formulierung derselben tragischen Weltdeutung, vor allem der Findling, der mit mathematischer Exaktheit konzipiert ist. Der Kern aller tragischen Motive Kleists ist die Verwechslung, die Zweideutigkeit aller menschlichen Unternehmungen in der Welt der Erscheinung. Personen, Namen, Sinn, Gebärde, Gegenstände sind doppeldeutig, ebenso ist es die Sprache. Doppeldeutigkeit und Beschränktheit sind Ausdruck der "gebrechlichen Einrichtung der Welt", in der alle tragischen Motive Kleists wurzeln. Ein Vergleich mit dem Marionettentheater verdeutlicht die Stellung des Menschen zwischen Positivem und Negativem, Göttlichem und Dämonischem. Beide sind im Range gleich. Am Ende steht die Vernichtung oder die Gnade, über beide hat der Mensch keine Entscheidung. Er kann vom Unendlichen, dem Dämonischen oder dem Göttlichen, gewonnen, "besessen" sein, oder er steht zwischen beiden als Rechner, was unweigerlich zu Konflikten führt. Die Besessenen nennen die Menschen wahnsinnig. Der Findling ist ein Zeugnis der Besessenheit Kleists vom Dämonischen, ebenso sind es seine Selbstmordgedanken. Das ist aber nur die eine Möglichkeit Kleists.

603. Wolff, Hans M[atthias]: Heinrich von Kleists "Findling". Berkeley, Los Angeles: University of California Press 1952. S. 441-454. (University of California Publications in Modern Philology, Vol. 36, Nr. 13.)
Für eine frühe Entstehung des Findlings sprechen die chronologisch, nicht analytisch gestaltete Einleitung, der unversöhnliche Ausgang, Anklänge von Eigennamen und Motiven an das Erdbeben und die Verlobung, die feindliche Haltung zur Kirche. Dagegen sprechen die Parallele zwischen Colino und dem Grafen F. aus der Marquise von O., das Motiv der Empfängnis in Ohnmacht und das Doppelgängermotiv aus dem Amphitryon. Auf Grund dieser Widersprüche und weiterer Ungereimtheiten und unglaubhafter Zufälle im Laufe der Erzählung wird eine Urfassung des Findling konstruiert und abgedruckt, die alle in die spätere Zeit weisenden Motive ausläßt und nur das Thema der Vergeltung von Wohltaten durch Verbrechen enthält. Die späteren Zusätze entstanden unter dem Einfluß des Amphitryon und gehören der Königsberger Zeit an. Das Motiv der unbewußten Empfängnis verdrängte den Findling und wurde in der Marquise von O. ausführlich behandelt, der Findling durch Einführung des Kohlhaas-Motivs notdürftig zu Ende geführt.

Der Zweikampf

604. Conrady, Karl Otto: Der Zweikampf. Zur Aussageweise Heinrichs von Kleist. Der Deutschunterricht (Stuttgart), 1951, H. 6, S. 85-96.
Dramatischer Aufbau, Einteilung in 5 Akte, dramatische Fügung der einzelnen Sätze, Gebärdensprache. Zentrales Sinnbild sind die Wunden beider Kämpfer. Sie bezeugen einen zwar letztlich unbegriffen, aber doch objektiv existierenden Gott, der, sofern es sein Wille ist, durch das Gefühl zu den Menschen spricht. Der Entwicklung dieses religiösen Gedankens dient der kunstvolle dramatische Aufbau der Novelle.

Gedichte

605. Thiem, Susanne: Kleist und Schiller. Zwei Jugendgedichte. Zschr. f. dt. Philologie, Bd. 69, 1944/45 [ersch. 1947], S. 128-132.
Entstehung des Gedichtes "Hymne an die Sonne" und Vergleich mit Schillers "Hymne an den Unendlichen". Kleists Gedicht ist anschaulicher und im Gegensatz zu Schillers tiefergriffenem und religiösem Gedicht eine erhabene Naturhymne an das ewige Wunder der Sonne.

606. Guthke, Karl S[iegfried]: Ein Pseudo-Kleistisches Gedicht. Zschr. f. dt. Philologie, Bd. 76, 1957, S. 420-424.
Die Verse "Nicht aus des Herzens bloßem Wunsche" usw. sind aus dem Kleist-Kanon zu streichen. Beweis, daß nicht Kleist der Verfasser sein kann.

607. Klein, Johannes: Geschichte der deutschen Lyrik. Von Luther bis zum Ausgang des zweiten Weltkrieges. Wiesbaden: F. Steiner 1957. S. 445 bis 451: Heinrich von Kleist. - 2., erw. Aufl. Ebda. 1960.
Kleist, sonst eine Randerscheinung der Romantik, ist als Prophet der national-staatlichen Bewegung für die Geschichte der nationalen Wendung der deutschen Romantik epochemachend. Seine Gedichte gehören mehr als die aller Freiheitssänger zusammen zu den Ereignissen in der deutschen Lyrik. "Das letzte Lied" - eine Trauer- und Erdbebensymphonie - wird mit Georg Heyms Gedicht "Der Krieg" verglichen. Die Kühnheit der Bilder bei Kleist weist bereits auf den Expressionismus hin.

608. Kraft, Werner: Über ein Gedicht von Kleist. Neue Zürcher Ztg., 9. März 1957.
Katharina von Frankreich. Analyse.
Sembdner, H.: Neuentdeckte Schriften Heinrich von Kleist. [s. Nr. 639.] 1959. [Betr. "An unsern Iffland" u. "Der Jüngling an das Mädchen" (Ged.).]


Kleine Schriften

Anekdoten und Kurzgechichten

609. Kopp, Gerhard: Geschichte der deutschen Anekdote in der Neuzeit. Diss. Tübingen 1949. III, 237 S. [Maschinenschr.]
Historische Darstellung vom Humanismus bis zur neuesten Zeit. Kleists Anekdoten als Vorstufe und Kleinform seiner Novellistik. Höchstmaß an Prägnanz, Verdichtung und metaphysischer Tiefgründigkeit. Die Pointe liegt im Geschehen und der allgemeinen Atmosphäre, der Held steht in der Entscheidung.

610. Sembdner, Helmut: Eine wiederentdeckte Kleist-Anekdote. Euphorion, Bd. 45, 1950, S. 478-484.
Die von R. Steig als Bearbeitung einer fremden Vorlage aus den Werken ausgeschiedene Anekdote "Franzosenbilligkeit" wird als Originalbeitrag Kleists in den Berliner Abendblättern nachgewiesen. Die Quelle für diese Anekdote ist der "Nürnberger Korrespondent von und für Deutschland", der auch J. P. Hebel als Quelle seiner Anekdote gleichen Inhalts gedient hat. Kleists und Hebels Fassungen werden stilistisch miteinander verglichen. Was Kleist unter einer Anekdote verstand, wird an diesem Beispiel besonders deutlich.

611. Doderer, Klaus: Die Kurzgeschichte in Deutschland. Ihre Form und ihre Entwicklung. Wiesbaden: Metopen-Verlag 1953.
S. 21-22: Kleists Shakespeare-Anekdote als Musterbeispiel einer Anekdote.

612. Bender, Ernst: Schwank und Anekdote. Der Deutschunterricht (Stuttgart), 1957, H. 1, S. 55-67.
S. 60-64: Interpretation von Kleists Bach-Anekdote und der Anekdote aus dem letzten preußischen Kriege.

613. Pongs, Hermann: Die Anekdote als Kunstform zwischen Kalendergeschichte und Kurzgeschichte. Der Deutschunterricht (Stuttgart), 1957, H. 1, S. 5-20.
S. 8: Kleists Anekdote aus dem letzten preußischen Kriege führt die Anekdote zur hohen Kunstform. Interpretation.

614. Thiele, Herbert: Kurze Geschichten von Heinrich von Kleist für die Mittel- und Unterstufe. Der Deutschunterricht (Stuttgart), 1957, H. 1, S. 73-76.
Interpretation der Anekdote aus dem letzten preußischen Kriege, Zar Iwan Basilowitz und Mutterliebe bei einem wilden Tiere. [Vgl. Sembdner, Nr. 633.]

615. Geißner, Hellmut: Heinrich von Kleists Anekdote aus dem letzten preußischen Kriege. Deutschunterricht f. Ausländer, Jg. 9, 1959, S. 153-164.
Durch Reduktion auf eine Kurzform wird die epische Struktur der Anekdote bewiesen. Die Möglichkeit einer der Dichtung gerecht werdenden Wiedergabe wird durch Kritik an zwei Gestaltungen durch die Schauspieler Heinrich George und Ernst Ginsberg auf Schallplatten erörert und die Anekdote selbst mit graphischer Kennzeichnung der Aufbautechnik noch einmal abgedruckt.

Über das Marionettentheater

616. Bergel, Kurt: Rilke's Fourth Duino Elegy and Kleist's Essay über das Marionettentheater. Modern Language Notes, Vol. 60, 1945, S. 73-78.
Rilkes Beschäftigung mit Kleist. Die vierte Elegie enthält die Hauptgedanken des Marionettentheaters. Sechs Parallelen werden aufgeführt.

617. Joschkowitz, Isa: Zur Symbolik der Marionette (Kleist und Rilke). Auch ein Beitrag zur philosophischen Anthropologie. Die Erlanger Universität, Jg. 1, 15. Okt. 1947, S. 297-298 u. 1. Nov. 1947, S. 316-317.
Das Unbewußte und das unendlich Bewußte als verschiedene Möglichkeiten der Verwirklichung vollkommener Harmonie und als Pole der menschlichen Existenz. Vergleich mit Rilkes 4. und 8. Duineser Elegie und mit Schillers Schrift über "Naive und sentimentalische Dichtung". Die Problematik von Naivität und Reflexion als Schlüssel für das Verständnis der Menschheitsgeschichte.

618. Plügge, Herbert: Grazie und Anmut. Ein biologischer Excurs über das Marionettentheater von Heinrich v. Kleist. Analyse. Text. Hamburg: Claasen & Goverts (1947). 54 S., 1 Bl.
S. 7-44: Analyse; S. 45-54: Text.

619. Sturm, Vilma: Der Gliedermann. Betrachtungen über das "Marionettentheater". Rhein. Merkur, 15. Nov. 1947.
Das Marionettentheater als Kernstück aller Dramen. Das "Unendliche", durch das die Erkenntnis hindurchgegangen sein muß, um den verlorenen Urzustand wiederzugewinnen, liegt in der äußersten Erfüllung des Gesetzes, in einem unendlichen Gehorsam, wie ihn am deutlichsten Penthesilea, aber auch Käthchen und Homburg zeigen.

620. Merck, Heinrich: Die Kunst der Marionette. Hamburg: J. P. Toth (1948). (Hamburger Theaterbücherei. Bd. 7.)
S. 57: Kleists Marionettenaufsatz hat nichts mit Marionetten zu tun. Der Titel ist ein Deckname, der Inhalt scharfe Polemik gegen geistige Gespreiztheiten seiner Zeit. Stände nicht Kleists Name unter dem Aufsatz und der unglückliche Titel an der Spitze, keinem würde einfallen, Kleists Aufsatz Bedeutung für die Marionettenkunst beizulegen.

621. Rohrer, Amalie: Das Kleistsche Symbol der Marionette und sein Zusammenhang mit dem Kleistschen Drama. Diss. Münster 1948. 2 Bl., 124 S., 3 Bl. [Maschinenschr.]
I. Einleitung: Absetzung des Kleistschen Marionettensymbols vom romantischen. - Die Paradoxie der Kleistschen Marionette und ihre Symbolwertigkeit.
II. Hauptteil: 1. Voraussetzungen der Entwicklung des Kleistschen Symbolgehalts im Erleben des Dichters. (Der junge Kleist - die Kantkrise und ihre Überwindung.) 2. Interpretation des Kleistschen Aufsatzes "Über das Marionettentheater". Die Marionette als Symbol der "Unmittelbarkeit des Gefühls". - Die Marionette als Symbol "heroischer" Lebenshaltung. - Die Marionette als Symbol echter "Spiel"-Haltung und Genialität. - Analyse des "Spiel"- und "Genie"-Begriffs. - Vergleich mit dem Inhalt dieser Begriffe in den ästhetischen Schriften Schillers. - Erhellung einiger formaler Eigentümlichkeiten Kleists in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Symbol. 3. Interpretation der Kleistschen Dramen.
III. Schluß.
Die Marionette als Symbol des Kleistschen Glaubens wird zunächst durch eine Analyse des Aufsatzes selbst, im 2. Teil durch Kleists Dramen gedeutet. Die Marionette ist als Ausdruck unmittelbaren Gefühls Garant der metaphyischen Wahrheit und Organ der echten Wirklichkeitsauffassung. Zwischen dem Schwerpunkt der Marionette und dem Maschinisten besteht die gleiche natürliche Übereinstimmung wie zwischen Seele und Welt, die ebenfalls einander sinnvoll zugeordnet sind. Demütig-bescheidene Hingabe an die Wirklichkeit, der Glaube an das unmittelbare Gefühl und dessen letztliche Rechtfertigung werden als "heroische Lebenshaltung" bezeichnet, die den Kleistschen Menschen auszeichnet. Der heroische Mensch ist den Zufällen wie ein Seismograph ausgeliefert, auf dem der Weltgeist spielt. In der starken Reaktionsfähigkeit auf äußere Einwirkungen liegt die heroische Kraft, die Gesundheit und Lebensfülle der Kleistschen Helden. Aus dieser heroischen Haltung, der "Spiel"-haltung, wird die geniale Tat geboren. Spiel und Genie sind nicht mehr ableitbare Größen, sie haben ihren Ursprung in Gott. Wo der Mensch spielt, ist das Tragische überwunden. Die Erlösung der Bewußtseinsproblematik durch die Vision der Marionette, das credere aude der heroischen Lebenshaltung, ist das immer wieder aufklingende Thema im Tiefenbereich der Dichtung.

622. Dabcovich, Elena: Die Marionette. (Die Lösung eines künstlerischen und moralischen Problems durch einen technischen Gedanken.) Humanismus u. Technik, Bd. 1, 1953, S. 145-152.
Die Vorstellung der Marionette als vollkommener Verkörperung schauspielerischen Seins bei Diderot, Kleist und E. Gordon-Craig. Kleist abstrahiert von den spezifisch menschlichen Ausdrucksweisen und geht ausschließlich von der Bewegung aus. Beispiele einer vollkommenen Bewegung geben das Tier, die Prothese und die Marionette. Die Fähigkeit, der Auswirkung der Schwerkraft zu folgen, erzeugt die Grazie. Der Mensch kann zwar nicht die vollkommene Grazie des Tiers aus sich erzeugen, er kann aber die Prothese bzw. den künstlichen Menschen mit Hilfe der Technik bauen. Die Marionette bewegt sich nicht nur nach den Gesetzen der Natur, sie überwindet überdies die Natur durch die Technik und erlöst sie von dem Gesetz der Schwerkraft. Die Marionette ist zugleich vollgültiges Symbol der geistig-seelischen Situation des Menschen, die ihr anhaftende "Grazie" ist in diesem Zusammenhang als "Gnade" zu verstehen.
Auch Diderot fordert in seiner "Paradoxe sur le Comédien" eine möglichst vollkommene Ausschaltung der Individulität des Schauspielers, die ihn der Marionette annähert. E. Gordon-Craig entwickelt in seinem Buch "De l'art du théâtre" (Paris 1942) Diderots und Kleists Ideen, die Absage an den Menschen als "Natur" und den technischen Weg der Lösung weiter. Die neuere abendländische Schauspielkunst wird als unkünstlerische und verlogene Exhibition der Person abgelehnt. Im Altertum und Mittelalter bis zu Calderon ist die Bühne Symbol für die menschlichen Beziehungen zu Gott, das lebende Geschöpf Marionette göttlichen Ursprungs. Diderot, Kleist, Gordon-Craig verneinen, daß das neuere Theater das ursprüngliche und echte Verhältnis darstellt, und wollen durch die technische Verwirklichung der Marionette erst ein Theater schaffen, das diesen metaphysischen Bezug wiederherstellt, den das neuere Theater verdeckt hat. Nach dem Beispiel der Marionette ist die Technik nicht Apotheose des "autonomen" Menschen, sondern Mittel zu seiner Überwindung. Die Marionette als normative Idee hat nicht nur das neuere Theater beeinflußt, sondern der größte Teil des modernen Kunstlebens verläuft tatsächlich nach dem Schema der Einschaltung eines technischen Apparates zwischen Spieler und Publikum (Film, Fernsehen, Rundfunk).

623. Mester, Ludwig: Die Seele in der Bewegung. Deutung der Figuren "Puppe", "Tänzerin" und "Engel" bei Heinrich von Kleist, Paul Valéry und Rainer Maria Rilke. Die Sammlung, Jg. 8, 1953, S. 238-252.

624. Schuh, Johann: Für und wider das Bewußtsein. Die Pforte (Stuttgart), Jg. 5, 1953, S. 84-88.
Über Kleists Marionettentheater. Goethes und Schillers Stellungnahme zum Bewußtsein.

625. Bachmann, Claus-Henning: Das Ausgeruhtsein in einem Schwerpunkt. Kleists Marionettenessay, das Spiel mit Marionetten und der Mimus. Dt. Rundschau, Jg. 80, 1954, S. 1145-49.
Versuch, die Relationen zwischen dem Aufsatz Kleists, dem Spiel der Marionetten und dem Bereich des Theaters zu klären und voneinander abzusetzen.

626. Kunz, Josef: Kleists "Gespräch über das Marionettentheater". (Antrittsvorlesung Frankfurt, Mai 1953.) Zschr. f. dt. Altertum u. dt. Literatur, Bd. 85, 1954/55, S. 234-246.
Im Gegensatz zu eigenmächtiger Isolierung einzelner Motive wird Kleists Abhandlung zuerst als Ganzes interpretiert, ehe Einzelmotive gedeutet werden. Die Marionette bei Kleist ist das Symbol der Grazie (des rechten Gleichgewichts zwischen Freiheit und Bindung) entgegen Goethes Auffassung von der Marionette als Symbol der Erstarrung, wobei "Grazie" als säkularisierter Ausdruck von Gratia = Gnade zu verstehen ist; untersucht wird aber nur die natürliche Grazie. Der Verlust der Grazie (Anmut) als Audruck der Krise der geschichtlichen Situation gegen Ende des Jahrhunderts, die störende Funktion des Bewußtseins als Ursache, beunruhigte gleicherweise die Klassiker und Romantiker. Begründet wurde die Problematik des Bewußtseins mit der Zerstörung der Ordnung und mit dem Verlust der Naivität. Eine Untersuchung des Begriffes "Geist" in Kleists Aufsatz zeigt die Lösung des Denkens aus der Verschränkung mit dem Sein, wobei Geist als Forderung dem Sein entgegentritt. Nach Kleist muß echte Erkenntnis die Lösung des organischen Zusammenhangs von Geist und Sein auf sich nehmen. Kleist tastet sich zu einer neuen Existenzstufe vor: dem aus der naiven Bindung mit dem Sein Ausgestoßenen, der den Widerspruch zwischen Geist und Sein liebend auf sich nimmt und durchleidet. Kleist teilt den Gedanken der triadischen Aufgliederung der Geschichte mit andern Denkern, bleibt aber auf der zweiten Stufe, der durch Bildlosigkeit gekennzeichneten tragischen Differenz von Wesen und Wirklichkeit, Ganzheit und Vereinzelung, bewußt und bereit zum Gehorsam gegen die konkrete geschichtliche Situation stehen. Eine Betrachtung über den Zusammenhang von Aufsatz und Werk beschließt die Untersuchung.

627. Vietta, Egon [d. i. Egon Fritz]: Kleists Marionettentheater. Ein Gespräch, das kein Ende nimmt. Frankfurter Allgem. Ztg., 2. Juli 1955.
Betrachtungen über Josef Kunz' Antrittsvorlesung über das Marionettentheater [Nr. 626].

628. Matsuzawa Yoshiro: Kuraisuto no "ningyo-shibai ni tsuite" - Yosefu Kunsu no rombun no shokai. [Kleists "Marionettentheater". Einleitung von Josef Kunz' Essay. Japanisch.] The Journal of Literature and Linguistics (Toyama University), 1958, Nr. 8, S. 42-55.

629. Weigand, Paul: Thomas Mann's Tonio Kroeger and Kleist's Ueber das Marionettentheater. Symposium, Vol.12, 1958, Nr. 1-2, S. 133-148.
Der Gegensatz von Bewußtsein und Grazie in Manns "Tonio Kröger" wie in Kleists Essay lassen auf frühe Einflüsse der ästhetischen Theorien Kleists auf Thomas Mann schließen, die durch spätere Erwähnungen des Marionettentheaters und eine intime Kenntnis des Werkes Kleists bestätigt werden, ohne daß direkte Beweise einer Abhängigkeit erbracht werden können. Obwohl auch Einflüsse von Schillers Aufsatz "Über naive und sentimentalische Dichtung" anzunehmen sind, steht Kleists religiös fundierte Auffassung vom Wesen der Grazie in engerer Nachbarschaft zu Manns Darstellung der psychologischen Typen im "Tonio Kröger" als die Schillers, für den die Grazie eine moralische, also allein dem Menschen vorbehaltene Eigenschaft ist. Kleist und Mann betonen die negativen Aspekte des Bewußtseins, die zu Konflikten mit den Gesetzen der Natur und dem göttlichen Willen führen.

630. Stiasny, Kurt: Zu Heinrich von Kleists "Gespräch über das Marionettentheater". Die Leibeserziehung, 1959, [H.] 4, S. 110-115.
Überwindung des reflektorischen Moments und der daraus resultierenden Verfälschung menschlichen Seins durch stetige Leibeserziehung.

Phöbus

Mühlher, R.: Kleists und Adam Müllers Freundschaftskrise. Zwei ungedruckte Briefe Adam Müllers zur Geschichte der Zeitschrift "Phöbus". [s. Nr. 340.] 1948.

631. Baxa, Jakob: Die "Phoenix"-Buchhandlung. Ein Beitrag zur Kleist-Forschung. Zschr. f. Philologie, Bd. 75, 1956, S. 171-185.
Darstellung der Bemühungen Adam Müllers und Kleists um die Gründung der Phönix-Buchhandlung nach den im Ratsarchiv zu Dresden aufbewahrten Akten und des Kampfes des Dresdner Buchhandels gegen diese Gründung, der schließlich nicht nur dieses Projekt, sondern auch den Phöbus zum Scheitern brachte. Daß die Walthersche Buchhandlung den Verlag des Phöbus übernahm, erklärt sich aus den 50 adligen Subskribenten, die Kunden der Waltherschen Buchhandlung waren und den im voraus bezahlten Jahrgang des Phöbus bis zum Ende beziehen wollten. Die bis zum 7. Bogen von der Phönix-Buchhandlung gedruckte Penthesilea übernahm Cotta in Verlag, wovon wiederum die Arnoldische Buchhandlung in Dresden 50 Exemplare in Kommission nahm.

632. Samuel, Richard: Zur Geschichte des Nachlasses Friedrich von Hardenbergs (Novalis). Jahrbuch d. dt. Schillergesellschaft, Jg. 2, 1958, S. 301-347.
S. 321-326: Kleists Äußerung der von ihm geplanten Phönixbuchhandlung in Dresden sei von der Familie Hardenberg der Auftrag erteilt worden, "die gesamten Schriften des Novalis" zu verlegen, läßt sich nicht belegen. Der Gedanke könnte von Hans Georg v. Carlowitz, dem Bruder von Kleists Gönner Karl Adolf v. Carlowitz und intimen Freund Hardenbergs, ausgegangen sein. Die drei Gedichte Hardenbergs im Phöbus stammen teils aus dem Besitz von Dora Stock, teils von Graf Otto Heinrich v. Loeben, der Novalis-Reliquien sammelte. Die "Papiere, Briefe und Schriften" Hardenbergs, die nach einer Mitteilung Eduard v. Bülows 1808 an Rühle oder Pfuel gelangt sein sollen, wurden weder im Phöbus gedruckt noch sonst jemals aufgefunden.

Berliner Abendblätter

Sembdner, H.: Eine wiederentdeckte Kleist-Anekdote. [s. Nr. 610.] 1950.

633. Sembdner, Helmut: Neue Quellenfunde zu Kleists "Berliner Abendblättern". Euphorion, Bd. 45, 1950, S. 471-477.
Der "Nürnberger Korrespondent von und für Deutschland" als Quelle für Kleists Beiträge zu den Berliner Abendblättern: "Beispiel einer unerhörten Mordbrennerei", 2. Teil von "Wassermänner und Sirenen" und "General Westermann". Auch für die Anekdote vom Zaren Iwan Basilowitz wird als Vorlage eine bisher nicht ermittelte Zeitschrift angenommen, so daß die Anekdote wie die vorherigen Beiträge aus Kleists Werken zu streichen ist.

634. Victor, Walther: Kleist als Journalist. Neue dt. Presse (Berlin), Jg. 6, 1952, Nr. 10, S. 3-5.
Berliner Abendblätter, Gründe für ihr Scheitern.

635. Sembdner, Helmut: Kleine Beiträge zur Kleist-Forschung. 1. Kleist und Zacharias Werner. 2. Zur Datierung der Briefe an Rahel ud Reimer. Dt. Vierteljahrsschr. f. Literaturwiss. u. Geistesgesch., Jg. 27, 1953, S. 602 bis 610.
1. Der am 13. Nov. 1810 anonym in den Berliner Abendblättern erschienene, auf Werners "Vierundzwanzigsten Februar" hinweisende Beitrag wird Kleist zugeschrieben.
2. Umdatierungen von Briefen Kleists an Rahel und Reimer entgegen Minde-Pouets Datierungen in der Ausgabe des Bibliographischen Instituts.

636. Dippel, P. Gerhardt: Kleist und Börne als Journalisten. Neue dt. Presse (Berlin), Jg. 9, 1955, Nr. 4, S. 25-28. (Mit Bildnis.); dazu Walther Victor: Ebda. Nr. 6, S. 32-33.
S. 25-26: Berliner Abendblätter.

637. Pilz, Günther: Heinrich von Kleist und seine "Berliner Abendblätter". Berliner Heimat, Zschr. f. d. Geschichte Berlins, 1955, 2, S. 28-30. (Mit e. Faks. aus d. Berliner Abendblättern.)
Betrifft die Ausgabe "Berlinische Miniaturen" im Verlag Das Neue Berlin [Nr. 126].

638. Baxa, Jakob: Zuckernachrichten in Heinrich von Kleists "Berliner Abendblättern". Zschr. f. Zuckerindustrie, Jg. 6, 1956, S. 636-640.
Die zahlreichen Nachrichten über Zuckergewinnung und Zuckerpreise waren zur Zeit der Kontinentalsperre brennende Tagesprobleme und für Kleist eine willkommene Gelegenheit, indirekt gegen die napoleonische Fremdherrschaft Stimmung zu machen.

639. Sembdner, Helmut: Neuentdeckte Schriften Heinrich von Kleists. Euphorion, Bd. 53, 1959, S. 175-194.
10 Beiträge zu den Berliner Abendblättern, die bisher irrtümlich anderen Verfassern zugerechnet bzw. nicht beachtet wurden, können auf Grund von Stilindizien und Beziehungen zu Kleists Leben und Ideenwelt als Gelegenheitsarbeiten Kleists angesehen werden: Fragmente 1 und 2 (Bl. 61), Halle und Jerusalem (Bl. 76), Der Sohn durch's Ungefähr (Bl. 5), An unsern Iffland (Bl. 3), Der Jüngling an das Mädchen (Bl. 57), Anekdote (Bl. 62), Anfrage (Bl. 73), Warnung (Bl. 75), Über die Aufhebung des laßbäuerlichen Verhältnisses (Bl. 76).

640. Schauder, Karlheinz: Kleists Berliner Abendblätter. Eckart, Jg. 29, 1960, S. 283-284.
Anläßlich der Neuausgabe des Faksimiledruckes [Nr. 127].

KLEIST IN DER DICHTUNG

Gedichte

641. Nossack, Hans Erich: Kleist. (Ged. "O Zweifel, zehrend Gift, das uns gebraut...") In: Nossack, H. E.: Gedichte. Hamburg: W. Krüger (1947). S. 10.

642. Nossack, Hans Erich: Kleists Totenmaske. (Ged. "Dies ist die Frage: Hätt ich dich erkannt...") In: Nossack, H. E.: Gedichte. Hamburg: W. Krüger (1947). S. 52. - Auch in: Weltstimmen, Jg. 20, 1950/51, S. 566.

643. Brecht, [Berthold]: Über Kleists Stück "Der Prinz von Homburg". (Sonett.) In: Brecht, [B.]: Der Hofmeister. Von Jacob Michael Reinhold Lenz. (Bearb.) Berlin: Suhrkamp 1951. (Versuche. 25/26/35, [H.] 11.); Berlin: Aufbau-Verlag 1952. S. 88. [Zuerst 1939.]

644. Rousseau, Ina: Heinrich von Kleist. (Ged. "Als er sie fand, die arg verwundet an der Einsamkeit...") Christ u. Welt, 14. Juli 1960.

Dramen

645. Jungnickel, Rudolf: Heinrich von Kleists Tod. Ein dramatisches Gedicht in einem Prolog und 11 Bildern. Boppard A. Rh.: Verlag Die Pforte 1947. 87 S., 2 Taf. mit 6 Abb. (Prometheus-Dramenreihe d. Pforte. Bd. 1.) - Wiederabgedr. in: Jungnickel, R.: Gewissen und Gewalt. Neue deutsche Tragödien. Mit e. faks. Widmung von Gerhart Hauptmann u. e. Einf. von Hans Heyck. Coburg: Veste-Verlag (1954). S. 1-73.
Urauff.: Nordhausen, Stadttheater, 27. Okt. 1946.

646. Segelfalter, Sebastianus: Heinrich von Kleist. Soloszene in einem unveröffentlichten Drama. In: Segelfalter, S.: Die Vögel der deutschen Dichter. Eine heitere Stilgeschichte der deutschen Literatur in Variationen über ein altes Thema nebst einem gelahrten Anhang. Berlin-Grunewald: F. A. Herbig (1947). S. 32-33.
Eine karikierende Varrierung des Themas des Volksliedes "Kommt ein Vogel geflogen" in der Weise von 45 deutschen Dichtern. Szene zwischen Kleist im Halbschlaf und einer Drossel unter einem Fliederstrauch.

647. Wentscher, Dora: Heinrich von Kleist. (Aus dem II. Teil: Der Kampf ums Vaterland. Aus dem III. Teil: Vom letzten Uferrand.) - Mein Kleistbild. Die Verfasserin der biographischen Dichtung "Heinrich von Kleist" über ihr Werk und über ihren Helden. Neue dt. Literatur, Jg. 2, 1954, H. 5, S. 13-65 u. 66-70. [s. Nr. 648.]
Dramatische Szenen aus Kleists Leben. Das Nachwort legt über den Wandel der Auffassung der Verf. und über die Bearbeitung der in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg entstandenen ersten Fassung während der Zeit ihres Aufenthaltes in Moskau im zweiten Weltkrieg Rechenschaft ab.

648. Wentscher, Dora: Heinrich von Kleist. [Drama.] Weimar: Volksverlag 1956. 247 S.
Tl. 1: Der Kampf um den Kranz. Tl. 2: Der Kampf ums Vaterland. Tl. 3: Vom letzten Uferrand.
Der 1. Teil behandelt die Zeit in Potsdam, Frankfurt, Berlin, Dresden, Paris, Schweiz, Oßmannstedt, zweite Pariser Reise bis Boulogne, Okt. 1803, der 2. Teil Königsberg, französische Gefangenschaft, Dresden und endet mit Kleists Aufenthalt im Kloster der barmherzigen Brüder zu Prag, der 3. Teil die letzte Berliner Zeit bis zu Kleists Tod.
Bespr.: K. Liebmann: Börsenbl. f. d. Dt. Buchhandel (Leipzig), Jg. 124, 1957, S. 191. - R. Rothschild: Neue dt. Literatur, Jg. 5, 1957, H. 6, S. 153-155. - Der Sonntag (Berlin), 6. Jan. 1957. - Vgl. Wentscher, D.: Nr. 647.

649. Rehberg, Hans: Kleist. Drama in 3 Akten. Köln-Marienburg: Kiepenheuer & Witsch Bühnenvertrieb [1958]. 1 Bl., 92 S.
Behandelt die letzten Tage im Leben des Dichters.
Urauff.: Oldenburg, Staatstheater, 20. Dez. 1958.
Bespr.: N. Hampel: Nordwest Ztg., Oldenburger Nachrichten, 23. Dez. u. ö. - W. Hausmann: Weser-Kurier (Bremen), 22. Dez. - J. Jacobi: Der Tagesspiegel (Berlin), 28. Jan. 1959. - G. Schön: Hannoversche Allgemeine, 24. Dez. - Ders.: Schwäb. Landesztg. (Augsburg), 1. Jan. 1959 u. ö. - H. G. Sellenthin: Telegraf (Berlin), 7. Jan. 1959 u. ö.

Romane und Erzählungen

650. Schaeffer, Albrecht: Rudolf Erzerum oder des Lebens Einfachheit. Stockholm: Neuer Verlag (1945). 446 S., 1. Bl.
Die Handlung spielt auf Usedom im Spätsommer 1807; Kleist tritt als Nebenfigur auf.
Der Held, Wiener Schriftsteller und Diplomat, unternimmt eine Reise nach Usedom, um dort eine junge Dame kennen zu lernen, die ihm sein Vater als Frau bestimmt hat. Unterwegs trifft er Heinrich von Kleist, der dasselbe Ziel hat und vor den Franzosen aus Berlin geflüchtet ist. Auf Usedom begegnet Erzerum zufällig einem Engländer, den er in früheren Jahren kennengelernt hatte und zu dessen Freundeskreis auch Kleist gehört. Kleists Rolle in der Handlung sowie seine Worte sind frei erfunden.

651. Tabarelli, Hans von: Kleist bei Aspern. Neues Wiener Tagebl., 28. Jan. 1945.

652. Mayr, Rolf: Die Entdeckungsreise. In: Mayr, R.: Im Zeichen der Giganten. Novellen. Hamburg: Claassen & Goverts (1948). S. 75-88.
Behandelt Kleists Ende.

653. Röttger, Karl: Kleist. In: Röttger, K.: Das Buch der Gestirne. München-Leipzig: P. List (1948). S. 277-331.
Novellistische Behandlung der letzten Wochen vor dem Tode Kleists. Die Enttäuschung über den Niedergang der Berliner Abendblätter, Besuch bei Rahel und bei Henriette Hendel-Schütz, Liebe zu Marie von Kleist, Besuch in Frankfurt, Entschluß, mit Henriette Vogel zu sterben, und Tod.

654. Frommelt, Harry: Wannsee-Legende 1811. Zum 21. Nov. Berliner Hefte, Jg. 4, 1949, S. 449-452.

655. Handl, Joseph: Kleist. Roman. (2. Aufl.) Wien, Stuttgart: Humboldt-Verlag (1949). 278 S. [Zuerst 1938.]

656. Hohenstein, Lily: Ein Dichter auf Oßmannstädt. In: Hohenstein, L.: Besuch in Richterswil. Aschaffenburg: P. Pattloch (1949). S. 84-95. [Zuerst 1933.]
Kleists Besuch bei Wieland.

657. Molo, Walter von: Geschichte einer Seele. Der Kleist-Roman. (Vom Dichter durchges. endgültige Ausg.) Berlin, Stuttgart: Pontes-Verlag [1949]. 381 S. - Neue Ausg. u. d. T.: Ein Stern fiel in den Staub. Heinrich von Kleist. (Vom Dichter durchges. endgült. Ausg.) (Stuttgart:) Verlag Dt. Volksbücher (1958). 403 S. [Zuerst 1938.]
Bespr.: R. Michaelis: Stuttgarter Ztg., 25. Okt. 1958. - D. Rasmussen: Nr. 218. 1959.

658. Victor, Walther: "Der Traum." Skizze um Heinrich von Kleist. Neuer Tag (Frankfurt/O.), 22. Okt. 1952.
Dahlman und Kleist.

659. Seidenfaden Theodor: Heinrich v. Kleist, der Teufel und die Muse. Eine Anekdote. Nationale Rundschau (Karlsruhe), 17. Nov. 1956.

660. Bokelmann, Siegfried: Das Erdbeben. Erzählung um Heinrich von Kleist. Ostdt. Monatshefte, Jg. 24, 1957/58, S. 225-228.

661. Hecker, Jutta: Wieland. Die Geschichte eines Menschen in der Zeit. Weimar: G. Kiepenheuer 1958.
S. 180-190: Kleist bei Wieland in Oßmannstedt.

662. Heinemann, Albrecht von: Begegnung der Gestirne. In: Heinemann, A. von: Unbändiges Herz. Weimarer Novellen. Rudolstadt: Greifenverlag (1958). S. 5-64.
Novellistische Behandlung der Begegnung Kleists mit Goethe und seines Oßmannstedter Aufenthaltes.

Nachdichtungen der Werke

663. Bronnen, Arnolt: Michael Kohlhaas. Schauspiel nach der Novelle Heinrich von Kleists. Salzburg, Wien: Pallas-Verlag 1948. 96 S.

664. Oboussier, Robert: Amphitryon. Oper in 3 Akten und e. Vorspiel. Text frei nach Molière und Kleist vom Komponisten. Textbuch. (Mit e. Vorw. d. Verf.) Kassel, Basel: Bärenreiter-Verlag (1950). 47 S.
Urauff.: Berlin, Städtische Oper, 13. März 1951.

665. Wolf, Heinrich: Der Dorfteufel. Ein bäuerliches Lustspiel in 2 Bildern nach Motiven Heinrich von Kleists. Rotenburg a. d. Fulda: Deutscher Laienspiel-Verlag [1951]. 47 S. (Die Volksbühne. H. 19.)

666. Le Porrier: [Der Pferdehändler von Brandenburg. Dramat. Bearb. von Kleists Kohlhaas, aber ohne Namensnennung. 1957.]
Urauff.: St. Etienne bei Lyon, 1957; auch Wanderbühne Jean Dasté, 1958.
Bespr.: Bremer Nachrichten, 23. Okt. 1957. - Weser-Kurier (Bremen) 11. Jan. 1958.

667. Bloch, Waldemar: Das Käthchen von Heilbronn. Oratorische Oper in 3 Tln. [Textbuch.] Wien, Wiesbaden: Doblinger (1958). 28 S.
Urauff.: Grazer Sommerspiele, 21. Juni 1958.

668. Heinrich, Hermann: Amphitryon, eine Lustspieloper nach Heinrich von Kleist mit einem Vorspiel nach Molière. Texteinrichtung u. Übers. d. Vorspiels vom Komponisten. [Klavierauszug; photokop. Handschrift. Frankfurt a. d. O. 1956.] 1 Bl., 185 S. [Auskunft von Frankfurt a. d. Oder, Stadtarchiv.]
Urauff.: Magdeburg, Städtische Oper, Sept. 1958.
Bokelmann, Siegfried: Robert Guiskard. [s. Nr. 24.] 1959. S. 16-39.

669. Erbse, Heimo: Julietta. Opera semiseria in 4 Akten nach Heinrich von Kleist's Novelle "Die Marquise von O...". Textbuch. Frankfurt, London, New York: Litolff/C. F. Peters (1959). 56 S.
Urauff.: Salzburger Festspiele, Aug. 1959.

670. Henze, Hans Werner: Der Prinz von Homburg. Oper in 3 Akten nach dem Schauspiel von Heinrich von Kleist. Für Musik eingerichtet von Ingeborg Bachmann. [Textbuch.] Mainz: B. Schott's Söhne (1960). 32 S.
Urauff.: Hamburg, Staatsoper, 22. Mai 1960.

671. Zillig, Winfried: Die Verlobung in St. Domingo. Oper in 1 Akt nach der Novelle von Heinrich von Kleist. Klavierauszug [zugleich Textbuch] vom Komponisten. (Mit e. Vorw. von Winfried Zillig.) Kassel, Basel, London, New York: Bärenreiter-Verlag (1960). 2 Bl., 142 S.
Urauff.: Als Funkoper in einem Sonderkonzert des Norddeutschen Rundfunks, Hamburg, Großer Sendesaal, 26. Juni 1957.


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