Punktverlust: Vom (O.) zum (O)

Märkische Oderzeitung, Frankfurt, 22. 12. 2003
(aus: Kleist-Archiv Sembdner der Stadt Heilbronn, Zeitungsausschnittsammlung)


(MOZ) Die Posse um die neuen Ortstafeln geht weiter. Wie sich am Montag herausstellte, sind die Schilder tatsächlich mit dem verstümmelten Stadtnamen "Frankfurt (O.)" bestellt worden. Während man im Tiefbauamt diese Bezeichnung als offiziellen Namen verteidigt, gibt die Verkehrsbehörde Fehler zu. Richtig sauer ist Oberbürgermeister Martin Patzelt. Recherchen des Stadtboten zeigen: Eine einheitliche Schreibweise gibt es nicht.

"Willkommen in Frankfurt (O.)", titelte der Stadtbote am Sonnabend und berichtete über die neuen Ortstafeln, auf denen der Name der Stadt wieder nur verstümmelt geschrieben steht. Das städtische Tiefbauamt hat überraschend schnell reagiert - aber nicht unbedingt so, wie man es hätte erwarten dürfen: Seine Mitarbeiter schwärmten nämlich aus und kratzten emsig die kleinen Punkte ab, die auf jedem Schild hinter dem "O" standen. Autofahrer werden jetzt also auch dort, wo im Frühsommer die alten Tafeln gestohlen worden waren, wieder in "Frankfurt (O)" begrüßt.

Was schon rein orthografisch bedenklich ist. Einziger Unterschied: Der Zusatz "Zollgrenzbezirk" ist verschwunden, da er nicht mehr notwendig ist. Ein Schildbürgerstreich?

Steffen Mühlberg, Amtsleiter im Tiefbauamt, war sich keiner Schuld bewusst. "Mich ärgert dieser Rummel kolossal", schimpfte er und verteidigte die Schreibweise auf den neuen Tafeln. "Es gibt zwei offizielle Bezeichnungen für die Stadt, die auf Verkehrsschildern stehen dürfen: 'Frankfurt (Oder)' und 'Frankfurt (O)'. Der einzige Fehler war der Punkt hinterm 'O', und den haben wir entfernen lassen. Im Übrigen hat die Verkehrsbehörde die Schreibart angewiesen!"

Zwei offizielle Schreibweisen für Frankfurt? Ein Blick in die Hauptsatzung der Stadt zeigt eindeutig: Der amtliche Name lautet "Stadt Frankfurt (Oder)". Kein Schrägstrich, kein abgekürztes "O" - ob nun mit Punkt oder ohne. Genau dieser Name sollte auch auf den neuen Tafeln erscheinen, hatte Oberbürgermeister Martin Patzelt angewiesen. Gut ein halbes Jahr war auch Zeit, dies umzusetzen.

In der Tat gibt es an den Zufahrten nach Frankfurt verschiedene Schreib-Varianten. Allein in Rosengarten haben die Ortstafeln drei unterschiedliche Erscheinungsbilder (hier gibt es übrigens auch noch das "O" mit dem Punkt dahinter). Wer nach Güldendorf fährt, liest in der Güldendorfer Straße (aus Richtung Neuberesinchen) korrekt "Stadt Frankfurt (Oder)" auf einem alten Schild, während das neue aus Richtung B 112 nur noch das punkt-amputierte "O" in den Klammern führt. Auch in Pagram, an der Zufahrt von der neuen Ortsumgehung, ist der Stadtname richtig geschrieben. Bis auf die Eingänge zu den Ortsteilen fand der Stadtbote gestern nur eine korrekt beschriftete Tafel: In der Fürstenwalder Poststraße verkündet das gelbe Schild "Stadt Frankfurt (Oder)", wenngleich die Platzaufteilung darauf auch nicht unbedingt günstig gewählt worden ist.

OB Martin Patzelt hatte sich ursprünglich gewünscht, den Zusatz Kleiststadt, wie er von den Stadtverordneten beschlossen wurde, auf den Ortseingangsschildern zu lesen. Das ist aber rechtlich nicht möglich. Dass Mitarbeiter seiner Verwaltung nun aber nicht einmal die offizielle Schreibweise auf den Tafeln umsetzen können, ärgert ihn. "Fehler können passieren. Aber hier sind einige Leute scheinbar nicht mal in der Lage, die Hauptsatzung der Stadt zu lesen." Hinnehmen will er das nicht. Mit jedem Mitarbeiter werden durch den Vorgesetzten Beurteilungsgespräche geführt, die für die Personalentwicklung wichtig sind. Da müssten solche Fehler ausgewertet werden.


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